
© olden Matthews (Burkely Duffield) hat allen Grund zur Besorgnis. / (c) Freeform
Holden Matthews (Burkely Duffield) ist ein ziemlich durchschnittlicher Teenager in einer ziemlich durchschnittlichen amerikanischen Stadt im ziemlich durchschnittlichen Kansas. Er und sein bester Kumpel Kevin (Jordan Calloway) lieben es, die umliegenden Wälder per Motorrad zu durchstreifen und dabei über ihre Walkie-Talkies zu kommunizieren. Auf ihren Abenteuern nennen sie sich ganz heldenhaft „Falcon“ und „Deathstalker“. Ebenso schüchtern wie neugierig stellen sie sich vor, wie die Mädchen in der High School wohl aussehen werden.
A part of something bigger
Wie realistisch ihre Spekulationen sind, wird Holden nicht mehr erleben. Eines Nachts sieht er sich dazu gezwungen, vor Kevins älterem Bruder zu flüchten, der es auf sein Motorrad abgesehen hat. Die Verfolgungsjagd endet im Wald, wo Holden nach schmerzhaftem Sturz Bekanntschaft mit einem mysteriösen, gleißenden Licht macht. Von diesem Schock wird er sich erst zwölf Jahre später erholen, als er aus einem Koma erwacht, von dem seine Verwandtschaft längst angenommen hat, es würde sein gesamtes Leben in Anspruch nehmen.
Sein Genesungsprozess verläuft mirakulös, was von vielen nicht gerade beneidenswerten Kleindarstellern mit großem Staunen kommentiert werden muss. Bald darauf stellt sich allerdings heraus, dass dahinter tatsächlich eine übernatürliche Kraft steckt, die Holden mehr Schrecken als Freude einjagt. Nächtens wird er von Alpträumen heimgesucht, an deren Ende er in ebenjenem Waldstück aufwacht, in dem er einst ins Koma gefallen ist. Prominent vertreten in diesen Träumen sind eine junge Dame und ein alter Mann, die zunächst Unverständliches von sich geben.
Dass hier eine sinistre Macht am Werke ist, wird spätestens dann offensichtlich, als Holdens behandelnde Ärztin ihr Büro durchwühlt vorfindet. Die Polizei hat dafür keine Erklärung, stattdessen bekommt Holden im Klamottenladen seine erste Warnung. Willa (Dilan Gwyn), die mysteriöse Frau aus seinen Träumen, schreibt ihm da eine deutliche Botschaft auf den Unterarm. Viel damit anfangen kann er allerdings nicht, hat sich doch bisher keine echte Bedrohung offenbart. Als er jedoch das gesamte MRT-Labor zum Einstürzen bringt, begibt er sich erstmals auf Internetrecherche.

Weitere Hinweise auf eine Gefährdungslage bekommt er durch Kevin, der mittlerweile als Lehrer arbeitet und verheiratet ist. Der befindet sich in der Hand einer Organisation, deren Anführer sich in der Pilotepisode nur per verzerrter Stimme zu Wort meldet. Er beauftragt Kevin damit, Holden einzukassieren, was der aber nicht mit sich machen lässt. Stattdessen warnt er seinen besten Freund, was ihm das erste Nahtoderlebnis einbringt. Gerettet wird er schließlich durch Holden, dem es gelingt, seine neuen Kräfte gezielt einzusetzen.
Nothing short of a miracle
Wie dies genau funktioniert, bleibt bis zum Ende der Pilotepisode ein Geheimnis der Serie. Ein wenig Exposition liefert schließlich Willa, die Holden bei der Flucht vor seinen neuen Häschern hilft. Wirklich verständlich sind ihre Erklärungen allerdings nicht. Demnach habe sein Bewusstsein weitergelebt, während sein Körper im Koma lag. Aus dieser Zeit würden sie sich auch kennen, was bei Holden jedoch keinen Moment der Wiedererkennung auslöst. Stattdessen fühlt er sich so überrumpelt, dass er lieber die Flucht antritt.
Derweil bekommen wir von Willa weitere vermeintliche Aufklärung über den Erzählkomplex. Sie wird von einem alten Mann angeleitet, der die zweite Person aus Holdens Alpträumen ist. Er liegt scheinbar ohnmächtig im Bett und kommuniziert mit seiner Emissärin ausschließlich über SMS. Darin mahnt er große Dringlichkeit beim Entkommen vor ebenjener Organisation an, die Holden schnappen - und wohl auch umbringen - will. Welche Motivation ihn und seine Mitstreiterin antreibt, verharrt jedoch ebenfalls im dramaturgischen Dunkel.
Der fehlende Antrieb von Guten und Bösen ist denn auch mein größter Kritikpunkt an der Pilotepisode des neuen Freeform-Dramas Beyond. In den üblichen Kategorien liefert das Format nämlich solide Arbeit ab. Die Jungdarsteller können überzeugen, wobei sie von Industrieveteranen wie Michael McGrady und Romy Rosemont unterstützt werden. Das Drehbuch von Serienschöpfer Adam Nussdorf ist nicht elegant, lädt aber auch nicht zum Naserümpfen ein. Selbiges gilt für die Regie von Lee Toland Krieger. Herausgekommen ist ein ziemlich harmloses Sci-Fi-Abenteuer, das im Zeitalter von Peak TV wohl kaum hohe Wellen schlagen wird.