In der neuen BET-Dramedy Being Mary Jane spielt Gabrielle Union die Moderatorin Mary Jane Paul, die davon träumt, irgendwann einmal die gefragteste Sprecherin der Abendnachrichten zu werden. Gleichzeitig versucht sie, „Mr. Right“ zu finden.

Gabrielle Union als Mary Jane Paul in „Being Mary Jane“ / (c) BET
Gabrielle Union als Mary Jane Paul in „Being Mary Jane“ / (c) BET

Eine Fernsehmoderatorin auf der Suche nach „Mr. Right“? Klingt nicht gerade außergewöhnlich spannend und doch legte der einstündige Pilotfilm von Being Mary Jane eine ordentliche Premiere hin. Immerhin zwei Millionen Zuschauer schalteten auf den Spartensender BET, um den Anfang der Geschichte mit Gabrielle Union (FlashForward, „Bad Boys 2“) in der Hauptrolle zu sehen.

Being Mary Jane dreht sich um die selbstständige und erfolgreiche Fernsehmorderatorin Mary Jane Paul (Gabrielle Union), die sich um ihre weniger ehrgeizige Familie kümmert. Emotionales Drama und unvergessliche Momente entfalten sich, während Jane versucht, ihre Beziehungen, ihre Arbeit und ihre Familie unter einen Hut zu bekommen.

Weitere Rollen in der Dramedy übernehmen Richard Roundtree, Margaret Avery, Lisa Vidal, Richard Brooks, Omari Hardwick, Tika Sumpter, Raven Goodwin, B.J. Britt, Aaron Spears, LaTarsha Rose und Robinne Lee.

The United Charms of Gabrielle

Der große Reiz an Being Mary Jane, der neuen Serie der Schöpfer von Girlfriends und The Game, ist eindeutig Gabrielle Union. Die Schauspielerin ist vom ersten Moment in ihrer Rolle sympathisch und wird trotz ihrer Anwesenheit in jeder Szene der langen Episode nie langweilig. Von ihrem leicht bedepperten Gesichtsausdruck beim Chatten über die gemurmelten Selbstgespräche zu den tränenreichen Momenten bleibt es eine Freude, ihr zuzusehen.

Diese Sympathie wird vor allem auch dadurch genährt, dass die Serie Mary Jane recht häufig in alltäglichen Situationen zeigt, die man in anderen Serien gerne mal unter den Tisch fallen lässt. Mary Jane telefoniert, während sie auf dem Klo sitzt und hoppelt auf einem Fuß durch den Flur, um ihren Schuh auszuziehen.

Besonders die Sequenz, in der die Protagonistin vor ihrem Date mit dem Exfreund masturbiert, ist für ein solches Format durchaus ungewöhnlich. All diese sehr normalen Momente sind nur ein Bruchstück der Geschichte, doch dadurch, dass man sich dafür Zeit genommen hat, wird ihr und vor allem Mary Jane eine gewisse Echtheit und Menschlichkeit verliehen.

Durch diesen Realismus gelingt es der Serie außerdem, eine angenehme Balance zwischen Drama und Comedy zu finden. Abrupte Stimmungsumschwünge, eben oft durch solch „ernüchternde“ Momente, sorgen für einige Lacher. So geht man beispielsweise innerhalb weniger Minuten von sexy zu übermäßig romantisch über, nur um diesen Kitsch dann mit dem plötzlich loskotzenden love interest zu durchbrechen. Diese abrupten Wechsel verleihen Being Mary Jane dringend nötige Komik, denn ohne sie liefe die Serie Gefahr, zu soapig zu werden.

Being a cliché?

Eine gewisse Soapigkeit kann man sicherlich angesichts einiger Handlungsstränge unterstellen. Dass der eben erwähnte kotzende Mann sich kurz nach einer Liebeserklärung als verheiratet herausstellt, ist keine Weltneuheit der Serienwelt. Ebenso wenig: die in finanziellen Schwierigkeiten steckende Familie samt zum zweiten Mal schwangerer Teenagernichte. Allerdings werden diese Plots dank der Leistung der Hauptdarstellerin und der ausgewogenen Mischung aus Dramatik und Komik nicht zu dröge.

Leider gelingt es Being Mary Jane aber noch nicht so richtig, dass man sich für MJs Familie ausreichend erwärmt, um bei deren Leiden mitzufiebern, so wie man es bei ihr selbst tut. Wirklich sympathisch ist lediglich B.J. Britt als jüngerer Bruder Paul Junior. Es bleibt zu hoffen, dass man in den folgenden Episoden mehr Zugang zur Familie Patterson findet.

Etwas fragwürdig erscheint der nach der Einleitung des Piloten eingeblendete Text „42% of black women have never been married. This is one black woman's story... not meant to represent all black women.“ („42% aller schwarzen Frauen haben nie geheiratet. Dies ist die Geschichte einer schwarzen Frau... die nicht nicht alle schwarzen Frauen repräsentieren soll.“) Dieser scheint nicht so recht zum Ton von Being Mary Jane zu passen und spielt für die Handlung - abgesehen von einer Statistik, die man als Zuschauer offenbar ignorieren soll - keine Rolle.

Wie für BET nicht untypisch, ist der Pilot mit einem Soundtrack aus R'n'B und ein wenig Hip Hop unterlegt. Dieser passt ausgezeichnet zur Atmosphäre und unterstreicht hier und da auch die so amüsanten Stimmungswechsel. Mary J. Bliges ruhiges Lied „My Life“ begleitet zum Beispiel die noch entspannte, gesammelte Protagonistin, um dann mit Rihannas „Birthday Cake“ zur sich hektisch zurechtmachenden Mary Jane überzugehen.

Fazit

Mit Being Mary Jane hat man vor allem eins geschaffen: eine wahnsinnig sympathische Protagonistin, von der man gerne mehr sehen möchte. Gabrielle Union spielt eine schlagfertige, sehr menschliche Frau, mit der man nach einer Episode bereits besser mitfühlen kann, als mit einigen länger bekannten Charakteren anderer Serien. Schade ist es dabei nur um die Nebencharaktere, die ein wenig zu kurz kommen und es nicht so richtig in die Herzen der Zuschauer schaffen.

Für Freunde von Black Music stellt ein ansprechender Soundtrack ein weiteres Highlight der Serie dar, auch wenn dieser für Zuschauer mit anderem Musikgeschmack an einigen Stellen ein wenig zu speziell sein könnte. Perfekt dazu passen tut er aber allemal.

Der recht lange Pilot nimmt sich die Zeit, nicht nur die Hauptfigur in vielen Facetten einzuführen und einem näherzubringen, sondern auch zahlreiche Beziehungen sowie Konflikte aufzubauen, die das Potential für interessante Geschichten haben. Besonders am Ende überrascht die Episode mit einer Art emotionalen Ciffhanger, der zwei Welten zusammenführt und einen Anreiz gibt, die Serie weiter zu verfolgen.

Wer auf eine baldige Fortsetzung hofft, muss sich aber leider lange gedulden. Die volle Staffel mit acht Episoden soll nämlich erst im Januar 2014 auf BET ausgestrahlt werden.

Diese Serie passen auch zu «Being Mary Jane»