Beforeigners 2x06

© ars (Nicolai Cleve Broch) und Alfie (Krista Kosonen) in der Serie Beforeigners (c) HBO Nordic/Lars Olav Dybvig/ARD Degeto
In der HBO Nordic-Serie Beforeigners erscheinen aus unerklärlichen Gründen Personen aus der Steinzeit, der Wikingerzeit und dem 19. Jahrhundert im Zentrum von Oslo. Der Polizist Lars (Nicolai Cleve Broch) hat die umgeschulte Wikingerkämpferin Alfhildr (Krista Kosonen) mit „temporalem Hintergrund“ als Partnerin zur Seite gestellt bekommen und das ungleiche Ermittlerpaar wird alsbald in eine größere Verschwörung verstrickt.
Die Hoffnung, dass sich die zweite Staffel intensiver mit den kleinen Geschichten und der Interaktion unterschiedlicher gesellschaftlicher Aspekte rund um die interessante Prämisse beschäftigt, wird alsbald in der neuen Season aufgegeben: Das Ermittlerpaar bekommt es mit einem zeitreisenden Serienmörder, einer fundamentalistischen Sekte, einem angehenden Wikingerkönig, göttlichen Odin-Halluzinationen, mysteriösen Schlafstörungen, falschen Ermittlern, rabiaten Abtreibungsgegnern, außergewöhnlichen Superkräften, temporalen Zeitschleifen und vielem mehr zu tun. Man möchte meinen, dass die Folgenzahl somit aufgestockt wurde, aber auch die zweite Staffel umfasst erneut sechs Episoden.
Einige dieser neuen Entwicklungen funktionieren dabei außerordentlich gut. Die Möglichkeit eines zeitreisenden Jack the Ripper, der im Oslo der Gegenwart sein Unwesen treibt, ist grundsätzlich äußerst spannend. Leider wurde dieses Motiv jedoch schon unzählige Male in Science-Fiction-Stoffen verwendet und wirkt somit etwas abgedroschen. Da kann der Game of Thrones-Veteran Paul Kaye ähnlich faszinierend agieren wie in seiner Rolle als dortiger Thoros of Myr, verläuft sich aber etwas in den Geschehnissen. Das Finale in einer parallelen Gegenwart, hervorgerufen durch einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum, ist zwar eine durchaus spannende Trope in Science-Fiction-Serien, wirkt trotz wahrlich interessanter Einfälle jedoch äußerst überhastet. Ein unnötiger Twist, den die temporeiche Serie gar nicht gebraucht hätte.

Speziell die kleinen Geschichten rund um den Wikingerkämpfer Tore Hund (Stig Henrik Hoff), den neuen Lebenspartner von Lars' Exfrau Gregers (Kyrre Haugen Sydness), oder die Neckereien zwischen Alfie und ihrer Kollegin Wenche (Ragnhild Gudbrandsen) sind äußerst unterhaltend und würden für ein eher klassisches Procedural mit abgeschlossenen Kriminalfällen hervorragend funktionieren.

Lizenzstrategie der ARD Mediathek
Serienjunkies müssen sich weiterhin beeilen, wenn sie in der ARD Mediathek in den Genuss der Serie Beforeigners kommen wollen. Der ungewöhnliche und äußerst amüsante Mix aus Crime-Procedural, „Buddy-Cop“-Zeitreise- und Mystery-Serie ist wieder einmal nur in einem äußerst kurzen Lizenzfenster in der Mediathek zu sehen. Bis zum 4. April 2022, heißt es momentan online. Dieser Zeitraum könnte erneut - ohne Ankündigung - um einige Wochen verlängert werden, wie es bei der ersten Staffel bereits der Fall war. Bekannt ist dies zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht.
In der deutschen Synchronisation von Das Erste sprechen die Wikinger Altnordisch miteinander, was die sprachlichen Differenzen zwischen den Zeitmigranten und Norwegern der Gegenwart verdeutlicht. Eine komplette Originalfassung mit Untertiteln, um diesen interessanten sprachlichen Unterschied zu verfolgen, bleibt den Zuschauenden jedoch verwehrt. Selbst die Momente in englischer Sprache werden komplett auf Deutsch übersetzt, so dass die sprachliche Entwicklung rund um Alfie vollständig verloren geht.
Originalfassungen und unterschiedliche Untertitel sind mittlerweile eine Normalität bei den US-Streamingdiensten wie Netflix, Disney+ oder Apple TV+. Gehörlose Menschen können die Serie somit nicht schauen. Eine recht gute Audiodeskription für sehbeeinträchtigte Menschen wurde netterweise ebenfalls produziert und steht zur Auswahl.
Update: Deutsche Untertitel sind nun in der Mediathek vorhanden.
Fazit
Die norwegische Serie „Beforeigners“ ist weiterhin eine der kreativsten Wikingerumsetzungen im momentanen Valhalla- und Ragnarök-Hype. Gespickt mit der klugen Diskussion rund um Migration und temporaler Zuwanderung von Norwegern in Norwegen wäre ein Fokus auf diese spannende Thematik ausreichend gewesen. Einen so stark übergreifenden Plot mit dem zeitreisenden Jack the Ripper, samt komplexer temporaler Verschwörung, hätte die Rezensentin in der Season nicht in dieser intensiven Art und Weise benötigt.
Leider verstrickt sich die Handlung zu sehr in temporalen Mystery-Elementen und unzähligen Nebengeschichten. Mit Lars, Alfie und den interessanten Haupt-/Nebencharakteren bestehen ausreichend Alltagskonflikte der Zeitmigranten für eine kurze, sechsteilige Staffel. Fans von Zeitreise-Verschwörungen werden jedoch noch mehr Spaß mit der Staffel haben als mit den ersten sechs Episoden.
Die Bestellung einer dritten Staffel von „Beforeigners“ ist von offizieller Seite noch nicht bestätigt. Bei der familiären Offenbarung in den letzten Minuten ist eine Absetzung der Serie jedoch kaum denkbar. Eine romantische Annäherung zwischen Alfie und Lars ist nun ebenfalls ausgeschlossen...
Hier noch der Trailer zur zweiten Staffel der Serie „Beforeigners“:

Der perfekte „Wikinger-Spread“ für die U-Bahn.

Treffen mit dem One-Night-Stand der Tochter.

„Die neue Kollegin in der Redaktion“

Der alte Kollege im Paralleluniversum.

Odin?

Alfie (Krista Kosonen) und das Schlafwandeln.
Verfasser: Hanna Huge am Samstag, 12. März 2022(Beforeigners 2x06)
Schauspieler in der Episode Beforeigners 2x06
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?