Banshee 2x10

Der Banshee-Executive Producer Greg Yaitanes hat für Bullets and Tears wie bereits in der Vorgängerepisode Homecoming wieder einmal die Regie übernommen. Während es dem Routinier ausgezeichnet gelingt, die verschiedenen Schlagabtäusche imposant in Szene zu setzen, hätte er sich bezüglich der vielfachen Zeitsprünge etwas stärker zurückhalten sollen.
Zwischen Gegenwart und Zukunft
Die Tatsache, dass das Finale der zweiten Staffel von Banshee viele Ausflüge in die Vergangenheit absolviert, bringt sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich. Zum einen wird der Zuschauer hier auf hübsche Weise daran erinnert, was für ein gutes Team Lucas Hood (Antony Starr) - der ja jetzt noch nicht Hood heißt - und seine Ana (Ivana Milicevic) - die sich noch nicht recht mit dem Namen Carrie anfreunden kann - damals doch abgegeben hatten. Sehr schön manifestiert sich dies in einer beiläufigen Geste, mit der Lucas seine Freundin vor einem Schlag bewahrt. Inmitten des Kampfes gegen die Lakaien von „Fat Al“ macht die Handbewegung zudem einen extrem lässigen Eindruck.
Immer wieder Job
Auch die erste Begegnung zwischen Carrie und Job (Hoon Lee) ist den Serienverantwortlichen gelungen und bringt eine große Portion der Leichtigkeit in die Handlung, die so dringend als Gegengewicht zur ausufernden Gewalt benötigt wird. Neben Jobs verlässlich großartigen Statements („Baby. I hack the CIA, the FBI and the World Bank... I think I can probably cut some hair“) kann sich schnell auch Fat Al durch angemessen coole Sprüche à la „Seven guys with machine guns, and your plan was to stab them?!“ hervortun. So wunderbar wie das Timing dieser ungläubigen Feststellung ist auch der Zeitpunkt, zu dem Al und Job in der Kirche von Rabbits (Ben Cross) Priester-Bruder (Julian Sands) auftauchen, um die in Bedrängnis geratenen Protagonisten zu retten.
Verloren in der Zeit
Im Verlauf der ersten beiden Staffeln von Banshee dürfte man sich an den Deus ex Machina-Faktor gewöhnt haben, den man innerhalb der Serie gerne zugunsten des abgedrehten Irrsinns in Kauf nimmt. Weit störender als die wundersame Rettungen unserer Helden ist die Tatsache, dass man inmitten des Rückblenden-Bombardements zeitweise die Orientierung zu verlieren droht. Zudem sind die allzu zahlreichen Einblicke in die Zeit des fatalen Diamantenraubes vor 15 Jahren teilweise überflüssig. Anstatt erneut das Verhältnis zwischen Carrie und Lucas auszuleuchten, das doch bereits ausführlich in The Truth About Unicorns (2x06) veranschaulicht wurde, hätte man Job vielleicht lieber noch einen Kostümwechsel gestatten sollen.

The Walking Dead
Auf der anderen Seite wäre es ohne die Zeitsprünge kaum möglich gewesen, noch einmal in den Genuss von bereits verblichenen Charakteren zu kommen. Der Anblick des Albino (Joseph Gatt) stimmt hier ebenso nostalgisch - wenn man dieses Wort denn in Anbetracht der Gewaltorgien überhaupt verwenden darf - wie das Wiedersehen mit Christos Vasilopoulos' Olek. Während letzterer noch einmal die Gelegenheit bekommt, in einem ansehnlichen Boxkampf gegen Hood zu glänzen, stimmt der neuerliche Auftritt des FBI-Agenten Jim Racine (Zeljko Ivanek) eher betrüblich. Obwohl Ivanek auch in dieser Episode wieder einen verlockenden Charakter abgibt, wird man an dieser Stelle schmerzvoll daran erinnert, wie viel dramaturgisches Potential durch seine allzu frühe Exekution verschenkt worden ist.
New York
Die Tatsache, dass an einem spezifischen Ort keine Regeln gelten, wurde in Banshee schon wagemutiger verdeutlicht als durch die Diskrepanz zwischen einem Nichtraucherschild und quarzenden Chinesen. Obwohl das Setting von New York - inklusive vollständiger Skyline - einige hübsch-düstere Aufnahmen ermöglicht, mutet es doch skurril an, die Handlung der Serie für das Finale aus dem titelgebendenen Banshee wegzuführen. Allerdings ermöglicht dieser Ortswechsel erst einen vielleicht letzten Alleingang der beiden Protagonisten.
Dass aus Banshee insbesondere im Verlauf der zweiten Staffel mehr geworden ist als banales Gemetzel, hat die Serie nicht zuletzt ihren Schauspielern zu verdanken. Als Carrie und Hood im Zuge des herrlich übertriebenen Schusswechsels im Gotteshaus ihre Magazine entleert haben, lässt Regisseur Yaitanes inmitten des Sturms gekonnt Ruhe einkehren. Im vermeintlichen Moment des Abschieds bricht sich die gemeinsame Vergangenheit der beiden Helden in einem leidenschaftlichen Kuss bahn, wobei sowohl Starr als auch Milicevic gute Arbeit leisten. Sobald die beiden jedoch die Stadtgrenzen von Banshee überschritten haben, wartet auf Ana wieder ihr Leben als Carrie - und das scheint Hood in diesem Moment bewusster zu sein, als ihr selbst. Wenig später manifestiert sich noch ein zweiter Grund dafür, dass Lucas Carries Hand von der seinen löst: Siobhan Kelly (Trieste Kelly Dunn).
Glaubwürdigkeit
Fraglos hat der Umgang mit Siobhans Exmann die Polizistin und ihren Vorgesetzten zusammengeschweißt. Dennoch kann man den Grund für die Anziehung zwischen den beiden nicht in der Art und Weise nachvollziehen, wie es in Hoods Beziehung zu Carrie der Fall ist. Dementsprechend mangelt es dem romantischen Moment, in dem Siobhan Lucas das Sprechen beibringt, noch ein wenig an Überzeugungskraft. Allerdings ist Hoods neue Beziehung wichtig um zu rechtfertigen, dass er sich dazu entschließt, trotz des Risikos in Banshee zu bleiben. Inwieweit sich Lucas jedoch als Freund und nun auch offiziell als Vater für Deva (Ryann Shane), beweisen kann, wird sich zeigen.
Trotz aller gangstertypischer Marotten, wie beispielsweise dem Hang zum Aufschlitzen von Kehlen, macht der Mr. Rabbit von vor 15 Jahren im Umgang mit Hood und seiner Tochter doch einen recht verträglichen Eindruck. Rückblickend wäre es wünschenswert gewesen, Rabbits Abneigung gegen eine Beziehung zwischen seinem Ziehsohn und seiner Tochter besser zu erklären, statt diese Anwandlung lediglich als Feststellung („He is never going to let us be together.“) zu behandeln. Schließlich hätte ein Duo aus Ana und Mr. Unbekannt sicherlich eine starke Doppelspitze für Rabbits ukrainisches Unternehmen abgegeben...

Derweil in Banshee
Während es in New York zeitweise fast beschaulich zugeht, regiert in Banshee wie gewohnt das blutige Chaos, aus dem besonders Rebecca (Lili Simmons) wirkungsvoll heraussticht. Zum einen beschert sie den Zuschauern im Zuge ihres Mords am selbsternannten Thunderman Alex Longshadow (Anthony Ruivivar) eine überaus großzügige Portion Sex und Blut, wobei mit der grausigen Szene eine ausgeprägte Intensität einhergeht. Zum anderen vollbringt sie im Zusammenspiel mit ihrem frisch aus dem Gefängnis entlassenen Onkel Kai (Ulrich Thomsen) das Unmögliche, indem sie die unangenehme sexuelle Spannung zwischen den beiden noch einmal steigern kann. Es ist ein sehr cleverer Zug der Drehbuchautoren, dass es zwischen Onkel und Nichte noch immer nicht zu einem Kuss kommt. Denn auf diese Weise kann das Publikum auch in Staffel drei noch durch bedeutungsschwere Blicke und allzu intime Umarmungen gequält werden...
Fazit
Ach ja, und Emmett Yawners (Demetrius Grosse) und seine Frau Meg (Stephanie Northrup) fallen der Rache der Neonazis zum Opfer. Wahrscheinlich wird der erbarmungslose Doppelmord als Rechtfertigung dafür dienen, dass Hood sich auch in der nächsten Staffel noch einmal mit den Rechtsradikalen auseinandersetzen darf. Doch zum einen erscheinen die anstehenden Konflikte mit und innerhalb der Kinaho wesentlich vielversprechender. Besonders, weil man hier nicht nur mit Chayton Littlestone (Geno Segers), sondern vielleicht auch mit Nola Longshadow (Odette Annable) rechnen darf. Und zum anderen ist es doch wohl nicht zu viel verlangt, dass zumindest einer Figur aus dem Banshee-Universum der Hauch eines Happy Ends zuteil wird.
Obwohl Rabbit am Ende noch ein paar hübsche Weisheiten wie „There is a bench just like this waiting for you“ präsentiert und man durch seinen Abgang per Selbstmord durchaus überrascht worden sein dürfte, ist es doch eine Erleichterung, dass die Kaninchen-Saison nun endgültig vorüber ist. Denn ein Mangel an vielversprechenden, frischeren Handlungsmöglichkeiten scheint nicht zu bestehen. Dafür sorgen sowohl die Amischen als auch die Ureinwohner - und insbesondere Rebecca in all ihrem Facettenreichtum. Auch die Aussicht auf einen Reg E. Cathey (The Wire), der als Julius Bonner endlich tatsächlich zum Zuge kommen kann, stimmt optimistisch.
Die Rezensentin würde einem Hood als Siobhans gefühlsbetonten Freund und Vorzeigevater eher skeptisch gegenüberstehen. Doch nach diesem unterhaltsamen Finale, das trotz der einen oder anderen überschüssigen Rückblende eine packende Wirkung entfachen konnte, bestehen an einer solchen Prognose für den Protagonisten glücklicherweise berechtigte Zweifel. So darf man sich die Wartezeit bis zum Beginn von Staffel drei genüsslich damit vertreiben, sich auszumalen, welche Schandtaten der „Soldier Boy“ als nächstes aushecken wird. Stets im Namen des Gesetzes, versteht sich.
Verfasser: Thordes Herbst am Samstag, 15. März 2014Banshee 2x10 Trailer
(Banshee 2x10)
Schauspieler in der Episode Banshee 2x10
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