Banshee 1x02

Banshee 1x02

In der zweiten Episode von Banshee lernen wir nicht nur Lucas Hoods eiskalten Erzfeind genauer kennen. Neben einer Fülle von vielversprechenden Erzählsträngen erfreut die Folge durch eine potente Mischung aus Sex, Gewalt und Fingerfood.

Antony Starr als Sheriff Lucas Hood in „Banshee“ / (c) Cinemax
Antony Starr als Sheriff Lucas Hood in „Banshee“ / (c) Cinemax

Nach der vielversprechenden Pilotepisode von Banshee beginnt die Folge The Rave mit einem Exkurs in die kriminelle Vergangenheit des neuen Sheriffs.

Zurück in die Gegenwart

Der frischgebackene Lucas Hood (Antony Starr) ist in der Rückblende noch er selbst und als solcher im Diamantenraubbusiness tätig. Zusammen mit der - zu diesem Zeitpunkt noch Ana heißenden - Carrie Hopewell (Ivana Milicevic) wollte er damals seinen Boss Mr. Rabbit (Ben Cross) betrügen.

Im Einklang mit dem Wissen über den fatalen Ausgang des Raubzuges, der für Hood in einer 15-jährigen Haftstrafe resultieren sollte, tragen eine Reihe von Tiefenschärfenwechseln zu dem verhängnisvollen Flair dieser Sequenz bei. Nach diesen traumatischen Begebenheiten ist nicht weiter verwunderlich, dass sich Lucas Hood in der Gegenwart nach Kräften bemüht, seinen Erinnerungen zu entfliehen. Dabei schreckt er auch nicht vor einem intensiven Waldlauf in Sonntagsschuhen zurück.

Deva auf Abwegen

Im Anschluss werden eine Reihe von verschiedenen Erzählsträngen etabliert, die sich immer wieder überschneiden. Carries Tochter Deva Hopewell (Ryann Shane) schwänzt die Schule und stattet mit ihrem Freund Reed (Hunter Garner) und ihrer Freundin Beaty (Chelsea Cardwell) dem Haus von Hanson (Toby Leonard Moore) einen Besuch ab. Bei dem Gangster handelt es sich wiederum um einen der Beschäftigten vom umtriebigen Geschäftsmann und Unterweltboss Kai Proctor (Ulrich Thomsen).

Bong und Bier gehen in der heruntergekommenen Unterkunft ebenso ein und aus wie die Handlanger, die im Auftrag von Hanson die Droge Ecstasy herstellen. Devas aus jugendlichem Leichtsinn geborene Eskapaden werden durchweg mit stimmungsvoller Musik unterlegt, was der erzählerischen Dynamik durchaus zuträglich ist.

Dass es sich bei Hanson um einen Fiesling handelt, erschließt sich nicht erst aus seinem grobem Umgang mit dem Junkie Arno (Kristopher Kling), der ihm dabei hilft, ausgerechnet Kai Proctor zu hintergehen. Auch die lüsternen Blicke, mit denen Hanson Carries minderjährige Tochter taxiert, sprechen Bände. Moore leistet als garstiger Widerling gute Arbeit. Er kann seinem Charakter zu einem beachtlichen bedrohlichen Potential verhelfen, obwohl er vor Stereotypen nur so trieft.

Die Fülle der Charaktere

Bevor Hood sein Tagesgeschäft als Sheriff antritt, hat sich auf diese Weise bereits ein verlockendes Handlungsgeflecht aufgetan. Doch die Etablierung weiterer Erzählstränge reißt nicht ab. Obwohl sein Auftritt nur kurz ist, hinterlässt Hoon Lee in seiner Rolle der computerbegabten Dragqueen Job dank seiner spitzen Zunge („Go, get pregnant!“) einen bleibenden Eindruck. Auch Hoods Kollege Brock Lotus (Matt Servitto), der seine Abneigung gegen den Sheriff wider Willen nicht verbirgt, ist eine vielversprechende Komponente des Ensembles von Banshee.

Der Charakter von Hoods liebenswertem Vermieter, dem Gastronom und Exsträfling Sugar Bates (Frankie Faison), gewinnt ungemein an Vielschichtigkeit hinzu, indem er sich weder von Proctor noch durch Lucas Hood vereinnahmen lässt.

Lucas' Exkomplizin und Exgeliebte Carrie muss sich unterdessen nicht über einen Mangel an Beschäftigung beklagen. Neben ihrer pubertierenden Tochter, einem Job als Maklerin und dem verlockenden Exfreund steht auch ein mysteriöses Kampftraining auf ihrem Programm. Dank Milicevics handfesten Fertigkeiten sind die energischen Übungen optisch äußerst ansprechend.

Die Rache der Moodys

Die Brüder von Cole Moody, den Lucas in der Auftaktepisode von Banshee erschossen hatte, werden von Proctor treffenderweise als „they might be swimming in the shallow end of the gene pool“ beschrieben. Die einfach gestrickten Hinterwäldler sind mit ihrem Auftritt so auch kaum der Rede wert. Immerhin taugen sie aber dazu, Hood als furchtlos, schroff und ein bisschen wahnsinnig - aber gleichzeitig auch als Schutzpatron der Damenwelt - zu erkennen zu geben.

Der Faktor Skinemax

Sehr frontal wird der Charakter der Rebecca Bowman (Lili Simmons) in die Handlung geworfen. Sie passt mit ihrer Abneigung gegen Unterwäsche zu dem gern als Skinemax betitelten Sender Cinemax wie Busen in einen Softporno. Nach einer kurzen und wenig subtilen Einführung durch die Kamera führt ihre Erscheinung zwar nicht zu eindringlichen Dialogen - wohl aber zu einer ziemlich expliziten Sexszene. Später wird offenbart, dass es sich bei der verführerischen Frau um eine Amish handelt. Während die Inszenierung des neuerlichen Aufeinandertreffens zwischen Rebecca und Lucas zwar albern und vorhersehbar geraten ist, steuert Rebeccas religiöser Hintergrund doch einen interessanten Twist bei.

Anruf ins Jenseits

Ein schlichter Anruf auf dem Handy vom echten Lucas bringt ein weiteres Element in die ohnehin schon weit verzweigte Handlung. Inwiefern kann ein gewisser Jason dem falschen Hood gefährlich werden? Auch dessen nachvollziehbare Schwierigkeiten mit dem polizeilichen Papierkram könnten zu einer Bedrohung für seine gestohlene Identität werden.

Doch erst einmal kann sich Hood als Sheriff richtig austoben. Er stürmt eine illegale Raveveranstaltung, auf der Hanson seine verunreinigten Ecstasytabletten ans feierwütige Volk bringt. Während Devas Freund Reed an der fatalen Kombination aus Droge und Koffein zugrunde geht, kann Hood mithilfe seiner Kollegen ein paar von Hansons Handlangern dingfest machen. Als Bonus gibt es eine Runde ungewöhnlich textillastiges Schlammcatchen, aus der immerhin noch ein Todesfall resultiert.

What the... Finger!?

Kurz vor Schluss darf sich auch Proctor noch einmal von seiner düstersten Seite zeigen. In einer Sequenz, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt, bestraft er seinen Handlanger Hanson unvermittelt und konsequent für das Ravedebakel. Davon profitiert neben dem unheilvollen Ruf von Proctor auch dessen Rottweiler Preacher. Nach seiner lediglich aus einem Finger bestehenden Vorspeise darf das Tier seinen Hauptgang selbst zur Strecke bringen - „Fass!

In dem Namen Preacher schwingt dabei eine hübsche Referenz zu dem Amish-Hintergrund des eloquenten Gangsters mit. Auch die Szene, in der der „Release the hounds kind of guy“ Proctor hingebungsvoll sein blutiges Steak verspeist, während Hansons erstickte Schreie aus dem Garten erklingen, verströmt einen gehörigen Charme.

Fazit

Hood geht keiner noch so verhängnisvollen Konfrontation aus dem Weg - weder mit der Unterwelt noch mit seinen Kollegen aus der Polizei von Banshee. Der Typus des Cops, der die Gesetze selbst nicht immer beherzigt, ist nicht neu. Hoods Verhalten, das sein Kollege mit den pathetischen Worten „You cannot keep making up the rules as you go along“ tadelt, führt in der neuen Serie vom True Blood-Erfinder Alan Ball jedoch zu allerlei erquicklichen Situationen.

Leichte Ungereimtheiten wie die Tatsache, dass Carrie ihrer Tochter das Hörvermögen eines Jagdhundes zuzutrauen scheint, kann man vor dem Hintergrund der vielen vielversprechenden Erzählstränge durchaus verkraften.

Der Cocktail namens Banshee ist sicher nicht das Richtige für jeden Geschmack. Diejenigen Zuschauer, die Zutaten wie Action, Sex und grausige Brutalität der liebevoll-trashigen Art zu schätzen wissen, könnten mit der neuen Dramaserie jedoch einen wahren Leckerbissen gefunden haben. Und nach der Episode The Rave läuft dieser hartgesotteneren Klientel vor Vorfreude das Wasser im Munde zusammen.

Verfasser: Thordes Herbst am Montag, 21. Januar 2013
Episode
Staffel 1, Episode 2
(Banshee 1x02)
Deutscher Titel der Episode
Tödlicher Rave
Titel der Episode im Original
The Rave
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 18. Januar 2013 (Cinemax)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 18. Juli 2013
Autoren
Jonathan Tropper, David Schickler
Regisseur
S.J. Clarkson

Schauspieler in der Episode Banshee 1x02

Darsteller
Rolle
Ivana Milicevic
Ulrich Thomsen
Frankie Faison
Hoon Lee
Job
Rus Blackwell
Matt Servitto
Demetrius Grosse
Trieste Kelly Dunn
Ryann Shane
Daniel Ross
Ben Cross
Matthew Rauch

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