Das neue Martial-Arts-Epos Into the Badlands von AMC deutet in seiner Pilotepisode eine opulente Geschichte in einem fantasievollen Setting an. Die Höhepunkte stellen aber ohne Zweifel die hervorragenden Kampfsequenzen und der charmante Hang zur genretypischen Theatralik dar.

Die neue Martial-Arts-Fantasyserie „Into the Badlands“ feiert ihre große Premiere. / (c) AMC
Die neue Martial-Arts-Fantasyserie „Into the Badlands“ feiert ihre große Premiere. / (c) AMC

Wann hat das US-amerikanische Fernsehen zum letzten Mal eine klasssiche Martial-Arts-Serie gesehen? Das sehr spezielle Genre verfügt außerhalb des asiatischen Kontinents nicht wirklich über die allergrößte Fanbasis, ob nun in den Vereinigten Staaten von Amerika oder in Europa. Dem zum Trotz haben die Serienmacher Alfred Gough und Miles Millar ihr Drama Into the Badlands auf die Beine gestellt, das in seiner ersten Staffel gerade einmal über sechs Episoden verfügen wird. Interessant ist dabei, dass man das neue Format fortan am Sonntagabend mit der Ausstrahlung der sechsten Staffel von The Walking Dead paaren wird, was auf den ersten Blick etwas seltsam anmutet, stellt man doch automatisch die Kompatibilität dieser beiden Serien infrage.

Doch nach der Sichtung des Neustarts, der dem Zuschauer ein buntes Potpourri an Genres in Aussicht stellt, erkennt man schon eine gewisse Strategie hinter den Überlegungen von AMC. „Into the Badlands“ schreckt keinesfalls vor sehr deutlichen Bildern zurück und bewahrt sich aufgrund seines leichten Trashfaktors dabei einen gewissen Charm, der vergleichbar mit der Prämisse einer nicht aufhaltbaren Zombieapokalypse ist. So lässt sich eventuell doch eine Schnittmenge an Zuschauern finden, die von der neuen Serie angetan sein könnten.

Welcome to the Badlands

Den beiden Fernsehschaffenden Gough und Millar, die sich mit Martial Law bereits vor mehr als 15 Jahren an einer Martial-Arts-Serie probierten, ist ohne Frage eine interessante und allen voran sehr unterhaltsame erste Episode des Neustarts „Into the Badlands“ gelungen. Dies passierte übrigens mit der Unterstützung des umtriebigen Filmemachers David Dobnik („The Judge“, „Codename U.N.C.L.E.“) sowie zahlreichen Genrekennern und Martial-Arts-Spezialisten (für die Kampfchoreografien zeichnen die gleichen Personen verantwortlich, die unter anderem an Ang Lees Wuxia-Drama „Crouching Tiger, Hidden Dragon“ mitgewirkt haben).

Der Hauptgrund dafür ist wohl, dass sich Gough und Millar voller Inbrunst in das hier angepriesene Genre des Martial-Arts-Drama stürzen, diesem von Minute eins an treu bleiben und gleichzeitig durch ein paar clevere Ansätze das Ganze etwas auffrischen. Das absolute Prunkstück sind dabei zwei fantastische Sequenzen, in denen der Held der Geschichte seine besondere Fähigkeiten zur Schau stellen darf. Gerade in diesen Szenen beweist Regisseur David Dobnik sein Händchen für eine packende Inszenierung, die uns mitten ins außerordentlich gut choreografierte Getümmel befördert.

Daniel Wu als %26bdquo;Clipper%26ldquo; Sunny in %26bdquo;Into the Badlands%26ldquo; © AMC
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In a world without guns, fighting is an art

Gleichzeitig enftührt man uns in eine eigenwillige, rätselhafte Serienwelt, in der verschiedene Kulturkreise geschickt miteinander kombiniert werden und man wissbegierig jeden Informationsschnipsel zu diesem sehr überzeichneten Setting aufsaugt. Etwas problematisch wird es dann jedoch, wenn es eben nicht um wuchtige Actionszenen oder das world building durch die Autoren geht, sondern man sich einem auf dem Papier sehr simplen Drama widmet. Die Handlung vermag es in dieser ersten Episode von „Into the Badlands“ nämlich noch nicht wirklich, etwas Neues oder Originelles anzubieten, während sich viele der Dialoge und etablierten Konflikte sehr bekannt und einfach anfühlen. Die Faszination geht zunächst definitiv von den äußeren Merkmalen der neuen Serie aus, die mit Blick auf ihre substantielle Qualität noch einige Fragen offenlässt.

Die Prämisse von „Into the Badlands“ ist derweil recht schnell umrissen: Lose auf einer alten chinesischen Sage mit dem Titel „Die Reise nach Westen“ basierend, folgen wir hier clipper Sunny (Daniel Wu), ein treuer Lakai des mächtigen Barons Quinn (Marton Csokas). Sunny findet sich in einem Machtkampf zwischen verschiedenen Herrscherparteien in den tristen badlands wieder, in denen das Leben des einfachen Volkes von Totschlag und Unterdrückung bestimmt wird.

Einzige Hoffnung bietet die Anstellung und Ausbildung als gefühlskalte Tötungsmaschine - besagte clipper - bei einem der sieben Herrscher über diese trostlosen Ländereien, in denen Schusswaffen abgeschafft wurden. Als Sunny dann jedoch auf einen mysteriösen Jungen trifft, dessen Geschichte ihm ein Leben fernab der badlands sowie die Rückkehr in seine alte Heimat frei von Gewalt versprechen könnte, scheint der eigentlich so lehnstreue Kämpfer seine Rolle und sein bisheriges Dasein zu überdenken...

You're lost, stranger?

Wie man lesen kann, entwerfen Alfred Gough und Miles Millar in Into the Badlands eine sehr spezielle Fantasywelt, die den gemeinen Zuschauer zunächst einmal vor etliche Fragen stellen könnte. Wie sind die badlands genau entstanden? Wie kann man sich das Herrschaftssystem in diesen vorstellen? Was liegt hinter deren Grenzen? Anstatt uns mit zu viel ermüdender Exposition zu beladen (abgesehen von einem kurzen Voice-over zu Beginn), lassen die Macher ihre ganzen Mysterien erst einmal im Raum stehen und wählen den perfekten Ansatz, um uns mit dieser besonderen Umgebung vertraut zu machen: Sie lassen Dinge einfach ohne viele Worte passieren.

Dies beginnt mit einem großartigen Kampf zwischen Sunny und ein paar aggressiven Zeitgenossen, die von dem stoischen clipper ordentlich die Leviten gelesen bekommen. Die Choreografie ist schwungvoll und schockierend brutal. Dabei wirken die Szenen schon fast gewollt überzeichnet, genauso, wie man es von vielen vergleichbaren Genrefilmen gewohnt ist.

Auch im weiteren Verlauf der Episode fasst man sich immer wieder grübelnd an den Kopf, um eine gewisse Ordnung in das Setting der badlands reinzubringen. Dabei ist es jedoch zu Beginn recht irrelevant, wer wer ist, wer was plant und welche Bedrohung sich hinter welchem Namen versteckt. Die Macher wollen diese (bisher noch?) unerklärlichen Mysterien und als Zuschauer muss man sich darauf einlassen, ansonsten winkt man irgendwann irritiert und leicht genervt nur noch ab. Wenn man jedoch genügend Interesse mitbringt, kann man sich an einem ausgefallenen Rahmen für diese Geschichte erfreuen, bei der die Szenerie von ländlichen Plantageanwesen aus den amerikanischen Südstaaten bis tief in das 18. Jahrhundert auf den besonderen Flair der asiatischen Baukunst und verwinkelten Ortschaften trifft.

Nothing out there

Die Zusammenführung dieser beiden sehr konträren Aspekte macht „Into the Badlands“ visuell äußerst abwechslungsreich und das hier vorgestellte Setting auf sehr angenehme Art und Weise einzigartig. Es entsteht schon beinahe der Eindruck eines abgedrehten period piece, das wiederum durch die regelmäßigen Abstecher (wortwörtlich, möchte man meinen) in das Martial-Arts-Genre bereichert wird. Der finale, hervorragend gedrehte Schwertkampf im Regen ist ein gewaltiges set piece, das Erinnerungen an eine ähnliche Szene aus Kar Wai Wongs Martial-Arts-Film „The Grandmaster“ von 2013 weckt. Die Bewegungen fühlen sich unglaublich fließend an. Als Zuschauer wird man schlichtweg mitgerissen - von der fehlerfreien Inszenierung, den visuellen Spielereien sowie der blutigen Auseinandersetzung selbst, die dermaßen explizit ist, dass man überlegt, sich das Grinsen trotz ihrer Kurzweiligkeit besser doch schnell wieder aus dem Gesicht zu wischen...

Into the Badlands“ schafft es in der Summe all dieser Elemente zumindest äußerlich, etwas Frisches, Unverbrauchtes anzubieten, dass das Fernsehen in dieser Form zurzeit nicht wirklich für uns Zuschauer bereithält. Doch es muss auch etwas Kritik geübt werden: So viel Spaß nämlich auch das Drumherum von „Into the Badlands“ bereiten kann, so unsicher bin ich mir, wenn ich mir den Plot und die Geschichte des Dramas anschaue. Man zielt auf eine epische Erzählung ab, voll mit politischen Machtkämpfen, Intrigen und Verrat. Die Figuren wirken dabei in der Auftaktepisode wie recht durchschaubare Stereotypen, was mehr am Drehbuch als an der Besetzung liegt. Daniel Wu macht sich zum Beispiel ordentlich als Haupdarsteller, auch wenn seine Darbietung gelegentlich etwas hölzern wirkt, was sicherlich auch seinem wahnsinnig kühlen Charakter geschuldet ist.

Marton Csokas als Baron Quinn in %26bdquo;Into the Badlands%26ldquo; © AMC
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Darkness and fear

Marton Cscokas (Klondike) hat als „Baron“ Quinn unterdessen sehr viel Freude an seiner stark überzeichneten Schurkenfigur, was durchaus unterhaltsam ist. Wenn man dann aber eine Reihe von erzwungenen Konflikten einführt (Oliver Starks Ryder, Sohn von Quinn, als direkter Konkurrent von Sunny; Vater gegen Sohn im Kampf um das Familienvermächtnis; Verrat in den eigenen Reihen; Sunnys Liebesgeschichte um seine schwangere Angebetete), fühlt es sich so an, als würden sich die Serienmacher eventuell etwas zu viel aufbürden. Ganz zu schweigen davon, dass all dies recht generisch ist und schon viele Male zuvor im Fernsehgeschäft da war.

Ziel muss es nun sein, diesen potentiellen Konflikten einen originellen Ansatz zu geben, ansonsten könnte die Handlung zu vorhersehbar und langweilig werden. Etwas Spannung für die kommenden Episoden hat man sich zumindest schon einmal durch den jungen M. K. (gut gespielt von Aramis Knight) gesichert, der über besondere Fähigkeiten zu verfügen scheint und aus einer geheimnisvollen Stadt stammt, die auch Sunnys Heimat ist. Als Widersacherin, die hinter M. K. her ist, tritt hier Emily Beecham (The Village, „28 Weeks Later“) als nebulöse widow auf. Hier könnte sich eine interessante Abenteuergeschichte entspinnen, was jedoch abzuwarten bleibt.

Into the Badlands legt mit seiner Pilotepisode einen guten Start hin, der Lust auf mehr macht. Ich persönlich kann noch nicht wirklich einschätzen, in welche Richtung sich die Handlung bewegen wird, welche bewusst theatralisch und sehr dramatisch gestaltet ist. Hier muss jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden, ob er sich auf diese Art der Erzählung einlassen möchte, was wiederum auch für den gewagten Mix an verschiedenen Genres zutrifft, auf den die Serienschöpfer Alfred Gough und Miles Millar zurückgreifen.

Die sehenswerte visuelle Umsetzung, die allen voran in den tollen Choreografien zum Tragen kommt, und auch die sehr passende musikalische Begleitung geben „Into the Badlands“ neben den bisweilen atemberaubenden Kämpfen einen sehr hohen Unterhaltungswert. Jetzt bin ich gespannt, ob man über die nächsten Folgen eine fesselnde Geschichte erzählen kann, in der sich uns nicht nur diese verrückte Welt der badlands immer mehr erschließt, sondern auch die Charaktere eine packende Entwicklung durchmachen.

Serientrailer zu AMCs „Into the Badlands“:

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