Bad Sisters 1x01

© ad Sisters (c) Apple TV+
Als humoriger Thriller angekündigt, bringt die neue Apple TV+-Serie Bad Sisters die Geschichte des unnatürlichen Todes von JP auf die Mattscheibe. Unter der Feder der wunderbaren Sharon Horgan wird daraus eine urkomische, skurrile und clevere Serie über fünf Schwestern und ein unterhaltsames Lehrstück über Familienbeziehungen.
Wovon handelt die Serie Bad Sisters?
Als wir JP (Claes Bang) kennen lernen, liegt er bereits im Sarg. Im Wohnzimmer aufgebahrt, umgeben von seiner still trauernden Frau Grace (Anne-Marie Duff). Die blickt mit leeren Augen in die Ferne - bis sie die Posthum-Errektion ihres Gatten ansichtig wird. Es dauert keine fünf Minuten und die Serie Bad Sisters hat uns genau gezeigt, auf was man sich hier einlässt. Eine skurrile Serie, die vor wenig halt macht ohne dabei stillos zu werden.
Wer sind nun die Schwestern: Da hätten wir Eva (Horgan), die sich nach dem frühen Unfalltod der Eltern um ihre Geschwister gekümmert hat. Am Ende hat sie nun einen verantwortungsvollen Job, aber privat läuft es eher einsam in ihrem hübschen Haus auf den Klippen. Ein volles Haus mit Kindern und Ehemann hat Ursula (Eva Birthistle). Sie jedoch sucht das Leben in einer Affäre, was JP schließlich als Anlass zu grausamer Erpressung nutzt. Zu den Schwestern gehört auch Bibi (Sarah Greene), die mit ihrer Lebensgefährtin und Kind ebenfalls ein idyllisches Familienleben führt, jedoch ein alte Rechnung zu begleichen versucht, die sie ein Auge gekostet hat. Neben der bereist genannten Grace, der Ehefrau JPs, gehört noch die Jüngste im Bunde dazu, Becka (Eve Hewson). Sie ist für den anderen immer noch das Nesthäkchen und fühlt sich nicht ernst genommen. Von allen Schwägerinnen steht sie JP noch am wohlwollendsten gegenüber. Schließlich hat er auch angeboten, sie dabei zu unterstützen, einen Massagesalon zu eröffnen.
In zwei Zeitlinien erzählt Serienmacherin und Hauptdarstellerin Sharon Horgan von Tod JPs. Wir sehen alles, nur das eigentliche Ablegen bleibt im Dunkeln. Eine Zeitlinie setzt sechs Monate zuvor ein und offenbart wie die Schwestern nach und nach den Plan fassen, „the Prick“, wie sie ihren Schwager nennen, aus dem Weg zu schaffen. Lange braucht das Drehbuch nicht um ihn auch für uns als Zielscheibe der Abscheu zu etablieren. Geschmacklose Kommentare am Abendessentisch, rücksichtslose Unterbrechungen der Unterhaltungen anderer sind nur die Spitze des Eisbergs. JP steckt seine Energie scheinbar mühelos gleichzeitig darin, seiner Frau jede kleine Lebensfreude auszusaugen, seinen Schwägerinnen durch Erpressungen und Lügen das Leben zur Hölle zu machen und findet noch Zeit, Nachbarn Kindesmissbrauch unterzuschieben.
Also Mitleid mit dem Opfer ist Fehlanzeige. Doch was JP nun genau zustößt, wissen wir nicht, denn die ersten Episoden beschäftigt das Drehbuch sich damit, wie die Schwestern erfolglos und absurd versuchen, ihren Schwager aus dem Leben zu helfen.
Die zweite Zeitlinie setzt auf der Beerdigung ein und führt die beiden unterschiedlichen Claffin-Brüder ein, die von ihrem Vater ein eher schlecht als recht laufendes Versicherungsunternehmen übernommen haben. Um die Prämie für JPs Tod nicht auszahlen zu müssen, versuchen sie beweisen, dass dessen Tod von den Schwestern verursacht wurde. Während Thomas Claffin (Brian Gleeson) sich als Ermittler aufspielt, zeigt sich Matthew Claffin (Daryl McCormack) als beruhigender Einfluss. Bis er feststellen muss, dass die Frau, in die er sich verguckt hat, eine Garvey-Schwester ist.
Wie kommt es rüber?
Während es turbulent durch die Geschichte eilt, vergisst das Drehbuch nicht, immer wieder glänzende Momente zu liefern. Langweilig ist es nicht in der Story, die sich immer wieder anfühlt wenn man Little Fires Everywhere in die grüne Idylle Irlands verpflanzt. Und auch wenn die Serie in mancherlei Hinsicht von der Witherspoon-Kidman-Serie qualitativ abzufallen scheint, entwickelt sie über die Episoden einen ganz eigenen, unvergleichlichen Charme. Den kann man nur als Horgan-Faktor bezeichnen. Die aus anderen Produktionen der Irin bekannte Schnittstelle zwischen skurriler, furchtloser Komik und cleveren, vielschichtigen Frauenfiguren wird in Bad Sisters noch eine Lage Spannung hinzugefügt. Die Mischung funktioniert sehr gut und zieht uns direkt in die Welt, die eigentlich auch recht unübersichtlich sein könnte. Doch Cast und Drehbuch sorgen dafür, dass wir ohne nervende Übererklärungen in kurzer Zeit erfahren, was die einzelnen Schwestern ausmacht und sie sich als stark gezeichnete Charaktere festsetzen.
Untermalt ist die Story, die in Irland spielt, interessanterweise und sehr passend von einem Americana-Folk-Soundtrack. Ebenfalls prägend für den hohen Wiedererkennungswert der Serie ist die irische Landschaft, die sich immer wieder aus dem Hintergrund in die Wahrnehmung der Zuschauer:innen spielen kann.
Vorne dabei auf der Liste der Gründe, reinzuschauen, ist der schlaue Blick auf die manchmal komplizierten, manchmal super einfachen Beziehungen der unterschiedlichen und einander doch ähnlichen Schwestern. Wie man es von Horgan gewohnt ist, dürfen die Frauenfiguren ihre schillernden, absurden und manchmal überraschenden Facetten zeigen ohne in Schubladen gesteckt zu werden.
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Bad Sisters: Serientrailer
Verfasser: Loryn Pörschke-Karimi am Freitag, 19. August 2022Bad Sisters 1x01 Trailer
(Bad Sisters 1x01)
Schauspieler in der Episode Bad Sisters 1x01
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