Backstrom 1x01

© ast der Serie âBackstromâ / (c) FOX
FĂŒr CBS entwickelt und eingestampft und von FOX schlieĂlich wiederbelebt und auf den Bildschirm gebracht: Die Serie Kommissar Bäckström hat schon einen weiten Weg hinter sich gelegt, bevor uns nun die Pilotepisode prĂ€sentiert wird. Zumindest die legt nahe, dass es sich gelohnt hat. Rainn Wilson (The Office) kann in der Rolle des misanthropischen Ermittlers Everett Backstrom ĂŒberzeugen.
Wer ist dabei?
Das erste Bild der Serie Kommissar Bäckström ist die Aufnahme eines nackten Brustkorbs. Nicht wenige Krimiepisoden haben mit einer Ă€hnlichen Szene begonnen, in der Regel wird uns auf diese Art der Leichnam prĂ€sentiert, um dessen Geschichte es sich in den folgenden vierzig Minuten drehen wird. Doch der Brustkorb in dieser Pilotepisode atmet noch - es ist der der Titelfigur höchstpersönlich. Wir lernen Detective Backstrom in dem Moment kennen, als sein Arzt ihm aufzĂ€hlt, welche Wohlstandsgebrechen der Ermittler erwischt hat. Unrasiert und sich seiner ungesunden Lebensweise in keiner Weise schĂ€mend, steht Backstrom den wohlmeinenden RatschlĂ€gen seines Arztes gleichgĂŒltig gegenĂŒber. Und ergeht sich stattdessen lieber in rassistischen Beleidigungen.
Dabei hat der Arzt Wichtiges fĂŒr Backstroms Zukunft zu entscheiden. Nach sechs Monaten Strafversetzung zur Verkehrspolizei bekommt Backstrom nun die Möglichkeit, die Special Crimes Unit zu leiten, falls er den medizinischen Test besteht. Aus dem Behandlungszimmer heraus macht er sich auf den Weg zum ersten Tatort. Innerhalb der ersten zehn Minuten lernen wir Backstroms Team kennen. Der uniformierte Polizist Officer Frank Moto (Page Kennedy; Weeds, Desperate Housewives) hĂ€lt seinem Vorgesetzten den RĂŒcken frei. Er ist nicht gerade das Gehirn hinter der Operation, um es vorsichtig zu sagen, aber er springt immer ein, wenn Backstrom dank Zigarren und Bier physisch nicht mithalten kann - zum Beispiel bei der folgenden Verfolgungsjagd.
Zwei weitere Mitglieder der Einheit sind der charismatische Detective Sergeant John Almond (Dennis Haysbert; The Unit, 24) und die attraktive Detective Nicole Gravely (Genevieve Angelson, House of Lies). Ersterer ist einer der wenigen, die sich von Backstrom nicht irritieren lassen und von ihm im Gegenzug auch nicht beleidigt wird. Die beiden tolerieren sich auf interessante Art, Almond - gesegnet mit einer beeindruckenden PrĂ€senz, tiefer Stimme, charismatischer Erscheinung und groĂer Gelassenheit - erkennt das Ermittlungstalent seines Kollegen an und dieser revanchiert sich mit ungewohnter, stiller Akzeptanz.
Weniger einfach hat es seine Partnerin Nicole Gravely im Umgang mit dem mies gelaunten Detective. Sie ist stets adrett gekleidet, geht in allen Belangen den offiziellen Weg und glaubt an die Regeln. AuĂerdem lĂ€sst sie sich von den SprĂŒchen Backstroms immer wieder schnell herausfordern.
Doch am schlimmsten trifft es den forensischen Experten Sergeant Peter Niedermayer (Kristoffer Polaha; Ringer, Made In Jersey). Unendlich optimistisch, freundlich und immer mit einem Buddha-Zitat auf den Lippen ist er das ideale Ziel fĂŒr die Misanthropie seines Vorgesetzten. Doch davon lĂ€sst der Mann, der dazu auch noch auf sehr glatte Art Ă€uĂerst attraktiv ist, sich nicht aufhalten und gibt seinem Kollegen auch noch psychologische Tipps mit auf den Weg.
Eine besondere Rolle nimmt die zivile Mitarbeiterin Nadia Paquet (Beatrice Rosen, Cuts) ein, die von Backstrom zum Abendessen in seine Wohnung geladen wird. Doch es stellt sich wohl zur allgemeinen Ăberraschung heraus, dass es sich hier nicht um ein Date handelt, sondern um Backstroms Plan, seine vom Doktor gegebene Auflage zu erfĂŒllen, innerhalb einer Woche eine neue Freundschaft zu schlieĂen.
Doch das ĂŒberraschendste Mitglied des Casts ist der erwachsene Sohn des Ermittlers Valentine (Thomas Dekker, The Secret Circle), den er offenbar noch nicht allzu lange kennt und der jetzt bei ihm wohnt. Innerhalb der ersten zwei Minuten, die die beiden in der Pilotepisode zusammen verbringen, bezeichnet er die Mutter als Prostituierte, was vielleicht sogar wahr sein könnte, und seinen Sohn als Hehler und Dieb. Auch das scheint nicht so weit von der RealitĂ€t entfernt zu sein, denn sein Sohn ist ebenfalls sein bester Kontakt in die Unterwelt und hilft ihm mit Informationen, den Fall der Pilotepisode zu lösen.
Worum es geht
Innerhalb der ersten fĂŒnf Minuten beleidigt Kommissar Bäckström seinen Arzt rassistisch und erklĂ€rt einen Tod vom Selbstmord zum Mord, weil Ermittlungen in einem Gewaltverbrechen mit warmen Mahlzeiten fĂŒr die Polizisten verbunden sind. Die Serienautoren verlieren keine Zeit, uns die wichtigen Beziehungen innerhalb der Serie vorzustellen.
Kommissar Bäckström ist ein beleidigendes Arschloch, das den richtigen Instinkt, aber leider keine Rasierklingen hat. Er ist ein Detective der alten Schule. Nein, nicht der Gentlemen-Zeit, sondern der Zeit, in der es noch möglich war, offensichtliche Gesundheitsrisiken zu ignorieren und es als Zeichen fĂŒr Coolness galt, auf jeden Ă€rztlichen Rat zu pfeifen und dabei zu rauchen, schlecht zu essen, zu trinken und sich nicht weiter um die eigene Hygiene zu kĂŒmmern.
Als Zeichen seines guten Willens bereitet er sich einen Teller Brokkoli zu, von dem er zwei Bissen mit Bier runterspĂŒlt, bevor er unter dem Sessel landet, in dem Backstrom bis zum nĂ€chsten Mittag seinen Rausch ausschlĂ€ft. Er lĂ€sst keine Gelegenheit aus, seine Kollegen zu beleidigen und Zeugen und TatverdĂ€chtige ohne jeden Funken von Respekt zu behandeln.
Doch er ist auch begabt, gesegnet mit einer untrĂŒglichen Intuition, wenn es um Kriminalermittlungen geht. Er trifft die richtigen Entscheidungen und auch wenn er sie oft selbst als Zufall tarnt, wissen seine Kollegen, dass seine Trefferquote zu hoch dafĂŒr ist. Doch die FĂ€higkeit, sich in andere hineinzuversetzen nutzt er nicht nur, um Kriminellen auf die Schliche zu kommen, sondern auch, um alle um ihn herum zu beleidigen und zu erniedrigen.
Er ist der klassische Fall eines brillanten Arschlochs.
Dazu kommt ein ausgemachter Vaterkomplex, denn der alte Backstrom gilt zwar als legendÀrer Ermittler, hat seinen Sohn Everett jedoch unter anderem eine Narbe am Kopf verpasst.
In der Pilotepisode steht die Special Crime Unit vor einem RĂ€tsel: Der Sohn eines ranghohen Politikers wird tot an einer BrĂŒcke gefunden. In seinem Zimmer tauchen tausend DollarbĂŒndel und Heroin auf, es kommen einerseits eine geheime Beziehung mit einer Stripperin und andererseits Verwicklungen in dubiose Angelegenheiten hinzu. Der Fall der Episode ist nicht weiter erinnerungswĂŒrdig, doch genug angeres an der Geschichte funktioniert dafĂŒr umso besser.
Wie kommt es rĂŒber?
Everett Backstrom ist der neue Dr. House. Die Serienautoren geben sich keine MĂŒhe, das Vorbild der Figur zu verschleiern, auch wenn sie vermutlich gerne hören möchten, dass sie die Vorlage mutig auf die Spitze treiben, zumindest in Sachen Beleidigungen. Er hat mit Kriminellen und Hinterbliebenen zu tun, doch FeingefĂŒhl ist nicht sein Ding. Der vermeintlichen Freundin des Mordopfers, die ihm sagt, dass der Tote innerlich und Ă€uĂerlich wunderschön gewesen wĂ€re, antwortet er ungerĂŒhrt: „Nicht, als ich ihn das letzte Mal gesehen habe.“
So wie Dr. House stets glaubte, dass seine Patienten ihn anlĂŒgen, pflegt Kommissar Bäckström die Philosophie, dass Ermordete ihr Schicksal verdient haben, also etwas getan haben, was ihnen die eigene Ermordung eingebrockt hat.
Die Idee der Serie steht also von Anfang an auf der Kippe. OriginalitÀt ist bis jetzt Mangelware, mit herausragend interessanten KriminalfÀllen kann die Serie auch noch nicht punkten. Alles steht und fÀllt damit, ob die Schauspieler den Figuren Leben einhauchen können. Rainn Wilson schafft es, dass man Backstrom gleichzeitig verabscheuen, bemitleiden und heimlich mögen muss. Er ist ein rassistisches Arschloch, ganz klar, doch er ist auch bestechend ehrlich in einer Welt, in der das Mangelware ist.
Auch die anderen Figuren schaffen es bereits, Eindruck zu hinterlassen - zumindest so viel, wie man fĂŒr eine Pilotepisode von Nebencharakteren verlangen kann. Mit seiner geradlinigen Art formt er aus seinen Kollegen ein Team, dem man nicht so einfach zusetzen kann.
Fazit
Mit den Anspielungen auf Dr. House ist es nur stimmig, dass die Pilotepisode im Behandlungszimmer beginnt und auch quasi endet. Die Serie Kommissar Bäckström muss sich erst noch beweisen, doch als Geschichte fĂŒr Fans von misanthropischen, ĂŒberzeugend gespielten Charakteren dĂŒrfte es ein echter Tipp sein.
Promo zur Serie âBackstromâ:
Verfasser: am Freitag, 23. Januar 2015Backstrom 1x01 Trailer
(Backstrom 1x01)
Schauspieler in der Episode Backstrom 1x01
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