Babylon 5 1x23

Babylon 5 1x23

Feuerwerk, Versprechen, Abschluss und Neuanfang. Mit dem ersten Staffelfinale bewegt sich Babylon 5 endgültig auf episches Terrain und bereitet eine mehr als faszinierende Reise durch den Rest der Serie vor.

Szenenbild aus der Episode „Chrysalis“ (c) TNT
Szenenbild aus der Episode „Chrysalis“ (c) TNT
© zenenbild aus der Episode „Chrysalis“ (c) TNT

Was passiert?

Viel los auf der Station: Obwohl man sich eigentlich auf Silvester freut, geht es zwischen Londo und G'Kar mal wieder hoch her. Das Auftauchen von Mr. Morden verschärft die Situation zusätzlich. Dazu beginnt Delenn mit einer merkwürdigen Verpuppung, Kosh spricht wie so oft in Rätseln und öffnet seinen Anzug, das Raumschiff des Präsidenten wird angegriffen und ein Crewmitglied im Zuge seiner Ermittlungen schwer verletzt...

Dies & das

  • Zwei besondere Gaststars geben sich die Klinke in die Hand: Julia Nickson kehrt als Catherine zurück, Ed Wasser spielt den Mr. Morden. Für Wasser war es übrigens sogar der erste Auftritt als Morden, da seine zweite Episode erst später gefilmt wurde.
  • Bei der Erstausstrahlung in den USA fehlte bei einer Gartenszene ein digitaler Hintergrund, wodurch man in der Szene die Studiokulisse und ein „Exit“-Schild sehen konnte.
  • Die Episode wurde mitten in der Staffel gedreht, um Zeit für die Nachbearbeitung zu gewinnen.

Synchro-Anomalien

  • Die Episode ist durchweg klasse synchronisiert worden, einzig bei einem Satz von Vir machte man aus „alternate reality“ den „Hyperraum“ - nicht relevant, aber sonderbar.

Zitat

  • „Nothings's the same anymore.“ (Sinclair)
  • „And so it begins.“ (Kosh)
  • „It is important that we move on to create the world that Luis Santiago would have wanted for his children, my children, and for posterity yet to come. We will begin by focusing more on the needs of our own people to sustain them through this difficult time and prepare them for the tasks ahead.“ (Präsident „Donald“ Clark)

Nebelkerze

Zunächst zeigt sich die Episode unaufgeregt und präsentiert uns Geschehnisse, die zwar durchaus fesseln, aber nicht aus dem Rahmen des bisher Bekannten fallen. Doch weit gefehlt! Der Konflikt um einen Außenposten zwischen den Dauerstreithähnen Londo und G'Kar ist genauso wenig eine Randnotiz, wie auch der Satz eines sterbenden Informanten gegenüber Garibaldi ohne Konsequenz bleiben wird. Eindeutig: JMS hat alle Rohre laden lassen und plant den ersten großen Coup.

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Die alte Geschichte von Londo & G'Kar

Oft durften wir den Scharmützeln der beiden Botschafter beiwohnen. Hier nun eskaliert es jedoch auf unerwartete Weise. Der Streit um den Außenposten hätte im Normalfall vermutlich zu nichts geführt, wäre nicht Mr. Morden wieder aufgetaucht, den wir bereits von seiner „Was wollen Sie?“-Fragestunde aus der Episode Signs and Portents kennen.

Mit seiner Hilfe wird die kleine Stadt im All mit rund 10.000 Narn zerstört. Londo hat sich endgültig in die Fänge eines mächtigen Mannes begeben, dessen Hintergründe völlig unklar sind. Denn vielleicht ist Morden selbst auch nur ein Spielball? Am Ende spricht er mit zwei Wesen, die wir noch nicht kennen und die durchaus seine Auftraggeber sein könnten.

Londo wirkt derweil angemessen geschockt, dass sein Wunsch nach Hilfe durch Morden derartige Auswüchse angenommen hat. Doch schmeckt Macht eben auch süß - und sein Ansehen bei den großen Tieren auf Centauri Prime wird durch diesen Akt sichtlich steigen. Ein Scheideweg für die Figur, keine Frage.

G'Kar verlässt nach diesem Schlag konsterniert die Station, um die näheren Hintergründe zu erforschen. In seiner Weitsicht erkennt er jedoch bereits hier, an was für einem Wendepunkt die Geschichte mit dem ausklingenden Jahr 2258 steht.

Delenn macht ihr eigenes Ding

Kommen wir zu einem anderen Brandherd. Delenn wurde über die Staffel hinweg immer mal wieder durch ihre Zweifel gegenüber den Verfahrensweisen der Minbari definiert. Auch zog sie sich zuletzt freiwillig aus dem Grauen Rat zurück, obwohl man ihr dort den roten Teppich ausgerollt hatte.

Hier nun scheint sie entweder ein für ihr Volk typisches Verhalten an den Tag zu legen, oder - was sehr viel wahrscheinlicher ist - ein weiteres Puzzleteil ihres langfristig angelegten Plans zu forcieren. Schließlich hatte die junge Telepathin Alisa in der vergangenen Episode das Wort „Chrysalis“ in den Gedanken der Botschafterin sehen können...

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Dumm gelaufen: Eigentlich hatte Delenn noch dringend mit Sinclair sprechen wollen, doch halten diesen die diversen Krisen zu lange von einem Besuch im Quartier ab und am Ende befindet sich die Botschafterin bereits in einem Kokon. Was daraus wird, ist zu diesem Zeitpunkt völlig unklar.

Erwähnenswert bleibt aber noch, dass Delenn ihren Attaché Lennier mit einer uns unbekannten Frage zu Kosh schickt, die dieser mit einem „ja“ beantwortet. Ungewohnt konkret für den Vorlonen, oder? Daraufhin geht Delenn sogar noch selbst zu Kosh und darf sehen, was sich unter dessen Schutzanzug versteckt. Gemeinerweise ist es uns jedoch (noch) nicht erlaubt, einen Blick zu erhaschen.

Santiago, Garibaldi, Sinclair, Catherine und Co.

Garibaldi hat in der Zwischenzeit ebenfalls alle Hände voll zu tun. Der eingangs angesprochene Informant stirbt ihm unter den Fingern weg und hinterlässt eine unklare Botschaft. Mit dem Auftauchen von einem gewissen Deveraux verdichten sich dann die Hinweise, dass hier ein ganz großes Ding am Laufen ist. So kommt der Sicherheitschef der Verschwörung auch Schritt für Schritt näher und muss erkennen, dass das Ziel kein geringerer als Präsident Luis Santiago ist, der zu Beginn der Staffel vereidigt wurde und sich nun auf einer Rundreise befindet, um für den Zusammenhalt zwischen Menschen und fremden Völkern zu werben.

Als Garibaldi die Zusammenhänge erkennt, ist er jedoch bereits in eine Falle geraten. Ein Mitglied seines Stabs (das wir bereits mehrmals gesehen haben) erschießt ihn hinterrücks. Schwerverletzt schleppt sich der tapfere Sympathie- und Geheimnisträger noch mitten hinein in eine Silvesterparty, kann das Drama aber nicht mehr aufhalten. Die Earth Force One explodiert und der Präsident ist tot.

Für Garibaldi-Fans bleibt an dieser Stelle nur das bange Warten. Er liegt im Koma auf der Krankenstation - und der Mann, der auf ihn schoss, ist zur Bewachung eingeteilt (und hatte vorher noch schnell Deveraux aus dem Weg geräumt).

Was für ein Glück zumindest, dass der Vizepräsident aufgrund eines vorübergehenden Unwohlseins nicht mit an Bord des explodierten Schiffs gewesen war und nun auf die Schnelle zum neuen Anführer der Erdallianz vereidigt wird. Was dieser Präsident Clark dann in seiner Antrittsrede sagt, klingt nicht nur verdammt nach Donald Trump und seinem „America First“, sondern bringt direkt die ganze Mission von Babylon 5 ins Wanken. Die Erde möchte nun wieder mehr auf die internen Probleme schauen und den Kontakt mit fremdem Völkern weniger forcieren. Wie wird sich diese Entwicklung auf die Station auswirken?

Bei all diesen heißen Verwicklungen gerät die Geschichte um Sinclair und Catherine fast zur Nebensache. So schön es ist, dass die beiden sich nach 15 Jahre On/Off-Beziehung doch noch finden könnten, so wenig Platz wird dem Drumherum hier eingeräumt.

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Eigentlich war es nur der erste Teil...

Was für ein Ritt: Santiago tot, Garibaldi im Koma, Delenn in einem Kokon, Londo mit dem Teufel im Bunde und Sinclair vor der Hochzeit mit Catherine. JMS packt alles in die letzte Dreiviertelstunde, was er noch sagen wollte und öffnet somit eine Büchse, die Pandora vor Neid erblassen lässt.

Der zweite Teil dieses Feuerwerks hätte qualitativ so oder so einen schweren Stand gehabt. Doch Moment mal. Wieso „hätte gehabt“? Nun ja - Wie bereits oben erwähnt, drehte man die Episode sehr frühzeitig. Dadurch konnte man leider nicht mehr auf die Umbesetzung auf dem Kommandosessel reagieren. So eindeutig die Episode also offiziell als „Part 1“ gedacht war. JMS musste dann - wie so oft - reagieren und improvisieren. Doch für den Moment schadet das diesem kleinen Meisterwerk in keiner Weise.

Technisch betrachtet

Die lange Produktionszeit zahlte sich damals definitiv aus. An allen Ecken gibt es tolle Effekte zu bestaunen. Der dramatisch-atmosphärische Score tut sein Übriges. Hier zeigt die Serie, was Anfang der 1990er Jahre mit kleinem Geld und viel Hingabe alles möglich war.

The Reviewer's Wife

Booom! Sie war begeistert und geschockt, was die Serie hier alles vom Stapel ließ und wie viele offene Enden die Autoren präsentierten. Als schließlich kurz nach dem Abspann die Frage „Wann geht's weiter?“ kam, wusste ich, dass ein erster Meilenstein geschafft war. Gebt es an alle Presseagenturen raus: Die Frau des Rezensenten ist offiziell an Bord.

Gib dem Kind einen Namen

Chrysalis: Der Titel ist in beiden Fassungen identisch und zielt natürlich in erster Linie auf Delenns Metamorphose ab, kann aber auch definitiv als Gesamtbetrachtung des Staffelendes herangezogen werden, wenn man Sinclairs letzten Satz und auch Koshs Anmerkung bedenkt. Nichts wird jemals wieder so sein wie zuvor.

Fazit

Stark! Die Serie feuert am Ende des ersten Jahres aus allen Rohren und definiert die eigene Dramatik vollkommen neu. Es brennt lichterloh an allen Ecken, die Figuren geraten gemeinsam mit ihrem Universum aus dem Gleichgewicht und niemand kann sagen, wie das alles weitergehen wird. Somit ist das Finale ein selbstbewusstes Statement für die Klasse der Serie sowie Versprechen und Auftakt für einen Qualitätssprung mit Beginn des zweiten Jahres. Keine Frage: JMS denkt in großen Dimensionen und liefert einen ersten Vorgeschmack auf das ab, was man später als endgültigen Beginn der großen Gesamtgeschichte bezeichnen wird.

Ein paar Worte noch in eigener Sache. Das Rezensieren von „Babylon 5“ und eure Kommentare dazu machen mir riesigen Spaß. Vielen Dank euch allen! Außerdem sind Retro-Reviews generell eine tolle Art, in Erinnerungen zu schwelgen und vergleichend zu diskutieren. Dennoch muss natürlich auch die rein ökonomische Betrachtung durchgeführt werden. Hier zeigt sich, dass Babylon 5 zwar eine sehr treue Leserschaft anlockt, jedoch keine riesengroße. Aus diesem Grund müssen wir bei Serienjunkies.de nun überlegen, wie es mit dem Thema weitergehen kann. Ich plane in nächster Zeit die Rezension zu „The Catering“ nachzureichen. Bei dieser Gelegenheit wird es dann vielleicht auch einen neuen Stand bezüglich einer möglichen Fortsetzung ab Staffel 2 geben. Stay tuned!

Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 10. Dezember 2017
Episode
Staffel 1, Episode 23
(Babylon 5 1x23)
Titel der Episode im Original
Chrysalis
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 26. Oktober 1994 (TNT)

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?