Babylon 5 1x21

Babylon 5 1x21

Ein ziemlich irrer Ritt: Mit einem Blick in die Vergangenheit und Zukunft, politischen Irrungen und Humor feuert Babylon 5 aus allen Rohren und biegt mit der Episode Babylon Squared spannend auf die Zielgerade der ersten Staffel ein.

Szenenbild aus der „Babylon 5“-Episode „Babylon Squared“ / (c) TNT
Szenenbild aus der „Babylon 5“-Episode „Babylon Squared“ / (c) TNT
© zenenbild aus der „Babylon 5“-Episode „Babylon Squared“ / (c) TNT

Was passiert?

Während Delenn sich mit Karrierefragen plagt, taucht die einst verschwundene Station Babylon 4 wieder auf, was Sinclair zu einer hektischen Evakuierung veranlasst. Doch findet man an Bord auch noch ein mehr als sonderbares Alien...

Dies & das

Dies ist der erste Auftritt von Zathras alias Tim Choate.

Babylon 4 ist im Vergleich zu Babylon 5 eher grünlich und auch etwas anders aufgebaut.

Synchro-Anomalien

Zwei ärgerliche Fehlerchen: Die Unterhaltung zwischen Sinclair und Garibaldi, ob man bei der Hose zuerst Knopf oder Reißverschluss schließt, wurde zu einem Austausch darüber, mit welcher Hand man den Reißverschluss schließt. Nun ja - das ist vermutlich abhängig davon, ob man Recht- oder Linkshänder ist, liebes Synchronstudio. Dann erkannte man - vermutlich aufgrund eines unklaren Drehbuchs - nicht, dass am Ende Delenn Sinclair die Hand auf die Schulter legt. Dies hört man im Original jedoch eindeutig an der Stimme und wird später wieder aufgegriffen.

Zitat

They do not seek conformity. They do not surrender. Out of their differences comes symmetry, their unique capacity to fight against impossible odds. Hurt them, they only come back stronger. The passions we deplore have taken them to their place in the stars and will propel them to a great destiny. Their only weakness is that they do not recognize their own greatness. They forget that they have come to this place through two million years of evolution, struggle, and blood. They are better than they think, and nobler than they know. They carry within them the capacity to walk among the stars like giants. They are the future, and we have much to learn from them. (Delenn über die Menschen)

Teaser-Alarm!

Der Teaser gelingt in dieser Episode optimal: Von dem charmanten Streich über die lapidare Information, dass Ivanova einen Aufklärer geschickt hat, um erhöhte Tachyon-Emissionen zu überprüfen bis hin zur Reaktion dieses Mannes in seinem Starfury („Noooooo!“) spult Autor JMS hier alles ab, was einen runden Anheizer ausmacht: sympathische Figuren und Suspense. In solchen Momenten spielt dann auch der mit jedem Jahr dramatischer werdende Vorspann seine Kraft am besten aus. Man denke hier vergleichsweise an die zweite (Calypso-)-Version des Vorspanns von Star Trek: Enterprise, die es problemlos schaffte, jeden Teaser direkt wieder ins Koma zu befördern...

Babylon Forever

Die Geschichte der Babylon-Stationen liefert insgesamt einen wunderbaren Rahmen für die atemlosen Geschehnisse dieser Episode. Während die ersten drei Stationen Sabotageakten zum Opfer fielen, verschwand die vierte kurz nach der Fertigstellung auf unerklärliche Art und Weise.

Nun ist eben diese Station jedoch nach vier Jahren wieder aufgetaucht, was den Starfury-Piloten leider das Leben kostete.

Die Rettungsmission wird spannend durchgezogen, bildet aber nur den Rahmen der Handlung. Viel wichtiger sind zum Beispiel die Zeitsprünge, in denen Sinclair und Garibaldi die Zukunft und Vergangenheit sehen. Diese beiden Sequenzen fallen recht unterschiedlich aus. Sinclair erlebt die drohende Einnahme von Babylon 5, Garibaldi das Ende seiner Beziehung zu Lise.

Die Erklärungen von Zathras, einem mysteriösen Besucher, erleuchten uns und die Figuren zu diesem Zeitpunkt ebenfalls kaum. Fakt ist: Babylon 4 ist relevant in einem großen Krieg, der Dunkelheit bringen wird. Und Zathras arbeitet mit jemandem zusammen, den er „der Eine“ nennt.

Delenn mag nicht Regieren

Doch gibt es auch noch eine äußerst interessante B-Handlung, bei der Delenn zum Grauen Rat auf ein Schiff gerufen wird. Warum der Graue Rat nicht auf dem Heimatplaneten residiert, sondern auf einem Schiff, wird nicht erklärt. Vielleicht zeigt dieser Umstand, wie abgehoben dieser Bereich der Minbari-Kultur im Vergleich zum gemeinen Volk und den anderen Kasten ist.

Delenn wird in diesem Zuge der Vorsitz angeboten. Seit zehn Jahren hatte man den Posten nicht besetzt, der Tod von Vorgänger Dukhat (nicht der etwas anders geschriebene Schlimmling aus DS9) hatte damals den Erd-Minbari-Krieg ausgelöst. Erwähnung findet hier auch erstmals Valen, der den Rat vor rund tausend Jahren gegründet hatte.

Doch Delenn brüskiert den Rat mit ihrem Wunsch, zu dienen - nicht zu herrschen. Sie sieht sich in ihrer Position als Botschafterin auf Babylon 5 am richtigen Ort und spricht im Zusammenhang mit einer Prophezeiung auch davon, wie wichtig es sei, nah an den Menschen dran zu bleiben. Denn diesen gehöre die Zukunft!

Interessant ist aber überhaupt, dass der Rat Delenn wählte, da sie am meisten von der Galaxie gesehen habe, was letztlich aber ein Punkt ist, der gar nicht mit der Haltung des Rates zusammenpasst. Dieser ist nämlich vollkommen isoliert und kann mit der Weltoffenheit Delenns gar nichts anfangen. Hier beißt sich die Minbari-Katze in den Schwanz.

Neben ihren Entlassungspapieren aus dem Rat (die sie emotionslos akzeptiert, obwohl es ihre Position stark schwächen dürfte) und warmen Worten erhält Delenn am Ende noch ein Geschenk, mit dem wir hier jedoch noch nichts anzufangen wissen.

Dieser Handlungsstrang beleuchtet sowohl die Botschafterin der Minari als auch das Volk auf eine mehr als eindrucksvolle Weise. Wir haben es mit Führern zu tun, die den Kontakt zu ihren Untergebenen komplett verloren haben und nicht mehr über den Tellerrand blicken können. Delenn ist dazu hingegen fähig - ob sie das wohl noch in Schwierigkeiten bringen wird?

Cliff hängt so rum

Das Ende der Episode und auch der A-Handlung rund um Babylon 4 ist dann ebenfalls ein Brett und verbindet Delenns Schicksal (für das sie durch ihre Entscheidung selber gesorgt hat) mit dem von Sinclair. Ein Wesen mit Raumanzug erscheint als „der Eine“, nimmt den Helm ab und outet sich als ein gealterter Sinclair - mit Delenn (die nur zu hören ist) an seiner Seite. Unsere Helden haben die Station da schon verlassen und wir werden mit einem bösen Cliffhanger zurückgelassen...

Technisch betrachtet

Die Ausstatter der Serie heimsen an dieser Stelle mal wieder viel Lob ein. So gelang es mit geringen Mitteln (Beleuchtung oder die grünen Paneele) den bekannten Kulissen einen anderen Anstrich zu verpassen und somit die Illusion einer Schwesterstation zum Leben zu erwecken. Klasse! Gleiches gilt für die Kulissen des Grauen Rates, die minimalistischer kaum sein könnten, aber vollkommen überzeugen. Babylon 5 war einfach immer am besten darin, aus nahezu nichts wahnsinnig viel zu machen: mit Liebe, Hingabe und viel Kreativität.

Kommen wir noch zu den Schauspielern. So lernen wir hier Zathras alias Tim Choate kennen, der mit kleinen Kniffen dafür sorgt, dass direkt ein liebenswerter, verschrobener Charakter entsteht, der sich von vielen anderen Gastcharakteren abhebt. Doch gibt es auch eine andere Seite der Medaille. So sagt man ja gerne, ein Produkt sei nur so gut, wie das schwächste Glied in der Kette. In diesem Fall stimmt das zwar nicht wirklich, das schwächste Glied ist aber in jedem Fall Kent Broadhurst alias Major Krantz, der mehr als verkrampft und unglaubwürdig rüberkommt.

The Reviewer's Wife

Spannend, rasant, actionreich, lustig, gut. Kann das ein Fazit der Frau des Rezensenten über Babylon 5 sein? Eigentlich nicht. In diesem Fall waren das jedoch exakt ihre Worte. Ja, ich bin auch baff. Achja: Sie fand Zathras allerdings furchtbar nervig, dafür aber Major Krantz überhaupt nicht schlimm. Verdrehte Wahrnehmung auf der Couch? Paralleluniversum?

Gib dem Kind einen Namen

Babylon Squared: Für den Originaltitel gilt: Ein wenig generisch, der Situation aber dennoch angepasst. Er klingt somit besser als er letztlich ist, da es an inhaltlicher Relevanz zur Handlung doch etwas mangelt.

Verloren in der Zeit: Nicht schlechter als der Originaltitel kommt dieses Mal die deutsche Version daher. Eine Anpassung, die absolut Sinn macht und Kreativität beweist.

Fazit

Dank einer wendungsreichen Handlung, einem tollen Gaststar und viel Grund zum Grübeln ist dies einerseits die durchgeknallteste Episode der ersten Staffel, jedoch auch eine der wichtigsten und besten. JMS macht große Versprechungen und lässt uns erstmals so richtig Mitfiebern - ein Zustand, der die Serie später noch dauerhaft prägen wird.

Nur noch zwei Episoden bis zum Staffelfinale - bleibt am Ball!

Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 5. November 2017
Episode
Staffel 1, Episode 21
(Babylon 5 1x21)
Deutscher Titel der Episode
Verloren in der Zeit
Titel der Episode im Original
Babylon Squared
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 10. August 1994 (TNT)
Autoren
J. Michael Straczynski, Bairbre Dowling, Cacey Riggan
Regisseure
Lorraine Senna, Shawn Shapiro, Kiele Sanchez

Schauspieler in der Episode Babylon 5 1x21

Darsteller
Rolle
Michael O'Hare
Claudia Christian
Mira Furlan
Richard Biggs
Stephen Furst

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?