Babylon 5 1x19

Babylon 5 1x19

In einer Art Event-Episode tischt die Serie Babylon 5 verschiedene bekannte Motive auf, bringt Spannung und gute Effekte ins Spiel und liefert den Beweis für Klasse auch abseits der großen Gesamtgeschichte.

Szenenbild aus der Episode „A Voice in the Wilderness“ / (c) TNT
Szenenbild aus der Episode „A Voice in the Wilderness“ / (c) TNT
© zenenbild aus der Episode „A Voice in the Wilderness“ / (c) TNT

Was passiert?

Es wird wild: Auf dem nahen Planeten Epsilon 3 werden die Reste einer Hochkultur gefunden - und ein vergessener Außerirdischer? Delenn bekommt derweil Besuch von ihrem alten Freund Draal, der nicht mehr weiß, was er mit seinem Leben anfangen soll. Und Garibaldi sorgt sich um eine Freundin auf dem Mars, wo Unruhen ausbrechen...

Dies & Das

Warner trat damals aufgrund des großen Verkaufserfolges mit dem Pilotfilm an JMS heran, er möge doch bitte noch einen von der Gesamthandlung losgelösten Zweiteiler schreiben.

JMS fand natürlich dennoch Ansatzpunkte für die Story der Serie und brachte sowohl Epsilon 3 als auch Draal und andere Themen später zurück.

Synchro-Anomalien

Der Vorspanntext wird wie bei der Pilotfilm-Synchronisation von einem anderen Sprecher übernommen - leider erneut nicht Sinclair.

„Centauri Prime“ wird zu „Centauri Basisstation“ - das hatten wir schon besser.

„90 percent carbondioxide and 10 percent trace elements“ wurde zu „10 Prozent purer Sauerstoff, der Rest ist Kohlendioxid.“ Naja.

Insgesamt aber eine gelungene Umsetzung, gerade wenn man die Bearbeitung durch ein anderes Studio im Kopf hat.

Zitate

"It's quite. I like quite." (Garibaldi)

„It's a Russian thing. When we're about to do something stupid, we like to catalog the full extent of our stupidity for future reference.“ (Ivanova)

„So if we go down there, it blows. If we don't, it blows anyway, just a little later. It's a good thing I'm Russian. We're used to hopeless situations.“ (Ivanova)

Eine Maschine, sie zu knechten?

Besonders im ersten Teil besteht die Handlung rund um Epsilon 3 eigentlich nur aus einer Forschungsmission, die zunächst zu wenig führt. Dass sich dabei dennoch Spannung aufbaut, liegt an der Einbeziehung von Sinclair und Ivanova, die nicht nur eine riesige unterirdische Stadt finden und begutachten, sondern auch auf ein mysteriöses Alien treffen, das um Hilfe bittet. Gerade weil Babylon 5 im Gegensatz zu den verschiedenen Trek-Serien so sehr auf die eigenen Kulissen begrenzt ist und wirkliche Planetenmissionen kaum vorkommen, haben wir es hier mit einem seltenen und willkommenen Vergnügen zu tun.

Interessant wird es mit der Ankunft eines Raumschiffes, der Hyperion unter dem Kommando eines Captain Pierce, der für die Erde die Griffel an diese tolle Entdeckung bekommen soll. Es ist hierbei besonders erkenntnisreich, dass sowohl Sinclairs Oberkommando über den Raumsektor als auch der Gedanke friedlichen Miteinanders, für den Babylon 5 stehen soll, hier einfach ausgehebelt werden - einzig, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Was ist so eine letzte, große Hoffnung auf Frieden wert, wenn man die eigenen Ideale bei jeder Gelegenheit (die Diebe macht) torpediert?

Sinclair hat in diesem Zusammenhang einige starke Szenen, die seinen bedächtigen Charakter erweitern und stärken. Ominöse Ankündigungen von Delenn über seinen weiteren Weg überhört man dabei einfach oder lassen hellhörig werden.

Doch sind die Menschen nicht die einzigen, die hier schnell handeln wollen - auch verschiedene außerirdische Regierungen schicken Schiffe und die Situation spitzt sich immer mehr zu. Besonders, weil die Maschine nach dem Abgang des Aliens offenbar ein neues Individuum benötigt - oder warum rumort es sonst so unter der Oberfläche?

Draal kam, sah und übernahm

Das fehlende Glied in der Kette ist ein Besucher von Delenn, der zunächst nur durch eine gewisse Lebensmüdigkeit auffällt. Wie heißt es bei Cliff Richards & the Shadows so schön: „My heart was so heavy with longing for you. My arms were so lonely, lonesome and blue. Alone in my sorrow, I heard a voice cry. A voice in the wilderness, a voice from the sky“. Doch sehnt sich Draal nicht nach einer Gefährtin, ihm fehlt eine Aufgabe im Leben. Der Episodentitel - auf den ich wie immer später nochmal eingehe - ist aber natürlich auch keine Erfindung der Popmusik, sondern stammt aus der King James Bibel. Der Ausspruch steht dabei eigentlich für ein Individuum, das eine Idee äußert, die von anderen ignoriert wird. Belassen wir es dabei - weder Cliff noch das Buch der Bücher machen richtig viel Sinn im Kontext mit Draal.

Später wird aus diesem Draal jedenfalls der neue, starke Mann auf Epsilon 3 - er kam an diesen Punkt seines Lebens, um diese Aufgabe zu übernehmen. Ein Schicksalsweg, den der ehemalige Mentor von Delenn gerne annimmt.

Der Zusammenhang ist recht leicht zu erkennen, auch gibt man sich zu wenig Mühe, den Charakter wirklich einzubeziehen - diese Kritikpunkte sind aber nur von untergeordneter Natur.

Und natürlich musste Draal die Maschine am Ende zur verbotenen Zone erklären - man hätte den Helden der Serie hier ansonsten ein Deus Ex Machina an die Hand gegeben, das einen viel zu leichten Ausweg aus vielen Krisen bedeutet hätte. Die Handlung wird jedoch, wie bereits oben erwähnt, wieder aufgegriffen.

Der Mars macht mobil

Aus der bisher nur angedeuteten Unabhängigkeitsbewegung auf dem Mars ist inzwischen leider ein ausgewachsenes Problem geworden, was Sinclair, Ivanova und Garibaldi in Sorge versetzt. JMS greift hier erneut zu einem beliebten Kniff und lässt uns wissen, dass der Sicherheitschef seine Freundin Lise Hampton auf dem roten Planeten zurückließ, als Sinclair ihm das Angebot auf Babylon 5 machte. Sofort wird aus der eher verwaschenen Bedrohung also eine emotionale Sache, die Garibaldi durch den Zweiteiler verfolgen wird - Michael nach Hause telefonieren.

Dass er zu Talias Hilfe greift, bringt eine recht gute Dynamik in die Story - immerhin erfahren wir so auch noch, dass niemand mit einer derart guten Bewaffnung der Free-Mars-Bewegung gerechnet hatte. Das PsiCorps zeigt sich an dieser Stelle übrigens einmal wieder ressourcenreicher als man annehmen sollte.

Für Garibaldi bedeutet dieser Handlungsstrang, einen großen Teil Vergangenheitsbewältigung zu betreiben. Er hatte Lise einfach sitzen gelassen und sich zwei Jahre nicht mehr gemeldet - vielleicht aus Angst, das Ende der Beziehung vor Augen geführt zu bekommen? Am Ende muss er aber eben genau damit umgehen. Lise ist verheiratet und lebt ihr leben. Dann doch vielleicht lieber per WhatsApp Schluss machen, Michael.

Via ISN erfahren wir am Ende neben all diesem rührseligen Soap-Hin-und-Her noch, dass sich Präsident Santiago durch den Kongress hat nötigen lassen, mit mehr Gewalt gegen die Aufständischen auf dem Mars vorzugehen.

Drei Stühle, keine Meinung

Interessant und daher erwähnenswert ist noch eine Szene zwischen Londo, Delenn und Sinclair, bei der sehr schön die unterschiedlichen - und verfahrenen - Sichtweisen herausgearbeitet werden.

Der abwesende G'Kar wird primär durch seine Wut definiert - Wut über das, was die Centauri seinem Volk angetan haben. Bis auf wenige Ausnahmen hatte man den Narn auch in den gezeigten Episoden auf diese Weise präsentiert.

Londo definiert sich hingegen über ein nach seiner Ansicht vollkommen logisches und pragmatisches Weltbild. Hass erzeugt erneuten Hass auf der Gegenseite und so weiter. Für ihn gibt es keine Lösung, außer, dass irgendwann eine Seite vernichtet wird.

Delenn hingegen ist die Träumerin und glaubt daran, dass es eine Ordnung und Lösung geben muss, damit irgendwann alles besser wird.

Für Sinclair bleibt nur der Platz des ratlosen Mediators, der zurecht vermutet, dass es bei derart eingefahrenen und gegensätzlichen Sichtweisen vermutlich am Ende eher auf Chaos hinausläuft.

Apropos Londo. Neben dieser Sequenz erhält er noch eine weitere amüsante Szene, in der er versucht, Sinn in einem Kinderlied von der Erde zu finden. Hier zeigt sich eine hübsche Parallele zu seinen Ausführungen über G'Kar. Er sucht an bestimmten Textstellen des Liedes nach Sinn (den es nicht gibt), kommt aber nicht auf die Idee sich zu fragen, was das Lied für eine Funktion im Kontext der Kultur besitzt. An genau der gleichen Schwelle scheitert er auch in seiner Bewertung der Narn und G'Kars.

In der Summe zeigt JMS hier, dass er sich auch von seinem verkopften Gerüst befreien und ohne Probleme ein Abenteuer ohne große Vorkenntnisse seitens der Zuschauer auf die Beine stellen kann. Später sollte er noch häufiger derartige Eventfilme liefern dürfen...

Technisch betrachtet

Die Umsetzung der unterirdischen Stadt gelang für die damalige Zeit erstaunlich gut, besonders die Animation der vielen Menschen geriet überzeugend. Dennoch merkt man natürlich das Fehlen von speziellen Sets. Die Raumschlacht ist ebenfalls gelungen, aber nicht so spektakulär, wie wir das schon hatten.

Michael O'Hare und Peter Jurasik haben in beiden Episoden wieder wundervolle Momente und liefern Höchstleistungen in vollkommen unterschiedlichen Situationen ab. Doch auch der Rest des Casts spielt auf ähnlich hohem Niveau mit.

The Reviewer's Wife

Sie langweilte sich ein wenig, während dieser „überlangen Folge, die zu nichts führt“. Außerdem kamen ihr einige Figurenzeichnungen (Londo) äußerst merkwürdig vor („der ist doch sonst nicht so nett“). Bezüglich Garibaldis Versuchen, seine alte Freundin zu erreichen, sagte sie bereits zu Beginn: „Die ist doch eh inzwischen verheiratet. Männer!“

Gib dem Kind einen Namen

A Voice in the Wilderness: Es ist der Ruf, den Draal vernimmt, das undefinierte Gefühl, dass etwas auf Minbar nicht stimmt und sein Wunsch, zu gehen, den dieser Titel clever umsetzt.

Angriff der Aliens: Wenn man bedenkt, dass es hier primär um die Auswertung als Kauf-Videokassette ging, ist der Titel irgendwie verständlich - platt ist er aber trotzdem und eine Beleidigung für das feine Original.

Fazit

Aus der Not gelingt der Serie hier etwas ganz anderes. Als reine Popcorn-Show funktioniert die Doppelfolge dabei richtig gut und bereitet sogar einige interessante Entwicklungen vor. Nebenbei entfaltet man noch B5-Flair und lässt Charaktere wie Sinclair und Londo glänzen. Der Spagat zwischen Neukundenakquise und Fanservice reicht somit locker für eine unterhaltsame Erfahrung.

Drei Episoden noch bis zum Seasonfinale - und es geht schon in Kürze weiter.

Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 15. Oktober 2017
Episode
Staffel 1, Episode 19
(Babylon 5 1x19)
Deutscher Titel der Episode
Angriff der Aliens Teil 1
Titel der Episode im Original
A Voice in the Wilderness (1)
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 27. Juli 1994 (TNT)
Autoren
J. Michael Straczynski, Bairbre Dowling, Cacey Riggan
Regisseure
Janet Greek, Karen Kim, Kiele Sanchez

Schauspieler in der Episode Babylon 5 1x19

Darsteller
Rolle
Michael O'Hare
Claudia Christian
Mira Furlan
Richard Biggs
Stephen Furst

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