Away 1x01

Away 1x01

Bei Netflix versucht sich die Menschheit in der neuen Serie Away am ersten Trip zum Mars. Doch bevor die Reise losgehen kann, müssen Selbstzweifel und Familienprobleme geklärt werden. Hilary Swank hat als Emma Green das Kommando an Bord - oder doch nicht?

Away (c) Netflix
Away (c) Netflix
© way (c) Netflix

Eine Reise zum Mond finden manche wohl inzwischen langweilig, weil das die Menschheit schon oft genug zustande gebracht hat. Der Mars ist hingegen weiterhin ein Mysterium für die Menschen. Hier setzt die Serie Away an. Die Idee dafür stammt von Andrew Hinderaker, Showrunner ist Jessica Goldberg. Ein Produzent der Serie ist der Serienmacher Jason Katims (Friday Night Lights, Parenthood) und man könnte meinen, dass Katims Einfluss relativ groß ist, zumindest nach der Sichtung der einstündigen Pilotepisode. Denn neben der Weltraummission steht auch das Familienleben der Astronautin Emma Green (Hilary Swank) im Mittelpunkt und bringt ihre Pionierreise zum Mars fast in Gefahr. Denn ein Vorfall kurz vor der großen Reise führt manche Crewmitglieder beinahe zur Meuterei.

Wovon handelt Away?

Away“ spielt in einer nahen Zukunft, in der ein bemanntes Raumschiff zunächst zum Mond zum Auftanken und dann zum Mars geschickt werden soll. Die Reise ist aber lang und gefährlich. Acht Monate soll das Unterfangen dauern und in der Presse ist die Rede davon, dass die Überlebenschancen der Crew bei 50 Prozent liegen. Entsprechend machen sich auch die Familienmitglieder von Commander Emma Green (Hilary Swank) Sorgen, allen voran Tochter Alexis, genannt Lex (Talitha Bateman). Vater Matt (Josh Charles, The Good Wife) arbeitet ebenfalls bei der NASA, jedoch auf der Ingenieursseite. Aus gesundheitlichen Gründen ist für ihn nicht mehr drin.

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In die Mars-Crew schaffen es nur die besten Astronautinnen und Astronauten der ganzen Welt. Die Mannschaft setzt sich aus Menschen der Länder USA, Russland, China, Indien und Großbritannien zusammen. Kwesi (Ato Essandoh) kommt aus dem UK und Ghana und ist ein Botaniker. Misha (Mark Ivanir) ist der mürrische Ingenieur an Bord, der nach einem Vorfall kurz vor der eigentlichen Mission sogar die Absetzung von Emma verlangt. Rückendeckung erhält er von der Chinesin Lu (Vivian Wu), einer renommierten Chemikerin und abgerundet wird die Mannschaft durch Ram (Ray Panthaki) aus Indien. Er ist die Nummer zwei in der Kommandofolge und außerdem Mediziner und Kopilot. Bei einem Pressetermin betonen alle, wie wichtig diese Mission nicht nur für die Wissenschaft, sondern die Menschheit an sich sein kann.

Doch ein Vorfall rund um ein chemisches Leck sorgt für Verstimmungen, besonders bei Misha und Lu. Die Aufklärung des Feuers im Weltall nimmt dabei - aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt - einen beachtlichen Teil der ersten Folge Los ein. Auch dem Familienleben der Greens wird eine Bühne gegeben. Matt ist gesundheitlich mit CCM (Cerebral Cavernous Malformation), einer Erbkrankheit, angeschlagen und möchte dennoch, dass seine Frau unbedingt das All erkundet, während Tochter Lex von den Überlebenschancen, die durch die Presse geistern, beängstigt ist.

Kurz vor dem eigentlichen Start zum Mars erreicht Emma die Botschaft, dass Matt einen Schlaganfall hatte und sich einem operativen Eingriff unterziehen muss. Nun muss der Vorfall an Bord geklärt werden und sie sich dazu entscheiden, ob sie die langwierige Reise antreten kann und sollte...

Excuse me, I am calling from the moon

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Away ist (bisher) kein „Hard Science-Fiction“ wie etwa Star Trek, The Expanse, Battlestar Galactica oder ähnliche Serien, sondern eher ein melodramatisches Weltraumabenteuer, bei dem der Familienkomponente, dem Piloten nach zu urteilen, wohl ein großer Stellenwert eingeräumt wird. Jason Katims hat als Produzent bei Herzschmerzserien wie Friday Night Lights oder Parenthood schon zur Genüge bewiesen, dass er so etwas abliefern kann und diese Handschrift findet man im Auftakt überdeutlich wieder. Mit vielen Rückblicken und Hintergründen zum Familienleben - sei es der Alltag oder die Tragödien, die die Familie schon meistern musste. Schnell kann man hier den Eindruck erlangen, dass etwas zu dick aufgetragen wird, um die Melodram-Schraube kräftig anzuziehen. Matt erbt etwa die gleiche Krankheit wie sein Vater und Emma hat ihre Mutter an den Krebs verloren. Leider durchaus möglich, aber doch arg viele Schicksalsschläge in einer Stunde. Auch bei den Flashbacks und Perspektivwechseln hat man es etwas zu gut gemeint und kann die Zuschauer hier durchaus desorientiert zurücklassen. Weniger wäre hier mehr gewesen. Die Grundzutaten sind, wenn man denn dafür offen ist, aber extrem solide und machen Lust auf mehr.

Emmas Kampf gegen die kritischen Kollegen, die sie kurz vor knapp gerne nach austauschen lassen würden und die Krankheit des Mannes, die im unpassendsten Moment kommt, bringen sie vor dem Start fast dazu, alles hinzuwerfen. Und man würde ihr auch abnehmen, wenn sie es wirklich tun würde. Denn, sind wir mal ehrlich: Wer von uns könnte so einer Belastung standhalten? Es sind dann aber doch die Worte des gerade aus der OP erwachenden Gatten, die sie überzeugen, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Und: Es wird in den kommenden Monaten sicherlich nicht die einzige Prüfung für sie und ihre Familie sein. Ich hatte nur Zeit, mir den Piloten anzuschauen, aber wünschenswert wäre es, wenn das alles nicht nur auf die Greens beschränkt wäre, sondern es auch darum gehen wird, die Crewmitglieder und ihre Hintergründe mehr auszuschmücken. Da lässt sich bestimmt etwas holen. Gerade bei Lu und/oder Misha sowie den anderen Mentalitäten und Wertschätzungen der Heimatnationen für ihre Astronauten. Ansätze gibt es dafür im Pilot schon durch die persönlichen Gegenstände, die sie ins All mitnehmen. Ich bin gespannt.

I need you to go

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Allein die Entscheidung, dass wir die Perspektive einer Frau in einem vermeintlich realistischen Weltraumsetting sehen, finde ich schon interessant, wobei das natürlich nichts gänzlich Neues mehr ist, wenn man etwa das thematisch verwandte For All Mankind gesehen hat. Zudem ist es auch nicht so, dass Away sonst von Männern dominiert wird, sondern es scheint eine gute Balance zwischen Männern und Frauen in zentralen Rollen und Positionen innerhalb der Organisation zu geben. Dennoch ermöglicht das unverbrauchtere erzählerische Mittel und lässt das Ganze auch moderner und progressiver erscheinen. Provokativ in den Raum gestellt: Würde ein Mann zweimal überlegen, ob er so kurz vor dem Ziel zurückkehren würde? Würde das ein Kind verlangen? Aber aus der Sicht einer Mutter ist das ein überaus spannendes Konfliktfeld...

Es gibt mehrere Dialoge, deren Konsequenz und tiefere Bedeutung ich spannend finde. Als Darlene etwa Emma überzeugen möchte, das Kommando zu behalten, gibt es einen kurzen Austausch über Feminismusphrasen, der schnell von Emma abgewunken wird, weil ihre Priorität das Wohl der Familie ist. Auch die Frage, was die Kreativen sich dabei denken, ausgerechnet die Chinesin und den Russen etwas klischeehaft als antagonistische Figuren aufzustellen und was die Autoren mit diesen vorhaben, finde ich durchaus spannend. Interessant sind ebenfalls die Andeutungen in Richtung Melissa, die auf Lex aufpasst. Warum genau hat sie sich gegen eine Karriere im All entschieden? Sie will ansetzen und es ihr erklären, aber genau da kommt Matt aus dem OP.

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Die Darsteller der Serie sind gut gewählt und mir ist bisher keine Schwachstelle ins Auge gefallen. Oft läuft eine Teenagerrolle in einer solchen Serie Gefahr, den Zuschauern auf die Nerven zu gehen. Hier muss man abwarten, wie sich Lex im Verlauf der Staffel entwickelt. Es ist völlig nachvollziehbar, dass sie ihre Mutter bei sich haben möchte, aber wie penetrant dieser Wunsch in der Serie etwa dargestellt wird, ist noch unklar. Nun, da sich Emma für die Mission entschieden hat und nicht innerhalb von vier Tagen wieder zu Hause sein könnte, dürfte aber weiteres Drama eigentlich vorprogrammiert sein. Erreicht das Emma auch entsprechend schnell wie auf dem Mond? Und wie ernst meinen es die Macher mit der Überlebenschance der Crew? Hier ist sicherlich auf den ersten Blick Weltraum-n00b Kwesi am ehesten in Gefahr, denn auch sein unüberlegtes Handeln hat im Endeffekt wohl für den Vorfall vor dem Aufbruch zum Mars gesorgt.

Fazit

Meine Hoffnung ist, dass das Motto der Handlung nicht „Melodrama in Space“ lautet, sondern dass man im weiteren Staffelverlauf eine Balance findet zwischen der Exploration im All und den Innenleben der Figuren. Das Potential für eine netten Zeitvertreib für zwischendurch hat Away in meinen Augen jedenfalls. Solide bis sehr gute Darsteller, ein ansprechendes Thema mit großen Risiken für die Figuren und einige persönliche Probleme, die aus dem Weg geschafft werden, um eine Mission zu erfüllen, die der ganzen Menschheit nutzen kann. Schön finde ich auch, wie sehr sich die erste Folge wie ein Pilot oder Prolog anfühlt und dass man als Zuschauer alles Wichtige mit auf den Weg bekommt, ehe es dann wahrscheinlich so richtig losgehen kann. Ich denke, ich werde weiterschauen und abwarten, wie sich das entwickelt.

Hier abschließend noch der Serientrailer zur neuen Netflix-Serie „Away“:

Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 4. September 2020

Away 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Away 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Los
Titel der Episode im Original
Go
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 4. September 2020 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 4. September 2020
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 4. September 2020
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 4. September 2020
Autor
Andrew Hinderaker
Regisseur
Edward Zwick

Schauspieler in der Episode Away 1x01

Darsteller
Rolle
Vivian Wu
Lu
Mark Ivanir
Ray Panthaki
Ram
Talitha Bateman

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?