Der US-Genresender Syfy hat seine neue Science-Fiction-Miniserie Ascension präsentiert. Ob diese richtig abhebt oder am Boden kleben bleibt, erfahrt Ihr in unserem Review zur ersten Episode mit dem Titel Night One.

Tricia Helfer in „Ascension“ / (c) Syfy
Tricia Helfer in „Ascension“ / (c) Syfy
© (c) Syfy

Die neue Science-Fiction-Miniserie von Syfy kommt nicht ganz ohne Ballast auf uns zu und hat eine Menge zu beweisen. Der Sender, der einst die Heimat des bis zu den Sternen gelobten Battlestar Galactica war, wollte sich einem breiteren Publikum öffnen, was auf Kosten von Komplexität in den seither angebotenen Serien zu spüren war. Doch Syfy-Präsident Dave Howe und andere haben bereits Besserung gelobt „63515“ und setzen darauf, dass die neuen Projekte auch in der von vielen verhassten Schreibweise des Senders, der einst der Sci-Fi Channel war, wieder besser beim Kernpublikum ankommen werden. Wie gesagt, „Ascension“, no pressure!

Werfen wir also einen Blick auf den ersten Eintrag nach der gelobten Syfy-Zurückbesinnung: Den Beginn der (zunächst) sechsteilige Miniserie Ascension von Showrunner Philip Levens (Smallville).

51 Years Into Their 100-Year Journey

Im Jahr 1963 entsendeten die Vereinigten Staaten von Amerika ein Generationenraumschiff der Orion-Klasse auf den Weg nach Proxima Centauri, um im Falle einer Eskalation des bis dahin Kalten Krieges das Fortbestehen einer menschlichen Zivilisation in einer neuen Welt zu gewährleisten. Heute, 51 Jahre später, hat die USS Ascension die Hälfte ihres Weges hinter sich gebracht, doch ohne jeglichen kulturellen Einfluss von Außen, hat sich an Bord nicht viel geändert seit John F. Kennedy in den Sixties den Befehl zu dem Projekt gab. Das gilt sowohl für die Mode und Einrichtung in dem retrofuturistischen Raumschiff als auch für das damalig anmutende Ausmaß von Alltagssexismus, -rassismus und Klassendenken.

Neben Spannungen, die aus dem Klassensystem der oberen und unteren Decks entstehen, ist die mittlere Generation, die an Bord der Ascension ungefragt ihr Leben zubringen muss, zudem von der aussichtslosen Situation an Bord des „Gefängnisses“ frustriert, aus dem es kein Entrinnen gibt. Ein Leben im All, ohne selbst je die Früchte der langen Reise ernten zu können. Stattdessen lediglich als Brutbrücke zu dienen, welche die Pioniergeneration mit jenen verbinden soll, die erstmals Fuß auf die neue Welt setzen. Homosexualität scheint hier noch weniger eine Option zu sein, als sie es größtenteils in den 60er-Jahren war.

Die zumindest den Schein wahrende Idylle dieser abgeschotteten, konservierten „heilen Welt“ aus Zeiten der Brady-Familie beginnt zu bröckeln, als ein junges Mädchen tot am künstlichen Strand aufgefunden wird. Executive Officer Oren Gault (Brandon P. Bell), der nach einem Leben in Armut auf den unteren Decks als scheinbar einziger Afroamerikaner in die höheren Schichten der Ascension-Gesellschaft berufen wurde, hält es nicht für einen Unfall und so bekommt er von Captain William Denninger (Brian Van Holt) den Auftrag, Ermittlungen anzustellen. Dies gestaltet sich zunächst schwierig, denn einen Mordfall hat es auf der Ascension nie gegeben und dementsprechend fehlt es an Kompetenz auf dem Gebiet der kriminologischen Ermittlungen.

Während die Nachforschungen laufen und wir erfahren, dass die tote Lorelai deprimiert gewesen ist und zudem Aufnahmen aus der Bibliothek entwendet hat, lernen wir weitere Raumschiffbewohner kennen. Zu diesen gehören unter anderem Viondran Denninger (Tricia Helfer), die Ehefrau des Kapitäns, die als Chief Stewart eine Art Escort-Service für die einflussreichen Personen an Bord bereitstellt und sich rasch als politische Manipulatorin entpuppt, Dr. Juliet Bryce (Andrea Roth), die Chefärztin der Ascension, der rebellische junge Mann James Toback (P.J. Boudousqué), der Arbeiter Stokes (Brad Carter), welcher zuletzt mit der Toten in Verbindung stand, sowie ein kleines Mädchen, das vermeintlich übernatürliche Fähigkeiten besitzt und mit anderen Wesen kommuniziert, die uns angeblich beobachten.

Auf der Erde kontaktiert ein junger Akademiker unterdessen Harris Enzmann (Gil Bellows), den Sohn des Missionsvaters Abraham Enzmann, der gerade einen Schlaganfall erlitten hat. Der junge Mann ist davon überzeugt, dass das von Enzmann gestartete Projekt tatsächlich in die Tat umgesetzt wurde und die Ascension seit 50 Jahren auf der Reise ist. Eine wohl als Verschwörungstheorie geltende Vermutung, die auch bei Harris nicht gut ankommt. Zumindest gibt er sich so, in Wirklichkeit ist er dabei, das Vermächtnis seines Vaters fortzuführen. Dieses Legat sieht jedoch völlig anders aus, als es sich uns bisher dargestellt hat.

Massiver Spoiler und Fazit auf der nächsten Seite...

Sollte der Groschen beim Ansehen der ersten Hälfte von Ascension noch nicht gefallen sein, so wird er bei den meisten wohl spätestens bei der Erwähnung, dass es eines Twist am Ende gibt, mit Warpgeschwindigkeit Richtung Boden rasen. Here we go:

Der unter Verdacht geratene Stokes, bei dem auch noch eine Waffe gefunden wird, von der niemand weiß, wie sie überhaupt an Bord gekommen ist, liefert sich einen Kampf mit Gault und wird dabei im Showdown aus einer Schleuse gezogen und ins Weltall geblasen. Anstatt zu sterben und nun ewig durchs All zu driften, landet der Mann auf einer Matratze. Die Ascension ist nie vom Erdboden abgehoben. Sie steht in einer Untergrundanlage, die mithilfe einer Projektionskuppel die Reise durch den Raum simuliert und wird permanent überwacht. Es ist lediglich eine Simulation der echten Reise, die gegebenenfalls noch bevorsteht.

Fazit

Ascension ist gut gemeint und insgesamt sicherlich „nicht übel“, aber leider ein geradezu ärgerliches Seherlebnis. Die Prämisse ist absolut spannend, die Sets sehen wundervoll aus und sind attraktiv in Szene gesetzt. So etwa in einer frühen Szene, die uns während einer langen Fahrt durch die verschiedenen Decks begleitet. Das Raumschiff Ascension mit seiner gemütlichen Retroästhetik ein Ort, an dem ich als Zuschauer viel Zeit verbringen könnte. Leider befinden sich die auserwählten Darsteller (bis auf Ausnahmen, wie etwa Gil Bellows), der Plot und vor allem die ihnen zur Verfügung gestellten Dialoge nicht auf dem selben Level. Wenig hilfreich kommt hinzu, dass der vorliegende Kriminalfall nicht besonders spannend erzählt ist.

Die Wendung am Ende bringt eine interessante Komponente ins Spiel, die jedoch auch eine gewisse Halbwertszeit an die Serie koppelt, sollte sie jenseits der drei vorerst geplanten Abende weitererzählt werden. Ist die Truman-Show-Katze erst einmal aus dem Sack, ist die Reise vorüber. Spannend bleibt dann, wie weit Enzmann und sein Team bereit sind zu gehen, um das Geheimnis zu bewahren und ob es mit dem Stephen-King-Kind nicht doch noch eine weitere Bewandnis hat.

Für jetzt bleibe ich vorsichtig optimistisch und hoffe, dass sich auch die übrigen Darsteller, besonders Tricia Helfer (die dieses Mal eigentlich keinen Roboter spielen sollte), Amanda Roth, Brandon P. Bell und Captain Brian Van Holt schauspielerisch noch finden können und die Erzählung in den verbleibenden Teilen an Fahrt gewinnt. Den Erfolg oder Misserfolg der neuen Generation von Syfy-Projekten jetzt schon auszurufen, wäre jedenfalls verfrüht.

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