Arrow 6x23

© zenenfoto aus der „Arrow“-Episode „Life Sentence“ (c) The CW
Mit Life Sentence dem Finale der sechsten Staffel von Arrow verabschieden sich die langjährigen Showrunner Marc Guggenheim und Wendy Mericle von der DC-Superheldenserie. Wie man es von den Staffelfinalen gewohnt ist, kommen die in den 22 Episoden vorher eingeführten Storylines zu einem Ende. Diesmal gibt es ungewöhnlicherweise ein paar Ausnahmen.
Team Arrow und Team FBI versus Diaz
Oliver Queens (Stephen Amell) Deal mit FBI-Agentin Samantha Watson (Sydelle Noel) führt zu einer Zusammenarbeit der Bundesbehörde und dem wiedervereinten Arrow-Team gegen die korrupte SCDP, die Ricardo Diaz (Kirk Acevedo) in seiner Hand hat, weil er sie erpresst oder bezahlt. Entsprechend marschiert die Crew auch im Polizeihauptquartier mit der Intention ein, den Verbrecherboss dingfest zu machen. Allerdings ist er selbst gar nicht da. 48 Stunden bleiben Zeit, um ihn zu schnappen, weswegen Anatoly (David Nykl) wieder angezapft werden muss, der auch bereitwillig Informationen teilt, zumindest bis Diaz ins Auto steigt und Anatoly glaubt, mit einem Wechsel ins Russische seine Spuren verwischen zu können.

The Longbow Hunters
Diaz ist nach dem Versagen des Quadrant noch nicht am Ende seiner Mittel und spricht davon, die Longbow Hunters ins Spiel zu bringen, die Anatoly für einen Mythos hält. Das ist nicht nur der Name einer klassischen Green-Arrow-Miniserie von Mike Grell, sondern auch der Name einer Schurkengruppierung aus der New-52-Ära. Wie genau die Serie mit diesem Team umgehen wird, bleibt offen.
Auch Oliver sagt der Name was, denn hier sind offenbar drei legendäre Killer gemeint, die sogar die League of Assassins erschaudern lassen. Zuletzt gab es aber in den 1950ern ein Update, als ein Mitglied gestorben ist. Das dürfte also für Staffel sieben noch von Relevanz sein. Inzwischen bin ich persönlich bei solchen Ankündigungen nur noch vorsichtig optimistisch. Zwar wird es einen neuen Showrunner geben, aber ich erinnere ich mich noch, wie ich mich vor Staffel drei auf Ra's al Ghul (Matt Nable) gefreut hatte. Dabei wurde dann zwar einiges an Potential genutzt, aber dennoch blieb viel auch auf der Strecke.
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Abschiedstour
Oliver versucht in dieser Episode, einige gemachte Fehler auszumerzen und geht auf große Sorry-Tour. Diggle (David Ramsey) zeigt er ein Arrow-Kostüm und gibt zu verstehen, dass es womöglich ein Fehler war, dass es immer nur einen Green Arrow gab. Obwohl Diggle sich immer erträumt hat, dem Kostüm alle Ehre zu machen, findet er dennoch, dass Oliver es zu dem gemacht hat, was es ist und er glaubt, dass zwei Träger es ein wenig seiner Einzigartigkeit berauben würden. Aber Oliver verschweigt dabei seine Hintergedanken, die mit seinem Deal mit Watson zu tun haben. Nach Anatolys Begegnung mit Diaz in seinem Auto begibt er sich in die Schutzhaft des FBI und unterstützt nun ganz offen die Operation gegen den Drachen.
Quentin (Paul Blackthorne) überträgt dem FBI derweil die Vollmachten, die sie benötigen, um Diaz zur Strecke zu bringen. Allerdings hat der Schurke noch Laurel (Katie Cassidy) als Druckmittel, mit dem er den amtierenden Bürgermeister erpressen und irrational handeln lassen kann. Als das Team glaubt, seinen Aufenthaltsort herausgefunden zu haben, laufen Rene (Rick Gonzalez) und mehrere FBI-Agenten in einer Lagerhalle mit lasergesteuertem Sprengsatz direkt in die tödliche Falle. Weil nicht ganz klar ist, wie nervös und unberechenbar Diaz ist, nutzt Wild Dog die Gelegenheit, um sich bei seiner Tochter Zoe telefonisch zu verabschieden beziehungsweise seine Liebe für sie deutlich zu machen. Das ist nicht das letzte Mal, dass diese Episode auf die Gefühlsebene abdriftet, um eine Reaktion zu erzeugen.
Die Szene mit Rene funktioniert für mich dabei besser als andere, die danach folgen. Auch wenn es wohl eigentlich andersrum sein sollte... Aber dazu später mehr. Die Rettung gelingt, wobei Rene noch ein weiterer heroischer Moment gegönnt wird, ehe er in eine Schockstarre fällt, aber dann auch in Olivers Dankestour einbezogen wird, als ein Mann, den diese Stadt verdient, auch wenn seine Launen manchmal gewöhnungsbedürftig sind.
Weil Diaz ein zweites Mal das Megateam foppen kann, soll nun Quentins Verbindung zu Black Siren aka Fake-Laurel genutzt werden. Ihm geht es dabei wirklich um einen Beweis, dass seiner „Tochter“ (aus einer anderen Welt) nichts zugestoßen ist. Diaz möchte allerdings als Gegenleistung den Rückzug des FBI.

Im Gespräch mit Oliver gibt ihm Quentin zu verstehen, dass er schon seit der Mirakuru-Sache (also circa Staffel zwei) einen Herzschrittmacher trägt. Diese für alle neue Information sagt er nicht von ungefähr, sondern sie ist Teil eines Plans, der erst klarwird, als er von Diaz verschleppt wird und der besagte Herzschrittmacher geortet werden kann, was Felicity (Emily Bett Rickards) innerhalb weniger Minuten gelingt.
Auch bei Dinah (Juliana Harkavy) entschuldigt Oliver sich, wobei das hier auf Gegenseitigkeit basiert. Seine Ehefrau Felicity wittert schließlich den Braten und bemerkt, dass Oliver einen noch geheim gehaltenen Deal mit Watson hat. Dabei geht es darum, dass er nach erfolgreicher Mission seine Arbeit als Green Arrow abgibt, was seine eigene Idee war. Doch bevor weitere Details besprochen werden, steht der nächste Angriff auf Diaz an. Ist drei die also Glückszahl?
Quentin in der Schusslinie
Diaz will Bürgermeister Lance mit Gewalt und der Drohung gegen Laurel zum Handeln zwingen, doch beide leisten Widerstand. Schließlich schießt Diaz Quentin so an, dass er zwar nicht direkt stirbt, aber die Gefahr groß ist, dass er verblutet. Relativ passend kommen seine Widersacher ihm dann auf die Schliche und es kommt zur finalen Schlacht. In der Folge kümmern sich beide Canarys darum, Quentin aus der Gefahrenzone zu bringen, was durchaus ein passendes Team-up ist, weil beide die meiste Screentime mit ihm zusammen hatten.
Bei einem Kampf mit Diaz hat Green Arrow dann mehrfach die Oberhand, entledigt sich dessen Waffen und möchte ihn verhaften. Siren kommt ihm jedoch in die Quere und befördert ihn per Canary-Schrei in ein Gewässer, was dafür sorgt, dass er tatsächlich noch einmal davonkommt, was bei Big Bads in Arrow in dieser Form noch nicht geschehen war.
Natürlich sind Malcolm Merlyn und Deathstroke später zurückgekehrt und Damian Darhk ist in einer anderen Serie untergekommen, aber bei Arrow gab es bisher meist einen Schlusspunkt rund um den Schurken. Diaz war in dieser Staffel zwar schon von Anfang an präsent, aber erst ab der zweiten Hälfte als Hauptschurke im Fokus. Man kann davon ausgehen, dass er mit den Longbow Hunters zurückkehren wird. So wie Damian Darhk im Kontext der League of Assassins bereits angedeutet worden war.
Oliver ist zwar sauer auf Laurels Einmischung, sie hat es aber dennoch geschafft, die Daten von Diaz' Kette per Tool von Felicity zu sichern, womit man zumindest seine Lakaien verhaften kann, während das FBI weiterhin in Star City bleibt und sich bemüht, auch ihn zu fassen.
Old Yeller

In der Folge ist ein alter Film rund um einen Hund ein Thema. Dabei ist nach den Parallelen in Diaz' origin story aber nicht „John Wick“ gemeint, sondern „Old Yeller“. Dieser Spitzname könnte auch auf Quentin (und, wegen ihrer Fähigkeit, Laurel) zutreffen, der dringend eine OP benötigt und sich von Rene, Laurel und Oliver verabschiedet. Selbst Sarah (Caity Lotz) hat es nach einem Anruf von Laurel nach Star City geschafft. Die Szene der beiden ist bezeichnend für die Merkwürdigkeiten, die sich bisweilen im Arrowverse abspielen.
Oliver und Quentin sprechen vor seiner OP noch darüber, dass Quentin ein guter Vater war, auch wenn Black Siren nicht wirklich seine leibliche Tochter war. Richtiger wäre: Quentin war ein fast unzerbrechlicher Vater, dem in den sechs Arrow-Staffeln genug für sieben Leben angetan wurde. Mehrere Male hielt er seine Töchter für verstorben, nur, damit sie wieder auftauchten, wiederbelebt oder aus parallelen Welten zurückkehrten. Das würde jedem halbwegs normalen Menschen den Verstand rauben und manchmal wirkten die von Paul Blackthorne gespielte Figur auch so, denn Herzkrankheit und Alkoholprobleme bei sich und seiner eigenen Tochter sowie ständige Krankenhausaufenthalte sind eben kein Zuckerschlecken. Seine Storyline mit Laurel in der sechsten Staffel gehörte jedoch zu den eindeutigen Tiefpunkten seiner Serienlaufbahn und auch Thea (Willa Holland) wurde in einige unsinnige Arcs reingezogen. Entsprechend überrascht es nicht, dass beide Darsteller sich nach neuen schauspielerischen Herausforderungen umsehen.
Olivers Deal mit dem FBI und seine Folgen
Während Quentin in den OP muss, beharrt Watson darauf, dass Oliver seine Vereinbarung einhält. Er soll in Sicherheitsverwahrung genommen werden, während alle anderen Immunität erhalten. Das konnte er seinem Team bisher aber so noch nicht sagen, was zu einigen Überraschungen führt. Doch die böseste Überraschung ist, dass Quentin an den Folgen seiner Verletzung und dem anhaltenden Sauerstoffmangel bei dem Eingriff verstirbt. Das nimmt alle Anwesenden mit, wobei hier ordentlich dick aufgetragen wird bei den reaction shots, verschont Oliver aber nicht davor, ins Hochsicherheitsgefängnis einzuwandern.
Immerhin erhält er noch einige Minuten mit Felicity und seinem Sohn William, um zu erklären, warum er sich auf diesen Deal eingelassen hat. Felicitys erster Impuls ist es, ihn zu befreien, aber das würde diesmal einfach dazu führen, dass alle verhaftet werden, denn das Geheimnis ist zumindest beim FBI bekannt und da William ein Elternteil verdient (der arme!) bittet er sie, diesmal alle Aktionen sein zu lassen. Tatsächlich outet er sich dann auch öffentlich und dementiert, dass Roy Harper oder Tommy Merlyn je etwas mit dem Superheldenjob zu tun hatten und hofft, dass seine Gefährten weiterkämpfen werden. Duldet das FBI das also, solange er seinen Teil der Verabredung einhält? Diggle streift also wohl wieder das GA-Kostüm über und der Rest scheint sich auch wieder zu verstehen. Im Grunde haben wir damit eine sehr ähnliche Situation wie vor Staffel sechs, nur ist Oliver nicht Bürgermeister, sondern Sträfling in einem SuperMax-Gefängnis.
Das ist deswegen auch bemerkenswert, weil vor vielen Jahren, also noch vor dem Serienstart ein Green-Arrow-Kinofilm von David Goyer geplant war, der genau diese Prämisse im Zentrum hatte. Betreibt DC also Ideen-Recyling? Mal sehen, wie sich die siebte Staffel entwickelt, ohne Quentin, dafür mit einem anderen Rückkehrer und wohl wieder mal Diggle als Green Arrow.
Fazit

Die „Arrow“-Autoren haben sich bemüht, beim sechsten Staffelfinale einige neue Ansätze zu finden, was aber nach sechs Staffeln und mehr als 120 Folgen auch nicht so einfach ist. Insgesamt ein ereignisreiches, manchmal durchaus emotionales und kurzweiliges Finale, was aber nicht die überaus zähe Staffel in ihrer Gesamtheit retten kann. Ob die Autoren bemerkt haben, dass sie sich dabei im Kreis drehen und schon wieder am Anfang der Staffel landen?
Mit den Longbow Hunters, dem SuperMax-Gefängnis, dem öffentlichen GA-Outing und Dragon auf freiem Fuß hat man Beth Schwarz als neuem Showrunner diverse Elemente hinterlassen, die in den richtigen Händen spannend sein können. Hoffentlich traut man sich, etwas an der Formel zu rütteln. Smallville hat damals auch den Absprung von Highschool und Landleben in die Großstadt und ins Erwachsenwerden geschafft, wobei Oliver schon von Anfang an in einem entsprechenden Alter war und auch schon mindestens dreimal die Stadt hinter sich sowie das Kostüm in die Vitrine stellen wollte.
Ich selbst bin an einem Punkt angelangt, wo ich sehr gut damit leben könnte, mich von der Serie zur verabschieden. Entsprechend ist momentan unklar, ob es weitere begleitende Reviews zu Arrow bei SERIENJUNKIES.DE® geben wird. Wahrscheinlich ist es, dass ich eventuell nur noch im Rahmen der Crossover nach Star City zurückkehren werde. Es waren zwei sehr gute Staffeln, gefolgt von zwei etwas weniger guten und zwei eher schlechten Staffeln. Mal sehen, ob Frau Schwarz die Kurve kriegt oder The CW einsieht, dass Green Arrow wirklich irgendwann in Rente gehen sollte.
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Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 18. Mai 2018Arrow 6x23 Trailer
(Arrow 6x23)
Schauspieler in der Episode Arrow 6x23
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