Arrow 5x13

© zenenbild aus der Arrow-Episode „Spectre of the Gun“ / (c) The CW
„A Very Special Episode“ nennt man solche TV-Episoden mit einer moralischen Botschaft, die früher oft in Comedyserien eingesetzt wurde, in denen sonst der Spaß im Mittelpunkt steht und die Zuschauer etwas lernen sollen. Genau eine solche ist Spectre of the Gun, die überraschend den Diskurs rund um das 2nd Amendment (Right to keep and bear arms) thematisiert. Fest steht: Diese Folge teilt die amerikanische Zuschauerschaft und könnte auch deutsche Zuschauer zu kontroversen Diskussionen führen.
Obwohl sich die Autoren anstrengen, mehrere Seiten der Debatte aufzuzeigen, kann man doch recht schnell sehen, wo sie stehen, was natürlich in gewisser Weise verwunderlich ist, weil Arrow ein Serie rund um einen Selbstjustizler ist, der über dem Gesetz steht, um seine Widersacher in die Schranken zu weisen. Tatsächlich wird auch dieser Punkt diskutiert. Man kann ihnen also nicht fehlende Mühe beim Beleuchten so vieler Argumente wie möglich vorwerfen.
This week, on a very special Arrow

Während Dinah (Juliana Harkavy) und Diggle (David Ramsey) ein bisschen mehr Zeit miteinander verbringen, mit dem Bo trainieren und darüber sprechen, wie es ist nach einem Rachefeldzug beziehungsweise einem Militäreinsatz wieder in den Alltag zu finden, soll die Suche nach Prometheus über dessen Mutter weitergehen. Doch auch Felicitys (Emily Bett Rickards) mächtiger USB-Stick hilft nur etwas weiter, wobei sie Oliver (Stephen Amell) und Diggle nicht sagt, wie sie den Durchbruch nach drei Monaten erreicht hat.
Dinah sucht nach etwas Normalität und einer eigenen Bleibe. Doch sie hat Angst vor der Nachfrage nach den letzten drei Jahren, die sie untergetaucht lebte, wobei Diggle ihr mit weisem Rat beisteht.
Thea (Willa Holland) kehrt ebenfalls zurück, muss beim Gedanken an die romantische Liaison von Oliver und Susan brechen und freut sich, Quentin (Paul Blackthorne) nach seinem Reha-Aufenthalt wieder zu sehen, während die Anwesenheit von Rene (Rick Gonzalez) sie verwirrt. Der hat sich in kurzer Zeit zum Deputy Majors Assistent hochgearbeitet, womit sie ihre Abwesenheit sofort bereut. Doch dann endet auch der Spaß, als Quentin sich zu einem Meeting verabschiedet und aus dem Aufzug ein Amokschütze aussteigt, der im Büro des Bürgermeisters wild, aber kalkuliert nicht auf Oliver schießt. Rene, ein Befürworter für das Tragen von Waffen zu jeder Zeit, versucht ihn aufzuhalten, doch seine Weste rettet den Angreifer, während DA Chase (Josh Segarra) schwer verletzt wird. Die erste Bilanz ist erschütternd: fünf Tote, 24 Verletzte und acht Personen in kritischem Zustand. Im Lauf der Folge verlieren weitere ihr Leben.
Der Schütze hinterlässt seine Waffe, deren Analyse dafür sorgt, dass die Teammitglieder über den Sinn und Unsinn hinter schärferen Waffengesetzen reden. Dabei gibt es unterschiedliche Auffassungen, denn es handelt sich um eine modifizierte Waffe des Militärs, die wahrscheinlich illegal erworben wurde. Der Besitzer ist so nicht nachverfolgbar und kam womöglich durch Tobias Church in die Stadt. Quentin ist der einzige, der den Schützen ohne Waffe gesehen hat und lässt im Polizeirevier sofort eine Phantomskizze anfertigen. Gleichzeitig warnt er Rene davor, mit einer Schusswaffe zu hantieren, weil er als unehrenhaft entlassener Soldat eigentlich keine Waffe besitzen darf.
Die Herkunftsgeschichte von Wild Dog

Da die Folge ohnehin schon von der Norm abweicht, sind auch die Flashbacks diesmal nicht auf Oliver konzentriert, sondern Rene gewidmet. Wir lernen dessen Frau kennen, die nicht mit ihm und der Tochter ausgehen möchte. Weil Waffenbesitz als Hot-Button-Topic noch nicht ausreicht, werden hier auch die bösen Drogen und ihre Sucht als weiteres Thema ins Spiel gebracht. Denn wir erleben das Paar in einer Phase, in der die von Samaire Armstrong gespielte Figur wohl einen Rückfall in ihre alte Sucht hat, womit wir auch verstehen, warum Rene Interesse daran hat, Quentin bei seiner Suchtbekämpfung zu helfen. Gemeinsam haben sich die Eheleute ein bescheidenes Familienleben aufgebaut, konnten den Problembezirk namens Glades verlassen und eine Familie mit einer kleinen Tochter gründen. Doch die von Rene gefundenen Drogen drohen dies nun zu zerstören und so stellt Rene sie vor das Ultimatum: Drogen oder Familie (die Arrow-Autoren lieben diese dramatischen Entweder-oder-Entscheidungen - siehe Paul und Curtis oder Thea und Moira bei Deathstroke).
Um den Bogen zu seiner Einstellung gegenüber Waffen zu schlagen, erleben wir in den Flashbacks kurz darauf, dass Laura Ramirez bei Renes Rückkehr von ihrem Dealer mit einer Pistole bedroht wird, weil sie ihm 500 Dollar schuldet. Für die Begleichung der Schuld muss Rene nur an seinen Safe heran, wo auch seine Waffe lagert. Es kommt zum Schusswechsel, wo der Dealer unter Notwehr zu Tode kommt, aber auch - was sehr comichaft wirkt - ein Schuss die Mutter und Frau trifft und tödlich verwundet. Renes Kind geht in die Obhut des Jugendamts und er verliert seine Hoffnung, bis er im Fernsehen sieht, dass Green Arrow Damien Darkh getötet und die Stadt sich gegen die Verbrecher aufgelehnt hat.
Das alles passiert wahrscheinlich innerhalb kürzester Zeit, was auch die Problematik an Einzelflashbacks ist, wobei es manchmal im Leben auch sehr schnell sehr viel schlimmer werden kann. Man sollte auch davon ausgehen, dass zwischen dem Tod seiner Frau und dem Anruf vom Jugendamt Zeit vergangen ist, allerdings hatte die Serie schon immer ein Problem damit, Indikatoren einzubauen, die eben dies verdeutlichen. So kann es kurz wirken, als wäre alles innerhalb von nur ein oder zwei Tagen vorgefallen, was ein bisschen albern wirkt, wobei es ein hochdramatischer und traumatischer Lebenswandel für Rene ist.
Die Welt braucht nicht Green Arrow, sondern Oliver Queen
Als Green Arrow versucht Oliver aus einem Mitglied der Bertinelli-Familie Informationen bezüglich der illegalen Waffen zu entlocken, doch dieser schwört, dass man sich nicht auf einen Streit mit dem Bürgermeister und der ACU der Stadt anlegen würde. Kurz darauf taucht Vigilante auf, bei dem man in dieser Folge spätestens an der Stimme erkennen sollte, dass es sich um Adrian Chase handelt, der kurz zuvor geschworen hat, sich auszuruhen, auch seiner Frau wegen. Er erschießt den Befragten und tut das, was GA eigentlich vermeiden möchte.
Wegen des Täters kommt heraus, dass er ein indirektes Opfer eines Massakers vor 16 Monaten wurde, eigentlich für striktere Waffengesetze war, aber seine gesamte Familie dabei verloren hatte und nun wohl zu dem wurde, was er hasst. Außerdem liegt auf der Hand, dass diesmal Bürgermeister Queen gefordert ist und nicht Green Arrow, denn Gewalt erzeugt oft Gegengewalt und eine politische Lösung, so anstrengend, kraft- und zeitraubend sie auch sein mag, wird von Quentin bevorzugt und von Oliver begrüßt, auch wenn Thea zunächst ihre Bedenken äußert, da sie weiß, was für ein Streitthema das üblicherweise ist. Doch Oliver beraumt ein Treffen mit den wichtigsten politischen Kräften der Stadt ein und will schnellstmöglich eine Lösung finden.
Diskurs um Waffengesetze
Die konservative Seite wird von der Council Woman vertreten, die vielleicht die härteste Nuss ist, die Oliver knacken muss und die für ihre Unterstützung bei seiner Gesetzesinitiative einen Gegengefallen fordert, der Oliver vielleicht nicht gefallen wird. Auch sonst kommen einige Ansichten zur Sprache: Quentin ist für striktere Gesetze und so auch Curtis, der dabei mit Rene gepaart wird und erst später merkt, warum Wild Dog an die Schutzfunktion von Waffen glaubt, denn dann wäre seine Frau eventuell noch am Leben, so sein Argument. Dinah ist als alter Racheengel für die Waffen, während Felicity keine klare Stellung bezieht, aber überdrüssig ist, dass der politische Diskurs im gesamten Land festgefahren ist und echte Lösungen nicht durch Diskussionen möglich sind. Ja, subtil sind die Autoren in der Episode nicht, auch wenn es leider eine treffende Charakterisierung der US-Politik auf Landesebene ist.
Curtis und Rene finden als Mr. Terrific und Wild Dog nach einem Hinweis die Einsatzzentrale des Schützen und finden heraus, dass seine nächste Attacke dem örtlichen Krankenhaus gilt, wo Oliver ihn in zivil erwartet und nur mit der Kraft seiner Worte und Argumente beruhigen und seine Festnahme bewirken kann. Die Zusammenarbeit von Ollie und Rene bringt dann die stadtweiten Waffengesetze auf den Weg, die eine Mischung aus Kontrolle und Freiheiten sind, ein seltener Kompromiss, der in der echten Politik wohl schwer umzusetzen wäre.
Bei der anschließenden Gedenkveranstaltung für die Opfer regt Oliver dann an, dass die Bewohner den Kampf und die Hoffnung nie aufgeben dürfen und dass der Star City Firearms Freedom (Star City Freedom, Fuck Yeah!) hoffentlich Freiheit und Kampfgeist abdecken kann.
Fazit

Ja, diese Arrow-Folge fühlt sich stellenweise wie eine einzige lange Moralpredigt an, aber meiner Ansicht nach gibt das dieses Thema auch her, besonders wenn man sich die traurige Häufung von solchen Anschlägen auf amerikanischen Boden vor Augen führt und dass sich trotz der wiederholten Tragödien wegen mächtiger Lobbyarbeit wenig ändert.
Ironisch ist zwar, dass dies in einer Serie geschieht, die als Actionserie ohne Gewalt, Mord und Totschlag nicht denkbar wäre, dennoch bemühen sich die Autoren, möglichst viele Seiten und Ansichten des Problems aufzuzeigen und eine Lösung anzubieten, die in der Realität auch wünschenswert wäre. Die Bewertung war diesmal entsprechend auch eine kleine Herausforderung, aber der etwas andere Ansatz und Fokus gehört in meinen Augen belohnt.
Trailer zur Episode The Sin-Eater der Serie Arrow (5x14):
Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 16. Februar 2017Arrow 5x13 Trailer
(Arrow 5x13)
Schauspieler in der Episode Arrow 5x13
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