Arrow 4x11

Die Episode A.W.O.L. der Superheldenserie Arrow widmet sich diesmal den Figuren Felicity (Emily Bett Rickards) und Diggle (David Ramsey). Bei der IT-Expertin geht es um die weitere Konsequenzen ihrer Wirbelsäulenverletzung und Diggle wird wieder einmal in die Welt von Argus, des Militärs und anderen Geheimdiensten verwickelt, wobei auch sein Bruder Andy (Eugene Byrd) eine zentrale Rolle spielt.
Shadowspire
Diggle und Lyla (Audrey Marie Anderson) werden nämlich während eines Dates vom Ex-Kollegen Chang von Argus gestört, der kurz darauf von bewaffneten Angreifern angeschossen und verschleppt wird. Da die beiden zu Fuß unterwegs sind, können sie die Verfolgung nicht aufnehmen und verlagern die Untersuchung in die Arrow-Cave.
Das Team muss dabei vorerst auf Felicity verzichten, die sich nach der Attacke auf sie, noch nicht bereit für eine Rückkehr in die Action fühlt. Oliver (Stephen Amell) versichert ihr jedoch seine volle Unterstützung und will ihr alle Zeit zur Genesung geben. Die Lage erfordert aber eigentlich ihre Hilfe. Somit versuchen es Laurel (Katie Cassidy) und Thea (Willa Holland) zunächst bei ein paar eigene Quellen, um der Sache auf die Spur zu kommen. Diggle nähert sich derweil wieder langsam seinem Bruder an.
Diggle und seine Frau horchen natürlich bei Argus nach. Es wäre schon verwunderlich, wenn Amanda Waller (Cynthia Addai-Robinson) nichts darüber wüsste. Heimlich steckt sie ihrer Ex-Mitarbeiter Lyla auch einen Flash-Drive zu, der die Informationen und das Stichwort Shadowspire enthält. Chang ist inzwischen bereits tot und um ein Auge und einige Fingernägel ärmer - wovon eines später noch zum Einsatz kommt.

Diggle erkennt das Pfeil-Symbol aus seiner Vergangenheit. Er konfrontiert seinen Bruder Andy damit, der dazu wohl mehr weiß. Die Flashbacks der Episode sind diesmal glücklicherweise nicht Oliver, sondern den Gebrüdern Diggle gewidmet. Sie zeigen, wie und warum es zu weiteren Spannungen zwischen den Brüdern kann. So mancher Angehörige des Militärs hat sich beim Einsatz in Afghanistan mit Drogenhandel etwas dazu verdient. Was John Diggle kategorisch abgelehnt hat, aber seinem Bruder nicht immer geglückt ist. Allerdings hat er seine Verbindungen zu Shadowspire nach eigenem Bekunden nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst abgebrochen. Dennoch weiß er von den Methoden, was dem jungen Diggle-Bruder einen Freigang verschafft oder besser gesagt einen Transport in eine Argus-Zelle.
Andy verrät, dass Shadowspire sich gerne in oder um einen Hafen einrichten und dass sie gerne mit Ablenkungen arbeiten, um ihr wahres Ziel zu verschleiern. Hier ist es eine Ladung Rail Guns, die das Arrow-Team auf eine falsche Fährte lockt, während das wahre Ziel sich als die Argus-Zentrale herausstellt, genauer gesagt: die Rubicon-Codes. Diese sind allerdings so wichtig, dass Waller bereit ist, über Leichen zu gehen.
Overwatch
In dieser Episode bekommen gleich zwei Mitglieder des Arrow-Teams neue Codenamen (es sei denn, ich war unachtsam und habe Diggles-Codenamen bislang überhört). Diggle heißt also in der Funkkommunikation Spartan, was vom Helm her schon einmal passt.
Ansonsten widmen die Autoren diesmal Felicity einige Screentime. Durch ihre Tabletten (und ihre Selbstzweifel) bildet sie sich ein, ihre Goth-Inkarnation aus der Vergangenheit spräche mit ihr. Damit einher geht auch ihr relativ zügiges Einknicken, dem Team wieder bei einer Mission rund um die Rail Guns zu helfen und dabei „zu versagen“. Diggle und Arrow lösen einen Alarm aus, können sich aber doch befreien. Ich habe „versagen“ deswegen in Anführungszeichen gesetzt, weil Felicity zuvor dennoch maßgeblichen Anteil daran hat, dass das Team sofort weiß, wo es hingehen muss. Indem das Foto verbrannt wurden werden die Selbstzweifel in der Episode aber abgehandelt und Goth-Felicity verabschiedet. Diese Entwicklung wird also nicht in die Länge gezogen, gleichzeitig verzichtet man so jedoch darauf, Felicity weitere charakterliche Tiefe zu geben. Sicherlich: eine so schwerwiegende Verletzung ist Hindernis genug, gleichzeitig kommt das schon fast Olivers Wunderheilung nach dem Sturz vom Berg in The Climb nahe.
Der Codename „Overwatch“ ist ebenso unerwartet wie Olivers Witz über den bereits vergebenen Codenamen „Oracle“ (Batman lässt grüßen!). Die lange Szene zwischen Gegenwarts-Felicity und Vergangenheits-Felicity hat mir von der Emotionalität ebenfalls gut gefallen und hat Rickards auch einmal schauspielerisch etwas mehr gefordert als sonst. Stark ist auch die Szene, in der Gothlicity den bösen Teufel spielt, während Oliver ihr gut zuredet. Wobei sie hier mit einem Satz schnell für Aufklärung hätte sorgen können, was jedoch aus dramaturgischen Gründen unterlassen wurde. Dass Oliver außerdem die Suche nach einer Heilung nicht aufgeben wird, ist typisch für ihn und durch die Erfindungen und Kräfte, die er schon erlebt hat, nur verständlich.
Ein interessantes Gedankenspiel kommt im Gespräch mit Laurel zum Vorschein: Hat die Zeitreise im Kampf gegen Vandal Savage dazu geführt, dass Felicity zum Opfer wurde? Sowohl Laurel als auch Felicity sind aber davon überzeugt, dass nur Damien Darhk (Neal McDonough) die Verantwortung trägt und aus dem Verkehr gezogen werden muss, weil genau das die Aufgabe des Arrow-Teams ist.
Attacke auf Argus

Die Attacke auf Argus bringt dann auch einige spektakuläre Entwicklungen. Die Belegschaft wird in Geiselhaft genommen und nach und nach erschossen, sollte der ehemalige Vorgesetzte der Diggles aus Afghanistan nicht seine Codes bekommen. Doch Waller bleibt standhaft. Zu Standhaft. Und in gewisser Weise zu auskunftsfreudig. Denn als sie Lyla als ihre beste Agentin outet, bringt das nicht nur sie in Gefahr, sondern es besiegelt auch Wallers Todesurteil. Sehr interessant: Die Macher entschließen sich, die Leiche samt Einschussloch am Kopf zu zeigen. Was in Filmen und Serien oft das Zeichen ist, dass jemand wirklich tot ist.
Ob das nun ein Mandat von Oben, sprich Warner Bros. ist, weil bald Waller als Filmversion in der „Suicide Squad“ erscheint, ist unbekannt. Überrascht bin ich dennoch über den Moment und die Beiläufigkeit, mit der das Ganze geschieht. Immerhin hat sie in vielen Backstorys ihre Finger im Spiel, so etwa auch in der Flashback-Handlung (wo sie ja immer noch erscheinen kann). Irgendwie habe ich damit gerechnet, dass sie für so manche Tat noch büßen muss. Wie Felicity am Ende der Folge erwähnt: „Erinnert Ihr Euch noch, als sie die ganze Stadt mit Drohnen angegriffen hat?“ Waller ist eine sehr streitbare und kontroverse Figur, die weit mehr als nur moralisch grau ist, sondern eigentlich nur um Haaresbreite noch zu den Guten gezählt werden kann. Tritt Lyla nun ihre Nachfolge an oder gar Diggle? Oder wird Argus nun dicht gemacht? Wir werden sehen.

Super Diggle Bros
Noch einmal kurz zu den Diggle-Brüdern: Die sehen den Überfall, weil Lyla per Knopfdruck die Kameraaufnahme in den Zellentrakt überträgt, damit ihr Mann sich etwas überlegen kann. Da es hier allerdings um die Familie geht, besteht auch Andy darauf, zu helfen. Und so klügeln sie einen Plan aus, den sich jeder aufmerksame Zuschauer selbst denken könnte. Die Autoren spielen geschickt mit der Frage, ob John Andy trauen kann, und führen die Uneingeweihten - wie etwa Lyla - ein wenig hinters Licht. Nebenbei wurde noch das Arrow-Team kontaktiert und Felicity findet ihr Mojo wieder.
Insgesamt gefällt mir der Diggle-Exkurs besser, als ich zunächst dachte. Das betrifft sowohl die Gegenwartshandlung als auch die Flashbacks (wo obendrein die Verbindung zwischen Shadowspire und Reiter offenbart wird). Die Rückblicke können meiner Meinung nach gerne öfter für andere Figuren geöffnet werden. Andys Rehabilitation schreitet voran und rettet nicht nur Diggles Leben. Er darf nicht nur aus seiner Zelle, sondern wird sogar bei seinem Bruder zum Abendessen eingeladen und lernt endlich seine Nichte Sara kennen. Für ein Wiedersehen mit seiner Frau und seinem Kind ist er allerdings noch nicht bereit.
Fazit

A.W.O.L. steigert sich im Verlauf der Episode auf ein recht gutes Niveau und spätestens, als das dramatische Ausrufezeichen durch den plötzlichen Mord an Amanda Waller gesetzt wurde, konnte mich die Folge überzeugen. Der Fokus auf die zentralen Sidekicks als alleinstehende Episode, die fast losgelöst von Damien Darhk erzählt wird, das interpersonelle Drama und das psychologische Trauma der Figuren wird in einem ansehnlichen Arrow-Kapitel verewigt. Im Fall von Felicity hätte man sich vielleicht sogar noch etwas mehr Zeit lassen können, ehe sie das psychologische Hindernis überwindet. Aber wie bereits angemerkt, muss sie noch viel mehr überstehen.
Gespannt bin ich zudem auf die Zukunft von Argus und ob man sich vielleicht noch einen Twist rund um Andy aufgespart hat.
Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 28. Januar 2016Arrow 4x11 Trailer
(Arrow 4x11)
Schauspieler in der Episode Arrow 4x11
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