Arrow 4x10

Nach dem Cliffhanger des Mid Season-Finales Dark Waters, in dem das Schicksal von Felicity (Emily Bett Rickards) in der Luft schwebte, nehmen die Arrow-Autoren in der Episode Blood Debts diesen Handlungsbogen relativ fix wieder auf, erinnern aber die geneigten Zuschauer noch mal daran, dass es ja ein Flashbackmysterium gibt. Inzwischen sind es noch vier Monate, bis geklÀrt wird, welche Person begraben liegt. Immerhin eliminiert das Ende der Episode einen Kandidaten, aber dazu spÀter mehr.
Rache oder Beistand?
Olivers zentraler Konflikt in der Gegenwartshandlung ist demnach auch die Frage, ob er den Verantwortlichen Damien Darhk (Neal McDonough) zur Rechenschaft ziehen kann oder ob er Felicity in ihren schweren Stunden beisteht. ZunĂ€chst stĂŒrzt er sich voll in die Rache und setzt seine Teammitglieder darauf an, Informationen zum Versteck Darhks zu finden. Die Ghosts, die er selbst als Green Arrow verhören kann, sterben nĂ€mlich lieber, als ihren Boss zu verraten und auch Andy (Eugene Byrd) bleibt zunĂ€chst schweigsam, was darin resultiert, dass sein Bruder John (David Ramsey) ihn windelweich prĂŒgelt.
Dass Oliver verzweifelt ist, sieht man daran, dass er sich an sÀmtliche Halme klammert, die ihm bekannt sind. So ist er bereit, seinen Doppelagenten Quentin (Paul Blackthorne) auffliegen zu lassen, sollte ihn das auf die Spur Darhks bringen.
Doch sein Hinweis fĂŒhrt das Team auf die Spur eines alten Bekannten: Lonnie Machin/Anarky (Alexander Calvert), der seines Zeichens zurĂŒckkehrt und eine Vendatta fĂŒhrt, wobei er einen Leichenberg hinterlĂ€sst. Wir werden daran erinnert, dass Thea (Willa Holland) und ihre Blutlust nicht ganz unschuldig daran sind, dass Machin nun einige nicht zu ĂŒbersehende Narben im Gesicht trĂ€gt und er stellt gleichzeitig eine Herausforderung an ihre Selbstbeherrschung dar. Setzt sie dem Leben des Massenmörders ein Ende oder ĂŒberlĂ€sst sie seine Verurteilung dem Gesetz?

Anarky jedenfalls ist auf das Team vorbereitet und deponiert ein paar Selbstschussanlagen in seinem Unterschlupf, was das Team zunĂ€chst in Schach hĂ€lt, bis sie ihn mit vereinter Kraft unschĂ€dlich machen und verhören können. Dass er dabei das Blut seiner Pflegeeltern fĂŒr seine Zeichen missbraucht und die Gesichter aus den Fotos kratzt, hat dabei einen reichlich unheimlichen Beigeschmack, der Anarky entsprechend unberechenbar macht.
FĂŒr das Team ist das in der aktuellen Situation jedoch ein wenig nebensĂ€chlich, denn die Hauptsorge gilt Felicity und auch der Tatsache, dass Oliver lieber Handlanger verprĂŒgelt, als an ihrem Krankenbett auszuharren. Darum ist auch Donnas Reaktion (Charlotte Ross) verstĂ€ndlich, als sie ihn fragt, wo er so lange war. Sie muss ihn nĂ€mlich direkt mit der Hiobsbotschaft vertraut machen, dass Felicitys WirbelsĂ€ule offenbar irreparabel geschĂ€digt ist, wobei man das als Zuschauer einer Comicwelt mit Magie und Metahumans vielleicht nicht sofort glauben und jede Hoffnung auf Heilung verschieben sollte.
Donna hat darĂŒber natĂŒrlich keinerlei Kenntnis und ist zu Recht am Boden zerstört. Was auch verstĂ€ndlich ist: Der erhöhte Drama- und Soapfaktor der Episode, der natĂŒrlich dem emotionalen Gewicht rund um die Ereignisse des Anschlags geschuldet ist. Selbstredend steht Oliver in dieser Situation klar zu seiner Verlobten und bekrĂ€ftigt das mit dem erneuten Anlegen des Verlobungsrings. Zudem holt er sich Rat bei seinem moralischen Kompass in Menschengestalt. Er soll vor lauter Rache nicht seine eigene Menschlichkeit verlieren oder aber zu alten martialischen Mitteln greifen.
Stonehaven
Diggle spricht zwischenzeitlich mit seiner eigenen Moraloase Lyla (Audrey Marie Anderson), die die Blessuren an seiner Hand natĂŒrlich nicht ĂŒbersieht und ihm dazu rĂ€t, Andy den richtigen Weg und den echten John Diggle zu zeigen, der stets die korrekte moralische Linie fĂ€hrt oder es zumindest versucht. TatsĂ€chlich löst die schwerste Tracht PrĂŒgel, die Andy in den letzten zehn Jahren von seinem Bruder kassiert hat, den Kooperationswillen in ihm aus und natĂŒrlich die Tatsache, dass Diggle ordentlich die Werbetrommel fĂŒr Felicity rĂŒhrt, auf die John ganz groĂe StĂŒcke hĂ€lt. Dabei hören wir aus Andys Mund, dass Darhk einen Reset fĂŒr die Welt will und auch das Wort Stonehaven fĂ€llt.
Laurel (Katie Cassidy) ĂŒbergibt Machin derweil den Behörden, was Oliver gar nicht schmeckt. Deswegen befreit er ihn aus dem Gefangenentransport und legt sich mit Laurel an, die zwar eigentlich auch nur ihren Job macht, aber eben den bisher besten Hinweisgeber einfach freilĂ€sst. Immerhin hat Oliver ihm einen Peilsender verpasst, ĂŒber den das Team dann ihn UND Darhk finden will, denn schlieĂlich will Anarky auch Rache an seinem ehemaligen Auftraggeber ĂŒben.
Ein kleiner „Oh Snap!“-Moment findet im GesprĂ€ch zwischen Oliver und Laurel statt, denn sie wirft ihm vor, einen verrĂŒckten Mörder einfach so auf freien FuĂ zu lassen, wĂ€hrend sie ja das Gleiche mit ihrer wiedergeborenen Schwester Sara (Caity Lotz) getan hatte. Wie angespannt die Lage ist, sieht man obendrein daran, dass Oliver Laurel fast aus der Höhle schmeiĂt. Diggle jedoch bietet seinen vollen RĂŒckhalt an.
Zwar verliert das Team schnell das Signal des Senders, kann aber wegen des Stonehall-Hinweises doch zu Machin aufschlieĂen, der sich Darhks Familie als Ziel ausgeguckt hat. Beim anschlieĂenden Kampf stellte sich mir die Frage, warum Machin eigentlich so ein formidabler KĂ€mpfer ist, dass er Green Arrow und Speedy auf Distanz halten kann und mit relativer Leichtigkeit entkommt. Vielleicht auch nur, weil die Unschuldigen noch zugegen sind. Passend zu Anarkys Flucht taucht auch Darhk auf, der ĂŒberrascht zu sein scheint, Green Arrow zu sehen und ein heftiger Faust-/Magiekampf entbrennt.

Da die Hoodgang allerdings seine Familie gerettet hat, gewĂ€hrt Darhk ihm einige Wochen Verschnaufpause, nur um dann noch mit seinem Feldzug gegen das Arrow-Team fortzufahrem. FĂŒr mich ist dieser Austausch ohne Frage die beste Szene der Folge, weil sie unerwartet kommt und ein klein wenig GĂ€nsehaut verursacht.
Die Ruhe nach dem Sturm
Thea konnte nach ihrer unheimlichen Begegnung mit Anarky neues Selbstvertrauen schöpfen, weil es ihr trotz der mehrfachen Versuchung gelungen ist, den anarchistischen Nunchuck-Feuerteufel am Leben zu lassen. Alex (Parker Young) rĂ€umt ihr auĂerdem genug VerstĂ€ndnis und FreirĂ€ume ein, um sich zu finden, obwohl sie kurzzeitig darĂŒber nachdenkt, die Beziehung auf Eis zu legen.
Diggle nĂ€hert sich Andy derweil wieder mit einem kleinen Kartenspiel an, wĂ€hrend Damien Darhk seine Wunden leckt und seiner Familie ein neues sicheres Zuhause und seiner Frau einen Neuanfang fĂŒr die ganze Welt verspricht. Ob gewollt oder nicht, gewisse Parallelen sind zwischen Darhk und Oliver vorhanden, wie man in der abschlieĂenden Krankenhausszene sieht. Dort möchte Ollie einen Urlaub nach Bali unternehmen, wenn das Gröbste ĂŒberstanden ist, doch, solange Darhk noch in Star City unterwegs ist, haben sie noch etwas zu tun, bevor an Freiheit und Ausspannen zu denken ist.
Peitschenhiebe und leuchtende Tattoos
Im Flashback kĂ€mpft Oliver noch mit seinen durch Conklin zugezogenen Verletzungen. Er und Taiana (Elysia Rotaru) werden in Reiters (Jimmy Akingbola) Lager zurĂŒckgebracht, wobei auch die Karten der Insel nun in die HĂ€nde der Bösen fallen. Hat Reiter ihn bisher noch beschĂŒtzt, muss er Oliver nun bestrafen und tut dies durch die bekannten Peitschenhiebe auf nacktem RĂŒcken. Dabei fĂ€llt Reiter Olivers leuchtendes Tattoo auf (das er damals von Constantine aka Matt Ryan erhalten hatte) und er lĂ€sst die Bestrafung stoppen.
Oliver nutzt die Chance, um nach Reiters Pistole zu greifen, da er aber in der Unterzahl ist, hĂ€lt er sie sich an den eigenen Kopf und verlangt, dass das Leben der eigentlich als verstorben geltenden Taiana verschont wird, dann sei er auch zur Hilfe bereit. ZunĂ€chst werden die beiden jedoch ins GefĂ€ngnis geworfen, wo sie sich um seine Wunden kĂŒmmert und bemerkt, dass er kein schlechter Mensch ist. Wenn da nicht der Fakt wĂ€re, dass er ihren Bruder Vlad auf dem Gewissen hat, wovon sie allerdings nichts ahnt... Conklin hat hingegen kaum noch einen Nutzen fĂŒr Reiter.
Wer liegt definitiv nicht im Grab?
Die Autoren nutzen das Episodenende, um klarzumachen, dass eine Figur nicht im Grab liegt - die Hinweise waren zuletzt auch zu eindeutig, als dass es sie treffen wĂŒrde. Nicht nur, weil die Verletzung zu frĂŒh im Staffelverlauf kam, sondern auch wegen der Glaubenskomponente, die nicht ohne Grund so betont wurde und weil die Figur einfach mittlerweile zu wichtig ist. Felicity stirbt also zunĂ€chst nicht, wobei man im Flashforward nicht sieht, wie es um ihre GehfĂ€higkeit steht. Ein gewisser Ray Palmer könnte nĂ€mlich sicherlich etwas aus Nanotechnologie bauen. Doch wichtiger ist noch, dass sie ihre Meinung bezĂŒglich der Methoden ihres Verlobten entschieden geĂ€ndert hat. Zu diesem Zeitpunkt in der Zukunft ist sie klar dafĂŒr, dass Oliver den son of a bitch umbringen soll.
Da ihre Reaktion so emotional ausfÀllt, bin ich momentan der Meinung, dass es tatsÀchlich Diggle treffen könnte, wobei es nach wie vor mehrere Kandidaten gibt (auf den PlÀtzen folgen: Donna, Quentin und Laurel).
Fazit

Blood Debts ist ĂŒber weite Strecken eine okaye Folge von Arrow, die durch zwei bis drei sehr starke Szenen und Momente (Flashforward, Arrow vs Damien, Ollie vs Laurel) ihre ĂŒberdurchschnittliche Wertung verdient.
Damiens undurchsichtiger Plan zum Reset der Welt und das Mysterium um das Grab regen zum Spekulieren an, was mir aktuell Spaà bereitet und die meisten Figuren werden in glaubhafte Konflikte verwickelt. Selbst die schwachen Flashbacks waren diesmal kein absoluter Totalausfall, auch wenn sie weiterhin einfach nur dahinplÀtschern.
Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 21. Januar 2016Arrow 4x10 Trailer
(Arrow 4x10)
Schauspieler in der Episode Arrow 4x10
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?