Arrow 3x09

Arrow 3x09

Die Midseason-Finale von Arrow waren schon immer besonders. Da bildet The Climb keine Ausnahme. Mancher Handlungsbogen macht gar rasante Entwicklungen durch. Eine Sache, die darin passiert, lässt die Zuschauer außerdem sprachlos zurück.

Szenenfoto aus der Episode „The Climb“ der US-Serie „Arrow“ / (c) The CW
Szenenfoto aus der Episode „The Climb“ der US-Serie „Arrow“ / (c) The CW

Die Arrow-Schöpfer haben diesem dritten Mid Season-Finale mit dem Titel The Climb die Mutter aller Cliffhanger verpasst. Was genau dort passiert, wird später in diesem Text besprochen, aber es ist wirklich ein gewagter Schritt, der beim Zuschauer nur mit einem „What the... ?“ oder ungläubigem Staunen quittiert werden kann. Dazu kommt, dass kleine Details endlich in ein neues Licht gerückt werden und so manche mittelmäßige Entwicklung dadurch neu bewertet werden kann.

Nur noch 48 Stunden

Es ist Weihnachtszeit in Starling City und Arrow (Stephen Amell) schenkt Captain Lance (Paul Blackthorne) passend dazu einen Verbrecher, den er dingfest gemacht hat. Doch Oliver Queen droht bald ein ähnliches Schicksal, denn die League of Assassins überfällt ihn und knockt ihn aus. Angeführt wird sie von Nyssa al Ghul (Katrina Law), die im Auftrag ihres Vaters kommt und Oliver ein Ultimatum stellt: Entweder er findet Saras Mörder in den nächsten 48 Stunden oder die Menschen in Starling werden darunter leiden, indem viele von ihnen willkürrlich umgebracht werden.

Laurel (Katie Cassidy) besucht unterdessen das Grab ihrer Schwester Sara und wird dabei von Thea (Willa Holland) gesehen, die dasselbe beim Grab ihrer Mutter tut. Olivers Schwester wundert sich darüber, hält sie Sara doch für lebendig. Laurel verrät ihr dann, was sie ihrem Vater nicht verraten kann: Sara ist tot. Wiederholt betont Laurel in der Episode, dass es ihren Vater umbringen würde, wenn er davon erfahren würde.

Hiermit spielen die Autoren clever mit der epischen Vorausdeutung (im englischen foreshadowing), so dass man annehmen könnte, dass Quentin diese Episode vielleicht nicht überlebt. Doch - soweit kann man vorgreifen - er tut es. Dazu kommt Laurels Mutter Dinah (Alex Kingston) in die Stadt, die, anders als der Vater, schnell merkt, dass Laurel etwas verbirgt. Beim gemeinsamen Abendessen lässt Laurel die Bombe platzen und beim abschließenden Besuch am Grab steigt Dinah Lance auf den Rachezug auf. Es ist erschreckend, in welche Düsternis die Figur hier abdriftet und ihrer eigenen Tochter zuredet, die Täter zu fassen und zur Strecke zu bringen.

Die Suche nach dem Täter wird in dieser Episode scheinbar zu ihrem Ende gebracht, denn durch die Flash-Gehilfin Caitlin Snow (Danielle Panabaker) aus Central City kann die DNA auf dem Pfeil zugeordnet werden. Zunächst sieht es so aus, als wäre Oliver der Mörder. Doch auch Thea teilt Erbgut mit ihm und gerät somit plötzlich in den Kreis der Verdächtigen. Doch wenn es um seine Familie geht, dann will Oliver Verfehlungen nicht wahrhaben, dies macht ihm in dieser Episode Diggle (David Ramsey) mehr als deutlich.

Zunächst verdächtigt er Malcolm Merlyn (John Barrowman), was vor allem wegen einer frisch aufgetauchten Flugroute passen könnte, doch andere Indizien sprechen bald für Thea. So etwa Videoaufnahmen vom Flughafen in der Mordnacht, die für Felicity (Emily Bett Rickards) rätselhafte Flugkurve der Pfeile und ihr merkwürdiges Verhalten in letzter Zeit. Ein Gespräch als Oliver hilft nicht weiter, also ist es Felicity, die den Vorschlag macht, es einmal als Arrow zu versuchen. Dort sieht Oliver, als er durch das Fenster in die Wohnung stürmt, aus erster Hand, dass seine Schwester sich inzwischen sehr gut im Kampf behaupten kann. Den Moment nutzt sie zur Flucht über den Balkon.

Diese Szene beweist, dass Thea weiterhin nicht darüber eingeweiht ist, dass Oliver Arrow ist und die anschließende Szene macht etwas anderes noch mal viel deutlicher: Vertraue niemals Malcolm Merlyn.

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Malcolm Merlyn, Meistermanipulator

Durch Thea erfährt Malcolm schnell, dass ein Angriff auf sie erfolgte, was er sofort mit einem Besuch bei Ollie im Verdant beantwortet. Faktisch hat Merlyn bei seinem letzten Auftritt die Wahrheit gesagt. Er hat Sara nicht umgebracht, wenn man das so versteht, dass es seine Hand war, die die Pfeile verschossen hat. Vielmehr hat er seine eigene Tochter Thea unter bewusstseinsveränderte Drogen gesetzt und sie so zu einem gedankenlosen Killer verwandelt, der sich an die Tat nicht erinnert. Diese Entscheidung ist zwar dramaturgisch interessant, aber für Theas Charakterentwicklung schade. Doch noch ist das letzte Wort nicht gesprochen und wenn es ihr im Verlauf der Staffel gelingt, dahinter zu kommen und ihm das irgendwie heimzuzahlen, dann kann man das verzeihen.

Der skrupellose Meisterstratege Merlyn kommt hier wieder zum Vorschein, der stets ein paar Schritte voraus ist. Er weiß, dass Ra's al Ghul ihn zum Feind der Liga gemacht hat, er weiß um die Regeln der Liga, er kennt die Bedingungen, die Oliver gestellt wurden und er weiß, dass Familie seine Schwachstelle ist. Der eröffnet ihm die Möglichkeit, seinen Hals aus der Schlinge zu ziehen und Olivers Hals hineinzulegen. Oliver überlegt, ob er sein Versprechen brechen und Malcolm auf der Stelle umbringen sollte, doch Thea zuliebe entscheidet er sich anders - erneut manipuliert durch Malcolms Worte. Er hat die Wahl: Ra's anlügen und die Schuld auf sich nehmen oder Thea gefährden. Natürlich setzt Oliver sein eigenes Leben aufs Spiel und fordert den Attentäteranführer zum Duell.

Trial By Combat

Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;The Climb%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;Arrow%26ldquo; © The CW
Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;The Climb%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;Arrow%26ldquo; © The CW

Spätestens durch Game of Thrones wird so mancher Serienfan mit dem Begriff „Trial By Combat“ etwas anfangen können, denn genau darauf lässt sich Oliver gegen Ra's Al Ghul (Matt Nable) ein. Zuvor werden ihm 12 Stunden eingeräumt, um sich von seinen wichtigsten Bezugspersonen zu verabschieden. Laurel gehört wohl nicht dazu, dafür aber Felicity, die ihn beschwört, in Erwägung zu ziehen, wieder zum Mörder zu werden und den Dämonenkopf nicht seine Menschlichkeit ausnutzen zu lassen. Immer, wenn Felicity so martialisch wird, klingeln bei mir die Alarmglocken. Es fühlt sich falsch an und es ist nicht das erste Mal, dass das passiert. Es gäbe andere Figuren, denen man diese Worte eher abnehmen würde als ihr. Besonders da sie ja eigentlich eher ein Grund ist, warum Oliver auf das Morden verzichet. Oder spricht da einfach die pure emotionale und animalische Seite aus ihr, die Angst um ihren Gefähren hat?

Im Angesicht des möglichen Todes lässt Oliver es sich nicht nehmen, erneut die Worte „Ich liebe dich“ zu ihr zu sagen, ehe er zunächst mühsam einen Berg erklimmen muss, um danach in klirrender Kälte und ohne Oberbekleidung im Duell Mann gegen Mann auf den Demon's Head zu treffen. Das Szenario ist imposant und Comicfans sicherlich nicht unbekannt. Auch Batman musste diesen Kampf schon meistern, wobei Batman und Oliver Queen im Serienuniversum verbindet, dass sie niemanden töten wollen. Batman aus Prinzip nicht und Oliver schwört, dies nach Tommys Tod als neues Credo durchsetzen. Doch: Gibt es eine andere Wahl?

Von Oliver weiß man, dass er zum Morden in der Lage ist. Die Frage ist: Wird er es tun? Oder kriegt er die Chance? Eines ist nämlich klar: Ra's Al Ghul ist kein Mann der Gnade. Schwäche wird von ihm bestraft, wie man in der Sequenz in der Episodenmitte sieht, in welcher er einen Angreifer einfach so erdolcht. Von Ra's al Ghul weiß Oliver nur aus Erzählungen. Weder kennt er seinen Kampfstil noch seine Schwächen oder seine Taktik - und trotzem stürzt er sich unüberlegt in den Kampf, wie er es schon des Öfteren getan hat. Übrigens immer mit ähnlichen Resultaten. Eigentlich ist es fast schon ärgerlich, dass es hier erneut passiert, weil er erst im Crossover mit The Flash diesem genau diesen Ratschlag mit auf den Weg gegeben hatte. Aber was soll's...

Die Darstellung des Schurken ist gelungen, wobei man vom Casting durchaus enttäuscht sein kann. Matt Nable wirkt bei seinem ersten längeren Auftritt leider weniger imposant als die Comicvorlage oder die Film- und Videospielversion des Schurken. Auch sein Akzent kommt leicht unpassend rüber. Dafür werden die Arroganz, die Überheblichkeit und die extrem lange Lebenserfahrung aufgegriffen und teilweise schön in die Charakterisierung eingebaut. Auch seine Motivation wird ansprechend erklärt, darum ist der nicht überragende Ersteindruck des Schauspielers wohl ein Detail, an dem man sich nicht unbedingt aufhängen muss. Jedenfalls durchschaut al Ghul Olivers Deckungsversuch und das Duell wird vollzogen. Die Überheblichkeit wird dadurch noch verstärkt, dass er den Kampf ohne Waffe beginnt und teilweise nur einen Arm benutzt und dennoch über weite Strecken die Oberhand behält.

Bei Arrow werden die Winterfinalepisoden oft dafür genutzt, den big bad der Staffel im Vorteil zu zeigen. So war das beim Dark Archer und so war das bei Deathstroke und bei al Ghul ist das wieder so. In einem solchen Maße haben wir das noch nicht gesehen. Al Ghul wischt geradezu den Boden mit Oliver, fügt ihm ernsthafte Verletzungen am ganzen Körper zu, sticht ihn in den Torso und den Brustbereich und tritt ihn den Berg hinunter. Das ist etwas, was kein normaler Mensch überleben kann.

Doch es sollte klar sein, dass hier nicht einfach die Hauptfigur umgebracht wird. Es wird hierfür eine Lösung geben. Comicleser denken sofort an das Stichwort „Lazarus“ und wenn es das nicht ist, dann hat vielleicht das Schwert, mit dem die Verletzungen zugefügt werden, eine Bewandtnis oder die Worte, die al Ghul ihm gegenüber sagt. Sterben kann Oliver - wir sind schließlich in einer Comicadaption. Hier ist eine Wiederbelebung durch verschiedenste Mittel also im Bereich des Möglichen. Trotzdem ist das Ende ein brutal effektiver und schockierender Cliffhanger.

Phantom und China White

In den Hong-Kong-Flashbacks wird Oliver weiterhin bei seinem inneren Konflikt gezeigt, Informationen mithilfe körperlicher Folter aus Menschen zu holen. Dabei versucht seine Kontaktperson Maseo Yamashiro (Karl Yune), ihm zu erklären, warum ihm der Appetit vergeht und gleichzeitig, dass es manchmal notwendig ist, einzelne zu verletzen, um den Rest zu retten. Nichts, was man also nicht vorher schon gehört hat, und etwas, was ideologisch gesehen weiterhin hoch problematisch bleibt.

Darüber hinaus kommt diesmal ans Licht, dass China White (Kelly Hu) eine biochemische Waffe namens „Omega“ in die Finger kriegen will, bei der schon eine Dosis genügt, um eine ganze Stadt zu vernichten. Beim Versuch, sie aufzuspüren, kommt ihnen jemand zuvor und beim „Folterverhör“ gibt es diesmal keine Ergebnisse. Das liegt daran, dass hier wohl - da wird wieder einmal der Bogen zwischen Flashback und Gegenwart gespannt - dieselbe Droge benutzt wird, mit der Malcolm Thea manipuliert. Auch hier liegt der Videobeweis vor - Oliver wird in der Gegenwart also tatsächlich stark dadurch geblendet, dass es um seine Familie geht. Oder soll uns das einen Hinweis geben, dass Malcolm auch hier seine Finger im Spiel hat? Weiterhin sind Zweck und Ziel der Flashbacks leider nicht so deutlich, wie sie sein könnten. Dafür hat man sie inzwischen auch schon auf ein Minimum reduziert.

Gleichzeitig wird Tatsu (Rila Fukushima) in einem Schwertkampf mit China White verstrickt und beide Frauen sind am Ende der Flashbackhandlung verschwunden. Laut des Sohns Yamashiros hat White sie verschleppt.

Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;The Climb%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;Arrow%26ldquo; © The CW
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Die andere Verbindung zur Gegenwart ist das Wiederauftauchen Maseos als überraschendes Mitglied der League of Assassins, wo er den Namen Phantom trägt und seinem alten Leben abgeschworen hat. Das Schicksal seiner Frau wird nur angedeutet, doch, wie es scheint, wurde sie umgebracht und das löste dann den Wandel in ihm aus. Greift man hier also dem Flashback vor? Dann hätte man noch weniger Grund, sich darauf zu freuen oder davon überrascht zu sein. Es sei denn, Oliver trägt indirekt die Schuld an ihrem Ableben.

A.T.O.M.

Ray Palmer (Brandon Routh) öffnet sich gegenüber Felicity, nachdem sie versucht, den Kuss abzuwiegeln und ihre Beziehung auf rein platonischer Ebene fortzuführen. Dabei erzählt er ihr von seiner tragischen Erfahrung mit der letzten Frau, die er geliebt hat. Den Mord an Anna musste er mit eigenen Augen mit ansehen und er hatte sich geschworen, dass sie die letzte Frau bleiben wird, die er küsst - zumindest bis Felicity. Romantisch oder unheimlich - ich bin mir nicht sicher.

Palmer zeigt seiner Angestellten seinen Exo-Suit A.T.O.M. (Advanced Technology Operating Mechanism) mit dessen Hilfe er vielen Menschen und den Bewohnern der Stadt helfen möchte. Herrlich ist Felicitys Reaktion, die schon wieder an einen Superhelden in spe gerät. Mit A.T.O.M. möchte er militärisch und technische Erfindungen so sehr verkleinern, dass sie in seine Handfläche passen und so leichter zu transportieren sind. Wäre es aber nicht hilfreicher, Medikamente oder Ähnliches auf diese Weise zu bearbeiten statt Waffen? Ganz überzeugend klingt sein Plan bisher jedenfalls nicht. Allerdings scheint das Ganze ohnehin noch in der Entwicklungsphase zu sein, denn bisher ist der Anzug ja noch ein Hologramm.

Fazit

Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;The Climb%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;Arrow%26ldquo; © The CW
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Vor allem die letzten Minuten werten dieses Mid Season-Finale von Arrow gehörig auf. Der gesunde Menschenverstand sagt zwar sofort, dass das nicht Oliver Queens permantes Ende ist, dennoch ist es ungemein spannend, zu erfahren, wie die Autoren den Protagonisten aus dieser Situation holen werden. Mit einem Schlag wird Al Ghul als die Person offenbart, die es zu schlagen gilt, besonders, da auch Malcolm Merlyn große Angst zu haben scheint. So entwirft er einen ausgeklügelten Plan, bei dem seine Tochter zur willenlosen Marionette wird - sofern das nun die endgültige Auflösung rund um den Mörder ist. Videos lassen sich heutzutage auch spielend manipulieren, wenngleich man den Drogenplot sonst wohl nicht mit dem Flashback untermauert hätte.

Die Storyline um Laurel entwickelt sich in eine etwas merkwürdige Richtung. Es macht inzwischen den Anschein, als könnte sie zur Antagonistin werden, wenn sie herausfindet, dass Thea es getan hat - oder aber sie legt sich direkt mit Malcolm an, wo sie haushoch unterlegen wäre. Vielleicht ist das aber auch genau die Geschichte, die die Autoren erzählen wollen. Nicht immer können maskierte Helden nämlich nur gewinnen. Abwarten.

Offene Fragen werfen auch der Ray-Palmer-Plot und die Flashbacks auf, allerdings nur im bedingt positiven Sinne. Der A.T.O.M.-Entwurf ist ein schöner Moment, allerdings sollte man langsam eine Richtung oder ein Ziel erahnen können. Bisher tappt man zu viel im Dunkeln oder glaubt, dass man Belangloses sieht, was schade ist, da auch in den Nebenstorys mehr drin wäre.

Trailer zur Episode Left Behind (3x10):
Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 11. Dezember 2014

Arrow 3x09 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 9
(Arrow 3x09)
Deutscher Titel der Episode
Duell
Titel der Episode im Original
The Climb
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 10. Dezember 2014 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 30. April 2015
Regisseur
Thor Freudenthal

Schauspieler in der Episode Arrow 3x09

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