Arrow 3x05

Auf dem Papier klingt die Idee einer eigenen Episode zu Felicity Smoak (Emily Bett Rickards) eigentlich ziemlich gut. Schließlich hatte sie sich schnell den Status eines Fanfavorits bei Arrow gesichert - auch bei mir. Dennoch musste man bis zur dritten Staffel auf die Episode The Secret Origin of Felicity Smoak warten. Doch leider kommt dabei eine der bisher schwächsten Episoden der Staffel und vielleicht auch der bisherigen Serie heraus.
(Anzeige)Besuch von Mutter Smoak
Während Roy (Colton Haynes) und Ollie (Stephen Amell), Thea (Willa Holland) und Malcolm (John Barrowman) sowie Laurel (Katie Cassidy) und Ted Grant (J. R. Ramirez) jeweils miteinander trainieren, macht Felicity zu Hause alleine Sit-ups nach dem Aufstehen. Beim Zähneputzen klingelt es dann an der Tür und Ray Palmer (Brandon Routh) macht einen indiskreten Hausbesuch, weil er eine neue Idee hat. Überflüssige Energie, die die Firmenzentrale von QC absondert, soll an die Stadt verschenkt werden - darüber möchte er nun mit Felicity brainstormen. Ein weiteres Kapitel seiner Stadtverbesserungskampagne also.
Als alter The Simpsons-Fan wirkt der hyperaktive Ray Palmer auf mich wie eine Art Hank-Scorpio-Verschnitt. Diese Gastfigur war nach außen hin sehr nett, aber versteckt doch einen James-Bond-Schurken, wie er im Buche steht. Wie das bei Palmer sein wird, müssen wir noch sehen. Im Moment überwiegt noch die Neugierde. Man möchte wissen, was genau er wirklich plant.
Gegenüber Felicity hat er sich bisher stets unterstützend verhalten. Ray bleibt nicht der einzige Gast, denn bald taucht auch Felicitys Mutter Donna (Charlotte Ross) unangemeldet auf und erwartet, dass ihre Tochter Zeit für sie hat. Auf den ersten Blick ist Mutter Smoak das genaue Gegenteil von Felicity: wenig technikaffin und sehr, sehr, sehr freizügig, nicht besonders intelligent und wenig taktvoll. In der Interaktion mit den Smoak-Frauen zeigt Palmer sich spendabel und schenkt Donna eine seiner neuen Smartwatches, die später beim diesmal übermäßig konstruierten Showdown wieder wichtig wird.
Felicity als Gothhackerin
Im Flashback erfahren wir diesmal ebenfalls mehr über Felicity. In ihren Collegezeiten am MIT hatte sie eine Gothphase, die aber auch eine Neil-Gaiman-Phase sein könnte, denn ihr Aufzug und vor allem die Kette erinnern doch stark an die Figur Death aus Gaimans Comicepos „Sandman“. Jedenfalls war ihr Talent fürs Hacken von Computersystem auch damals schon vorhanden. Ihr gelingt es, einen Virus zu programmieren, mit denen man sämtliche Systeme beliebig ausnutzen könnte. So kommt ihr damaliger Freund Cooper Seldon (Nolan Funk, eine klare Anspielung auf The Big Bang Theorys Sheldon Cooper) etwa auf die glorreiche Idee, alle Studentenkredite mit einem Knopfdruck zu tilgen.
Doch auch damals verfügt Felicity über ein ausgeprägtes Unrechtsbewusstsein und verhindert, dass Cooper das umsetzen kann. Vielleicht nicht nur aus dem Grund, dass es gesetzeswidrig ist, sondern vor allem, weil man die Spur und die Straftat bei so einem plumpen Reset einfach zurückverfolgen könnte. Doch Cooper glaubt, dass man früher oder später die Wahl treffen müsse: Ist man Held oder Hacker? Oder geht vielleicht beides, wie bei Felicity?
Trotz Felicitys Vorsicht wird Cooper kurz danach öffentlich vom FBI festgenommen und muss nun eine Haftstrafe absitzen. Allerdings nimmt er währenddessen die Schuld und Verantwortung für den Vorfall auf sich.
Brother Eye
In der Gegenwart kommt es passenderweise zu einem massiven Stromausfall, der die ganze Stadt betrifft und von einer „mysteriösen“ Hackerpersönlichkeit namens „Brother Eye“ ausgelöst wird. Schnell wird klar, dass jemand mit Felicitys Code Schindluder treibt, doch die PC-Spezialistin will einfach nicht wahrhaben, dass es Cooper sein könnte, denn diesen hält sie für verstorben.
Zwischenzeitlich muss erst noch der ehemalige Mitbewohner Coopers befragt, ein von Laurel verschuldeter Aufstand in der Nähe der Bank überstanden und Felicitys Mutter entführt werden, so dass sie merken kann, dass sie bezüglich des Todes ihres Ex angeschwindelt wurde. Dafür, dass Felicity sonst immer als überintelligent dargestellt wird, steht sie hier ganz schön auf der langen Leitung. Sicherlich, sie glaubt aufgrund des Traumas daran, dass ihr Freund tatsächlich tot ist, doch erst in der letzten Episode tauchte eine andere Figur, die für tot gehalten wurde, wieder auf.
Insgesamt ist die Darstellung von Felicity in dieser Episode zumindest fragwürdig und stellenweise ungeschickt. Sie ist ein Gerechtigkeitsjunkie und kümmert sich deswegen nur wenig um ihre Mutter, die sie seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Sie muss erst von Oliver hören, dass sie sich für sie Zeit nehmen sollte. Sie schließt außerdem einfach kategorisch aus, dass der Ex hinter der Sache stecken könnte, auch als die Beweise dafür sprechen, und kommt nicht einmal auf den Gedanken, ein paar Minuten in einen Backgroundcheck zu investieren oder eine Recherche dazu zu machen. Doch vielleicht überwiegt die Emotionalität auch einfach, denn sie sucht ja auch das Weite, als sie Oliver von ihrem Verlust und ihrer Zeit als Hacktivistin erzählt.
Acting District Attorney Laurel Lance

Einen schweren Fehler leistet sich auch Laurel, die aufgrund der Abwesenheit des echten District Attorney nun formell dessen Position innehat. Sie schickt in eine eh schon aufgehitzte Meute nun auch noch ein Sonderkommando, wofür sie sich später - völlig zu Recht - von Quentin Lance (Paul Blackthorne) eine Standpauke anhören muss. Langsam hat der Captain nämlich ihr Verhalten satt. Ständig geht sie den Weg des Krawalls, der Gewalt und der Eskalation. Er sucht das Gespräch mit ihr, nur: Sie kann sich ihm nicht anvertrauen und frisst ihre Geheimnisse, ähnlich wie Oliver, in sich hinein. Ist das die Last des Vigilanten? Diese Art von Trauermechanismus findet sich des Öfteren in der Serie, vor allem, wenn jemand einen Verlust zu verkraften hat und darum das eigene Verhalten ändert.
Später vertraut sie sich dann doch Ted Grant, ihrem Boxlehrer, an, der nun, da er ihre Geschichte kennt, sie auch gezielter trainieren kann. Bei der Wahl zwischen schwarz und rot entscheidet sie sich, ohne lang zu zögern, allerdings für schwarz - wie die Black Canary eben. Erneut sind die Autoren hier sehr offensichtlich.
Theas neue Bude

Thea lebt sich derweil in Starling City wieder ein und macht sich heimisch. Dafür hat sie sich eine neue, relativ großzügig geschnittene Bleibe gesucht, die sie mit dem Geld, das sie von Malcolm geerbt hat, finanziert. Dies stößt vor allem Oliver übel auf, der nicht will, dass sie das Geld eines fünfhundertfachen Mörders für diese Zwecke besorgt. Als Ollie das Geld nicht nur Blutgeld nennt und Tommys Tod noch einmal ins Spiel bringt, gibt Thea Oliver Kontra und lehnt seine Einwürfe entschieden ab, da sie selbst entscheiden kann, was sie mit ihrem Erbe macht.
Es ist nun kein Geheimnis mehr, dass der Investor, von dem zuletzt noch die Rede war, gar nicht existiert und das Geld für den Club ebenfalls von dieser dubiosen Quelle kommt. Außerdem sprechen beide klar aus, dass Malcolm noch lebt. Obwohl Oliver vor der Gefahr durch ihn warnt, möchte Thea sein Geld dafür nutzen, sich ein schönes Leben zu machen.
Später versucht Oliver, sich für den Streit zu entschuldigen, als er tatsächlich mit Popcorn zur Wohnungseinweihung kommt und die beiden einen Film schauen. Thea bietet Oliver außerdem an, bei ihr einzuziehen (wissen wir eigentlich, wo Oliver gerade wohnt?) und schlägt vor, dass sie den Profit des Clubs an Erdbebenopfer spendet. Das Ganze wird - reichlich unheimlich - von Malcolm von einem Dach aus beobachtet. Wie viel ist zwischen Thea und Malcolm abgesprochen? Weiß Thea, dass er immer in der Nähe ist? Weiß Thea schon mehr über ihren Bruder und verfolgen die beiden einen gemeinsamen Plan?
Freiflug für Mutter Smoak
Ebenfalls nicht wirklich zufriedenstellend gelöst ist die Art und Weise, wie die Hauptaction der Episode in Gang gebracht wird. Dass Mutter Donna auf einen der ältesten Internetabzockertricks hereinfällt (Freiflug nach Starling), mag ihre Einfältigkeit noch einmal unterstreichen, ist aber trotzdem abgedroschen und führt dann zur fast schon obligatorischen Entführung. Der wirklich viel zu vorhersehbare Twist um die wahre Identität von Brother Eye, der dort offenbart wird, ist unglaublich unbefriedigend. Sein Tod wurde nur vorgetäuscht, damit er für die NSA Geheimaufträge ausführen kann. Hat das irgendjemand nicht kommen sehen?
Der Schurke selbst erinnert an die schwachen Widersacher aus der ersten Staffel und fordert Felicity auf, einen Geldtransport für ihn umzuleiten. Ansonsten würde er ihre Mutter erschießen. Das Motiv Geld und der „ausgeklügelte“ Plan sind extrem unkreativ. Könnte er sich das Geld mithilfe von Computerhacks nicht viel einfacher besorgen? Mit Felicity könnte er spielend sehr viel mehr erreichen als bloß einen einmaligen Zahltag. Allerdings knickt Felicity, die an den Tisch gefesselt wird, ein und erledigt den Job in wenigen Sekunden. Man erwartet, dass Felicity irgendein Ass aus dem Ärmel zieht, doch das passiert nicht.
Zum Glück wurde in den ersten Minuten eine Smartwatch von Palmer an Donna verschenkt, denn sonst hätte man nicht einen fadenscheinigen Ausweg aus der Situation finden können. Natürlich geht der Schurke schauen, ob sein Laster voll Geld auf dem Weg ist, während er Felicity auch nur bequemerweise in der Nähe eines Rechners lässt, ohne das zu hinterfragen. Mit dem W-Lan der Uhr werden die Verbündeten gerufen. Also rettet Team Arrow den Tag und selbst das kann für mich diese Episode kaum retten, denn die Actionszenen, vor allem der Angriff von Coopers Crew, wirken in dieser Episode leider lächerlicher als sonst. Ansatzweise cool ist da nur die Tatsache, dass Diggle nun auch eine Sturmhaube trägt und so Roy und Ollie tatkräftig unterstützen darf.
Warum ausgerechnet hier der Ausfall?
Eigentlich fängt die Episode nett an, der Einstieg und die Szenen mit Felicity und Palmer sind witzig und heiter. Auch die Tatsache, dass Diggle mit Baby Sara unterwegs ist und Oliver das Baby nicht in die Arrow-Cave lassen will und sie deswegen bei Donna bleiben muss, ist okay.
Doch der Plot rund um Felicity will einfach nicht zünden. Spannend ist dort vielleicht die Tatsache, dass Felicitys Vater wohl derjenige ist, nach dem sie kommt und dass er seine Familie im Stich gelassen hat, während Donna mit ihren limitierten Mitteln ihr Bestes gegeben hat, um sich und die Tochter über die Runden zu bringen. Dazu kommt die Offenbarung, dass Felicity nur eine gefärbte Blondine ist, was in einer lächerlichen Flashbackszene noch einmal unterstrichen wird. Hier entscheidet sie sich dazu, ihr Aussehen wie eine Art Comicheld zu ändern und zur Felicity zu werden, die wir kennen. Das wirkt auf mich unpassend, auch wenn der Name der Episode natürlich an die klassischen DC-Origin-Storys erinnert. Darum verbuche ich diese Episode als noblen Versuch, der jedoch fehlgeschlagen ist.
Immerhin verspricht das Ende der Episode eine Entwicklung, die man so vielleicht nicht hatte kommen sehen. Roy träumt schlecht und wir sehen auch, wovon er träumt. In seinem Traum ist er nämlich derjenige, der Sara (Caity Lotz) mit drei heftig geworfenen Pfeilen tötet. Sind das die Nachwirkungen des Mirakuru, die bisher komplett unter den Teppich gekehrt wurden, oder ist das wirklich nur ein böser Traum? Roy ist zumindest jemand, den Sara kannte - was deshalb wiederum ihre Überraschung auf dem Dach erklären würde. Doch wahrscheinlich ist es nur wieder eine falsche Fährte.
Fazit

Der interessante Ansatz von The Secret Origin of Felicity Smoak wird leider durch ein schwaches Drehbuch torpediert, das längst abgelegte Fehler der Serie wieder hervorbringt. Ein hoher Soapfaktor, stupide und uninspirierte Gegenspieler, vermeidbare Logiklöcher, maximale Vorhersagbarkeit, fragwürdiges Verhalten der Figuren und auch hölzerne Dialoge führen dazu, dass mich diese Episode nicht wie sonst unterhalten konnte. Seit einigen Folgen schon leidet die dritte Staffel von Arrow an einer akuten Schwächephase, die hier einen Tiefpunkt erreicht. Wir wissen, dass es besser geht. Hoffentlich kann man das bald auch wieder sehen.
Videovorschau auf die Episode Guilty (3x06) der US-Serie Arrow:
Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 6. November 2014Arrow 3x05 Trailer
(Arrow 3x05)
Schauspieler in der Episode Arrow 3x05
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