Arrow 2x11

Die Arrow-Episode Blind Spot geht der Frage nach, ob man bestimmten Menschen grundsätzlich vertrauen sollte oder lieber doch eine gewisse Grundskepsis auch bei den engsten Freunden manchmal nicht verkehrt sein kann. Die Figuren Laurel (Katie Cassidy), Roy (Colton Haynes) und Sara (Caity Lotz) sind diejenigen, bei denen Oliver (Stephen Amell) seinen blinden Fleck neu evaluieren muss.
Die Suche nach dem Schädelmaskenmann geht weiter
Laurels Besuch im St. Walker's Hospital hat Folgen, denn Sebastian Blood (Kevin Alejandro) kriegt Bescheid darüber und besucht die Frau, die er als Tante dort einquartiert hat und die in Wirklichkeit seine Mutter ist. Er fragt sie, was sie mit Laurel besprochen hat. Schnell knickt sie ein und gesteht ihrem Sohn, dass sie der Anwältin die Wahrheit über ihn erzählt hat. Nämlich, dass Blood den eigenen Vater ermordet hat. Zwar tut er so, als würde er ihr verzeihen, doch kurz darauf taucht er als Brother Blood auf und ermordet seine Mutter kaltblütig.
Da Laurel sich erbeten hat, über gesundheitliche Veränderungen informiert zu werden, erfährt sie vom Tod der Patientin. Statt zu glauben, dass der Tod auf Herzversagen zurückzuführen ist, verdächtigt sie richtigerweise Sebastian. Bei ihrem Vorgesetzten Adam (Dylan Bruce) stößt sie auf taube Ohren, also wendet sie sich an ihren Vater Quentin (Paul Blackthorne), der sie mit Arrow in Kontakt bringt, welcher selbst weiterhin fieberhaft auf der Suche nach dem maskierten Schergen ist.
Beim abendlichen Treffen präsentiert Laurel dem maskierten Vigilanten eine sehr glaubhaft erscheinende Argumentationskette. Sebastian Blood kennt Cyrus Gold aus der Zeit im Waisenhaus und die beiden sind Verdächtige im Mord an dem Künstler Max. Außerdem ist Blood für den Mord an seinem eigenen Vater und an seiner Mutter verantwortlich.
Während Felicity (Emily Bett Rickards) schnell nachweisen kann, dass Blood und Gold regen Kontakt hatten, gibt Diggle zu bedenken, dass er Blood, der inzwischen zu einem Freund geworden ist, nicht so misstrauen sollte. Oliver sucht den Mittelweg und will zunächst herausfinden, ob es Beweise gibt, dass Sebastian damals seinen Vater umgebracht habe.
Bei der Recherche kommt heraus, dass diese Akte schon 27 Jahre alt ist und somit keine digitale Kopie vorliegt, auf die Felicity zugreifen könnte, sondern nur eine echte Akte, an die man nur schwer herankommt, weil man eine Schlüsselkarte dafür braucht. Hier kommt Laurel ins Spiel, die Zugang zu diesen Aktenräumen hat. Vorher muss jedoch das Sicherheitssystem ausgeschaltet werden, was normalerweise sieben Minuten Zeit verschafft, wenn da nicht ein überqualifizierter Mitarbeiter wäre, der die Kameras wieder schneller online bringt. Das Team-up von Arrow und Laurel ist ebenso eine gelungene Abwechslung wie die Tatsache, dass Felicitys Fähigkeiten auch einmal an ihre Grenzen stoßen können und nicht immer alles reibungslos verläuft. Also bekommen es die beiden Einbrecher mit dem schwer bewaffneten Polizeiteam zu tun und können nur mit Mühe und Not im letzten Moment mit der Akte entkommen. Doch: Die Mühe scheint umsonst. Die Akte ist leer. Jemand muss ihnen zuvorgekommen sein.
Erneut appelliert Diggle an Olivers neu aufgebaute Freundschaft, so dass Oliver zunächst kurz Sebastian einen Besuch abstattet, um zu prüfen, ob Laurel Sebastian nicht nur eins auswischen will. Doch das schreckt nicht nur Blood auf, sondern auch seinen Drahtzieher.
Slade Wilson duldet keine Nachlässigkeit

Die verschwundene Akte taucht in den Händen Slade Wilsons (Manu Bennett) wieder auf, der sie nun als Druckmittel benutzt, um Sebastian Blood deutlich zu machen, dass die gemeinsamen Pläne fast wegen einer Unachtsamkeit und einer Tat, die vor 27 Jahren geschehen ist, gescheitert wären. Zwar versucht Blood, Wilson zu beschwichtigen, dass er sich des Problems angenommen hat, indem er auch noch seine Mutter umgebracht hat, doch für Wilson war nicht die Mutter das Problem, sondern die neugierige Laurel, die eine Schlüsselrolle spielt, um dem Vigilanten zu schaden. Nun wissen wir auch, warum Blood Interesse an ihr gezeigt hat: Wilson hatte es so geplant. Sein Versäumnis soll er nun aus der Welt schaffen.
Dazu beauftragt er den Maulwurf in den Reihen der Polizei, um Laurels Wohnung auf den Kopf zu stellen und sie wegen unerlaubten Besitzes von verschreibungspflichtigen Medikamenten festzunehmen. Die Tabletten stammen von ihrem Vater Quentin, dem sie diese in einer der vorherigen Episoden entwendet hatte. So kommt es auch, dass Detective Lance langsam, aber sicher das Vertrauen in seine Tochter verliert und ihr im anschließenden Gespräch auf dem Revier nicht mehr glauben möchte. Obwohl er selbst seine Probleme mit Süchten hatte und dies hier auch offen anspricht, scheint es doch der falsche Moment zu sein, um seine Tochter im Stich zu lassen. Allerdings ist Oliver ebenfalls anwesend und möchte sie nach Hause bringen und ihr ins Gewissen reden. Laurel verzichtet jedoch auf die Hilfe und lenkt ihn, indem sie Oliver ein Glas Wasser für sich holen lässt, ab.
Etwas ungeschickt kommt dann die Inszenierung um Laurels Entführung durch Brother Blood und seine Handlanger daher. Diese sollten sich wohl während des Gesprächs schon in der Wohnung aufgehalten haben. Warum hat Oliver nicht einmal geschaut, ob jemand da ist? Stattdessen wird er einfach so K. o. geschlagen, während Laurel in eine Konservendosenfabrik (Cannery) verschleppt wird.
Arrow vs. Brother Blood?
Laurel ist weiterhin überzeugt, dass hinter der Maske von Brother Blood Sebastian steckt und legt sich, als sie aufwacht, verbal mit ihrem Entführer an. Es dauert auch nicht lange, bis Arrow dazukommt und den Mann in der Schädelmaske konfrontiert. Es kommt zum vermeintlichen Kampf, der sogar relativ ausgeglichen ist, bis Arrow Blood einen Pfeil ins Knie rammt und dieser im Anschluss eine Waffe zieht. Doch es ist Laurel, die die vorher aus der Hand geschossene zweite Waffe nimmt, um mehrfach auf Blood einzuschießen.
Sie verlangt anschließend die Demaskierung des Entführers, doch darunter verbirgt sich nicht, wie angenommen, Sebastian, sondern der Handlanger, der auch die Polizei infiltriert hat, womit Laurel nun mehr von ihrer Glaubwürdigkeit verliert. Zumindest in den Augen der Figuren. Einerseits ist das eine verständliche Reaktion, andererseits hat doch Team Arrow genau die gleiche Taktik in der ersten Staffel angewandt, als man ihnen fast auf die Spur gekommen wäre und Diggle daher kurzzeitig das Kostüm getragen hatte. Hoffentlich zweifelt jemand an diesem Täuschungsmanöver, bevor es zu spät ist.
Laurel am Boden

Im Fall von Laurel hilft die Pillenabhängigkeit nicht dabei, ihre Glaubwürdigkeit zu steigern, auch wenn sie insgeheim die einzige ist, die die Wahrheit bisher kennt. Zwar sieht das Büro des Bezirksstaatsanwalts davon ab, Laurel für den Pillenbesitz oder den Mord an „Brother Blood“ zu belangen. Tragbar ist sie in ihrem Beruf allerdings auch nicht mehr, so dass Adam sich gezwungen sieht, sie zu feuern, bevor sich das negativ auf ihn auswirkt. Kommt Laurel wieder auf die Beine und sucht sich einen neuen Job oder wird sie noch tiefer in die Sucht abgleiten? Wahrscheinlich ist es die zweite Option - allein der Dramatik wegen - aber warten wir es ab.
Immerhin kann man sagen, dass die Figur Laurel in den letzten beiden Episoden endlich mal wieder vernünftig benutzt wurde und man durch das Team-up kurz das Gefühl hatte, dass sie ein Erfolgserlebnis haben könnte. Hoffentlich gleitet sie nun aber nicht in einen „Damsel in Distress“-Modus ab, was schade wäre. Es bleibt zu hoffen, dass die Autoren irgendwo mit dieser Story hinwollen. Irgendwann könnte man Laurel beispielsweise auch darüber einweihen, dass Sara noch am Leben ist, was ihr vielleicht neuen Lebensmut geben könnte. Ober wird Laurel ein ähnliches Schicksal ereilen wie Tommy in der ersten Staffel?
The Misadventures of Roy Harper
Eingangs stattet Oliver Roy auch einen Besuch ab, um ihm auf den Zahn zu fühlen und zu schauen, wie sich die Mirakura-Injektion auf ihn auswirkt. Dass das bei dem zurückhaltenden jungen Mann nicht fruchten kann, sollte ihm eigentlich inzwischen klar sein. Da müsste es eigentlich keiner Worte von Diggle brauchen, um die Gemeinsamkeiten der beiden aufzuzeigen.
Doch ganz so verschlossen ist Roy dann nicht. Er weiht Sin (Bex Taylor-Klaus) darüber ein, dass er nun widerstandsfähiger und kräftiger als der Durchschnittsmensch ist. Sie wundert sich zunächst, warum er nicht Thea (Willa Holland) einweiht, doch offenbar fürchtet er um ihr Wohlbefinden und auch ihre Reaktion und möchte zunächst mehr über sein Potential erfahren.
In Zusammenarbeit mit Sin möchte er nun gegen Arrows direkte Anweisung versuchen, als Vigilant aufzutreten und die Stadt zu beschützen. Dafür macht Sin den Starling-City-Slasher ausfindig. Dabei handelt es sich um einen Anwalt, der sich an Prostituierten vergreift. Unter dem Vorwand, dass Sin auf ein Date geht, leiht sie sich von Thea ein sexy Kleid und soll den Lockvogel spielen. Das klappt - bequemerweise, wie uns die Autoren zeigen - auf Anhieb und Sin lockt den Slasher an. Roy greift ein und kann seine Kräfte kaum einschätzen. Er prügelt den perversen Schlitzer fast tot und wäre ohne Sins Eingreifen wohl sogar weiter gegangen. Immerhin sorgen sie dafür, dass er ins Krankenhaus kommt.
Dort kommt Thea dazu, der Sin Bescheid gegeben hat und die erfahren möchte, was vorgefallen ist. Roy bleibt ihr gegenüber allerdings weiterhin verschlossen. Später in ihrem Club weiht sie dann ihren Bruder ein, der Roy daraufhin wieder einen Besuch abstattet. Diesmal allerdings als Arrow und nicht mit der Absicht, einen Pfeil durch ihn zu jagen, sondern ihn auszubilden, um zu verhindern, dass ein weiterer Slade Wilson aus ihm wird. Der Cliffhanger, auf den Comic-Fans gewartet haben, seit Roy eingeführt wurde, ist also endlich da. Ob die Einweisung in die Kunst des Superheldendaseins allerdings so offen sein wird wie bei Diggle und Felicity oder ob Oliver es sich vorbehält, die Ausbildung auf der Straße durchzuführen, muss sich zeigen.
Kann man Sara trauen?
Die Inselhandlung ist in dieser Episode wahrscheinlich der schwächste Part der Geschichte. Im Raum steht Ivos (Dylan Neal) Drohung beziehungsweise Angebot. Entweder kriegt er sein Mirakuru oder er lässt seine Männer auf sie los, um sie für seine Experimente in Gefangenschaft zu nehmen. Slade ist jedoch nicht auffindbar und Sara überlegt, ob man das Angebot vielleicht annehmen sollte. Doch nach einem Gespräch am Lagerfeuer über eine vorzeitig beendete Party, die wohl einige alte Gefühle in Oliver wieder aufkochen lässt, hat sie einen Sinneswandel.
Per Funkgerät nimmt sie Kontakt mit Ivo auf, der sie versucht einzulullen. Doch bald bemerkt sie, dass sie nur aus reinem Selbsterhaltungstrieb an seiner Seite geblieben ist, da sie so immerhin ein Jahr überlebt hat und nicht selbst zu seinem Versuchskaninchen geworden ist. Nun ist sie allerdings bereit, Widerstand zu leisten und zieht somit den Hass Ivos auf sich und Oliver. Ivo droht mit furchtbarer Vergeltung und Folter, sollte er sie in seine Finger kriegen. Während für Oliver, der das Gespräch belauschen konnte, nun wohl klar ist, dass er Sara vertrauen kann...
Deathstroke 2.0

Ein Highlight der Episode ist der kurze Auftritt von Slade Wilson in seiner neuen Deathstroke-Montur, der Sebastian Blood eindringlich klarmacht, dass weiteres Versagen Folgen haben wird. Blitzschnell und unbarmherzig bringt Deathstroke nämlich Bloods drei Begleiter um und stellt dabei klar, dass er das nächste Opfer wird, wenn er wieder scheitern sollte. Slade Wilson in Starling City funktioniert in kleinen Dosen bisher ausgezeichnet, auch wenn es vielleicht etwas schade ist, dass die Kompetenz von Brother Blood so untergraben wird, weil er nun wirklich nur noch wie ein Spielball wirkt. Mir persönlich gefallen wiederkehrende Bösewichte mit etwas Profil ohnehin sehr viel besser als Wegwerfbösewichte der Woche.
Ansonsten ist das Experiment der Autoren in dieser Episode, die Spur von Sebastian Blood abzulenken, durchaus als interessant zu bezeichnen. Spätestens, wenn Brother Blood wieder auftaucht, sollte für die Laurel-Zweifler unter den Figuren wohl der Groschen fallen, dass sie Recht hatte. Doch bis man ihr wieder glaubt, könnte es eine Weile dauern.
Fazit
In Blind Spot stehen wieder einmal die Figuren statt die Action im Mittelpunkt. Diesmal lässt sich feststellen, dass das durchaus gelungen ist. Besonders Laurel profitiert von etwas mehr Zeit im Rampenlicht, auch wenn sie droht, zu sehr in die Opferrolle abzurutschen.
Roys Alleingang als „Held“ geht furchtbar schief, was zu einem Eingreifen Arrows führt, der für einen schönen Moment für uns Arrow-Fanboys sorgt und hoffentlich in den nächsten Folgen entsprechend verfolgt wird.
Die Inselhandlung hingegen könnte nach zwei etwas langatmigeren Kapiteln wieder etwas an Fahrt aufnehmen, weil sie sonst zur uninteressantesten Facette der Serie wird.
Bei einigen in der zweiten Staffel eingeführten Elementen fragt man sich im Moment allerdings unweigerlich, ob die Autoren noch den Überblick haben. Wir haben längere Zeit schon nichts Substanzielles mehr von Moira, Isabel, der League of Assasins oder Malcolm Merlyn gesehen. Auch wenn die Geschichte um Slade Wilson und Sebastian Blood viel Potential bietet, sollten diese anderen Figuren und der bereits vorhandene Aufbau nicht vergessen werden. Sobald diese Frage sich allerdings stellt, folgt zumeist schon in einer der nächsten Episoden eine oft befriedigende Antwort.
Videovorschau auf die Episode Tremors (2x12) der US-Serie Arrow: Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 23. Januar 2014(Arrow 2x11)
Schauspieler in der Episode Arrow 2x11
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