Arrow 1x18

Irgendwie kommt einem die Grundsituation der Episode Salavation doch bekannt vor. Ein anderer selbsternannter Rächer erscheint auf der Bildfläche und nimmt das Gesetz in die eigene Hand. Diesmal nennt er sich „The Savior“ und ist eigentlich ein trauernder Exmann, der über den Tod seiner Frau nicht hinwegkommt. Also kidnappt er die Bewohner von Starling City, da er findet, dass sie eine Strafe verdienen. Bei seinem ersten Opfer kommt er Oliver (Stephen Amell) zuvor, denn der Name John Nickel (Duncan Ollerenshaw) steht auch auf seiner Liste. Schlimmer noch als das Zuvorkommen ist allerdings die Methode, die „The Savior“ anwendet. Er überträgt nämlich seine „Anhörung“ online und lässt den Gefangenen lediglich kurze Zeit, sich selbst zu verteidigen. Gefällt ihm deren Plädoyer nicht, macht er kurzen Prozess mit ihnen und erschießt sie. Das Endresultat ist also eine öffentlich übertragene Exekution. Natürlich sorgt das dafür, dass das Arrow-Team einschreitet. Doch die Verfolgung ist nicht so einfach. Irgendwie bewegt sich das Ziel von einem Punkt zum nächsten, so dass Olivers Hausdurchsuchung ohne Erfolg bleibt.
Die Lage spitzt sich zu, als Roy Harper (Colton Haynes), die aktuelle Flamme von Thea Queen (Willa Holland), ebenfalls verschleppt wird. Da Harper ein jugendlicher Straftäter ist, der der Meinung des Entführers nach dazu beiträgt, dass die Glades verkommen, soll er stellvertretend für alle anderen hingerichtet werden. Zwei Mal haben Ollie und sein Arrow-Team, bestehend aus Diggle (David Ramsey) und Felicity (Emily Bett Rickards) nun schon beim Aufspüren des Täters versagt, doch Ollie verspricht seiner Schwester, dass ihrem Freund nichts passieren wird. Über ein Geräuschmuster und den Orten, zu denen er zurückverfolgt werden konnte, kommt Diggle der glorreiche Einfall, dass der Täter in der eigentlich stillgelegten Starling City Subway unterwegs sein muss. So würden sich auch die ständig wechselnde Positionen erklären und, warum Oliver an der Oberfläche nichts finden konnte - etwa dadurch, dass er sich an einer Baustelle befand. Abgesehen davon, dass der Täter über sehr gute Technik verfügen muss, wenn er aus einer fahrenden U-Bahn heraus senden und dabei ein so gutes Bild liefern kann, kommt erschwerend hinzu, dass Joseph Falk (Christopher Redman), wie der Savior bürgerlich heißt, früher bei den Verkehrsbetrieben gearbeitet hat. Das lässt also kaum einen Zweifel an der Theorie zu.
Es kommt, wie es kommen muss, nämlich zur Konfrontation mit Arrow und der Frage, was den Savior und den hooded guy eigentlich unterscheidet. Gute Frage. Zuerst einmal macht Arrow kein Medienspektakel aus seiner Verbrecherjagd und mutet die Bilder somit auch nicht Kindern oder Jugendlichen zu. Außerdem lässt er den Namen auf seiner Liste oft eine Möglichkeit, sich zu ergeben oder zu rechtfertigen. Und zuletzt bremste vor allem Felicity unüberlegte Streifzüge gegen Menschen, die vielleicht auch Familie haben oder unglücklich in ein Verbrechen verstrickt sein könnten.
Warum aber ein Milliardär mit einer Liste, deren genauen Ursprung er gar nicht kennt, jetzt eher andere Menschen seiner Willkür aussetzen darf als ein Mann aus einem der schlimmsten Vierteln der Stadt, wird nicht oder nur fadenscheinig begründet. Von den drastischeren Mitteln von letzterem mal abgesehen. Aber als Fans von Superhelden und Vigilanten übersieht man das natürlich wohlwollend.
Überlegt man einmal, was die Öffentlichkeit weiß, dann wahrscheinlich nur, dass Arrow ebenfalls über Leichen geht, um Gerechtigkeit walten zu lassen. Auch wenn er dies in letzter Zeit weitestgehend unterlassen hat. Nachahmer kennen eben nicht die ganze Geschichte - oder können, wenn sie es tun, zur eifersüchtigen Freundin werden, wie die Huntress.
Diesmal rückt Oliver aber notgedrungen von seinem Verzicht auf das Töten ab. Denn Joseph fängt sich einen Pfeil ein, damit Roy gerettet werden kann.
So willkürlich wie die Story um den Subway-Richter The Savior auch ist, so bringt er das Arrow-Team doch auf eine wichtige Fährte. Oliver erkennt, dass die Karte der Glades sich ebenfalls in seinem Notizbuch mit den Namen der Personen, die Starling City geschadet haben, befindet. Das Undertaking muss also irgendwie mit den Glades zusammenhängen. Nur das „Wie“ möchte das Arrow-Team in Erfahrung bringen.
Tausche Circuit Board gegen Ticket von der Insel

Während der Inselhandlung verhandeln Oliver und Slade Wilson (Manu Bennett) mit Edward Feyers (Sebastian Dunn) um einen Tausch des Circuit Boards des Waffensystems gegen eine Möglichkeit, die Insel zu verlassen. Oliver hätte gerne ein Boot, mit dem er endlich wegkommt. Es wird also ein Treffen arrangiert, zu dem Feyers mit seinen Männern kommt, darunter Yao Fei (Byron Mann). Feyers glaubt nicht, dass er den beiden vertrauen kann - bei Slade hätte er sicher Recht. Natürlich haben sie den wertvollen Tauschgegenstand nicht dabei, sondern wollen zu ihrem Boot gebracht werden, ehe sie verraten, wo das Teil ist. Feyers macht jedoch ein Gegenangebot: Er lässt Shado (Celina Jade), die Tochter Yao Feis frei, wenn sie ihm den Gegenstand geben. Das bringt Yao Fei zur Weißglut und es bricht ein Kampf aus, bei dem Yao Fei und Shado sich auf die Seite von Slade und Ollie stellen. Es gelingt ihnen einigermaßen, die Oberhand zu gewinnen und zumindest gemeinsam die Flucht anzutreten. Doch dabei wird Yao angeschossen. Er hält die anderen an, ohne ihn zu verschwinden, was sie dann auch tun.
Team Wilson - weil er auf der Insel klar der erfahrenere Mann ist - hat also weibliche Verstärkung bekommen. Da macht es auch fast nichts aus, dass das Treffen nur eine Falle war, um das Versteck der beiden durchsuchen zu lassen und das Circuit Board zu entwenden. Damit ist also der Vorteil der beiden weg, die Waffe angriffsfähig und Slade und Ollie sind wieder am Startpunkt. Vielleicht auch nicht ganz, denn Shado scheint zu wissen, was Feyers plant. Gelingt es dem Trio also womöglich, ihm ein Schnippchen zu schlagen? Wir werden sehen. Was wir ebenfalls sehen werden ist, wie Shado die Dynamik der Bromance durcheinanderwirbeln wird. Könnte sie vielleicht sogar einem oder beiden der Männer den Kopf verdrehen? Und was werden sie nun wegen Yao Fei unternehmen?

Moira geht über Leichen
Zunächst legt Moira (Susanna Thompson) die Tatsache, dass Malcolm Merlyn (John Barrowman) sie damit beauftragt hat, den Verräter in den eigenen Reihen zu finden, als Vorteil aus. Sie bespricht sich mit ihrem Mitverschwörer Frank Chen (Chin Han), mit dessen Hilfe sie bekanntlich einen Anschlag auf Malcolms Leben in Gang gesetzt hat (in der Episode Dead to Rights), und wiegt sich in Sicherheit. Chen ist allerdings verständlicherweise vorsichtig und rät auch Moira zu Schutzmaßnahmen.
Dann kommt jedoch ein Anruf von Malcolm. Ob Bluff oder nicht, ist schwer einzuschätzen. Einer der hohen Triadenvertreter, der bereits verhaftet wurde, sei bereit, auszusagen, wer ihm den Mordauftrag erteilt hat, um eine Haftverkürzung herauszuholen. Das sorgt wohl bei Moira zu einer Überreaktion und sie wirft Chen dem Löwen namens Malcolm quasi zum Fraß vor. Der Dark Archer erscheint persönlich und macht kurzen Prozess mit Moiras Geschäftspartner und will gleich auch Chens Familie zur Strecke bringen. Moira kann lediglich darum bitten, dass seine Tochter verschont bleibt, weil sie nichts damit zu tun hat. Der Dark Archer scheint zuzustimmen und Moira ist aus dem Schneider. Wie knapp und belastend das für Moira war, sieht man an ihrer Reaktion nach dem Gespräch mit dem Dark Archer. Spielt Malcolm nur mit ihr und weiß er womöglich mehr oder reicht ihm Chens Opfer? Was macht Moira nun, da sie sich offenbar nicht mehr aus dem Undertaking herauswinden kann? Wird sie irgendwann mit Oliver sprechen und ihn einweihen? Oder hat sie selbst noch ein Ass im Ärmel?
Familie Lance - eine Soap Opera

Die Handlung um Mutter, Vater und Tochter Lance sowie die verschollene und höchstwahrscheinlich verstorbene zweite Tochter Sarah kann man nur als Soap Opera bezeichnen - dazu noch eine recht langweilige (und schlecht gespielte). Es geht im Prinzip darum, dass die Hoffnung auf Sarahs Überleben Quentin (Paul Blackthorne) und seine Exfrau Dinah (Alex Kingston) zusammenschweißt und zu Nachforschungen bewegt. Man versucht, die örtlichen Behörden der Region zu kontaktieren und klammert sich an kleine Hinweise wie Fotos oder Kleidungsstücke.
Laurel (Katie Cassidy), die schon damit abgeschlossen hat, dass ihre Schwester tatsächlich gestorben ist, stellt ihre eigenen Untersuchgen an und es gelingt ihr, die Person auf dem Foto ausfindig zu machen. Diese befindet sich laut dem chinesischen Konsulat in den USA. Sie heißt allerdings Jenn (Anna van Hooft) und hat auf der Insel lediglich einen kleinen Abenteuerurlaub gemacht.
Die Lance-Eltern müssen also einsehen, dass man sich an etwas geklammert hat, was gar nicht da ist. Dinah gesteht außerdem, dass sie Sarahs Reise hätte verhindern können, denn damals kam sie früher nach Hause und hatte Sarah packen sehen. Daher weiß sie auch, dass diese eine gewisse Mütze eingepackt hatte, die als Hauptindiz für ihr eventuelles Überleben fungierte. Nach einem emotionalen Ausbruch scheinen sich alle nun mit Sarahs Schicksal abgefunden zu haben. Dinah reist im Anschluss ab und darf dabei noch die Comicanspielung der Woche unterbringen. Es geht nach Central City und in a flash wird sie dank eines Nachtflugs wieder zu Hause sein. Central City ist die Heimat von Flash, dem roten Blitz, was diesmal wenig subtil auch im Dialog untergebracht wurde.
Ob diese Storyline damit allerdings schon wieder abgehakt werden kann? Man möchte es hoffen, denn viel gebracht hat sie nicht. Weder auf qualitativer noch auf irgendeiner anderen Ebene. Klar, man hat Dinah eingeführt und eine Storyline vom Piloten wieder aufgenommen und zudem ein wenig den Familienzusammenhalt gestärkt - aber sonst fühlte sich das wie verschwendete Sendezeit an.
Ein paar interessante Charaktermomente
Insgesamt gab es noch ein paar interessante kleine Charaktermomente, die aber sonst nirgendwo zur Handlung passen. Darum sollen sie hier nur kurz gesondert angesprochen werden. Es ist nur konsequent, dass Felicity ihre Menschlichkeit bewahren darf und nach ihrem mehrfachen Scheitern sichtlich am Boden zerstört ist. Als moralisches Zentrum der Gruppe neben Diggle wurde ihr die richtige Funktion zugeordnet. Jemand muss Oliver nach seinem langen Inselaufenthalt ab und an ausbremsen und daran appellieren, dass er eben nicht blind Leute umbringt.
Geht der Vigilant tatsächlich nur im Dunkeln vor? Dass Oliver an einer Stelle einwirft, dass der Hood nicht am Tag aktiv ist und dies so explizit erwähnt, verwundert ebenfalls kurzzeitig, weil man eventuell vorher noch nie darüber nachgedacht hat. Aber die Serie scheint diesem Muster zu folgen und Oliver bei Tag tatsächlich nur mit einem Motorradhelm oder Ähnlichem in Aktion zu zeigen und sonst eben nur am Abend beziehungsweise in der Nacht als Hood auf Streife gehen zu lassen. Das muss man wohl mal genauer beobachten.
Als Thea Laurel um einen Ratschlag in Frauenangelegenheiten bittet und dabei angesprochen wird, dass Laurel sehr viel Erfahrung mit bad boys hat, offenbart das durchaus etwas über ihre Figur. Gilt Ollie tatsächlich auch als bad boy? Könnte Tommy bald auch zu dieser Kategorie zählen und wie ironisch ist dann eigentlich, dass sie eine Karriere als Rechtsbeistand verfolgt?
Apropos Bad Boy: Nachdem Roy Harper von Oliver Queen aus seiner misslichen Lage befreit wird und zu seinem Entführer meint, dass es niemanden da draußen gibt, der sich für ihn interessiert - arme Thea -, sieht man ihn mit einer Pfeilspitze spielen. Deutet sich hier etwa die von Comickennern bereits vermutete Transformation an? Und wenn es tatsächlich zu noch einem Vigilanten/Nachmacher/Sidekick kommen sollte, wie stellt man dann sicher, dass dieser nicht zu so einem gescheiterten Experiment wie die Huntress wird?
Fazit
Salvation fühlt sich wie eine Episode an, die man so oder so ähnlich schon einmal bei Arrow gesehen hat. Außerdem wird man bei der Episode das Gefühl nicht los, dass sie für sich alleine genommen nicht sonderlich prickelnd oder herausragend ist. Ein paar Szenen zum Undertaking und die Inselhandlung, die mühevoll und in sehr kleinen Schritten vorangetrieben wird, können da auch nicht viel retten. Erschwerdend kommt außerdem hinzu, dass der C-Plot um die Familie Lance nur müßig und überflüssig ist. Insgesamt also nur okay.
Videovorschau zur Episode Unfinished Business (1x19) der US-Serie Arrow: Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 29. März 2013(Arrow 1x18)
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?