Arrow 1x16

In der letzten Arrow-Episode Dodger (1x15) hat Moira (Susanna Thompson) den Fehdehandschuh geworfen und China White (Kelly Hu) und ihre Triade damit beauftragt, ihren Mitverschwörer Malcolm Merlyn (John Barrowman) umbringen zu lassen. Denn die Einschüchterungen durch Arrow scheinen Wirkung gezeigt zu haben: Moira möchte aus dem Undertaking aussteigen und ihren Mann Walter wiedersehen. Dead to Rights (1x16) bereitet diesen Anschlag auf Merlyns Leben vor, bringt ein Wiedersehen mit einigen Schurken und die Einweihung einer weiteren Person in Oliver Queens Doppelidentität.
Der Zweck heiligt die Mittel
Zu Beginn der Episode legt sich Arrow mit Guillermo Barrera (George Tchortov) an, einem Killer, der gerne mit Messern kämpft. Doch das ist ohnehin nebensächlich, da Oliver ihn mit einem seiner Pfeile ersticht, somit einen weiteren Mord auf seiner Kappe hat und einen weiteren Namen von der Liste streichen kann. Wichtiger ist es, dass dieser auf seinem Handy gut gesicherte Informationen hat, die Felicity (Emily Bett Rickards) knacken soll. Auch wenn ihr merklich unwohl dabei ist, zu wissen, dass dies erst durch einen Mord möglich wurde.
Felicity genießt in dieser Episode einige Trainingseinheiten mit Diggle (David Ramsey). Er bringt ihr Selbstverteidigung bei, und sollte sich der Trend wiederholen, wird fortan analog zu Olivers freiem Oberkörper Felicity ebenfalls „oben ohne“ zu sehen sein - ohne Brille nämlich. Die Hälfte der Episode sind Felicity und Diggle nun damit beschäftigt, die sehr gut geschützten Daten auf dem Handy zu hacken.

Go Tommy, it's your birthday...
Nach Theas (Willa Holland) 18. Geburtstag darf nun auch Tommy (Colin Donnell) die Sektkorken knallen lassen. Sein Geburtstag wird im kleinen Kreis gefeiert: Laurel (Katie Cassidy), Ollie und Ollies neue Freundin McKenna (Janina Gavankar) treffen sich zu einem Abendessen. Doch Malcolm Merlyn lässt es sich nicht nehmen, die Party zu „crashen“. Er bringt seinem Sohn ein kleines Geschenk und bittet ihn darum, zur Verleihung des „Humanitarian of the Year“ zu kommen, denn ihm, Merlyn Senior, gebühre die Ehre des Preisträgers. Doch Tommy zeigt sich wenig begeistert und lehnt zunächst ab.
Da die Stimmung nach diesem Besuch wohl im Keller gewesen sein muss, lädt Oliver seinen besten Kumpel später ein, chinesisch Essen zu gehen. Doch nicht ohne Hintergedanken: Denn inzwischen konnte Felicity die letzte Nummer, die das Handy angerufen hat, bestimmen: Sie gehört zu eben diesem Restaurant. Ollie kann in einem günstigen Moment weitere Informationen aus zwei Gestalten im Hinterzimmer locken. Dabei darf er seine offenbar akzentfreien Chinesisch-Sprachkenntnisse demonstrieren, wie einer seiner Angreifer anmerkt. Wie es sich gehört hat, er vorher dafür gesorgt, dass er bei dem Angriff nicht erkannt wird.
Mit den gewonnenen Informationen zur Triade gibt Oliver Quentin Lance (Paul Blackthorne) Bescheid, der natürlich zunächst einmal abweisend reagiert, dann aber doch gemeinsam mit McKenna der Spur nachgeht - immer mit dem Ziel vor Augen, den Vigilanten dingfest zu machen.
Deadshot is still alive
China White plant, Malcolm Merlyn während der Gala anzugreifen. Dazu wendet sie sich an einen Schurken, den die Zuschauer für tot gehalten haben: Deadshot. Schließlich hatte er beim letzten Auftritt in Lone Gunmen einen Pfeil im Auge. Doch dieser hat ihm, wie es scheint, nur das Augenlicht genommen. Mit einem prall gefüllten Geldkoffer und technologischen Augenersatz, der ihn näher an die Comicvorlage bringt, kann China White ihn überzeugen, noch einmal aus dem Ruhestand zurückzukehren und Merlyn ins Visier zu nehmen.
Tommy entscheidet sich kurzfristig doch dazu, zu der Ehrenveranstaltung für seinen Vater zu gehen. Dort gelingt es Malcolm mit seiner persönlich angehauchten Rede, die richtigen Worte zu finden, um seinen Sohn zu erreichen. Der Verlust seiner Frau war für ihn besonders hart, sodass er sich einem neuen Ziel gewidmet hat, auch wenn sein Sohn darunter leiden musste.
Zur gleichen Zeit genießen Ollie und McKenna ein kleines improvisiertes Date im Nachtclub, bei dem sie diskutieren, wie ihre Beziehung funktionieren kann. Ehrlichkeit wäre eine Option. Aber ob Oliver der Frau trauen kann, die mit der Jagd auf ihn beauftragt wurde? Die Situation um Helena Bertinelli (Jessica De Gouw) in der Episode Muse of Fire dürfte ihm hier wohl zu denken gegeben haben, was das sofortige Einweihen von Liebschaften angeht.
Hack the World!
Zwar dauert es etwas länger als üblich, aber schließlich findet Felicity heraus, wer das wahre Ziel der Triade ist: Malcolm. Diggle muss das Date sofort unterbrechen, um seinem Boss Bescheid zu geben. Natürlich ist der Zuschauer klar im Vorteil, denn man weiß, dass Malcolm gleichzeitig der Dark Archer ist, der Oliver in Year's End seine bisher empfindlichste Niederlage zugeführt hat. Umso ironischer ist es nun, dass der Bogenschütze ihn gegen den Angriff der Triade verteidigt. Für Ollie ist Malcolm natürlich vordergründig Tommys Vater, nicht der Dark Archer, der Motor des Undertaking und der Mann, der Walters Verschwinden verschuldet hat.
Zuvor muss Oliver sich jedoch einem Rückkampf mit China White widmen, der merkwürdigerweise nicht ganz so prickelnd inszeniert ist wie vergleichbare Kämpfe. Auffällig ist etwa, wie viel hiervon im Schatten stattfindet. Zwar wurden China White nun schon mehrere Auftritte gegönnt, aber eine interessante Hintergrundgeschichte der Figur oder etwas über ihre Motivation fehlt immer noch. Es reicht nicht aus, dass sie die Triade als Frau fürs Grobe repräsentiert. Ist es den Autoren nicht möglich, mehr als ein oder zwei Schurken gleichzeitig interessant zu gestalten?
Panic Room

Durchaus interessant und gewissermaßen auch etwas überraschend ist, dass Malcolms erste Sorge nach dem Angriff auf die Humanitarian of the Year-Veranstaltung Tommy gilt. Malcolm ist zwar durchaus ein Mann, der seine eigenen gefährlichen Interessen verfolgt, aber das Wohl seinen Sohnes steht trotzdem an erster Stelle. Mit diesem im Schlepptau flüchtet Malcom ins Penthouse, wo sich ein Panic Room mit eigener Energieversorgung und kugelsicherem Glas befindet. Auf dem Weg dorthin sieht Tommy aus erster Hand, dass seine Vater auch über Leichen gehen würde. Pikanterweise befindet sich im Panic Room auch Malcolms Dark-Archer-Ausrüstung, die zwar die Zuschauer sehen, Tommy aber verborgen bleibt.

Deadshot gelingt es mit einer besonderen Kugel oder besser gesagt einer Granate, die angeblich kugelsichere Panzerung zu brechen und Malcolm anzuschießen. Das führt zu Malcolms Sturz und dazu, dass die Tür zu seinem geheimen Zweitleben wieder geschlossen wird. War Malcolm hier tatsächlich kurz davor, seinen Sohn in sein dunkles Geheimnis einzuweihen? Malcolm ist nach dem Attentat schwer verletzt, aber noch am Leben. Doch bald kommt „Arrow“ hinzu und stellt fest, dass die Kugeln vergiftet sind und nicht viel Zeit bleibt, um Malcolms Leben zu retten. Eine Bluttransfusion muss her, denn sonst stürbe Tommys Vater binnen Minuten. Warum sollte Tommy allerdings dem Vigilanten trauen?
Oliver bleibt keine Wahl, als sich zu demaskieren. Statt der Offenbarung, dass Malcolm der Dark Archer ist, outet sich Oliver also als „Hood Guy“. Er gelingt tatsächlich - wie, ist natürlich etwas unglaubwürdig - eine Bluttransfusion zwischen den beiden Merlyns zu improvisieren. Doch Oliver nutzt die Chance, um sich davonzustehlen, bevor die Polizei eintrifft.
Tommy weiß Bescheid

Zwar weiß Tommy nun über Oliver Bescheid, kann allerdings nicht verstehen, warum er ihn nicht vorher eingeweiht hat. Dennoch deckt er ihn gegenüber Officer Lance. Für Tommy ergeben sich nun einige Zusammenhänge, etwa dass Oliver, als er zurückkehrt ist, ihre Entführer kaltblütig umgebracht hat. Bei einem privaten Gespräch fragt Tommy, ob Ollie vorhatte, ihn irgendwann einzuweihen. Doch dieser verneint das. Der Kreis der Eingeweihten wird also immer größer. Dass Tommy der nächste ist, ist gleichzeitig ein zweischneidiges Schwert. Als Manager des Nachtclubs, könnte er Oliver decken - sofern man ihn darüber einweiht, dass die Arrow-Cave im gleichen Gebäude ist.
Doch durch seine Annäherung zu seinem Vater wird er auch zur möglichen Gefahr. Zwar wissen Malcolm Merlyn und Oliver Queen nichts von der Bogenschützen-Identität des jeweils anderen, aber es scheint auch nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sich das ändert. Die Grundsituation mit zwei besten Freunden und einem zwielichtigen Vater erinnert an Sam Raimis Spider-Man-Trilogie, aber auch an Smallville und das Trio Clark, Lex und Lionel. Hoffentlich wird die Geschichte nicht bloß wiederholt, sondern möglichst kreativ abgewandelt. Immerhin weiß Tommy - anders als die anderen Beispiele - deutlich früher von der nächtliche Beschäftigung seines besten Freundes. Warten wir ab.
Für Diggle sorgt die Information, dass Deadshot, der Mörder seines Bruders Andy, noch am Leben ist für Wut und Rage - er ist sichtlich am Boden zerstört. Wir werden auch hier sehen müssen, wie der sonst so fokussierte Diggle nun reagieren wird.
Nanda Parbat
Malcolm weiht seinen Sohn Tommy ein, dass Nanda Parbat der Ort ist, der ihm nach dem Mord an seiner Frau einen neuen Lebenssinn gegeben hat. Denn dort hat ihn ein Mann unter seine Fittiche genommen und - wie man mutmaßen kann - wohl in die Kunst des Kampfes oder des Bogenschießens eingeweiht und ihn auf die Idee gebracht, aus Starling City einen besseren Ort für alle zu machen. Doch bevor er Tommy sagen kann, wie er sich das vorstellt, wird er von Moira unterbrochen, die wohl ganz klar gelauscht hat.
Die beiden sprechen unter vier Augen und prompt erscheint der alte Malcolm wieder auf der Bildfläche. Er kann sich denken, dass es einen Maulwurf in den eigenen Reihen gibt, und bittet Moira, diesen ausfindig zu machen. Doch wie, wenn sie es selbst ist? Wird ihm Moira ein Bauernopfer vorwerfen, um von sich selbst abzulenken? Wie wird sie darauf reagieren?
SOS auf der Insel
Die „Bromance“ zwischen Oliver und Slade Wilson (Manu Bennett) geht auf der Insel weiter. Diesmal steht ein altes Funkgerät im Mittelpunkt, von dem Slade glaubt, dass es nicht funktioniert. Ollie hat damals während einiger Ausflügen mit seinem Vater, der Pilot war, dabei zugesehen wie er an solchen Geräten gebastelt hat und versucht Funkgerät wieder auf Vordermann zu bringen, was nach einigen Stunden Arbeit auch gelingt. Doch Notrufe abzusenden funktioniert nicht. Wie Slade aber herausfindet, kann man immerhin andere damit abhören. So kommen sie den Söldnern um Fyers auf die Spur und finden bald eine Waffe mit dem Codenamen Scylla (benannt nach einem Monster aus „The Odyssey“), mit der man nicht nur Flugzeuge abschießen kann, sondern auch ganze Kriege starten könnte. Wollen sich Slade und Oliver die Waffe zu nutzen machen oder sie zerstören, sodass ein Krieg verhindert werden kann? Wir werden sehen.
Mama Lance
Während Laurel nach dem Gespräch mit Tommy ihren Anruf noch gekonnt ignoriert hat, lässt sich ihre Mutter Dinah Lance (Alex Kingston) nicht so leicht abwimmeln und steht bald bei ihr vor der Tür. Man merkt, dass die Beziehung der beiden nicht gerade die beste ist. Doch Laurel ist geschockt, als ihre Mutter meint, dass ihre Schwester Sarah noch am Leben sei. Nur ein Trick, um sich mehr Zeit zu erkaufen?
Fazit
Gleich drei (wenn nicht sogar mehr) interessante Cliffhanger bietet die Episode Dead to Rights, die von Geoff Johns, einem der vielbeschäftigsten Comicautoren von DC Comics („Green Lantern“, „Justice League“, „Aquaman“) und aktuell Chief Creative Officer des Comicverlags, geschrieben wurde. Johns hat auch einige Episoden von Smallville geschrieben, beispielsweise Society und Absolute Justice. In seinen Comicarbeiten schafft Geoff Johns es, besonders die Schurken zu dreidimensionalen Figuren zu machen. Hier gelingt es allerdings nur mit Malcolm Merlyn, der etwas mehr Hintergrund erhält als nur den des reichen Unternehmers, der irgendetwas vorhat, während China White und Deadshot allerdings erneut stiefmütterlich behandelt werden. Aber vielleicht hat Johns ja in Zukunft noch einmal Zeit, die verpasste Chance nachzuholen.
Ansonsten steht neben Ollie und Malcolm auch Tommy im Mittelpunkt, was durchaus für eine interessante Charakterentwicklung sorgt. Speziell wie es nun mit Ollies bestem Freund weitergeht, dürfte dabei spannend bleiben. Auch sonst bietet die Folge eine gute Mischung aus Action, Fokus auf die Figuren und Spannung und ist somit eine weitere überdurchschnittlich unterhaltsame Arrow-Episode.
Videovorschau auf die Episode The Huntress Returns (1x17) der US-Serie Arrow: Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 1. März 2013(Arrow 1x16)
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