Arrow 1x01

Arrow 1x01

Eine neue The CW-Serie mit einem umhangtragenden Superhelden? Der Serienjunkies-Redakteur Adam Arndt hat sich in San Diego die Füße in den Bauch gestellt und einen Platz im heiß begehrten Screening zu Arrow ergattern können. Hier das Serienjunkies.de-Review.

Stephen Amell als Oliver Queen aka Green Arrow mit dem Cast der neuen US-Serie „Arrow“ / (c) The CW 2012
Stephen Amell als Oliver Queen aka Green Arrow mit dem Cast der neuen US-Serie „Arrow“ / (c) The CW 2012

Kurzinhalt zu „Arrow“

Die neue US-Serie Arrow - der inoffizielle Nachfolger von Smallville - handelt von dem Milliardenerben und früherem Playboy Oliver Queen (Stephen Amell). Nachdem er fünf Jahre auf sich alleine gestellt auf einer einsamen Insel überleben musste, kehrt er mit ungewöhnlichen neuen Fertigkeiten und einem geheimnisvollen Plan in seine Heimatstadt Starlin City zurück: Als Arrow sagt er, nach seiner in den Medien aufmerksam verfolgten Rückkehr, dem Verbrechen den Kampf an! Mit grünem Superheldendress, Pfeil und Bogen inklusive Trickpfeilen, hartem Nahkampftraining und einer ungeheuren Wut. Als Playboy und Millionär verbringt er nach außen hin seine Freizeit, doch insgeheim ist er Arrow, der mithilfe einer Liste seines Vaters gierige Verbrecher zur Strecke bringt.

Die neue The CW-Serie basiert auf den „Green Arrow“-Comics, in denen der Hauptcharakter der klassischen Figur Robin Hood nachempfunden ist. Maskiert und mit Pfeil und Bogen bewaffnet nimmt Green Arrow die Gerechtigkeit als Superheld in die eigenen Hände. Obwohl sein Alter Ego Oliver Queen selbst Multimillionär ist, hat er hierbei eine Vorliebe dafür, korrupten Firmen oder Einzelpersonen das Handwerk zu legen. Wer exemplarische Comics, die einen guten Eindruck über den Hintergrund der Figur vermitteln, lesen möchte, sollte zu „Quiver“ von Kevin Smith und Phil Hester, „Green Arrow: Year One“ von Jock und Andy Diggle, „Green Arrow: The Longbow Hunter“ von Mike Grell oder „Green Lantern/Green Arrow“ von Neal Adams und Dennis O'Neil greifen.

Weitere Hauptrollen in der Serie Arrow haben Katie Cassidy (Supernatural, Melrose Place), Willa Holland (The OC, Gossip Girl), Susanna Thompson (The Book of Daniel, Kings), Paul Blackthorne (24, The River), David Ramsey (Dexter, Outlaw), Jamey Sheridan (Law & Order: Criminal Intent, Homeland), Colin Salmon („Resident Evil“, „Alien vs. Predator“) und Colin Donnell (Pan Am) inne.

Greg Berlanti (Brothers & Sisters, „Green Lantern“), Marc Guggenheim (FlashForward, Eli Stone) und Andrew Kreisberg (The Vampire Diaries, Fringe) verfassten das Drehbuch zum Serienpiloten. David Nutter (Smallville, Supernatural) führte Regie.

Auf der nächsten Seite folgt das Review, basierend auf dem Screening in San Diego, und auf der letzten Seite lest Ihr das Fazit und könnt den Trailer zur Serie anschauen.

Kritik

Stephen Amell als Oliver Queen © The CW
Stephen Amell als Oliver Queen © The CW

Als Comic- und Superheldenfan, der zum ersten Mal auf der Comic-Con ist, freut man sich natürlich besonders auf Arrow. So ging es wohl auch der großen Menge an Anwesenden, die das Screening abwarteten, obwohl es sich erst um den zweiten oder dritten gezeigten Serienpiloten der Preview-Night handelte.

Stephen Amell macht einen sehr guten Eindruck als junger „Arrow“, der sich noch ganz am Anfang seiner Karriere befindet und optisch eher an Connor Hawke, also Oliver Queens Sohn, in der Comicvorlage erinnert als an den Mann, der dort oft Schnäuzer oder Spitzbart trägt. Abzuwarten bleibt, ob er auch mürrisch und so antiautoritär wie sein Comicpendant werden wird.

Der Einstieg in „Arrow“ ist solide, aber nicht ohne Schwächen. Das Setting und die Beleuchtung während der Flashbacks und der Szenen mit „Arrow“ sind düster und bedrohlich. Schließlich ist es kein Zuckerschlecken, einen Schiffbruch zu erleiden oder als maskierter Vigilant für Zucht und Ordnung zu sorgen. Die Einführung des Piloten greift auf das Mittel des Voice-Over zurück - sicherlich einigermaßen passend für eine Comicadaption, aber manchmal auch etwas pathetisch und überzogen. Die Geschichte des Schiffbruchs wird in Flashbacks erzählt, die sich mit den Ereignissen der Gegenwart und Olivers Rückkehr in die Zivilisation abwechseln.

Oliver Queen hatte beispielsweise das Glück, das „Twilight“-Franchise verpasst zu haben, wie einer der witzigen Sprüche des Serienpiloten offenbart. Auch in seiner Familie hat sich einiges geändert: Die Schwester ist groß geworden und kam mit dem Verlust von Bruder und Vater nur schwer klar, so dass sie aktuell mit Drogen experimentiert, was Oliver natürlich nicht entgeht. Denn wenn er eins gelernt hat, dann ist es: beobachten, auskundschaften und Situationen zu lesen. Comickennern wird der Spitzname „Speedy“, den Thea Queen (Willa Holland) - also Olivers Schwester - trägt, vielleicht schon ein Indiz geben, wohin sich ihre Figur entwickeln könnte - sowohl charakterlich als auch gesundheitlich. Das bleibt aber im Moment nur Spekulation.

Die Dynamik der beiden ist auf jeden Fall schon einmal erfrischend gut, wirkt geschwisterlich und ist durchaus nett anzusehen. Ähnlich verhält es sich zwischen Oliver und dessen bestem Freund Tommy (Colin Donnell), der den Großteil des comic reliefs - der komischen Momente - liefert. Katie Cassidy ist Dinah „Laurel“ Lance, der love interest, der in der Comicvorlage durchaus bereits unter einem anderen Namen bekannt ist... Mal sehen, wie und ob sich diese Figur in eine ähnliche Richtung entwickelt. Im Serienpiloten wird sie als couragierte und engagierte Frau dargestellt, die auf ihren eigenen Beinen steht, aber wohl auch emotional an Oliver Queen hängt. Was hält sie also ab, sich an ihn zu binden? Oder gibt es emotionalen Ballast oder gar eine Beziehung mit jemand anderem? Oliver ist ihr gegenüber nicht ehrlich, was das Schicksal ihrer Schwester angeht, also baut sich hier auch einiges Konfliktpotential für die Zukunft auf. Was Dinahs Schwester passiert ist, gilt nämlich wahrscheinlich als eine der größeren Verfehlungen in Olivers Leben.

Nach seiner Rückkehr soll der Milliardenerbe also die verlorene Zeit nachholen und ein wenig das Leben genießen - doch danach ist ihm nicht. Ihm wird ein Wachhund zur Seite gestellt, dem er aber bisweilen entkommt und stattdessen lieber seine Zweitidentität als Robin-Hood-Vigilant etabliert. Und das genretypisch in einem alten Lagerhaus... Selbstredend darf hier auch eine Trainingsmontage nicht zu kurz kommen, die schon mal andeutet, was der gute „Arrow“ so auf dem Kasten hat - sowohl körperlich, als auch mit seiner Lieblingswaffe, dem Bogen.

Es stellt sich heraus, dass Oliver nach seinem Bootsunglück gemeinsam mit seinem Vater einige Zeit auf einem Rettungsboot verbracht hatte, ehe er die Insel, die ihn fünf Jahre am Leben gehalten hat, erreichte. Doch der Vater ist der Überzeugung, dass es Oliver ist, der überleben soll. Er möchte, dass er in seinem Namen handelt und den Familiennamen aufrechterhält. Er trifft daher mehrere folgenschwere Entscheidungen, die Olivers Überleben sichern und auch seine Karriere als maskierter Rächer maßgeblich beeinflussen werden.

Die Inselsequenzen erinnern durchaus ein wenig an den Tom Hanks-Film „Castaway“, denn der millionenschwere Sohn muss ohne Rasierzeug auskommen, sich selbst beschäftigen und mit allen Mitteln überleben. Leichte Schwächen gibt es, wie für eine Networkserie üblich, bei den CGI-Effekten. Vor allem dem Boot im Sturm sieht man deutlich die Entstehung am Computer an.

Würdiger Nachschub für DC-Serienfans

Auf der Actionebene liefert der Serienpilot zu Arrow ebenfalls solide Spannung. Eine Gruppe von Gegnern, die aufgrund ihres roten Gesichts auch aus „Captain America“ aus dem Hause Marvel Comics stammen könnte, nimmt Oliver und seinen Kumpel gefangen und versucht anschließend Informationen von ihnen zu bekommen. Doch da hat jemand die Rechnung ohne den Wirt und dessen auf der Insel gelernten Überlebensfähigkeiten gemacht.

Ein Stück weit erinnert die im Serienpilot erzählte Geschichte an eine Mischung aus besagtem „Cast Away“ und „Batman Begins“, was nicht unbedingt die schlechtesten Referenzen sind. Durch knallhartes Training, Selbstdisziplin, zahlreiche Ressourcen von Daddy und Millionen auf dem Bankkonto sowie einer geheime Liste von Übeltätern wird nun Jagd auf selbige gemacht und dafür den Bedürftigen mithilfe von Selbstjustiz geholfen. Auch Elemente, aus den Bourne-Filmen oder den James-Bond-Teilen mit Daniel Craig ist erkennbar. Der sehr fitte Oliver Queen ist ein Experte im Nahkampf und im Ausschalten von Feinden. Dazu kommt, dass er offenbar Parkour beherrscht und, wie der Titel schon nahelegt, ein mehr als effizienter und ausgezeichneter Bogenschütze ist. Deutlich macht dies beispielsweise die aus den Vorabmaterial bekannte Szene mit den Tennisbällen.

Interessant für Serienjunkies ist, dass für sein Haus ein älteres Set aus Smallville wohl zweitverwertet wird. Gemeint ist die Villa von Lex Luthor, deren Design Kennern beider Serien ins Auge fallen dürfte.

Etwas fragwürdig erscheint, dass „Arrow“ kein Problem damit zu haben scheint, seine Feinden das Leben zu nehmen. Durchaus überraschend, denn eigentlich töten nur die wenigsten Superhelden, wenn man mal Leute wie den Punisher ausklammert. Vielleicht ist er auch nur gut darin, die Gegner außer Gefecht zu setzen, aber die eine oder andere Szene spricht eigentlich schon eine recht deutliche Sprache.

Ebenso interessant ist, wessen Maske man auf der Insel kurz erblicken kann: Deathstroke. Sollte dies der Schurke der ersten Staffel sein, hat man zumindest nicht die schlechteste Wahl getroffen. Ihn und Oliver Queen verbindet in den Comics durchaus eine konfliktreiche Beziehung. Doch auch ein zweiter Widersacher oder Antagonist wird zum Episodenende eingeführt, mit dem man nicht unbedingt rechnet, so dass die Spannung auf jeden Fall bis zur nächsten Episode erhalten bleibt. Außerdem bleiben auch Oliver Queen und „Arrow“ mysteriös. „No one can know my secret“ heißt es hier im Voice-Over zum Episodenende. Ist damit gemeint, welche Strapazen er auf sich genommen hat, um zu überleben? Meint er sein Alter Ego? Meint er die Liste seines Vaters oder vielleicht gibt es ja eine Person, die ihn ausgebildet oder von der Insel geschafft hat? Hat die Maske etwas damit zu tun? Antworten auf diese Fragen wird man sicherlich in Zukunft noch en détail zu sehen bekommen.

Man könnte sicherlich noch an den Dialogen und den Voice-Overn feilen, denn diese sind manchmal zu expositorisch oder offensichtlich, doch insgesamt ist es zunächst schön, wieder eine Comicadaption in Serienform zu haben, die durchaus über eine Menge Potential verfügt und gut zum Sender The CW passt.

Fazit

Stephen Amell als Oliver Queen alias %26bdquo;Arrow%26ldquo; © The CW
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Arrow ist interessanter, düsterer und spannender als zuvor erwartet und erhält als Ersteindruck eines Comicfans solide vier von fünf Sternen. Ob auch Nicht-Comicleser so reagieren, bleibt abzuwarten. „Arrow“ wirkt jedenfalls erwachsener als die Anfangsepisoden von Smallville, die natürlich auch noch in der Highschool spielten.

Man nimmt sich zwar ernst, lässt aber durchaus Raum für Humor. Man bietet Action, aber auch Rätsel und Verschwörungen, die wohl einige Zeit beleuchtet werden könnten. Potential ist vorhanden und auch der Sendepartner scheint zu passen. Gespannt kann man auch darauf sein, ob andere Helden aus dem DC-Universum in „Arrow“ ihr Debüt feiern, wie man es bei „Smallville“ vorgemacht hat. Ab Herbst läuft Arrow immer mittwochs im Doppelpack mit Supernatural bei The CW in den USA.

Hier der lange Trailer zur The-CW-Serie „Arrow“ [videosj=ArrowExtendedPreview] (c) The CW

Verfasser: Adam Arndt am Samstag, 21. Juli 2012

Arrow 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Arrow 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Die Rückkehr
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 10. Oktober 2012 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 16. September 2013
Autoren
Vivien Cardone, Valerie Azlym
Regisseur
David Nutter

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