Archive 81: Kritik zum Start der gruseligen Mystery-Serie bei Netflix

Archive 81: Kritik zum Start der gruseligen Mystery-Serie bei Netflix

Der Conjuring-Regisseur James Wan hat für Netflix die neue Mystery-Serie Archive 81 produziert, die von verfluchten VHS-Kassetten handelt. Vor allem die Hauptdarsteller Mamoudou Athie und Dina Shihabi saugen einen schnell ein.

Mamoudou Athie in der Serie Archive 81 (c) Netflix
Mamoudou Athie in der Serie Archive 81 (c) Netflix
© amoudou Athie in der Serie Archive 81 (c) Netflix

Seitdem er „Saw“ und spĂ€ter das „Conjuring“-Franchise schuf, gehört James Wan zu den wichtigsten Namen im Horrorgenre. Mit seinem Studio Atomic Monster Productions produziert der Regisseur inzwischen auch Serien, zuletzt beispielsweise I Know What You Did Last Summer fĂŒr Amazon Prime Video. Der Netflix-Achtteiler Archive 81 ist nun Wans nĂ€chstes Werk, wobei er das Drehbuch Rebecca Sonnenshine (The Boys, The Vampire Diaries) und die Inszenierung Rebecca Thomas (Stranger Things) ĂŒberließ (die Grundidee basiert auf einem gleichnamigen Podcast).

Den zwei Damen gelang mit der einstĂŒndigen Episode Mystery Signals ein vielversprechender Auftakt zum Mystery-Format. Wer schwache Nerven hat, wird wahrscheinlich nicht weit kommen - wer aber dranbleibt, gerĂ€t schnell in den Sog der Spannung. Ein wichtiger Grund dafĂŒr, dass Archive 81 so gut funktioniert, geht auch auf die beiden Hauptdarsteller der Serie zurĂŒck: Mamoudou Athie (The Get Down, Sorry for Your Loss) und Dina Shihabi (Altered Carbon, Tom Clancy's Jack Ryan). Die Story selbst ist derweil nicht besonders innovativ...

Worum geht's?

Im Zentrum der Geschehnisse steht der New Yorker Archivar Dan Turner (Athie), der eines Tag den Auftrag kriegt, eine Sammlung beschĂ€digter Videokassetten zu restaurieren. Da das Material streng vertraulich behandelt werden soll, muss sich Dan fĂŒr seine Arbeit in einen abgeschiedenen Bunker außerhalb der Stadt zurĂŒckziehen. Durch die alten BĂ€nder lernt er bald Melody Pendras (Shihabi) kennen, die 1994 die Aufnahmen machte. Als Dokumentarfilmerin wollte sie damals die eigenartige Geschichte ihres WohngebĂ€udes einfangen, indem sie ihre Nachbar:innen interviewte. Doch immer wieder kommt es dabei zu merkwĂŒrdigen PhĂ€nomenen, die auf drastische Weise mit ihrer Psyche spielen.

Dan kann den Wahnsinn, der sich im sogenannten Visser-Komplex abgespielt hat, nur hilflos aus der Gegenwart mitansehen. Aber bald ĂŒberschneidet sich das Schicksal Melodys mit seiner eigenen Vergangenheit, sodass er sich fragen muss, ob seine geheimnisvollen Auftraggeber ihn vielleicht nicht zufĂ€llig ausgewĂ€hlt haben. Ist Dan in eine Falle getappt? Kein allzu schöner Verdacht - besonders nicht, wenn man fernab von der Außenwelt in einem Haus festsitzt, das in allen Winkeln ĂŒberwacht wird und wo es keinen Handyempfang gibt. Sein einziger VerbĂŒndeter ist nun eine Ratte, die er eingefangen hat.

Dina Shihabi in Archive 81
Dina Shihabi in Archive 81 - © Netflix

Wahrscheinlich hĂ€tte sich Dan nie auf den Job einlassen sollen, doch nun steckt er schon zu tief drin. Ihm bleibt nur noch, sich weiterhin die Videos anzuschauen und das RĂ€tsel zu lösen, so gruselig das auch sein mag. Am liebsten wĂŒrde eingreifen, um Melody und so auch sich selbst zu helfen. Doch kann man die Vergangenheit noch Ă€ndern? Und was hat es mit dem Visser eigentlich auf sich? Diese zwei Fragen stehen im Mittelpunkt. Wobei zu befĂŒrchten ist, dass sie im Lauf der Staffel kaum zufriedenstellend beantwortet werden können, sondern nur zur anfĂ€nglichen Steigerung der Neugier dienen...

Wie ist es?

Insgesamt wie gesagt ein Auftakt, der Lust auf mehr macht (wenn man mit Horror und Mystery etwas anfangen kann). Archive 81 erfindet das Genrerad nicht neu, sondern setzt die gĂ€ngigen Tropen einfach handwerklich sehr beflissen um. Dazu gehört zunĂ€chst natĂŒrlich der Protagonist, der nicht an ÜbernatĂŒrliches glaubt, bis er etwas ÜbernatĂŒrliches erlebt. Mamoudou Athie spielt diesen altbekannten Charakter trotzdem irgendwie erfrischend, weil er eine angenehme Contenance ausstrahlt, die auch recht selbstironisch wirkt. Dina Shihabi wirkt in ihrer Rolle nicht weniger sympathisch, was wichtig ist, weil man so ernsthaft um das Wohlergehen der beiden fĂŒrchten kann.

Auch das Motiv der verfluchten Videokassetten ist lĂ€ngst nichts Neues mehr, spĂ€testens seit dem „Ringu“-Hype oder dem Found-Footage-Klassiker „Blair Witch Project“ (beide erschienen Ende der 1990er). Aber auch hier schafft es Archive 81, nicht abgedroschen zu erscheinen. Statt im Sinne des grĂ¶ĂŸtmöglichen Schocks noch einen draufzusetzen, mildert man den Grusel sogar ab, wodurch LĂŒcken entstehen, die unsere eigene Fantasie sowieso viel besser fĂŒllen kann.

Anders, als man es normalerweise von James Wan kennt, nimmt uns die Netflix-Serie ohnehin nicht allzu fest an die Hand. Sie lĂ€sst uns lieber etwas allein und dadurch hin und wieder auch mal verwirrt zurĂŒck. Uns soll es Ă€hnlich gehen, wie dem Archivar, der die BĂ€nder sieht und die Welt nicht mehr versteht. Wir sollen nicht vor ihm ahnen, was passiert und dem Horror damit genau ausgeliefert sein. Ein ziemlich einfacher und effektiver Ansatz - und schön zu sehen, wie stark auch konventionelle Formeln sein können, wenn grundsĂ€tzlich die Inszenierung stimmt. Wie treu im Stil Archive 81 zur Podcast-Vorlage bleibt, kann ich mangels Ahnung leider nicht beurteilen...

Hier abschließend noch der Trailer zur Netflix-Serie Archive 81:

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