Aquarius 1x01

Aquarius 1x01

Bevor es für David Duchovny zurück an die X-Files geht, ist er aktuell in der neuen NBC-Serie Aquarius zu sehen. Als hartgesottener Cop in den Sixties ermittelt er inoffiziell im Fall einer vermissten Teenagerin, die in Charles Mansons Umfeld landet.

David Duchovny in „Aquarius“ / (c) NBC
David Duchovny in „Aquarius“ / (c) NBC
© (c) NBC

David Duchovny tritt zwischen dem Finale seiner Serie Californication, in welcher er den etwas verlorenen Autoren Hank Moody spielte, und der Fortführung von The X-Files, für die er abermals in die Rolle des trockenen Verschwörungsenthusiasten Fox Mulder schlüpft, als hartgesottener Polizist in Aquarius auf. Doch wie ist die erste von 13 Episoden des sixties-Crimedramas von NBC gelungen?

Charlie gets all the girls

Wir schreiben das Jahr 1967. In Los Angeles schleicht sich die 16-jährige Emma Karn (Emma Dumont) aus ihrem Elternhaus davon, um mit ihrem Freund Rick (Beau Mirchoff) auf eine Party zu gehen. Dort begegnet sie Charles Manson (Gethin Anthony) und verschwindet mit ihm und seinen Anhängerinnen, nachdem sie ihren Begleiter beim Fremdgehen erwischt hat. Dies ruft Sergeant Sam Hodiak (Duchovny) auf den Plan, der von der Mutter der Teenagerin, seiner Exfreundin Grace (Michaela McManus), gebeten wird, das Mädchen sicher nach Hause zu bringen. Der Vater, Ken Karn (Brian F. O'Byrne), ist ein erfolgreicher Anwalt, der politische Ambitionen verfolgt, weshalb der Fall inoffiziell angegangen werden soll, was ihn frühzeitig Sympathiepunkte kostet. Sam und Grace haben noch immer etwas füreinander übrig, doch, was immer einmal zwischen den beiden war, ist sehr lange her.

In der Partyszene von L.A. macht Sam überraschend flink Rick ausfindig und lässt sich nicht davon einschüchtern, dass der Vater des Jungen angeblich ein hohes Tier im Justizapparat sein soll. Duchovny ist gut in Form und macht eine erstaunlich gute Figur als harter Gesetzeshüter, der wie ein lethargischer Dirty Harry daherkommt. Wir erfahren außerdem über ihn, dass er im Begriff ist, geschieden zu werden und einen Sohn hat, der beim Militär ist. Etwas, das ihm Sorgen zu bereiten scheint, als er in einer Szene Berichte über den Vietnamkrieg im Fernsehen verfolgt.

David Duchovny ist Sergeant Sam Hodiak. © NBC
David Duchovny ist Sergeant Sam Hodiak. © NBC

Während Emma immer mehr von der Charlie-Manson-Manie eingenommen wird und sich weiterhin in der Kommune des charismatischen Anführers aufhält, finden andernorts Proteste gegen die Ausgangssperre statt und zwei bärtige junge Männer treffen sich zur Abwicklung eines Drogendeals. Spätestens hier fällt auf, dass viele Buben in der Serie nicht wirklich wie Dudes aus den 60ern aussehen, sondern mit sehr gepflegten Vollbärten und gestylten Haaren eher aktuelle Attraktivitätsstandards bedienen und lediglich Batikkleidung dabei tragen. Eine Mogelpackung ist auch der Drogeninteressent Brian Shafe (Grey Damon), der sich als Cop entpuppt. Als der Dealer ihn zu seinem Wagen begleiten soll, lässt er sich allerdings dazu hinreißen, einem protestierenden Teenager zur Hilfe zu kommen und wird dadurch selbst von seinen Copkollegen angegriffen.

Zurück im Polizeipräsidium formt sich aus dem alten Hasen Sergeant Hodiak und dem jungen Undercoverhippie das vermeintlich ungleiche Buddy-Cop-Duo der Serie, was dank Damon und Duchovny in den Rollen wunderbar funktioniert. So etwa in einer Szene, als sie abermals den Freund von Emma aufgabeln und sich über die neue Regel zum Vorlesen von Rechten streiten. Oder wenn der junge Kollege für seinen nächsten Einsatz Gras benötigt und schließlich erfährt, dass Sam dank seines Vaters längst vertraut ist mit dem spaßigen Kraut: „You kids. You think you invented everything.

Die Detectives Tully (Claire Holt) und Shafe (Grey Damon) undercover © NBC
Die Detectives Tully (Claire Holt) und Shafe (Grey Damon) undercover © NBC

Durch einen Flashback erfahren wir schließlich, dass die gesamte Szene auf der Party, auf der Emma verschwand, inszeniert war. Charlie hatte eine seiner Anhängerinnen damit beauftragt, den Freund zu verführen, um Emma in seine Arme zu treiben. Der Plan geht schließlich auf, als Charlie das Mädchen auf seinem Anwesen „verführt“. Zweifel kommen jedoch auf, ob diese Szene dermaßen gruselig inszeniert ist, weil es sich im Grunde um eine Gruppensexvergewaltigung handelt oder weil das Konzept freier Liebe gruselig dargestellt werden soll. Natürlich wissen wir, was für ein übler Typ der historische Charles Manson ist, aber ein nichtmonogamer, polyamouröser Lebensstil gehört eigentlich nicht zu den Anklagepunkten, die ihm vorzuwerfen wären.

Von dem Dealer aus der früheren Szene besorgen sich die zwei Detectives schließlich einen Grasvorrat, womit der junge Kollege in voller Hippiemontur auf eine Party geschickt wird. An seiner Seite ist diesmal die von Claire Holt gespielte Polizeikollegin Charmain Tully, die als Köder dienen soll. Bald ist auch ein Handlanger Mansons gefunden, doch die Situation wird zu brenzlig, als dieser noch vor der Fahrt zum Manson-Anwesen mit Charmain intim werden möchte. Brian macht sich Sorgen um das Wohlergehen seiner Kollegin, doch, wie sich später herausstellt, hat sie Blut geleckt und scheinbar Gefallen an Undercovermissionen gefunden.

Immerhin haben die Polizisten nun den Nachnamen des Massenverführers und können mit eingehender Recherche beginnen, was eine unerwartete Wendung sowie eine zweifelhafte Abschlussszene nach sich zieht, auf die wir auch hätten verzichten können: Wie sich herausstellt, hatte Charles schon öfter Probleme mit dem Gesetz und hat sich in diesen Fällen von einem Anwalt helfen lassen. Ganz genau: von Ken Karn, dem Vater der vermissten Emma. Diesem stattet der Klient zum Schluss einen Besuch ab, was in einem Einschüchterungsversuch inklusiver versuchter Vergewaltigung mit Rasierklinge an der Kehle endet.

Diese Szene basiert auf einer Aussage des echten Charles Manson, der in Haft davon erzählte, wie er mit 17 einen Mann auf diese Weise vergewaltigt hat. So dargestellt scheint es jedoch so, als sollte der fiktive Manson als finaler Schocker noch „verrückter“ dargestellt werden, weil er sich - anstatt nur an Mädchen - auch an einem älteren Mann vergeht. Dass er vor sexueller Gewalt nicht zurückschreckt, hatten wir schließlich schon mitbekommen.

Charles Manson (Gethin Anthony) und seine Hippiekommune © NBC
Charles Manson (Gethin Anthony) und seine Hippiekommune © NBC

Fazit

Aquarius hat einen erwartungsgemäß treffsicheren sixties-Soundtrack, erinnert in seinen besseren Momenten an David Finchers Serienkillerfilm „Zodiac“ und hat vor allem David Duchovny als Pluspunkt in petto, der angenehm überzeugend in der Rolle des hartgesottenen Polizisten aufgeht. Das ist etwas, das vor allem jene überraschen könnte, die ihn nur als eigenbrötlerischen Agent Mulder aus „Akte X“ kennen. Besonders das Zusammenspiel mit seinem jüngeren Kollegen Grey Damon sorgt in der Pilotepisode Everybody's Been Burned für gelungenes Geplänkel und Gethin Anthony liefert eine undurchsichtig-gruselige Performance als Charles Manson ab.

Das Problem mit dem amerikanischen Setting der sixties besteht jedoch darin, dass Hippies mittlerweile dermaßen oft parodierte Abziehbilder sind, die nur noch selten ernsthaft in Szene gesetzt werden können. Auch „Aquarius“ stapft dank recht hölzerner Dialoge in diese Falle, lässt Manson in den ersten fünf Minuten bierernst ein paar abgedroschene Flower-Power-Philosophien zur Sofortkonvertierung von Emma aufsagen. Natürlich muss dies storyintern nur für Emma funktionieren, doch wenn wir als Zuschauer nicht mit besseren Argumenten mit verführt werden, fällt der Versuch flach.

Insgesamt beschleicht mich das Gefühl, der Serie hätte es besser getan, wenn sie sich nicht Charles Manson aufs Plakat geschrieben hätte. Anspruch auf historische Genauigkeit besteht hier keinesfalls, auch wenn die abschließende Beinahevergewaltigungsszene mehr oder weniger auf diese Weise gerechtfertigt wird. So ist beispielsweise Emma Karn eine komplett erfundene Serienfigur ohne historisches Vorbild. Stets muss ich mir also die Frage stellen, welche Handlungspunkte historisch inspiriert und welche aus dem Writers' Room stammen. Zugegeben, so geht es mir auch bei anderen Biopics, aber Charles Manson ist sogar noch in Haft und am Leben. Wäre es also vielleicht besser gewesen, einen fiktiven Namen für den Killer zu verwenden, der lediglich von Manson inspiriert wurde... was beim vorliegenden Produkt sowieso der Fall ist?

Verfasser: Mario Giglio am Freitag, 29. Mai 2015

Aquarius 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Aquarius 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Jeder trägt seine Bürde
Titel der Episode im Original
Everybody's Been Burned
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 28. Mai 2015 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 7. Januar 2016
Regisseur
Jonas Pate

Schauspieler in der Episode Aquarius 1x01

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?