
Angie Tribeca wird in einer offiziellen Mitteilung an die Presse als „geistiges Kind“ des Ehepaares Nancy und Steve Carell beschrieben. Dem Text zufolge handle die Serie von einer Gruppe engagierter Polizisten des Los Angeles Police Departments, die in den härtesten Fällen ermitteln, die man sich nur vorstellen könne. In den Hauptrollen: Rashida Jones (The Office, Parks and Recreation) als Lone-Wolf-Detective Angie Tribeca, Hayes MacArthur (Go On) als ihr neuer Partner J Geils, Jere Burns (Justified, Breaking Bad) als hitzköpfiger Lieutenant Atkins und Tierstar Jagger („Max“) als K9-Schäferhund Hoffman. Nicht beteiligt an dem Projekt ist unter anderem Martin Scorsese („Goodfellas“) ...
Selbst die Promokampagnen zur neuen Comedy des oscarnominierten - oh ja, das ist er mittlerweile - Schauspielers und Produzenten Steve Carell (The Office, „Foxcatcher“) trieft also geradezu vor Ironie und Satire. Und sogar die Senderverantwortlichen von TBS spielen dabei mit. So erklärte einer von ihnen, angeblich unter der Bedingung, anonym zu bleiben: „Wir sind so unglaublich stolz auf 'Angie Tribeca', wir werden es Amerika tief in den Hals schieben.“ Spätestens jetzt sollte klar sein, was man von dieser neuen Serie erwarten kann: eine spitzzüngige Parodie auf stumpfsinnige Crimeprocedurals à la „Miami Vice“, „Starsky and Hutch“ oder „CSI“.
„That's What Sheep Said“
Die Pilotepisode, die auf einen Streich mit dem Rest der zehnteiligen Auftaktstaffel am 17. Januar für TBS-Abonennten erscheint, stellt uns die Titelheldin vor. In der Eröffnungsszene sehen wir ihre allmorgendliche Workout-Routine, zu der unter anderem das Werfen von Ninja-Sternen und Zertreten von Luftballons gehören. Aufgebrezelt wie eine Superheldin verlässt sie das Haus und kreuzt voller Selbstvertrauen bei ihrer Arbeitsstelle im Polizeirevier auf, wo ihr jeder Mann mit größter Bewunderung begegnet. Doch die mürrische Einzelgängerin erwarten schlechte Neuigkeiten: Der Lieutenant will ihr einen neuen Partner aufhalsen. Diesem macht sie aber recht schnell klar, dass Freundschaft und Liebe bei ihr nicht drin sind. Sie ist ein eiskalter Profi, Gefühle wären fehl am Platz. Mit dieser Prämisse machen sie und J sich an ihren ersten Fall.
Bei diesem handelt es sich um einen Erpressungsversuch gegen den Bürgermeister, der befürchten muss, dass ein paar diskreditierende Fotos seiner peinlichen Tätowierungen veröffentlicht werden. Ein paar Beispiele gefällig? „My Other Ride is Your Mamma“, „My Ex Gives Great Headaches“ oder „That's What Sheep Said“ - Kudos für den Fanservice beim letzten, Herr Carell. Auf der Odyssee, den Erpresser zu identifizieren, begegnen Angie und J so manchem Gaststar. Da wären Lisa Kudrow (Friends) als angebliche Mätresse, Gary Cole (Veep) als tatverdächtiger Kunstprofessor, Alfred Molina („Spider-Man 2“) als sonderbarer Laborermittler oder Nancy Carell, die Koschöpferin höchstselbst, als Ehefrau des Bürgermeisters. Und auch für die Zukunft stehen schon ein paar spektakuläre Cameos fest (Bill Murray, James Franco u.v.m.).
„If You Run, You Will Go to Jail Tired“
An dieser Stelle sollte eine Warnung ausgesprochen werden: Für all diejenigen, die auch für den kleinsten Gag zu haben sind, ist Angie Tribeca vermutlich nicht geeignet. Denn weil sich in der Serie hinter quasi jedem winzigen Detail eine Pointe verbirgt, könnte es tatsächlich passieren, dass Betroffene vor lauter Lachen nicht mehr zum Atmen kommen. Die meisten dieser Witz zielen - ganz im Auftrag des Formats als Polizeisatire - auf typische Klischees anderer Crimeprocedurals ab. Sei es das Machogehabe, die coolen Sprüche der Cops oder die lächerlich unrealistische Ermittlungsmethodik (Stichwort: Greifermaschine). Und einen Gerichtsbeschluss braucht hier sowieso niemand, immerhin kann man das Geständnis ja auch undercover entlocken.
Hinzu kommt, dass jede neue Szene mit einem dramatischen Jingle eingeläutet wird. Die Serie kopiert sogar das allseits bekannte CSI: Miami-Schrei-Intro. Am auffälligsten ist jedoch das Product Placement der Automarke Ford. Jedes Mal, wenn ein Ford durchs Bild fährt, erscheint der plakative Schriftzug: „www.FORD.com“. Es werden sogar sinnlose Close-Ups vom Firmenlogo eingesträut. Ein Teil des Humors von Angie Tribeca erinnert beinahe schon an Family Guy an, sprich die Pointen sind derart einfach oder willkürlich, dass es einen völlig überrascht. Beispiele dafür sind hier etwa die Toasterszene oder das „Good...Good“-Gemälde.

Mögen einige Gags auch übertrieben albern wirken (z.B.: Zombie-Oma, Fake-Katze, Nippel-Twist), alles in allem scheint die Trefferrate doch im grünen Bereich zu liegen. So erweckte das Gesamtwerk stets den Eindruck einer intelligenten Imitation dessen, was teils noch hirnloser ist und sich dabei sogar noch ernstnimmt. Lediglich die Anzahl an Stuntdouble-Witzen, besonders in der finalen Verfolgungsjagd mit all den Luftsprüngen und Purzelbäumen, löste irgendwann eine leichte Ermüdung aus.
Erfrischend erschien hingegen die Chemie zwischen Angie und ihrem neuen Partner J. Mit den wiederholten Beinaheküssen im Auto - apropos: www.FORD.com - wollten die Carells offensichtlich das altbekannte Will-They-Won't-They-Spielchen auf die Schippe nehmen, das man aus Serien wie Castle oder The Mentalist zur Genüge kennt. Auch wenn am Ende der Episode klar wird, dass Angie doch mehr für J übrig hat, als sie wahrscheinlich zugeben würde. Zumindest als Partner hat sie ihn bereits angenommen - wenn er denn überhaupt noch lebt nach seinem Fahrstuhlsturz.
„I don't drink beer, I rent it!“
Das Beste an J ist aber, dass er unsere Heldin sogar noch besser aussehen lässt. Er ist der perfekte Sidekick, sie ein echter Bad Ass. Und weibliche Bad Asses gibt es im Fernsehen leider viel zu selten. Allerdings muss man fairerweise zugeben, dass ihre Konkurrenz insgesamt recht mau ist. So werden quasi alle männlichen Figuren als Choleriker oder Idioten dargestellt, die sich hin und wieder nackt ausziehen, um miteinander zu rangeln. Dahinter steht jedoch keine feministische Botschaft, tatsächlich begegnet auch Angies Charakter gewissen Geschlechtervorurteilen, die aber allesamt im Zeichen der Parodie stehen. Auffällig ist zum Beispiel, wie sehr die Serie mit ihrem beziehungsweise Rashida Jones' Sexappeal spielt. Doch die Schauspielerin beeindruckt sicher nicht bloß mit ihrem Äußeren. Ihre Performance ist über jeden Zweifel erhaben, und das, obwohl diese neue Rolle ganz anders ist als ihre üblichen, zum Beispiel die der Ann Perkins.

Und so schön und unterhaltsam die Auftaktepisode von Angie Tribeca auch ist, ein paar Fragen müssen am Ende doch gestellt werden: Kann mit diesem Konzept wirklich eine ganze Serie bestritten werden? Wann wiederholen sich die Anspielungen auf schlechte Crimeprocedurals? Kann man emotional in Figuren investieren, die eigentlich bloß Karikaturen sind? Will die Serie langfristig funktionieren, dann muss sie es ähnlich wie Brooklyn Nine-Nine hinbekommen, zwischen all den Polizeipointen und Anspielungen auch noch interessante und fesselnde Geschichten unterzubringen. Auf diese Weise könnten sogar Fans des Genres Gefallen an der Serie finden, das hier eigentlich vorgeführt werden soll. Wer also auf der zweiten Ebene tanzen will, sollte erstmal sicherstellen, dass auch die erste stabil steht.
Fazit
Was Nancy und Steve Carell uns hier auftischen, ist ziemlich gute Unterhaltungskost. Sie schmeckt überraschend frisch und wurde offensichtlich anständig zubereitet. Ein besonderes Lob verdient zuallererst Carells Regie. Bereits die gekonnte Eröffnungsmontage macht deutlich, dass hier ein Meister am Werk ist. Darüber hinaus hat er es vollbracht, der Serie einen sehr ansehnlichen Hochglanzlook zu verpassen, bei dem auch die kleinsten Details beachtet wurden. Man sollte bei Angie Tribeca also stets wachsam bleiben, vor allem Werbetafeln und andere Textmedien verdienen hier besondere Beachtung. Neben der Inszenierung fallen aber auch die Darsteller positiv ins Gewicht. Auf dem schmalen Grat zwischen Lustigkeit und Lächerlichkeit zu wandern, beherrscht einfach jeder von ihnen, sogar der Hund.
Auf den ein oder anderen mag es vielleicht befremdlich wirken, einer solch albernen Serie eine derart hohe Wertung zu geben. Allerdings muss man jedes Format danach bewerten, was es versucht, zu sein. Angie Tribeca will offenbar vor allem eines sein, eine absurde Persiflage auf stupide Crimeprocedurals - die Groschenromane in der Serienwelt. Und genau das ist das Werk der Carells nahezu in Perfektion.