American Rust: The Mill - Review der Pilotepisode

© zenenfoto aus der Serie American Rust (c) Showtime
Nachdem bereits The Son als Serienadaption mit Pierce Brosnan zustande kam, widmet sich der amerikanische Kabelsender Showtime nun Philipp Meyers Debütroman „Rost“ aus dem Jahr 2009. Dafür wurde das Team von The Looming Tower neu zusammengetrommelt, angeführt vom Hauptdarsteller Jeff Daniels (The Newsroom, „Dumm und Dümmer“). Die mehr als einstündige Pilotepisode namens The Mill hat Dan Futterman geschrieben; als Regisseur war John Dahl tätig.
Ebenfalls im Ensemble: Maura Tierney (The Affair), Mark Pellegrino (Supernatural), Alex Neustaedter (Colony), Rob Yang (Succession), der Musicalstar David Alvarez, die Newcomerin Julia Mayorga und der Altstar Bill Camp (The Queen's Gambit). Die Geschichte spielt in einer heruntergekommenen Kleinstadt im Rust Belt von Amerika. Einst das Zentrum der US-Wirtschaft, ist die Gegend inzwischen abgehängt vom Rest des Landes und die Menschen betäuben ihren Schmerz.
Worum geht's?
Während sich die Roman-Vorlage hauptsächlich um den Latino-Charakter Isaac English (Alvarez) dreht, steht in der American Rust-Serie nun Chief Del Harris (Daniels) im Zentrum. Wir lernen ihn kennen, wie er sich seine allmorgendliche Drogendosis zusammenmischt, die ihn durch den Tag bringen soll. Später erfahren wir, was der Gesetzeshüter alles verdrängen will, düstere Erinnerungen an seine Zeit bei der Polizei von Pittsburgh und an seinen Einsatz im Zweiten Golfkrieg 1991.
Auch Isaacs angeschlagener Vater Henry (Camp) kommt nüchtern nicht mehr klar. So merkt er nicht mal, wie sein Sohn ihm 4000 Dollar klaut, weil dieser den fiktiven Ort Buell gemeinsam mit seinem besten Freund Billy Poe (Neustaedter) unbedingt verlassen will. Isaacs Schwester Lee (Mayorga) hat es bereits nach Yale geschafft, wobei sie ihre schwierige Vergangenheit trotzdem nie richtig hinter sich lassen konnte. Selbst die jungen Menschen sind in ihrer rostigen Heimat schnell verbittert.
So scheitert natürlich Isaacs und Billys Plan, Buell den Rücken zu kehren. Und Billy wird durch wahnwitzige Verstrickungen des Schicksals in eine noch tristere Situation gebracht. Dabei hatte er sein eigenes Glück selbst in der Hand, denn als Football-Ass war ihm ein lukratives Stipendium angeboten worden. Seine Mutter Grace (Tierney) hofft nur, dass Billy nicht genauso ein Versager wird wie sein Vater Virgil (Pellegrino). Sie selbst hat ein Verhältnis mit Del Harris...

In der Serie American Rust verschmelzen die individuellen Tragödien der einzelnen Charaktere untrennbar miteinander (so wie einst der Stahl, der hier gegossen wurde). Alle leiden und fügen sich gegenseitig nur noch mehr Leid zu. Die Hoffnung auf eine Besserung ist in Buell vor Jahrzehnten gestorben. Nun fristen die Bewohner nur noch brav ihr Leben ab.
Del Harris, der selbst so schwer zu tragen hat, scheint der Letzte zu sein, der sich noch für Dinge stark macht. Er verteidigt seinen koreanischen Kollegen Steve Park (Yang) nach einem rassistischen Angriff eines anderen Polizisten. Und er stellt sich auf die Seite der Kids, die in Konflikt mit dem Gesetz kommen. Aber auch bei ihm lassen die Kräfte nach.
Wie ist es?
Obwohl auf dem Papier durchaus einiges passiert in der Pilotepisode - ein unerwarteter Totschlag, ein versuchter Selbstmord und eine heikle Affäre -, fühlt sich der Auftakt von American Rust dennoch unerträglich langatmig an. Der Regisseur John Dahl inszeniert die Serie zwar authentisch trostlos, doch da auch die Figuren nur noch wie Schatten ihrer selbst erscheinen, fehlt es schlichtweg an Gründen, dranbleiben zu wollen. Der Ausdruck „Misery Porn“ passt perfekt auf das Format.
Theoretisch könnte sowas spannend sein, wenn die gesellschaftspolitische Kritik bezüglich Themen wie Wirtschaftswandel, soziale Ungleichheit oder Schmerzmittelsucht nicht so halbherzig verpackt worden wäre. Und vor allem, wenn die Dialoge der Serie nicht so trampelig klingen würden. Jeder gesprochene Satz könnte ein Trailer-Spruch für einen zweitklassigen Fernsehkrimi sein. An einer Stelle sagt man dem Protagonisten ganz direkt: „You are a good man.“
Ein paar Szenen der Serie sind außerdem nicht nur langweilig, sondern fast albern. Um Beispiele zu nennen, muss ich leider etwas spoilern: Wie albern ist bitte der Typ, der Billy zum Kampf herausfordert? Oder der Moment, als Del Harris die Diskussion mit seinem Vorgesetzten dreht, indem er von seiner Zeit im Krieg erzählt? Klischees über Klischees, die dann sogar die gespenstische Grundstimmung ins Lächerliche ziehen (womit die letzte Stärke wegbricht).
Lieber stream ich statt der neuen Showtime-Serie American Rust zum zehnten Mal die erste Staffel von True Detective, die den Verfall Amerikas, vermischt mit düsteren Verbrechen, sehr viel origineller eingefangen hat. Hier wollte man jedes Wort aufsaugen. Der Untergangspoet Rust Cohle (Matthew McConaughey) bleibt der einzig wahre Serien-Rust.
Hier abschließend noch der Trailer zur Showtime-Serie American Rust:
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