Alex, Inc. 1x01

© iya Sircar und Zach Braff als zentrales Ehepaar in „Alex, Inc.“ (c) ABC
Vergangenen Mittwoch, den 28. März startete in Amerika die neue ABC-Serie Alex, Inc. mit dem Scrubs-Star Zach Braff in der Hauptrolle. Die Erwartungen an die Komödie waren vergleichsweise hoch, nicht zuletzt, weil das Werk des Produzenten Matt Tarses (Mad Love) zumindest lose auf dem erfolgreichen Gimlet-Media-Podcast „StartUp“ basieren sollte. Nur leider kann das Wörtchen „lose“ hier gar nicht dick genug unterstrichen werden, denn die Ambitionen beider Formate könnten kaum weiter auseinander liegen. Und genau daran zerbricht die Serie: Sie will etwas sein, das sie niemals auch nur annähernd werden könnte.
Cheer up!
Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Radiojournalist Alex Schuman (Braff), der sich wenigstens denselben Vornamen mit dem „StartUp“-Moderator Alex Blumberg teilt. Alex, also der fiktive, arbeitet für ein Magazin, das sich den schönen Geschichten des Lebens verschrieben hat - Gorillas, die Zeichensprache lernen, Pandababys und all solche Dinge eben. Doch davon hat Alex genug. Statt seine Hörer aufzuheitern, will er sie lieber fordern und ihnen wirklich wichtige Geschichten nahebringen, die sie zum Denken anregen. Kurzerhand kündigt er seinen Job und macht sich gemeinsam mit seiner Assistentin Deirdre (Hillary Anne Matthews), die mehr als offensichtlich in ihn verliebt ist, selbstständig.
Seine Frau Rooni (Tiya Sircar) ist von dieser wenig durchdachten Kurzschlusshandlung selbstverständlich nicht begeistert. Trotzdem unterstützt sie ihren Mann, da sie wirklich an ihn glaubt. Und seine beiden Kinder halten ebenfalls zu Alex. Sie alle wissen, dass er ein großartiger Geschichtenerzähler ist, der sein Publikum auf jeden Fall begeistern wird. Uns Zuschauern zeigt die Serie dieses außerordentliche Talent von Alex leider nicht. Das heißt, wir müssen einfach glauben, was man uns erzählt. Und das geht eigentlich nie gut. Es ist schon eine regelrechte Trope im Networkfernsehen: Die Hauptfigur wird von allen anderen als Genie bezeichnet, während wir nur einen ganzen normalen Typen sehen.
Und auch was Alex‘ Likeability betrifft, hat die Serie nach ihrer Pilotepisode „The Unfair Advantage“ noch einiges nachzuholen. Nur weil Zach Braff ein sympathisches Gesicht hat und wir ihn als J.D. in Scrubs mochten, heißt das noch lange nicht, dass auch Alex automatisch einen festen Platz in unseren Herzen hat. Denn ganz objektiv ist der Protagonist nach dem Ersteindruck eigentlich eher weniger heldenhaft: Er nutzt die Gefühle seiner Assistentin aus, belügt seine Frau und investiert die gemeinsame Pension in seine neue Firma und versucht zu allem Überfluss auch noch, seinen Sohn zu entmutigen, seine eigenen Träume zu verwirklichen.

Das ist tatsächlich der Punkt, der mich am meisten stört: Während er selbst als Ehemann und Vater leichtsinnig seinen sicheren Job kündigt, um sich völlig überstürzt in einem unsteten Geschäft wie dem Podcast-Business zu verdingen, redet er seinem Sohn, der bei einer Talentshow in der Schule als Zauberer auftreten will, ein, es wäre besser, sich lieber nicht zu blamieren und unter dem Radar zu schwimmen. Ganz im ernst: Welcher echte Träumer würde seinem Sohn solch einen frustrierenden Ratschlag geben? Oder welcher Vater allgemein? Zum Glück hört der Junge nicht auf ihn und macht sein eigenes Ding - und das natürlich mit größtem Erfolg.
So lernt am Ende auch Alex seine Lektion und nimmt sich an seinem Sprössling ein Beispiel in Sachen Selbstvertrauen. Er rast zum Flughafen und fängt seinen Investor ab, dem er zuvor nicht sagen konnte, warum gerade er als investigativer Podcaster mehr Erfolg haben wird als all die anderen da draußen. Seine Antwort: Weil er so toll ist. Und natürlich ist der Investor begeistert von dieser Haltung - ganz genau so würde es wahrscheinlich auch im echten Leben laufen, richtig? Wie dem auch sei, Alex kann nun endlich mit Deirdre und seinem Cousin Eddie (Michael Imperioli), der sich um die Finanzen kümmern soll, richtig loslegen. Fragt sich nur, wie viele Zuschauer das dann noch mitansehen wollen.
Fazit
Knapp acht Jahre nach dem endgültigen Ende von Scrubs zeigt Zach Braff in seiner neuen ABC-Serie Alex, Inc. leider erneut, dass die Krankenhauskomödie die Rolle seines Lebens war - und wohl auch ewig bleiben wird. Weder als Regisseur noch als Schauspieler konnte der 2005 für den Emmy nominierte Fernsehstar in der Vergangenheit groß überzeugen. Bei seinem jüngsten Versuch in der Rolle eines professionelles Podcasters und liebevollen Familienvaters gibt er jedenfalls eine überaus farblose Gestalt ab. Was aber nicht zuletzt auch am schwachen Drehbuch des Serienschöpfers Matt Tarses liegt, den er ebenfalls bei seiner früheren Erfolgssitcom kennenlernte.
Alex, Inc. basiert auf dem Gimlet-Media-Podcast „StartUp“ und lässt den Protagonisten Alex Schuman immer wieder betonen, wie wichtig es sei, Rezipienten zu fordern und mit wirklich wichtigen Themen zu konfrontieren. Dass es sich bei der Serie selbst derweil um ein bestenfalls durchschnittliches Networkformat nach Schema F handelt, ist nicht nur ironisch, sondern fast schon skandalös. Eine belanglose Serie, die weiß, dass sie belanglos ist, aber einfach nur unterhalten will, ist völlig in Ordnung. Doch eine belanglose Serie, die sich selbst als etwas Größeres betrachtet, ist vor allem eines: peinlich.
Der Serientrailer zur neuen ABC-Comedy „Alex, Inc.“ mit Zach Braff: Verfasser: Bjarne Bock am Mittwoch, 4. April 2018Alex, Inc. 1x01 Trailer
(Alex, Inc. 1x01)
Schauspieler in der Episode Alex, Inc. 1x01
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