Agent X 1x01

Nach der Sichtung des Serienneustarts Agent X, das bereits am vergangenen Sonntag auf dem amerikanischen Pay-TV-Sender TNT seine Premiere feierte und jetzt nur wenige Tage später am heutigen Donnerstag auch hierzulande bei TNT Serie anläuft, fehlen mir die Worte. Dies liegt zum Teil daran, dass es bisweilen nur sehr schwer nachzuvollziehen ist, was sich in dem Format abspielt, da man vergebens nach einem Sinn hinter dem hier Gezeigten sucht. Ein anderer Grund, warum die Zusammenfassung der Handlung von „Agent X“ eine kleine Herausforderung darstellt, ist schlichtweg der Umstand, dass in der gut 42-minütigen Auftaktepisode nicht sehr viel passiert, was eine Erwähnung wert wäre.
„Agent X“ ist nämlich erschreckend inhaltslos und arbeitet sich einmal durch die gesamte Palette der generischen Fernsehtropen, ohne wirklich den Versuch zu wagen, ein vielversprechendes Alleinstellungsmerkmal auf die Beine zu stellen. Ganz im Gegenteil sogar, man scheint sich in seiner furchtbar einfachen und quatschigen Prämisse pudelwohl zu fühlen, während man als Zuschauer gar nicht hinterherkommt, permanent mit den Augen zu rollen. Da hilft auch ein auf dem Papier sehr solider Cast nicht viel, wenn allein schon das Konzept der Serie derartig schwach auf der Brust ist.
Crisis manager
In „Agent X“ dreht sich alles um einen supergeheimen Geheimagenten, der direkt dem Vizepräsidenten der USA untersteht und sich als verlängerter Arm der eigentlich zweitmächtigsten politischen Persönlichkeit in den Staaten um allerlei böse Buben im In- sowie Ausland kümmert. Als mit der ehemaligen Senatorin Natalie Maccabee (Sharon Stone) die erste Frau überhaupt in das Amt des amerikanischen Vizepräsidenten eingeführt wird, muss sich diese erst einmal an die neue Macht gewöhnen, über die sie dank ihrer Mitarbeiter Malcolm Millar (Gerald McRaney, House of Cards) und Agent X John Case (Jeff Hephner) verfügt. Doch die Dienste des tödlichen Allrounders Case werden schneller benötigt, als es Maccabee erwartet hätte, also stürzt sie sich sogleich mit ihren neuen Mitstreitern in die etwas andere Verantwortung, die ihr Amt mit sich bringt...

Have a cookie
William Blake Herron hat das Drehbuch zu dieser Actionserie verfasst und dürfte einigen wenigen vielleicht von seiner Arbeit als Drehbuchautor für den ersten Teil der „Jason Bourne“-Reihe, „Die Bourne Identität“ bekannt sein. Neben diesem und Armyan Bernstein fungiert darüber hinaus auch Hauptdarstellerin Sharon Stone („Basic Instinct“, „Total Recall“) als Executive Producer für die Serie, die gemeinsam mit ihren Kollegen in Peter O'Fallon einen erfahrenen Fernsehschaffenden (unter anderem UnREAL und Legit) für die Regie der Pilotepisode an Land ziehen konnten. Könnte man zumindest meinen.
Denn bevor ich mich lang und breit an der bisweilen lachhaften Prämisse auslasse, bekommt zunächst einmal Regisseur O'Fallon sein Fett weg, hätte ich mir doch zumindest von ihm ein paar positive Resultate bezüglich der alles in allem sehr enttäuschenden Pilotepisode von „Agent X“ erhofft. Die Kameraführung und Art der Inszenierung sind nämlich bereits nach wenigen Minuten Laufzeit eine kleine Zumutung, bannt O'Fallon die actiongeladenen Auftaktszenen doch viel zu hektisch und unsauber auf Film. Schnell verliert man den Überblick, die wackelige Kamera irritiert mehr, als dass sie zu den „rasanten“ Actionszenen beiträgt.
Doch nicht nur das ist störend, auch im weiteren Verlauf der Episode gelingt es O'Fallon und seinem Team nicht wirklich, visuell etwas zu entwerfen, das zumindest einen Hauch von Originalität aufweist. Die Inszenierung fühlt sich schlampig und fast schon lieblos an, als hätte der Regisseur noch ein paar Stunden in seinem Terminplan gefunden, um mal schnell Sharon Stone einen Gefallen zu tun.
No kidding
Aber gut, die Regiearbeit in Agent X ist sicherlich auch Geschmackssache, weshalb ich mich an dieser Stelle nicht weiter darauf einschießen will. Wesentlich ärgerlicher und nerviger ist da schon der Plot und die allgemeine Idee hinter der Serie, die beide eine Herausforderung für jeden Serienfan darstellen. Dass die Vizepräsidentin der USA über einen Geheimagenten verfügt, der frei von allen Gesetzen, Vorschriften und legalen Einschränkungen meucheln und morden darf, erschließt sich mir zu keiner Sekunde. „Agent X“ präsentiert uns eine derartig altbackene Actionprämisse, die man zeitlich irgendwo im B-Movie-Actionkino der 1980er Jahre einordnen würde.
Warum verfügt der Präsident der USA nicht über einen Privatagenten mit der Lizenz zum Töten? Weil das amerikanische Staatsüberhaupt nicht nur keine legale Befugnis hat, sondern auch, weil er zu sehr in der Öffentlichkeit steht. Dies trifft natürlich nicht auf seine Stellvertreterin zu, die... Augenblick. Selbstverständlich trifft dies auch auf Sharon Stones Charakter Natalie Maccabee zu, die nicht eine Sekunde auch nur darüber nachdenkt, wie unrechtmäßig und moralisch fragwürdig diese jahrhundertealte Geheimorganisation ist, der sie nun zwangsläufig angehört.
Über einen lächerlichen Verfassungszusatz, der dem „Agent X“-Programm Legitimation gibt, wähnt man sich auf der sicheren Seite. Es ist jedoch eine absolute Farce, dass die personifizierte Judikative (hier von James Earl Jones in einer sehr seltsamen Szene verkörpert) keinerlei Bedenken bezüglich der privaten Ein-Mann-Armee der Vizepräsidentin hat, geschweige denn diese selbst kritisch hinterfragt, was das „Agent X“-Programm eigentlich alles bedeutet.
Thoroughly aggravating
Doch Tiefgang und Selbstreflexion sollte man hier nicht erwarten, ironischerweise spricht einer der Charaktere sogar unverblümt aus, dass hier blanker Patriotismus im Vordergrund steht und politische Gebaren absolut nebensächlich sind. Das Nachvollziehen der Prämisse wird somit zu einer anstrengenden Mammutaufgabe, während die Handlung aufgrund ihrer Unlogik verärgert und dermaßen uncharmant ins Unrealistische abdriftet, dass sich automatisch die Frage stellt, ob man „Agent X“ überhaupt als guilty pleasure-Format akzeptieren kann. Wären doch zumindest die Actionszenen weniger schablonenhaft und langweilig, gäbe es vielleicht noch ein klein wenig Hoffnung. Doch, wie bereits erwähnt, wird man auch hier enttäuscht werden.
Um dem „Debakel“ die Krone aufzusetzen, führt man dann noch eine Handvoll unglaublich eindimensionale und uninteressante Charaktere ein, die entweder reine Stereotypen darstellen oder nur in Plattitüden und Einzeilern kommunizieren. Dabei kann man nicht einem einzigen Dialog etwas Charakterbildung entnehmen. Es wird Expositionsgefasel an Expositionsgefasel gereiht, meistens über einen oder zwei simple Sätze, die wiederum nicht besonders engagiert wiedergegeben werden. Mit Blick auf die Besetzungsliste ist dies durchaus frustrierend, tummeln sich hier doch einige Darsteller und Darstellerinnen, von denen man mehr erwartet hätte. Doch wenn ihr Ausgangsmaterial so schwach ist, können auch diese nicht viel bewegen.

Olga. My name is Olga.
Man würde zum Beispiel erwarten, dass Jeff Hephner (Boss) als titelgebende Hauptfigur zumindest den Ansatz eines Charakters verpasst bekommen würde. Aber Fehlanzeige. Mein Eindruck von John Case nach einer Episode ist, dass er mehr Glück als Verstand hat und für einen Topagenten ziemlich schlecht schießen kann. Case abschließend in einem leeren Apartment zu zeigen, ist dann fast genauso schlimm wie der kurze Einblick in Maccabees Seelenleben, die aufgrund des tragischen Todes ihres Mannes einfach nicht zur Ruhe kommt und sich aufgesetzt auf einer Couch herumwälzt. Subtiler wird es in „Agent X“ nicht, das uns bereits jetzt eine wöchentliche Hatz nach einem gesichtslosen Superschurken verspricht, die generischer nicht sein könnte.
Diese Woche hat John Case die Tochter des FBI-Chefs aus den Fängen ein paar austauschbarer Fieslinge mit russischem Akzent befreit, nächste Woche wird vielleicht der Dackel des Verteidigungsministers entführt und Maccabee entsendet Case auf die nächste gefährliche Rettungsmission.
Es spielt eigentlich keine Rolle, was noch kommt - in „Agent X“ stimmt einfach schon im Ansatz so vieles nicht, dass es für mich nicht vorstellbar ist, dass diese Serie irgendwann annehmbar werden könnte. Exemplarisch für den ganzen Nonsens steht übrigens die furchtbare Figur der Olga Petrovka (Olga Fonda), russische Meuchelmörderin vom Dienst, deren Charakter so abstrus etabliert wird (die Szene in einem Verhörraum des FBI ist vermutlich das Schlechteste, was ich in diesem Jahr gesehen habe), dass man sich zwangsläufig fragt, ob die Serienmacher das wirklich ernst meinen. Das Traurige: Anscheinend tun sie das. Das humorbefreite „Agent X“ vermag es, maximal aufgrund seiner Lächerlichkeit gelegentlich zum Schmunzeln anzuregen. Am besten lässt man aber gleich seine Finger davon.
Trailer zur TNT-Serie „Agent X“:
Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 12. November 2015(Agent X 1x01)
Schauspieler in der Episode Agent X 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?