The Afterparty: Review der Pilotepisode von Apple TV+

The Afterparty: Review der Pilotepisode von Apple TV+

Phil Lord und Christopher Miller, die man sonst für Animationsfilme wie The Lego Movie oder Cloudy with a Chance of Meatballs kennt, präsentieren mit The Afterparty eine Whodunnit-Krimikomödie, die heute bei Apple TV+ startet. Wir haben die erste Folge unter die Lupe genommen.

Poster zur Serie The Afterparty (c) Apple TV+
Poster zur Serie The Afterparty (c) Apple TV+
© oster zur Serie The Afterparty (c) Apple TV+

Whodunnit-Krimis im mit einem Augenzwinkern sind spätestens seit „Knives Out“ oder Only Murders in the Building wieder sehr gefragt. The Afterparty vom Filmemacher-Duo Phil Lord und Christopher Miller („22 Jump Street“, The Last Man on Earth, Brooklyn Nine-Nine) passt da direkt ins Crime-Comedyserien-Subgenre und sollte eigentlich erst ein Film namens „The Reunion“ werden, ehe Apple TV+ acht Episoden als Serie bestellte. Die erste Folge, in der wir das Mordopfer und das versammelte Ensemble der Verdächtigen kennenlernen, heißt „Aniq“ und konzentriert sich eben auf diesen Partygast, der (wie alle anderen) ein ziemlich gutes Motiv vorzuweisen hat...

Ermordet wurde der wohlhabende Popstar Xavier (wie immer ein gelungenes Serienarschloch: Dave Franco) während einer Afterparty nach dem Klassentreffen seines 2006er Jahrgangs. Bekannt ist er für fragwürdige Pophits wie „X Marks the G-Spot“ oder Popcornfilme wie den Abenteuerstreifen „Hungry, Hungry Hippos“. Von seinem Strandhaus aus warf man ihn mit einigen Cocktail-Shrimps, einer Perücke, einem Hut und einer auffälligen Nasenverletzung vom Balkon auf den viel tiefer liegenden Strand, so dass die eintreffende Ermittlerin, Detective Danner (Tiffany Haddish, The Last O.G.), sofort von Fremdeinwirkung ausgeht. Sie wiederum wirkte zuvor recht rabiat auf ihren Polizeichef ein, denn eigentlich ist das hier nicht ihr Fall.

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Die Verdächtigen werden gleich vor Ort vernommen, wobei die Aussage jeder Person in einem anderen Filmgenre-Stil als Flashback aufgetischt wird. Eine spätere Episode wird sogar in Animationsform präsentiert. Nach einem kurzen Schwarzweiß-Arthouse-Intermezzo der prätentiös wirkenden Indigo (Genevieve Angelson, Good Girls Revolt) konzentrieren wir uns auf besagten Aniq (Sam Richardson, Detroiters), der sich wohl am meisten auf das Wiedersehen mit den Leuten von damals freute, weil er sich vorgenommen hatte, seiner alten Schulflamme Zoe (Zoe Chao, Love Life) endlich seine Gefühle zu gestehen.

So ist seine Aussage, der die Ermittlerin beim Snacken von Popcorn lauscht, als schnulzige RomCom verpackt, die mit typischem Soundtrack und dramatisch einsetzendem Regen angereichert wird. Das Wiedersehen der beiden ehemaligen Chemieunterrichtspartner lief laut Aniqs Aussage besser, als er es sich hätte träumen lassen, aber Zoes eifersüchtiger Exmann Brett (Ike Barinholtz, Bless the Harts) und vor allem der ständig dazwischenfunkende Xavier hatten auch noch eins oder mehrere nervtötende Wörtchen mitzureden, so dass das Happy End für den nerdigen Escape-Room-Designer und die charmante Schulrektorin vorerst ausblieb.

Weitere Partygäste sind Chelsea (Ilana Glazer, Broad City), Walt (Jamie Demetriou, Fleabag) und Yasper (Ben Schwartz, Space Force), denen spätere Folgen gewidmet sind, während Detective Danner von ihrem verpeilten Partner, Detective Culp (John Early, Search Party), unterstützt wird. Wenn ihr uns fragt, kann man aber vermutlich schon mal alle Verdächtigen eliminieren, die es nicht auf das Serienposter geschafft haben. Es sei denn, man bereitet eine (oder mehrere) kreativere Auflösung(en) im Stil des berühmten Agatha-Christie-Klassikers „Mord im Orient-Express“ oder des kreativen „Cluedo“-Films „Alle Mörder sind schon da“ vor. Zuzutrauen wäre es dem Format...

Während die Auftaktepisode mit vielen Details allerlei Grundarbeit für die vermeintlich vertrackte Aufdröselung der Mordnacht leistet, ist es Komikerin Tiffany Haddish, die den Comedy-Teil der Aufgabe am gekonntesten umsetzt. Nicht, weil ihre Parts besser geschrieben wurden, sondern weil sie ein natürliches Talent für Comedy und Improvisation an den Tag legt. Viele der Szenen scheinen sich nämlich (zumindest teilweise) spontan entwickelt zu haben, worin auch das größte Problem von „The Afterparty“ liegt. Mit fast einer Stunde ist die Spielzeit für den Stoff viel zu lang, was sich in eher unlustigen, improvisiert wirkenden Szenen bemerkbar macht, die die Laufzeit künstlich in die Länge strecken. Knackigere 30-Minuten-Episoden tun einem Format, das ursprünglich nur ein Film hätte sein sollen, viel besser und zum Glück sind die folgenden Episoden auch um einiges kürzer. Mit einer aufgeblasenen, einstündigen Episode zum Auftakt hat man sich aber keinen Gefallen getan.

Fazit

The Afterparty etabliert ein klassisches Whodunnit-Szenario in bester Agatha-Christie-Tradition, bei dem die Verdächtigen pro Folge Rashomon-mäßig eine oder mehrere Perspektiven im eigenen Flashback-Stil beisteuern. Auf Details zu achten scheint sich zu lohnen, denn der Krimiaspekt wirkt wie ein gefundenes Fressen für Couch-Detektive. Die Comedy bei der Krimiserie fällt nur streckenweise recht flach - vor allem, weil man offenbar Mühe hatte, die zum Teil improvisiert wirkende Episode abseits der Krimikonstruktion mit Leben zu füllen, was hauptsächlich Tiffany Haddish als Ermittlerin gelingt.

Als Rest vom Fest haben wir hier noch mal den Serientrailer zur Serie „The Afterparty“ bei Apple TV+:

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