After Life Staffel 1
After Life Staffel 1 Episodenguide
Review zu After Life Staffel 1
Ricky Gervais polarisiert. Der 57-jährige Komiker, der seine Karriere als Radiomoderator begann und mit der britischen Mockumentary/Workplace-Comedy The Office (UK) den Durchbruch schaffte, ist in den letzten Jahren allen voran als frecher Provokateur aufgetreten. In dieser Rolle rechnet Gervais fortwährend mit Gott und der Welt ab, knüpft sich rigoros Internettrolle auf Twitter vor oder legt auch schon mal öffentliche Auftritte hin, bei denen nicht nur die Hollywood-Elite mit der Nase rümpft. Dank seiner ehrlichen, direkten, oft aber auch unsensiblen Art, mit der er sich für einige an der Grenze zur Arroganz bewegt, hat sich Gervais viele Fans gemacht. Nicht wenige, meine Wenigkeit ein Stück weit eingeschlossen, sind des gönnerhaften, altklugen Gebaren Gervais' über die Jahre aber auch etwas überdrüssig geworden. Wie bereits erwähnt: Ricky Gervais polarisiert eben.
Schaut man sich seinen Werdegang an, dann kommt seine neue Netflix-Serie After Life zu einem durchaus interessanten Zeitpunkt. Er hat seine persönlichen Ansichten schon immer sehr unverblümt in Serien wie „The Office“ (als überspitzte Chefkarikatur David Brent) oder „Extras“, die kurzlebige, aber sehr empfehlenswerte Comedy über Statisten und Stars im Filmgeschäft, ausgelebt. In Derek, ebenfalls eine Netflix-Produktion, schlüpfte Gervais wiederum in die Rolle eines selbstlosen Altenpflegers, der sicherlich nicht das hellste Köpfchen ist, das Herz aber am rechten Fleck trägt. Hier zeigte Gervais eine andere Seite von sich und seiner kreativen Vision, wenngleich er seinen Stil, harte Wahrheiten bissig auf den Punkt zu bringen, beibehielt.
Als jemand, den eine kleine Hassliebe mit dem Künstler und Fernsehschaffenden Ricky Gervais verbindet, habe ich mich mit „After Life“ ein wenig schwergetan. Darin spielt Gervais, der sowohl das Drehbuch zur Dramedy verfasst und bei jeder Episode Regie geführt hat, den zynischen, verbitterten Witwer Tony, der nach dem Tod seiner Frau am absoluten Tiefpunkt angekommen ist. Er würde sich wohl selbst das Leben nehmen, wenn ein paar alte Aufnahmen seiner an Krebs verstorbenen Frau ihn nicht dazu ermutigen würden, weiterzumachen und sein Leben nach diesem schweren Verlust nicht einfach wegzuschmeißen. Um mit diesen Schmerz umzugehen, folgt Tony fortan einem neuen Credo: Er will sich nicht länger verstellen und sagt das, was er denkt. Er konfrontiert seine Mitmenschen mit unbequemen Wahrheiten und hält sich nicht zurück, was seinen neuen, nihilistischen Blick auf die Welt angeht.
Folglich sehen wir einen Ricky Gervais, der sich selbst eine Paraderolle zugeschustert hat: Tony ist ein brutaler Zyniker, ein gemeiner Egoist, der seine Nächsten, seine Arbeitskollegen oder auch wildfremde Menschen permanent in die Pfanne haut. Doch keiner mag ihn so richtig anzählen, weil er eben eine furchtbare Tragödie durchlebt hat. Vielleicht braucht Tony einfach dieses Ventil, vielleicht muss er einfach durchgehend Gemeinheiten ausspucken und fatalistisch die Sinnhaftigkeit eines Lebens in einer austauschbaren englischen Kleinstadt im Nirgendwo hinterfragen. Eingespannt in einem drögen Job bei einer unbedeutenden Lokalzeitung, die ihre Titelseite mit allerlei Banalitäten des Alltags füllt, für die sich niemand wirklich interessiert. Irgendwie kann man die Hauptfigur und ihren Schmerz nachvollziehen, irgendwie raubt einem dieser wehleidige, blasierte Unsympath aber auch den letzten Nerv.
Ganze vier von den insgesamt sechs nicht länger als 30-minütigen Episoden, die die erste Staffel von „After Life“ umfasst, illustrieren, was für ein miserabler, ultrazynischer Bastard Tony ist. Zwischendurch zeigen sich immer wieder Momente der Warmherzigkeit und des Verständnis, doch einen richtigen Umschwung dahingehend, was wirklich in der Serie steckt, beobachtet man erst in den letzten beiden Folgen der Staffel, in denen Tony neue Lebenshoffnung schöpft und sich im Klaren darüber wird, dass er mit seinen Leiden nicht allein ist. Jeder trägt etwas mit sich herum, dass ihr oder ihm Schmerzen bereitet. Jeder hat Probleme. Tonys Unglück gibt ihm noch lange nicht das Recht, anderen dafür eine Breitseite zu verpassen. Man kann auch „einfach“ nett zueinander sein, sich gegenseitig helfen und sich in andere hineinversetzen, um sie besser zu verstehen.
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A slightly better place
After Life ist eine Dramedy über Trauer, die Bewältigung und das Leben mit dieser. Das macht die neue Serie von Ricky Gervais nicht originell oder besonders einzigartig, sind dies doch beliebte Themen in Film und Fernsehen. Und für einen Großteil der ersten Staffel fühlt sich „After Life“ genau so an, wie man es sich vorgestellt hat, wenn Ricky Gervais eine Geschichte über einen sarkastischen Witwer erzählt, der scheinbar nichts mehr hat, für das es sich zu leben lohnt. Er teilt eifrig aus, die Unterschiede zwischen bissigen Kommentaren und unfairen Beleidigungen, die Tony ablässt, sind irgendwann kaum noch zu erkennen. Und das stört mich zwischenzeitlich als Zuschauer mehr, als ich es vorher gedacht hätte, denn es wirkt fast so, als hätte Gervais zu viel Spaß daran, einen herzlosen Fiesling zu spielen, der alles und jeden um sich herum in das schwarze Loch hineinziehen will, das seinen Charakter umgibt.
Diese Figurenzeichnung ist natürlich bewusst gewählt, sie ist aber auch eine Geduldsprobe für das Publikum. Einige werden es durchaus unterhaltsam finden, wie Tony auf neue Art und Weise das Leben bei den Hörnern packt. Andere werden sich fragen, warum sie Zeit mit einer solchen Person verbringen sollen. Kleine, überraschend liebevolle Augenblicke sollen hier und da dafür sorgen, dass wir Tony und sein Verhalten besser verstehen, dass er ja doch nicht nur gemein zu anderen ist. Am Ende ist es jedoch objektiv schwer zu sagen, inwiefern der Protagonist der Geschichte „funktioniert“. Denn die Umstände, die Tony zu bewältigen hat, sind so persönlich und speziell, dass ein Teil der Zuschauer, die eine vergleichbare Situation durchgemacht haben, sich komplett verstanden fühlen, während andere Probleme dabei haben werden, einen Zugang zu Gervais' neuestem Projekt zu finden.
„After Life“ strahlt trotz der Universalität seines Kernthemas keinen universellen Reiz aus und hat damit vieles mit den früheren Produktionen aus der Feder von Gervais gemein, der sich in dieser Hinsicht selbst die Treue hält. Gleichzeitig entsteht bei seiner neuen Netflix-Serie aber auch der Eindruck, dass Gervais ein Stück weit erwachsener und reifer geworden ist. Man hätte nur bedingt eine derartige Serie von ihm erwartet, die teilweise sehr dramatisch und nachdenklich ist, einfach anders, als man es aus seiner Feder gewohnt ist. Insbesondere auf der Zielgeraden der Staffel reißt man das Ruder entscheidend um, indem Tony sich seiner selbst und seines destruktiven Verhaltens bewusst wird. Diese Entwicklung ist andererseits wiederum völlig erwartbar. Nicht umsonst wird so viel Zeit darin investiert, die Hauptfigur durch ein tiefes Tal der Tränen wandern zu lassen, während sie auf diesem Weg andere um sich herum verletzt. Ein Wendepunkt ist da schon fast Pflicht...
Doch „After Life“ schafft es eben auch im Laufe seiner Staffel, einen überschaubaren, charmanten Mikrokosmos an eigenwilligen, skurrilen und liebenswerten Charakteren (allesamt hervorragend besetzt) zu erschaffen, die sehr natürlich und minimalistisch eingefangen werden. Es mag vorhersehbar sein, in welche Richtung „After Life“ letztlich geht, doch die kleinen menschlichen Beziehungen und Momente, die sich ergeben, sind es durchaus wert. Völlig unscheinbare Gesten und trockene Szenen zwischen dem Protagonisten und seinem demenzkranken Vater (David Bradley), einer weiteren Witwe (Penelope Wilton), deren Bekanntschaft Tony auf dem Friedhof macht, einem treudoofen Kollegen (Tony Way) oder einem depressiven Drogenjunkie (Tim Plester) entfalten urplötzlich ein großes emotionales Gewicht. Tony erkennt viel zu spät, wie viele gute, ebenfalls geschundene Seelen ihn umgeben, denen er aufgrund seiner eigenen Schmerzen unfairerweise Unrecht getan hat. Und siehe da: Die Serie liefert letztlich ein schönes Plädoyer dafür, nicht der Grund für mehr Leid, sondern verständnisvoll und empathisch zu sein.
Diese Art der Erzählung ist so alt wie das Bewegtbild selbst, aber der Kniff geht auf. Gervais, so anstrengend, rabiat und garstig „After Life“ aufgrund von Tony stellenweise auch sein kann, präsentiert mit seiner Serie letztlich eine positive Botschaft mit einer ordentlichen Portion Herz und Charme. Schade nur, dass all dies gefühlt ein wenig zu spät kommt, denn, als Tony seinen Moment des Erwachens hat, ist die Geschichte auch schon fast wieder vorbei. Das Leben geht eben doch weiter, wenn auch beschwerlich, und es steht sowohl Tony als auch Ricky Gervais mal ganz gut zu Gesicht, mit einem Lächeln auf den Lippen und Empathie für seine Mitmenschen weiter einen Schritt nach dem nächsten zu machen. So wird aus einer rührseligen Geschichte um einen verbitterten Trauerkloß, der die Gemüter spaltet, eine immer wieder gefühlvolle, wenngleich durchaus bekannte Erzählung über die kleinen Freuden des Lebens und die Wertschätzung dieser, was einem inmitten einer persönlichen Krise neue Kraft und Zuversicht geben kann. Klingt eigentlich nur bedingt nach Ricky Gervais. Und das ist vielleicht auch mal ganz gut so.
Abschließend noch der deutschsprachige Trailer zur neuen Netflix-Produktion After Life:
«After Life» Trailer
After Life Staffel 1 Episodenguide
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