A Man in Full 1x01

© Netflix
Multiunternehmer Charlie Croker (Jeff Daniels, American Rust, The Newsroom) aus Atlanta, Georgia hat es im Leben geschafft, möchte man meinen. Er feiert vermeintlich große geschäftliche Erfolge und ist verheiratet mit der deutlich jüngeren Serena (Sarah Jones, For All Mankind). Anlässlich seines 60. Geburtstag tritt gar Starsängerin Shania Twain (gespielt von sich selbst) auf der mondänen Party auf.
Doch aller schöner Schein trügt ganz gewaltig. Eine der Banken, bei denen das Business-Schwergewicht einen 800-Millionen-Dollar-Kredit laufen hat und die vom windigen Raymond Peepgrass (Tom Pelphrey, Outer Range) vertreten wird, will den Deal platzen lassen, wie Bankchef Harry Zale (Bill Camp, The Queen's Gambit) Charlie in einem ernüchternden Meeting mitteilt.
Gemeinsam mit seinem Berater, Anwalt Roger White (Aml Ameen, „Inside Man: Most Wanted“) sucht Charlie nach einem Ausweg aus der gewaltigen Bredouille, in der er nun steckt. Doch auch seinen Gegnern geht es nicht sehr viel besser. Peepgrass ist gerade in einen bitteren Scheidungsprozess mit seiner Noch-Ehefrau Sirja (Eline Powell, Siren) verwickelt, die 700.000 Dollar von ihm verlangt.
Charlies Ex-Frau Martha (Diane Lane, Y - The Last Man) hingegen, die insgeheim und vor allem gegen den Rat ihrer besten Freundin Joyce (Lucy Liu, Elementary) gern wieder mit Charlie zusammenkommen würde, hat ihre liebe Not mit dem aufsässigen Sohn Wally (Evan Roe, Madam Secretary).
Roger White soll derweil Bürgermeister Jordan (William Jackson Harper, The Good Place) bei der Aufdeckung eines Jahre zurückliegenden Missbrauchsskandals behilflich sein, bei dem Charlie den damaligen Täter kennt. Trotz aller seiner Ecken und Kanten und vor allem Schwierigkeiten bleibt Charlie jedoch Mensch. Als der Mann seiner Sekretärin Jill (Chanté Adams, A League of Their Own) unrechtmäßig verhaftet wird, sichert er der verzweifelten jungen Frau seine Hilfe zu. Ansonsten ist Charlie selbstverständlich nicht bereit, einfach so aufzugeben und macht sich auf den harten Kampf um sein Unternehmen und seine Existenz gefasst.
Englischer Trailer zu „A Man in Full“:
Die verderbte Welt der Reichen
Der amerikanische Schriftsteller Tom Wolfe (1930 bis 2018) begann seine Karriere als Journalist und verfasste erst 1987 mit „Fegefeuer der Eitelkeiten“ sein Romandebüt. Dieses sowie die Verfilmung mit Tom Hanks, Melanie Griffith und Bruce Willis von 1990 behandelten ebenfalls bereits das Thema des Niederganges eines Erfolgsmenschen in einer vom Kapitalismus geprägten Gesellschaft.
Um dieses Thema geht es auch in Wolfes 1998 erschienenem Roman „A Man in Full“, dessen sechsteilige Miniserien-Adaption unter dem deutschen Titel A Man in Full seit dem 2. Mai 2024 bei Netflix zu sehen ist.
Als Showrunner der für den Streamingdienst realisierten Serie fungiert David E. Kelley, der Fans anspruchsvoller satirischer Dramenserien bereits vor allem seit Ally McBeal sowie The Practice und dem noch erfolgreicheren Spin-Off Boston Legal mit Captain Kirk-Darsteller William Shatner in der Hauptrolle ein Begriff sein dürfte. Nunmehr ist es der auch als Komiker unter anderem aus „Dumm und Dümmer“ bekanntgewordene Jeff Daniels, der als Charlie Croker die Schattenseiten der von Geld bestimmten Welt am eigenen Leib erfahren muss.
Es treten auf

Die Pilotfolge nimmt natürlich in allererster Linie die Aufgabe wahr, die agierenden Charaktere in ihr sowie den restlichen fünf zwischen 43 und 48 Minuten langen Folgen vorzustellen. Nicht allein der Hauptdarsteller (von dem man aus diversen vorherigen Rollen bereits bestens weiß, dass er weit mehr kann als lediglich den Dödel zu geben) macht eine ausgezeichnete Figur und liefert eine überaus glaubwürdige, weil ambivalente Darstellung ab. Dann etwa, wenn er trotz der eigenen massiven Krisenlage seiner in Schwierigkeiten befindlichen Sekretärin helfen will.
Auch die Nebenrollen, allen voran Tom Pelphrey als verzweifelter Raymond Peepgrass, Diane Lane als unschlüssige Ex und Lucy Liu als stets auf ihren eigenen Vorteil bedachte beste Freundin sowie Aml Ameen als Berater in einer Loyalitätsprobe machen ihre Sache ausgezeichnet.
Die Inszenierung (im Fall der Pilotfolge durch die auch als ausführende Produzentin tätige Regina King) tut alles, um es dem Zuschauer so unbequem wie nur irgend möglich zu machen. Ein Wohlfühlszenario ist die Welt, in der sich Charlie Croker und seine Freunde und Feinde bewegen, jedenfalls trotz allem Luxus und aller erdenklichen Annehmlichkeiten ganz sicher nicht, was gewiss auch ein Hauptanliegen des Autors der literarischen Vorlage gewesen sein dürfte. Und so erfahren wir neben dem einen und anderen über die Seriencharaktere auch bereits so ziemlich alles, was wir für das Verfolgen der weiteren Handlung wissen müssen. Da geht es also um das großangelegte Unterfangen, einen Mogul zu Fall zu bringen, der allerdings mit allen Wassern gewaschen ist und sich mit harten Bandagen gegen seine drohende Demontage wehrt.
Bissige Unterhaltung
Natürlich hat alles das definitiv seinen satirischen Faktor, doch steht dieser nicht ganz so weit im Vordergrund der geschilderten Ereignisse wie bei anderen vergleichbaren Serien der Fall. Beziehungsweise präsentieren sie sich eher verhalten.
Fazit

Natürlich muss man schon ein gewisses Faible für diese Art von Businesswelt-Serien haben, wenn man an „Ein ganzer Kerl“ Gefallen finden will. Doch wenn das gegeben ist, darf man nach der Eröffnungsfolge gespannt sein auf die Dinge, die da kommen. Und die Charlie Croker zumindest zeitweise in einem tiefen Loch zeigen werden, wie der Anfang der Episode verheißt. Von uns gibt es zu Beginn jedenfalls verdiente dreieinhalb Sterne allein schon für die durchgehend guten Schauspieler.
Deutscher Trailer zu „Ein ganzer Kerl“:
Verfasser: Thorsten Walch am Donnerstag, 2. Mai 2024A Man in Full 1x01 Trailer
(A Man in Full 1x01)
Schauspieler in der Episode A Man in Full 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?