Law & Order: Special Victims Unit 13x11

Nach dem großartigen Spiraling Down war die Vorfreude auf neue Episoden der beinahe letzten übriggebliebenen Serie aus dem Law & Order-Franchise groß. Deswegen ist es wirklich schade, dass Theatre Tricks alle Möglichkeiten auf eine gute Fortsetzung eigentlich von Beginn an versemmelt.
Das Problem ist die Story
Oder wie realistisch ist bitte die Prämisse? Eine junge Frau (Jenn Proske) - auch noch die mit der tragenden Rolle im Stück -, die natürlich gerade erst sechs Monate in New York lebt und im Theater Fuß zu fassen versucht, wird mitten auf der Bühne vergewaltigt, ohne dass es die Zuschauer mitbekommen. Klar. „Lebendiges Theater“ mit dem Publikum auf der Bühne hin oder her, aber das ist schon ein ziemlich mieser Start.
Gut dass die Serie sich anscheinend nicht (mehr) allzu bierernst zu nehmen scheint. Oder wie sollte man Det. Rollins' (Kelli Giddish) Anspielungen danach verstehen, dass so etwas ja nur in New York passieren könnte. Schön, wie sie dabei die Augen verdreht und dem ganzen damit etwas vom verbissenen Realismus anderer Genreserien nehmen kann. Auch wenn sich die Episode danach durchaus wieder auf Realismus besinnt, lindert das den misslungenen Start doch etwas.
Unnötige Twists und subtile Kritik?
Allerdings ist der Rest der Episode dann wiederum nicht so prickelnd. Lebten die bisher zahlreich vorhandenen, anderen tollen Folgen in dieser Staffel bisher vor allem vom extrem guten Storywriting, so ist Theatre Tricks leider zum größten Teil eins: vorhersehbar. Das kann dann auch durch die besten Schauspielleistungen nicht mehr abgefangen werden, wobei die Nebenrollen hier nicht allzu viel zu bieten haben. Fisher Stevens sollte langsam ein Verbot verhängt werden, bei weiteren Episoden des Franchises in stets unterschiedlichen Rollen mitzumachen.
Es ist zwar erneut eine tolle Leistung des Gesamtcasts, die wir hier zu sehen bekommen - vor allem wieder von Mariska Hargitay und Danny Pino -, aber Spannung ist fast überhaupt nicht vorhanden. Und das von Beginn an. Dazu kommt noch der unnötige, aus dem Hut gezauberte letzte „Twist“ am Ende der Episode, dass es eigentlich keine Vergewaltigung, sondern eine von der Mitbewohnerin inszenierte „Sex-Falle“ war. Und dass gerade ein Richter in der Geschichte mit drinhängt, sollte wohl pikante, subtile Gesellschaftskritik sein - ist aber ebenfalls zu sehr geradeaus und dadurch zu langweilig geraten.
Schwache Nebendarsteller
Außerdem noch: Was soll eigentlich Gilbert Gottfried als Labortechniker? Wenn Giddishs eben erwähnter, augenrollender Kommentar noch gut für die Episode war, ist Gottfrieds übertriebene Darstellung eines Nerds einfach zu viel des Guten. Der Dialog mit dem Stalker an sich ist gar nicht schlecht, aber die Mimik, Gestik und zu sehr aufgekratzte Stimme passt schlichtweg nicht in den bis dahin ernsthaften Hintergrund der Episode. Gottfried hat Komödientalent, aber bei Law & Order: Special Victims Unit müsste er sich etwas mehr zurückhalten. Ansonsten setzt er nämlich keine amüsanten Akzente, sondern macht Episoden durch seinen Klamauk nur schnell kaputt.
Fazit
Eine Episode, die wie Law & Order: Criminal Intent in einer schlecht verdaulichen „light“-Version erscheint. Eine vergewaltigte Frau, ein Stalker, ein Richter und eine neidische Mitbewohnerin bilden die Eckpfeiler und damit ist auch eigentlich schon die ganze Geschichte erzählt. So etwas kann man im dreizehnten Jahr ohne interessante Nebengeschichten über die Hauptcharaktere wohl kaum noch spannend erzählen. Deswegen ist Theatre Tricks bisher der Tiefpunkt der Staffel. Schade ist dabei nur, dass gerade die schwachen Episoden bisher die größte Zuschauerschaft hatten.
Verfasser: Sebastian Detzler am Samstag, 14. Januar 2012(Law & Order: Special Victims Unit 13x11)
Schauspieler in der Episode Law & Order: Special Victims Unit 13x11
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?