House 7x01

Nachdem Dr. House (Hugh Laurie) am Ende der sechsten Staffel von House hautnah miterleben musste, wie seine Patientin Hannah (China Jesusita Shavers) stirbt, stellt sich nun die Frage: Wie geht er damit um? Denn merkwürdigerweise haben Hannah und ihre Situation den sonst so distanzierten Misanthropen zutiefst berührt. Von Trauer und Frust überwältigt, erliegt House beinahe der Versuchung, seinen Schmerz mit Vicodin zu betäuben: Im Wahn zerlegt er sein Badezimmer, um an den versteckten Geheimvorrat zu kommen. In letzter Sekunde kommt Cuddy (Lisa Edelstein) dazu und rettet das gequälte Genie vor sich selbst. Was jetzt kommt, ist schmalzig und gelungen zugleich: House und Cuddy lassen ihren unterdrückten Gefühlen endlich freien Lauf und gehen eine emotionale sowie körperliche Bindung ein.
In den amerikanischen Medien wurde diese Annäherung in den höchsten Tönen gelobt: wunderschön, rührend und dabei kein wenig kitschig! Dem kann ich nur teilweise zustimmen, meiner Meinung nach triefen einige der House-Cuddy-Szenen in Now What? geradezu vor sentimentalen Klischees. Gleich zu Beginn beispielsweise, als Cuddy sich um Houses Schulterverletzung kümmert. Situationen, in denen eine Frau behutsam und zärtlich die Wunde eines toughen Helden versorgt, haben wir alle schon tausendmal gesehen - und mindestens halb so oft darüber gelacht!?
Dennoch ist es faszinierend anzusehen, wie zwei kühle Charaktere Stück für Stück verschmelzen und in trauter Zweisamkeit versinken. Oder es zumindest versuchen: Während House zum großen Romantiker mutiert und gar nicht genug tun kann, um Cuddy zu verwöhnen, muss er sich gleichzeitig mit Schwierigkeiten im Pinceton Plainsboro Hospital befassen. Der einzige diensthabende Neurochirurg fällt wegen einer Lebensmittelvergiftung aus - laut Vorschrift muss aber immer einer anwesend sein. House hat natürlich gar keinen Kopf für solche Nichtigkeiten und wimmelt die ständigen Anrufe seines Teams schnöde ab.
So entwickelt sich auch in dieser außergewöhnlichen Episode einen Fall: Um dem Krankenhaus Ärger zu ersparen, machen es sich 13 (Olivia Wilde) und Chase (Jesse Spencer) zur Aufgabe, den kranken Arzt zu heilen. Die beiden schrecken dabei vor nichts zurück. So fragt 13 den über der Kloschüssel hängenden Doktor „Would you be willing to take a fairly risky drug, if it would make it all go away?“ Dieser stimmt zu, die Medizin wirkt und der dringend benötigte Neurochirurg tritt seinen Dienst an.
Als ein Verwaltungsangestellter die Arbeitstüchtigkeit des Arztes überprüft, tanzt dieser jedoch an ihm vorbei und entledigt sich fröhlich seiner Kleidung. Sind das Nebenwirkungen des Medikaments, oder Symptome einer ernsthaften Krankheit?
[fehler=In der ursprünglichen Version dieses Artikels wurde der veraltete Episodentitel 'Thunder Roadtrip' verwendet. Dieser war zwar ursprünglich für diese Episode angekündigt worden, jedoch vor der Ausstrahlung durch 'Now What?' ersetzt worden.]
House weigert sich weiterhin, mit seinem Team zu kommunizieren und als Cuddy langsam, aber sicher mitbekommt, dass er schwerwiegenden Problemen ausweicht, sagt er tatsächlich „Right now, we are more important than what is going on at the hospital.“ Natürlich macht sich auch Dr. Wilson (Robert Sean Leonard) mittlerweile Sorgen um den nicht zur Arbeit erschienenen House und versucht vergeblich, ihn zu erreichen.
In seiner Verzweiflung bricht er schließlich durch ein Fenster ein und …trifft House alleine in der Küche an. Dieser versichert ihm, dass alles in Ordnung sei, und erzählt ihm übermütig von seiner Beziehung zu Cuddy. Es ist zum Schreien komisch wie Wilson daraufhin reagiert, denn für ihn steht ganz klar fest: House ist zugedröhnt und phantasiert. …wir Zuschauer dürfen herzlich lachen!
Den Ärzten im Krankenhaus gelingt es in der Zwischenzeit, die Ursache für das abgedrehte Verhalten des Neurologen zu bestimmen und zu beheben. 13 hatte verkündet, eine Auszeit nehmen und in Rom an einem experimentellen Chorea-Huntington-Forschungsprojekt teilnehmen zu wollen. Foreman (Omar Epps) und Chase finden jedoch heraus, dass davon nur eines stimmt:: 13 lässt sich freistellen - geht aber nicht nach Rom.
Das Hin und Her zwischen Liebesnest und Krankenhaushektik ist sehr gelungen und unterhaltsam. Die Art und Weise, wie 13 und Chase den geplagten Neurochirurgen behandeln, wirkt fast schon wie eine Parodie und erinnert stellenweise an die skurrilen Chaoten von Scrubs. 13s Geheimnisse und Lügen lassen viel Spielraum für Vermutungen. Auch die Dynamik zwischen House und Cuddy nimmt gegen Ende eine Wendung - und dann doch nicht: House kommen Bedenken: „You'll realize that I am an insane choice for someone who has a kid“. Und: „I've done horrible things to you. And I'll do horrible things again“. Cuddy schmettert seine Einwände ab: „I know you're screwed up. I know you're always going to be screwed up. But you're the most incredible man I've ever known“.
Was bedeutet dass für die Fans des verbitterten, zynischen Dr. House? Wird die Liebe von und zu Cuddy ihn weich machen? Oder entspringen seine Gefühle etwa nur dem Bedürfnis nach Trost? Ist House überhaupt in der Lage, dauerhaft Nähe und Liebe zuzulassen?
Verfasser: Bernd Michael Krannich am Sonntag, 10. Oktober 2010(House 7x01)
Schauspieler in der Episode House 7x01
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