House 6x05

House 6x05

Die vierte Episode der sechsten Staffel von House serviert dem Zuschauer eine explosive Mischung: Ein Mord, der aufzufliegen droht; ein todkranker Junge und ein verzweifelter Vater; eine Beziehung am Anfang vom Ende (?) und einen House, der auf seine ganz eigene Art versucht, die Dinge wieder ins Reine zu bringen. Mit einem Satz: Instant Karma bringt den Alltag zurück ins Princton Plainsborough.Ein Review von David Weiss.

Screenshot eines zwischenzeitlichen Version der Webseite „SnakesOnACane.com“
Screenshot eines zwischenzeitlichen Version der Webseite „SnakesOnACane.com“

Erwartungshaltungen

In amerikanischen Fanforen rumorte es seit Epic Fail und The Tyrant immer deutlicher. Ein User hatte zum Beispiel provokativ einen Beitrag unter dem Titel „Is it now' Foreman M.D.'?“ verfasst. Dort hatte er ausgestoppt, dass die Screentime von House (Hugh Laurie) in Epic Fail nur 13:55 gewesen sei. Vor dem Hintergrund, dass eine Episode in der Regel etwa 41 Minuten dauert, ist eine Leinwandpräsenz von einem Drittel der Sendezeit für die Hauptfigur sehr wenig. Zumal Foreman (Omar Epps) doppelt so lange zusehen war.

Instant Karma stand nun also unter dem Druck, den Fans wieder mehr House zu bringen und so eine These von Hugh Laurie aus der ersten Staffel zu beweisen, dass eine Serie immer dann erfolgreich bleibt, wenn sich die Hauptfigur (auch charakterlich) nicht verändert. Außerdem hatte die Episode mit dem schwierigen Problem zu kämpfen, dass ihr direkter Vorgänger eine der Schlüsselepisoden der gesamten Serie sein dürfte und somit wenig Raum bei Instant Karma für Weiterentwicklungen blieb, da erst einmal die Geschehnisse um den Mord an Dibala (James Earl Jones) final aufgearbeitet werden müssen.

If I were a rich man …

Die vierte Folge (wer sich über die Zählung wundert - ich halte mich an die Zählung von Fox, welches den einleitenden Film der Staffel Broken derzeit als nur eine Episode zählt) bewegt sich dementsprechend auch nur in den gewohnten Bahnen einer typischen House-Episode, wobei die harmonische Zusammenstellung in meinen Augen sehr gut gelungen ist.

Der Beginn der Episode präsentiert einen großen Landsitz, wo ein Mann (Lee Tergesen) eine Vorstandssitzung übereilt verlässt, um bei seinem schwerkranken Sohn Jack (Tanner Maguire) zu sein. Bei diesem Besuch gesteht der Arzt der Familie, dass er dem Jungen nicht mehr helfen kann und es nun an der Zeit sei, den Jungen ins Krankenhaus zu bringen. Der Mann, Roy, akzeptiert widerwillig und verspricht seinem Sohn, dass er dafür sorgen werde, dass dieser nicht sterbe.

Roy verlegt den Jungen ins Princton Plainsborough, wo er sich mit einem Problem in Gestalt der Verwaltungschefin auseinanderzusetzen hat. Er verlangt - damit war zu rechnen - House als Arzt. Cuddy (Lisa Edelstein), in dem Wissen, dass House noch immer keine Lizenz hat, versucht ihm, dies auszureden. Aber schließlich gewinnt der Mann dieses Streitgespräch mit dem Fanherzen höher schlagen lassenden Satz:
I want the best! And everybody tells me, HOUSE IS THE BEST!

This game is fun …

Dies legt den Grundstein für ein eine der humorvollsten Sequenzen der Episode. Cuddy kann aufgrund der Lizenzproblematik House den Fall nicht offiziell übertragen. Also muss Foreman die Verantwortung tragen. Aber House muss das Sagen haben. Dieser legt, als er es erfährt, im Büro die Beine hoch und sagt grinsend:

Das bedeutet, ich kann machen, was ich will und er muss dafür die Verantwortung tragen? Oh, ist das cool!

Foreman, logischerweise über diese Aussichten nicht ganz so erfreut wie House, fragt, wann House seine Lizenz und damit die Leitung zurückerhalte, und damit „diese Farce ende“. Aber House schüttelt den Kopf und erwidert, dass er die Leitung gar nicht zurück wolle, denn:
This game is fun!“ (Hier kommt in meine Augen keine deutsche Übersetzung wirklich an das Original heran)

An dieser Stelle kommen zum ersten Mal Erinnerungen an die zweite Staffel auf, in der es eine ähnliche Handlung schon einmal gab. Und in der Tat könnte sich diese Episode auch von der Optik, der Storyline und den Charakteren nahtlos in die zweite Staffel einfügen.

Reisepläne

Verlassen wir aber an dieser Stelle einmal das Krankenhaus, wo die Behandlung des Jungen mit den üblichen Theorien, Rückschlägen, Anfällen des Jungen etc., anläuft und widmen uns einer alten Bekannten. Kaum noch jemand aus dem neuen Team war während der letzten beiden Episoden zusehen. Nur 13 (Olivia Wilde) durfte aufgrund ihrer Beziehung mit Foreman noch hin und wieder im Krankenhaus vorbeischauen.

Diesmal treffen wir sie außerhalb der vertrauten Räume im Café Bruge an, wo sie, immer noch mit dem Ende ihrer Beziehung zu Foreman kämpfend, eine Reise nach Bangkok plant. Ihr Tischnachbar, House, ist darüber aber gar nicht begeistert. Obwohl er ihr mehrmals versichert, dass er sie nicht wieder im Team haben wolle, um Foreman als Chef nicht zu verlieren.

Das alte Team wieder in Aktion%26copy;%26nbsp;FOX
Das alte Team wieder in Aktion%26copy;%26nbsp;FOX

Was hier noch humorvoll begonnen wird, schlägt im Verlaufe der Episode einen ernsteren Ton an. House beginnt sich nämlich mit dem Gedanken auseinanderzusetzen, ob er die Leitung überhaupt wieder haben möchte. Cuddy führt ihm an späterer Stelle eindrücklich vor Augen, dass er die medizinischen Rätsel und die Macht liebe. House nickt, aber erwidert:
Nur als ich beides, die Rätsel und die Macht hatte, bin ich …“ Er beendet den Satz nicht.

13 hingegen lässt sich zumindest verbal nicht von ihren Plänen abbringen und ist entschlossen, die Reise anzutreten. Nur, als sie im Taxi auf dem Weg zum Flughafen sitzt (und einen sehr merkwürdigen und in meinen Augen überflüssigen Dialog mit dem Taxifahrer führt), muss sie feststellen, dass ihr Flug gecancelt wurde.

Ich weiß, was du letzte Folge getan hast …

Im Krankenhaus ereilen inzwischen Chase (Jesse Spencer) und Foreman die Schatten ihrer jüngsten Vergangenheit. Während das Team an verschiedenen Stellen in Jacks Körper Krebs sucht, hat Foreman Laborwerte, die im Zusammenhang mit dem Mord an Dibala stehen, erhalten. Aus diesen geht hervor, dass Chase' absichtlich falsche Behandlung von Dibala nicht mit einem Versehen zu rechtfertigen ist - und damit der Mord aufzufliegen droht.

Beide beschäftigen sich von diesem Zeitpunkt an verstärkt damit, einen Weg zu finden, der diese Werte doch wieder mit der falschen Behandlung in Einklang bringt. Aber besonders Chase beginnt unter den Folgen seiner Tat zu leiden, was sich auf seine persönlichen Beziehungen auszuwirken beginnt. Während Chase bei den Besprechungen immer abwesender wirkt, fällt House auf, dass er und Foreman mehr Zeit miteinander verbringen, und scheinbar etwas sehr ernstes zu diskutieren haben.

Neben House ist es Cameron (Jennifer Morrison), welche das Fehlen ihres Ehemanns zunehmend bemerkt. So wacht sie beispielsweise morgens alleine auf, obwohl sie mit ihm gerechnet hatte. Sie spürt ebenfalls, dass etwas vor sich geht und fragt nach. Aber Chase verweigert immer wieder die Auskunft. Die meisten dürften inzwischen den Spoiler gelesen haben, dass Jennifer Morrison (zumindest vorübergehend) nach der neunten Episode der Staffel die Serie verlässt ###news0###. Vermutlich erleben wir durch dieses Verhalten und diese Storyline gerade den Beginn des Handlungsbogens, der genau dazu führen wird.

Cameron hat keine Ahnung; was für Spielchen hinter ihrem Rücken ablaufen%26copy;%26nbsp;FOX
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Wer hat es getan?

13 hat inzwischen herausgefunden, dass jemand ihren Mailaccount geknackt und ihre Flug-Buchung abgesagt hat. Sie macht sich sofort auf die Suche nach dem Schuldigen. Die erste Tür, an die sie deswegen klopft, gehört natürlich House. Doch dieser versichert ihr, dass er sie wirklich nicht zurückhaben möchte und so geht die Suche weiter.

House selber erkundigt sich bei Foreman, ob er es getan habe, um seine Beziehung wiederzubeleben. Doch Foreman verneint überaus überzeugend. Diesmal werden Erinnerungen an die dritte Staffel wach, als das ganze Cast nacheinander einander beschuldigt hat, ein Vorstellungsgespräch von Foreman abgesagt zu haben. Der Schuldige damals war House.

In dieser Episode ist es aber Wilson, der die Schuld auf sich nimmt. 13 ist auch in sein Büro gekommen und beschuldigt ihn, dass er es getan habe, um House zu schützen. Wilson gesteht und meint, dass House 13 brauche und ihre Anwesenheit das Team besser mache. Nachdem 13 das Büro, von der Antwort einigermaßen befriedigt, verlassen hat, macht sich Wilson auf den Weg zu House, betritt das Büro und sagt: „Ich habe gerade die Schuld dafür auf mich genommen, 13 Reise abgesagt zu haben.“ House schaut ihn verwundert an: „Warum? Ich weiß, dass du es nicht getan hast!

Business as usual meets „Bad Karma“

Und warum kannst du nicht einfach sagen, dass du sie hier haben möchtest? Du bist doch gar nicht so ein großes Arschloch (das Originalwort ist „jerkoff“, ich belass es mal bei Arschloch) wie alle sagen.
House grinst:
Bin ich doch! Vielleicht bin ich einfach mit einem zu kleinen Herzen gebo …

Und es folgt das Altbekannte. House erkennt in diesem Moment, was dem Jungen, dem er kurz zuvor eine unheilbare, tödliche Krankheit diagnostiziert hatte, tatsächlich fehlt. Er kann ihn retten. Noch kurz zuvor hatte sich der Vater selbst finanziell ruiniert: Er war der Überzeugung, durch seinen beruflichen Erfolg schlechtes Karma in anderen Lebensbereichen hervorgerufen zu haben. Die scheinbar wundersame Rettung seines zuvor „unheilbar kranken“ Sohnes dient ihm nun als Rechtfertigung.

Hier liefen alle Handlungen der Episode zusammen. Chase hatte sich so sehr mit den Schuldgefühlen geplagt, dass er sogar schon in Cuddys Büro war, um seine Tat aus The Tyrant zu gestehen. Diese wird aber vor Chase' Geständnis in das Zimmer des Jungen gerufen. Dort versucht der Vorstand von Roys Firma, ihm die bewusst ruinösen Pläne auszureden. Dieser zieht sie dennoch durch, überzeugt nur so seinen Jungen retten zu können. Und tatsächlich gelingt es House, letztlich über den Handlungsbogen um 13 (die am Ende doch eine Reise, augenscheinlich nach Malaysia, antritt), kurz danach, die Lösung zu finden.

Mastermind

Nach dieser ersten Rettung werden auch Chase und Foreman gerettet. Obwohl man schon jetzt die Einschränkung geben kann, dass, wenn es darum geht, House die Kontrolle zurückzugeben, dieser Handlungsbogen vielleicht eine Rolle spielen könnte. Denn Chase erhält Informationen zugespielt, welche die verräterischen Laborwerte mit der falschen Behandlung wieder in Einklang bringen. Und wieder war es House. Der letzte Satz zu diesem Thema von House lässt eigentlich keinen Zweifel, dass wir kurz davor stehen, den alten House zurück zu haben: Mit „Lieber einen Mord, als eine falsche Diagnose!“ rechtfertigt er seine Schützenhilfe für seinen Kollegen.

Fazit

Instant Karma ist mit Sicherheit keine der außergewöhnlichen Folgen der Serie. Die bekannten und bewährten Methoden werden zu einer „normalen“ Episode zusammengeführt, die wie immer einen interessanten Fall, Drama, einiges zum Lachen und (wie fast immer) ein Happy End bietet. Vor diesem Hintergrund gefiel sie mir sehr gut.

House war (endlich) wieder die klar erkennbare Hauptfigur, die auch während der Behandlungen aktiv die Geschehnisse vorantrieb. Das alte Team ist bewährt und bleibt bewährt. Der Fall stand klar im Mittelpunkt des Geschehens und war eindeutig die Haupthandlung. Die reduzierte Spielzeit hat den Nebenhandlungen aber nicht geschadet. Im Gegenteil. Gerade um den Dibala-Fall wurde die Spannung noch erhöht.

Die schauspielerische Leistung war ebenso gut. Hugh Laurie als House ist sowieso genial, Jesse Spencer hat sehr viel aus Chase herausgeholt, Omar Epps als umtriebiger Foreman war nicht so schwach wie sonst.

Vater; Sohn und House%26copy; FOX
Vater; Sohn und House%26copy; FOX

Die Gaststars machten wie immer bei House viel aus ihren Auftritten, wobei ich die Leistung von Tanner Maguire deutlich über die seines Filmvater stellen würde. Der hat die Szenen um das Karma nicht so überzeugend transportieren können, als das man sich hätte voll darauf einlassen können.

Und endlich hat Olivia Wilde einmal die Chance bekommen, mehr als nur das schöne Gesicht oder die „Sexual Attraction“ der Serie zu sein. Und anders als in der Huntington - Folge der fünften Staffel, wo sie mich nicht üzu überzeugen vermochte, hat Wilde diesmal die Gelegenheit genutzt. Ohne Foreman ständig mit sich im Bild zu haben, tut sie sich scheinbar leichter. Gerade die Szenen zusammen mit Hugh Laurie waren sehr gut. So kann man über sie als Mitglied des neuen Teams sagen:
Gut, dass sie noch da ist. Sie würde fehlen.

Insgesamt war die Folge „Alltag der Serie“. Aber für mein Empfinden ist das bei House ein Kompliment.

Verfasser: Bernd Michael Krannich am Donnerstag, 15. Oktober 2009
Episode
Staffel 6, Episode 5
(House 6x05)
Deutscher Titel der Episode
Einmal Karma, bitte!
Titel der Episode im Original
Instant Karma
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 12. Oktober 2009 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 4. Mai 2010
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 26. April 2010
Autor
Lawrence Kaplow
Regisseur
Matt Shakman

Schauspieler in der Episode House 6x05

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