Arrested Development 4x01

Michael Bluth (Jason Bateman) ist in einer wirklich undankbaren Lage. Um sein Herzensprojekt, die Wohnsiedlung Sudden Valley, endlich fertigstellen zu können, muss er seine verhasste Familie um Geld bitten. Das aus Aktienverkäufen und einem nicht weiter spezifizierten Stimulus Package stammende Kapital ist jedoch vom Familienoberhaupt George Bluth (Jeffrey Tambor) schon längst wieder durchgebracht worden. Er hat sich ein circa 16.000 Quadratmeter großes Wüstenareal in Kalifornien zugelegt, um sich dort zur Ruhe zu setzen.
For the first time in many years, Michael had hope
In diesen und vielen weiteren Erzählsträngen wird die für Arrested Development so typische Tragikomik wunderbar dargestellt. Der einzige, der sich für seine Familie verantwortlich sieht, ist Michael. Gelingt es ihm, einen Brand zu löschen, flammen jedoch drei weitere Probleme auf. Es ist wie eine Runde des berühmten Arkadespiels Whac-A-Mole: Hat man einen Maulwurf getroffen, poppen an anderer Stelle viele weitere hoch. In Kürze: Es ist zum Verzweifeln. Ähnliches gilt für den Produktionsprozess der Kultcomedy. Erst gab es einen Fan-Aufschrei nach der Absetzung durch FOX im Jahre 2006, dann wurde ein Kinofilm angekündigt und schließlich eine Neuauflage der Serie bei Netflix.

Auch dort wurde vor der Ausstrahlung einige Verwirrung gestiftet. Zunächst wurde eine vierte Staffel mit zehn Episoden angekündigt. Dann sammelte das Team jedoch so viel Material, dass diese Zahl schnell auf 15 erhöht wurde. Gleichzeitig verkündete Schöpfer Mitchell Hurwitz, der Zuschauer könne die Episoden in beliebiger Reihenfolge ansehen, die Folgen hätten jeweils abgeschlossene Handlungsstränge. Damit ruderte er jedoch nach dem endgültigen Schnitt zurück. Fans und Interessierte sollten doch die klassische Konsummethode wählen.
Es scheint also, als hätte die allürenhafte Chaotik der Charaktere, mit denen sich Hurwitz nun schon seit über zehn Jahren auseinandersetzt, auf ihn und seinen Produktionsprozess abgefärbt. Dieser Verdacht erhärtet sich dann auch nach Sichtung der Auftaktepisode. Der Humor ist der gleiche geblieben und funktioniert an diversen Stellen immer noch blendend. Doch der Erzählrahmen ist reichlich unstrukturiert. Da kommen mehrere Rückblicke vor, die sich auch mal gerne über mehrere Minuten hinziehen, bis der Zuschauer kaum noch weiß, ob er sich nun in der Vergangenheit oder der Gegenwart befindet.
Auch die Einsätze von hochrangigen Gastdarstellern wie Kristen Wiig als junge Lucille Bluth und Seth Rogen als junger George wirken leicht deplatziert und erwecken den Eindruck, aus reinem Selbstzweck in die Episode geschrieben worden zu sein. Oder wie ist sonst der etwas längliche Ausflug in das vollkommen fiktive Festival „Cinco de Cuatro“ zu verstehen? Für alle Fans und Kenner der Comedyserie Workaholics wird dann jedoch ein gelungener Gastauftritt geliefert. Alle drei Hauptdarsteller geben sich die Ehre, außerdem taucht Montez Walker (Erik Griffin) auf und spielt dabei eine ähnliche Rolle wie in der besagten Comedy.
Let's call you Boy George
Die Geschichte der Auftaktpisode Flight of the Phoenix dreht sich wenig überraschend um Michael und seine abstruse Familie. Sie laden ihm einen Berg von Problemen auf, die er mit einer 700.000-Dollar-Leihgabe von Lucille Austero aka „Lucille Two“ (Liza Minelli) zu tilgen versucht. Auch dieses Übergangsgeld verschafft jedoch keinerlei Verschnaufpause.

Sein tatsächlich fertiggestelltes Herzensprojekt Sudden Valley - was wohl beabsichtigt nach einer Mixtur aus Sudden Death und Death Valley klingt - endet aufgrund der amerikanischen Immobilienkrise als gigantischer Flop: „Michael found himself living in a ghost town he himself had built.“ Michael bleibt also nichts anderes übrig, als zu seinem Sohn George-Michael (Michael Cera) ins Studentenwohnheim zu ziehen.
Der jedoch ist von dieser Idee wenig begeistert, wollte er sich am College doch endlich eine neue, selbstbewusstere Identität zulegen. Erste Schritte auf dem Weg dorthin hatte er schon geschafft, als plötzlich sein Vater vor der Tür stand. Der glaubt, mit George-Michael eine wunderbar harmonische Beziehung in Stockbetten zu führen („I thought it would help with your popularity problem“), bis er von seinem eigenen Sohn aus dem Zimmer geworfen wird. Alleine und niedergeschlagen muss er mit hängenden Schultern, leeren Koffern und Umweg über Phoenix zurück ins Familiendomizil ziehen - an den Ort, von dem er stets weg wollte: „I am through with this family.“
Fazit
Sicher, der altbekannte Arrested Development-Charme sprüht der Comedyserie immer noch aus jeder Pore. Die Punchlines funktionieren größtenteils und kommen mit einer viel höheren Frequenz als in jeder anderen Comedyproduktion. Die Stärken sind also die gleichen wie schon zuvor. Die Schwächen liegen an anderen Stellen und wurden bereits im Review angedeutet.
In manchen Szenen offenbaren Autoren und Regisseur, dass sie etwas übermotiviert waren und die Begeisterung über die Fortsetzung der Serie ihnen die Sicht auf das Wesentliche versperrten. Wenn Wortspiele durch Symbole unterstrichen werden, ist dies doch etwas zu viel des Guten. Als Beispiele lassen sich hier der Geier, der Strohballen, der tote Postbote oder der Strauß anführen.
Auch die Struktur der Erzählung gerät etwas durcheinander, sodass man als Zuschauer leicht den Überblick verliert und als Rezensent mehrmals zum Spulen gezwungen wird. Hieran wird die Problematik deutlich, die Serienschöpfer Mitchell Hurwitz mit seinem Ansinnen, eigenständige Episoden zu produzieren, ausgelöst hat. Die Schwierigkeiten, eine dramaturgisch harmonische Geschichte zu erzählen, entstammen eindeutig dem Schneideraum.
Dennoch sollte Arrested Development nicht frühzeitig abgeschrieben werden. Die Figuren sind nach wie vor sehr liebenswert und schräg, die Dialoge schnell und abgefahren und die Handlung - um es milde zu sagen - grotesk. Wer die Serie nicht schon nach der ersten Staffel abgeschaltet und bis zur dritten Staffel durchgehalten hat, dem werden auch die neuen Ausgaben gefallen.
Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 30. Mai 2013(Arrested Development 4x01)
Schauspieler in der Episode Arrested Development 4x01
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