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© ??9JKL“ / (c) CBS
Ja, liebe Serienfans und TV-Junkies, auch im Jahr 2017 lassen sich nach wie vor so einige sehr erfolgreiche Multi-Kamera-Comedy mit Lachkonserve finden, siehe The Big Bang Theory, Kevin Can Wait oder auch Netflix' Fuller House. Der CBS-Neustart 9JKL von und mit Mark Feuerstein schlägt nun in die gleiche Kerbe und probiert sich ebenfalls an einem solchen typischen Sitcom-Format. Das Resultat ist jedoch eine erschreckended Offenbarung und das perfekte Beispiel, warum diese Art der Comedy mehr und mehr aus dem Geschäft verschwindet. So sehr auch immer wieder versucht wird, diese aus möglicherweise nostalgischen Gründen vor dem Aussterben zu bewahren.
Zugegeben, ich persönlich bin kein großer Fan von TV-Produktionen, die einem via Lachspur diktieren, an welcher Stelle man sich denn zu amüsieren hat, wird doch brav für jeden noch so flachen Witz eine noch so schwache Pointe mit Gelächter aus der Dose markiert. In den 1970er bis in die 1990er und 2000er hinein war dies ein probates Mittel, um einfache Fernsehunterhaltung zu schaffen, schaut man sich nur genreprägende Beispiele wie Seinfeld oder Friends an. Heute fühlt sich das Ganze aber nicht nur furchtbar überholt, sondern bisweilen auch extrem unangenehm an, vor allem wenn man sich den Spaß macht, die Lachspur einfach mal in Gedanken wegzulassen. Manch eine Serie erhält dadurch schon fast einen depressiven, existentialistischen Flair.
That show sucked
Im Fall von „9JKL“ ist es aber nicht nur die verstaubte Machart, die mir übel aufstößt, es ist das gesamte Konzept und die Umsetzung, es sind die Darbietungen und peinlichen Versuche, Witze zu reißen, die keine sind. Zwischenzeitlich wird meine Wut auf diese Comedy von einem Gefühl von Mitleid abgelöst. Jedoch nicht wirklich für die Darstellerriege, sondern viel mehr für das gesamte Projekt. Wie konnte es überhaupt enstehen? Hat sich hier ein Senderchef einen gemeinen Spaß erlaubt? Wissen die Verantwortlichen um Mark Feuerstein (Royal Pains, Prison Break) überhaupt, welch Kreatur sie hier zusammengebastelt haben?
Die Prämisse ist schnell umrissen: In „9JKL“ zieht der ehemalige TV-Star und seit kurzem geschiedene Josh (Feuerstein) von Los Angeles zurück in seine Heimat New York, wo er eine Wohnung im Apartmenthaus seiner Eltern bezieht. Diese liegt genau zwischen dem Apartment von Mama und Papa auf der einen und seinem Bruder Andrew (David Walton) mitsamt Kind und Kegel auf der anderen Seite. Was folgt sind anstrengende Aufeinandertreffen zwischen Josh und seiner Familie, denn während unser Protagonist eigentlich nur etwas Abstand will, wird er von seinen Liebsten nahezu im Sekundentakt mit nervigen Anfragen und unangenehmen Peinlichkeiten bombardiert. Aber hey, Familie, stimmt's? Wer kennt es nicht?

Boundaries
Serienmacher Mark Feuerstein, der in 9JKL die Hauptrolle übernimmt, bedient sich zusammen mit Koschöpferin Dana Klein an einer beliebten Fernsehtrope, nämlich der der unliebsamen Familie, die einem den letzten Nerv raubt, aber der man letztendlich doch nichts übel nehmen kann, weil es sich ja um die eigene Familie handelt. Die Grundidee ist also schon einmal nicht besonders originell, aber okay, das können ja eventuell die Schauspieler oder das Drehbuch aufwiegen. Ja, das könnten sie. Tun sie aber nicht. Weder die Darstellerriege noch die Dialoge können diesen nicht enden wollenden TV-Unfall verhindern, geschweige denn abmildern.
Allein die Charaktere entpuppen sich innerhalb kürzester Zeit als unglaubliche Nervensägen, von denen zu keiner Sekunde auch nur ein Fünkchen Charme ausgeht. Natürlich sollen uns die Menschen in Joshs direktem Umfeld auf den Geist gehen, wir sollen uns so fühlen wie er. Doch man muss derartigen Charakteren auch Eigenschaften geben, die sie schlussendlich ein Stück weit liebenswert machen, sonst kommt man als Zuschauer nie wieder davon weg, dass man sie abgrundtief hasst. Übrigens baut auch der einzige Witz der gesamten Serie auf diesem Konzept: Wie furchtbar ist die Familie unserer Hauptfigur? Wie sehr kann sie ihn nerven? Und wie oft lässt Josh all dies mit sich machen?
I need space
Neben schlechten Running Gags und mitunter miserablen Timing bei den Pointen, wartet man vergeblich auf einen originären Witz, eine zündende Idee oder dergleichen, die einem zumindest ein leichtes Lächeln entlockt. Fehlanzeige. Die Handlung der Pilotfolge könnte indes geradliniger und klischeehafter nicht sein, von der Rückkehr von Mamas kleinem Liebling inklusive ein paar Faxen zwischen Josh und seiner Mutter, über ein fehlgeschlagenes erstes Date, bis hin zu einem prominenten, komplett beliebigen Gastauftritt (Regisseur Paul Feig), alles ist mit dabei. Besonders spaßig scheint es übrigens zu sein, die renommierten Schauspieler Elliott Gould, eine bekannte Größe in Film und Fernsehen, ohne Hose zu zeigen. Das ist im Endeffekt auch das definierende Merkmal von Joshs schrulligem Vater.
9JKL ist so überflüssig wie ein Kropf, die Lacher aus der Dose machen die Pilotepisode vielmehr zu einem kleinen Trauerspiel, als dass man dazu motiviert wird, sich dem aufgezeichneten Gelächter anzuschließen. Wie auch? Wo kein Witz, da auch keine dementsprechende Reaktion. Am Ende der Folge möchte man jede einzelne der aufgetretenen Figuren nie wieder sehen (am ehesten vielleicht noch Mark Feuerstein, doch auch dieser spielt einen dermaßen altbackenen „Sitcom-Helden“, der die einzige normale Person in seiner verrückten Welt darstellt), was glücklicherweise extrem einfach umzusetzen ist. Meine Zeit ist für diese Serie definitiv zu kostbar, und ich denke, glaube und hoffe, dass es den meisten Zuschauern ähnlich geht.
Trailer zu „9JKL“:
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 4. Oktober 20179JKL 1x01 Trailer
(9JKL 1x01)
Schauspieler in der Episode 9JKL 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?