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Inhalt
Fassungslos. Dieses Wort trifft Jack Bauers Gemütszustand sehr genau. Renee Walker ist tot - und er hat sie noch nicht einmal richtig gekannt. Zumindest weiß er nicht, als ihn das Krankenhauspersonal danach fragt, ob ihre Eltern noch leben oder nicht. Erst ein Anruf von Chloe reisst Jack wieder aus seiner Starre - und weckt altbekannte Gefühle in ihm. Gefühle einer aggressiven Natur. Denn er erfährt von Chloe, dass Renee einen russischen Mafioso erkannt zu haben glaubte, der Samir getötet hat.
Wie nicht anders zu erwarten, will Jack unverzüglich die Verantwortlichen hinter dem Mord an Renee zur Strecke bringen und eilt dafür zum Gericht, wo gerade die Anhörung von Mafiaboss Sergei Bazhaev (Jürgen Prochnow) läuft. In einer kurzen Verhandlungspause kann Jack mit ihm sprechen. Er droht dem Russen unverhohlen damit, dessen Familie etwas anzutun, falls er ihm nicht sagen sollte, wer hinter Renees Mord steckt. Bazhaev zögert: Denn auch die Männer, die er schützt, würden nicht davor zurückschrecken, seine Familie zu töten.
Doch schließlich gibt sich Bazhaev einen Ruck: Er selbst bzw. seine Organisation hatten mit dem Mord an Renee nichts zu tun. In Wahrheit stünden hinter allem, was an diesem Tag passiert ist, Leute in der russischen Regierung, die den Friedensprozess im Nahen Osten sabotieren wollen. Namen kann Bazhaev Jack nicht nennen, denn die ganze Operation ist innerhalb der Staaten von der gleichen Frau organisiert worden, die auch CTU infiltriert hat: Dana Walsh.
In der Zwischenzeit trifft sich Ex-Präsident Charles Logan mit Mikhail Novakovich, dem russischen Außenminister. Logan sagt ihm auf den Kopf zu, dass er weiß, dass Teile der russischen Regierung - allen voran Novakovich selbst - hinter der Ermordung von Präsident Hassan stehen. Logan behauptet, dafür auch Beweise zu besitzen, von denen Präsidentin Taylor allerdings nichts zu wissen brauche. Vorausgesetzt die Russen erklären sich bereit, zur Konferenz zurückzukehren und den Vertrag zu unterzeichnen.
Tatsächlich ist Logan mit dieser Taktik erfolgreich. Der russische Außenminister lässt die Präsidentin wissen, dass sein Land zu den UN-Gesprächen zurückkehren wird. Logan frohlockt bereits, dass seine Reputation fast wieder hergestellt sei, als ihn die Nachricht erreicht, dass ausgerechnet der Mann alles wieder zu ruinieren scheint, der für seinen Sturz verantwortlich war: Jack Bauer.
Bauer hat nämlich mit Dana Walsh gesprochen, die sich bereits nach wenigen Lockerungsübungen von Jack in Sachen Folter zur Kooperation bereit erklärt, wenn sie eine volle Begnadigung durch die Präsidentin erhält. Dana sagt, dass sie nicht nur Namen nennen könne, sondern auch Beweise in Form von Audio- und Filmaufnahmen besitzt. Für Logan ist die Nachricht, dass Jack mit Dana gesprochen hat, eine absolute Katastrophe: Denn, wenn Jack das Komplott der Russen aufdeckt, wäre nicht nur der Friedensvertrag hinfällig, sondern - was Logan natürlich noch viel wichtiger ist - seine eigene Rehabilitation.
Logan bleibt keine andere Wahl: Er muss Präsidentin Taylor reinen Wein einschenken. Er drängt sie dazu, Jack Bauer aufzuhalten. Sie dürfe Danas Begnadigung nicht unterzeichnen, sonst sei der Friedensprozess am Ende. Taylors Außenminister Ethan Kanin glaubt, dass dies ohnehin nicht zu vermeiden sei, da es Frieden nur als einen ehrlichen Frieden geben könne. Und der sei nicht zu machen, wenn Russen am Verhandlungstisch sitzen, die gerade daran beteiligt waren, einen Staatschef zu ermorden und nukleares Material in die Vereinigten Staaten zu schmuggeln.
Logan appeliert an Taylor, nicht auf ihren Außenminister zu hören. Sie müsse daran denken, wieviel Gutes sie erreichen könne, wenn sie diesen Kompromiss eingeht - und mit der Unterzeichnung des Friedensvertrags fortfährt. Sie könne eine Region befrieden, in der seit Jahrzehnten nichts anderes als Krieg geherrscht hat. Tatsächlich gelingt es Logan, die Präsidentin mit diesen Argumenten auf seine Seite zu ziehen.
Sie macht sich persönlich auf den Weg zur CTU-Niederlassung, um dort mit Jack Bauer zu sprechen. Der reagiert wie erwartet mit einer Mischung aus Enttäuschung und Empörung über die Ankündigung der Präsidentin, die Amnestie für Dana Walsh nicht zu unterschreiben. Taylor spricht davon, dass unbelegte Anschuldigungen gegen die Russen den Friedensprozess gefährden könnten. Davon, dass sie weiß, dass diese Anschuldigungen nicht unbegründet sind, sagt sie Jack nichts. Dieser ahnt, dass Taylor ihm nicht die ganze Wahrheit sagt. Was es für ihn umso bitterer macht.
Da die Präsidentin wohl eine böse Vorahnung hat, was die Entschlossenheit von Jack angeht, für den Tod seiner Kollegin und Freundin Rache zu nehmen, will sie ihn auf eine Militärbasis verfrachten lassen. Angeblich, damit er dort noch einmal einen Bericht abgeben kann. In Wahrheit handelt es sich natürlich um eine Art Präventivhaft. Das weiß auch Chloe, die von der Anordnung der Präsidentin, dass niemand zu Dana Walsh vorgelassen werden darf, ebenfalls sehr irritiert ist, sich dem Wunsch der Regierungschefin jedoch beugt.
Und als wären ihre ersten Stunden als CTU-Chefin nicht schon schwer genug, muss sie auch noch auf einem Videomonitor mitansehen, wie Jack seine Eskorte überwältigt und den Helikopter, mit dem er abtransportiert werden sollte, kapert...
Kritik
Mehr noch als Jacks Trauer und Drang nach Rache (oder in seiner Sichtweise: Gerechtigkeit) stand in dieser Folge Gregory Itzin als Machiavelli vom Dienst, Ex-Präsident Charles Logan, im Mittelpunkt. Bis zum Äussersten entschlossen tut er alles dafür, um sein öffentliches Image wieder herzustellen. Der Friedensprozess ist dafür nur ein willkommenes Mittel zum Zweck. Geradezu genüßlich nimmt sich Logan erst den russischen Außenminister zur Brust, bevor er dann - nach einem kurzen Schrecken, verursacht durch seine persönliche Nemesis Jack Bauer - wieder in die Offensive geht.
Bei aller berechtigten Kritik, die man an der achten Staffel von 24 üben kann (Versteckte Audiodateien? Wirklich? So was haben wir in der Serie ja noch nie gesehen...), ist gerade der Auftritt von Gregory Itzin ein schöner Anlass, sich daran zu erinnern, mit welchen schauspielerischen Leistungen uns „24“ in den letzten Jahren begeistern konnte - und dies nach wie vor tut. Die Spannung, die Action, die Echtzeit-Erzählweise - das alles wäre kaum etwas wert, wenn die Serie nicht auch immer wieder solche darstellerischen Glanzlichter setzen würde, die erst die emotionale Glaubwürdigkeit der Geschichten herstellen.
Ein echter Höhepunkt war dementsprechend auch die Diskussion zwischen Logan, Taylor und Kanin, bei der man sich an Engelchen und Teufelchen erinnert fühlte: Die Präsidentin muss eine Entscheidung treffen - und steht dabei zwischen den beiden unterschiedlichen Polen. Bleibt sie moralisch integer - und opfert dafür den für die Welt, aber natürlich auch für sie selbst so wichtigen Friedensprozess? Oder schluckt sie die Kröte und entscheidet sich für das greater good?
Durchaus bemerkenswert ist hier die ethische Kehrtwende (oder doch eher: Flexibilität?), die die Serie hier beweist: Denn gerade wegen der Unaufrichtigkeit, die die Präsidentin Jack gegenüber zeigt, stellt sich der Eindruck ein, dass sie sich durch Logans Argumente hat korrumpieren lassen, dass sie eigentlich den falschen Pfad gewählt hat. Dies ist deshalb so interessant, weil das greater good in der Serie zumeist als sakrosankt galt - und stets die wohlfeile Rechtfertigung für Folter und ähnliche Grausamkeiten bot. Sollte das jetzt etwa anders sein, da sich Taylor auf ein stillschweigendes Arrangement mit Logan und den Russen einlässt?
Dass Jack dabei nicht mitmacht, dürfte wohl kaum eine Überraschung sein. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass er sich auch von einer schwerbewaffneten Eskorte nicht aufhalten lässt. Gespannt dürften wir allerdings sein, wo Chloe jetzt steht: Wird sie Jack helfen, so wie sie es in der Vergangenheit getan hat? Oder steigt ihr die neue Position zu Kopf?
Nächste Woche wissen wir mehr.
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 20. April 2010(24 8x18)
Schauspieler in der Episode 24 8x18
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?