1923 1x02

© Paramount+
In Afrika jagt Spencer Dutton (Brandon Sklenar, Westworld) einen Leoparden. Dieser stellt sich allerdings als gleich zwei Exemplare der Raubtiergattung heraus und einer seiner beiden einheimischen Freunde und Helfer kommt bei der Erlegung ums Leben. Jacob Dutton (Harrison Ford, „Indiana Jones“) treibt seine Herde zusammen mit seinen Leuten in die Berge, wo das Gras noch nicht von der verheerenden Heuschreckenplage aufgefressen wurde. Hierhin hat sich auch SchĂ€fer Banner Creighton (Jerome Flynn, Ripper Street) mit seiner und den Herden seiner Gefolgsleute widerrechtlich zurĂŒckgezogen.
Jacobs GroĂneffe Jack (Darren Mann, Chilling Adventures of Sabrina) stellt die Eindringlinge, was er beinahe mit dem Leben bezahlt. Zur Vergeltung lĂ€sst Jacob Creighton und die anderen SchĂ€fer fesseln und in den SĂ€tteln ihrer Pferde Schlingen um die HĂ€lse legen und ĂŒberlĂ€sst sie dann ihrem Schicksal. Lediglich Creighton selbst ĂŒberlebt.
Jacobs Frau Cara (Helen Mirren, „Shazam! Fury of the Gods“) plant zuhause auf der Ranch gemeinsam mit dessen Mutter Emma (Marley Shelton, „Scream 5“) die verspĂ€tete Hochzeit zwischen Jack und Elizabeth (Michelle Randolph, „The Throwback“), der Tochter eines befreundeten Nachbarranchers.
Die im drakonisch gefĂŒhrten Klosterinternat lebende junge Indigene Teonna Rainwater (Aminah Nieves, „Blueberry“) wird hingegen weiterhin von der zu Grausamkeiten neigenden Schwester Mary (Jennifer Ehle, Dead Ringers) gequĂ€lt. Als die junge Frau die Lehrerin nach weiteren Misshandlungen ein weiteres Mal tĂ€tlich angreift, wird sie von Pater Renaud (Sebastian Roche, The Man in the High Castle) durch eine Nacht im Schwitzkasten beinahe umgebracht.
Zu Tode erschöpft erleidet Teonna anschlieĂend sexuelle Nötigung durch Schwester Alice (Kerry O'Malley, Those Who Kill), wofĂŒr sie von Schwester Mary wiederum erneut bestraft wird. Teonna ahnt nicht, dass ihre GroĂmutter Issaxche (Amelia Rico, Walker) zwischenzeitlich im Dschungel der BĂŒrokratie alles daransetzt, um ihre Enkelin aus diesem Ort des Grauens herauszuholen.
Spencer lernt in Afrika wĂ€hrend seiner Erholungsphase die eigenwillige, bereits verlobte junge Britin Alexandra (Julia Schlaepfer, The Politician) kennen. Diese lĂ€sst kurzerhand ihren enttĂ€uschten BrĂ€utigam sitzen und schlieĂt sich stattdessen Spencer auf seinem neuesten Abenteuer an.
Alles auĂer Idylle
So wie schon beide VorgÀngerserien Yellowstone und dem ersten Prequel 1883 zeigt auch 1923 bei Weitem keine Seifenopern-Familienwelt wie weiland Dallas (2012) oder Dynasty, sondern erzÀhlt ungeschönt von einer rauen Zeit, in diesem Fall die letzten Jahre vor der Weltwirtschaftskrise von 1929.
Vor allem Leinwandstar Harrison Ford als knurriger Rancher Dutton ist alles andere als ein gĂŒtiges altersweises Familienoberhaupt im Stil von Bonanza, sondern offenbart in der zweiten Folge der neuen Serie seine dunkle Seite: Als SchĂ€fer Banner Creighton seine und die Herden seiner Kollegen auf Duttons Land in den Bergen weiden lĂ€sst und bei ihrer Entdeckung auf seinen GroĂneffen schieĂen, lĂ€sst Dutton die MĂ€nner mit Galgenstricken um die HĂ€lse zurĂŒck, was alle auĂer dem Anstifter nicht ĂŒberleben; eine positive Figur geht definitiv anders...
Doch genau dieser Punkt ist es, der bereits beide VorgĂ€ngerserien auszeichnete beziehungsweise auszeichnet: Das aus nunmehr drei (Streaming-)TV-Serien bestehende Franchise-Universum um „Yellowstone“ kleidet seine packenden HandlungsstrĂ€nge stets in eine gehörige Portion jeweils zeitgemĂ€Ăen Realismus. „WeichgespĂŒlte Schönwetterhelden“ sind die agierenden, gröĂtenteils ziemlich knorrigen Charaktere jedenfalls allesamt nicht.
Harte Zeiten

Voll und ganz kann die zweite Folge nicht mit der Pilotfolge in KinoqualitĂ€t mithalten, wenngleich das Niveau jedoch trotzdem weit ĂŒber dem manch anderer Streaming-TV-Produktionen liegt. Vielmehr vermittelt sie ein wenig den Eindruck, dass sie nun zu einer gewissen Alltagsroutine in ihrer Handlung ĂŒbergeht. Bleibt diese jedoch auf dem gleichen hohen Niveau wie bisher, dann muss keinem Fan vor den restlichen sechs Folgen der ersten Staffel bange sein.
Erneut stellen die Schauspieler bis in die kleinsten Nebenrollen ihre QualitĂ€ten unter Beweis, und auch die Inszenierung lĂ€sst keine WĂŒnsche offen. Die Darstellung der harten Zeiten auf der Welt vor einhundert Jahren ist voll und ganz gelungen und glaubwĂŒrdig und prĂ€sentiert Ă€hnlich schöne Bilder wie die Hauptserie und das Prequel, wenngleich die thematischen Schwerpunkte in 1923 natĂŒrlich vollkommen anders gelagert sind als in der fĂŒnfzig Jahre vorher spielenden ersten Vorgeschichte.
Besonders anrĂŒhrend gestaltet sich dabei das Schicksal der jungen Indigenen Teonna, deren menschenunwĂŒrdiges (und erzwungenes!) Dasein in einem Klosterinternat durchaus den tatsĂ€chlichen damaligen UmstĂ€nden entspricht. Spannend gestaltet sich hier vor allem auch die Frage, wie die junge Frau mit den Duttons zusammenkommt. Eine wichtige Rolle könnte ihre GroĂmutter (Amelia Rico) bei alledem spielen. Auch wenn Hollywood-Star Nr. 2, Helen Mirren in der zweiten Episode nicht ganz so viel zu tun bekommt wie im Piloten, kann die mittlerweile fast 78 Jahre alte Schauspielerin auch diesmal mit ihrem schon lĂ€nger gepflegten „Tough-Lady“-Image punkten.
Starker Start
Summa summarum hĂ€lt Folge zwei, was die gleichzeitig veröffentlichte Pilotfolge bei Paramount+ versprochen hat. Hier erweist es sich als Vorteil, dass „1923“ als Prequel quasi keine Vorkenntnisse der Hauptserie und auch der ersten Vorgeschichte 1883 erfordert. Fans epischer (und natĂŒrlich nach wie vor Western-mĂ€Ăig angehauchter) TV-Unterhaltung dĂŒrften bis zum 8. Juli (an dem die achte und letzte Folge von Staffel eins veröffentlicht wird) allsamstĂ€glich bestens versorgt sein. FĂŒnf von fĂŒnf Sternen auch hier.
Verfasser: Thorsten Walch am Mittwoch, 31. Mai 2023(1923 1x02)
Schauspieler in der Episode 1923 1x02
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?