12 Monkeys 1x11

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Cole (Aaron Stanford) und sein ehemals bester Freund Ramse (Kirk Acevedo) landen zu Beginn der Folge Shonin im Japan des Jahres 1987 und treffen bald darauf einen jungen Leland Frost (Zeljko Ivanek) mit wunderschönem 80er-Jahre-Nachrichtensprecherhaar, der mit seinen japanischen Geschäftspartnern im Nachtclub The White Dragon verhandelt. Eine halbe Million Dollar (damals noch sehr viel mehr Geld) wollen sie für die Leiche aus dem Himalaya-Gebirge haben, die uns schon oft als Ursprung des Virus gezeigt wurde. Frost ist jedoch nicht überzeugt und drauf und dran, den Deal platzen zu lassen, als Cole seinen Weg kreuzt und erwähnt, dass der gefrorene Körper einen Virus enthält. Wieder einmal wird ein Zeitreisender zum Verursacher der Sache, die er aufzuhalten versucht.
Als Ramse ebenfalls im Club auftaucht, hält der japanische Geschäftsmann es wie Ken Watanabe im jüngsten „Godzilla“-Film („Let them fight!“): Die beiden tragen ihre Differenzen in einem Kampf aus, wobei Cole tödlich verwundet wird. Ramse hingegen landet im Gefängnis, wo er die nächsten acht Jahre verbringt. In einer Reihe von Szenen, wird uns die verstreichende Zeit im Gefängnis gezeigt, in welcher Ramse Japanisch lernt, „Die Kunst des Krieges" von Sunzi studiert und Briefkontakt zu einer geheimnisvollen Frau hält, die ihm versichert, wie wichtig er sei. Im Jahr 1995 kommt er schließlich frei und wird von einer Gruppe empfangen, zu welcher die geheimnisvolle Frau (Alisen Down), die auch Aaron (Noah Bean) begegnet ist, sowie der gefährliche Pallid Man (Tom Noonan) gehören. Die Geheimgesellschaft zeigt Ramse eine Paradoxon-Detonation, wie wir sie schon in der ersten Folge gesehen haben und macht Ramse zum Anführer - zum Zeugen.

Genial sind daraufhin jene Szenen, in welchen wir zu Momenten zurückkehren, die wir aus den vergangenen Episoden kennen. Ramse stets im Schatten, als Strippenzieher im Hintergrund. Er ist nun der ultimative Gegenspieler, der ebenso wie die Gruppe an einem gewissen Ablauf der Geschehnisse - inklusive Plage - interessiert ist. Beziehungsweise: Er ist es schon immer gewesen. Als Investor steigt er in Frosts Unternehmen ein und auch in der Politik mischt die Gruppe mit.
Vor seinem Tod hat Leland Frost im Jahr 2014 eine starke Szene mit seiner Tochter Jennifer. Scheinbar lässt er sie in der Heilanstalt eingesperrt, weil die Frage im Raum steht, ob sie die Wissenschaftler im Night Room getötet hat. Dabei weiß er genau, was vorgefallen ist, möchte seine Tochter jedoch weggesperrt wissen. Neben Schauspieler Zeljko Ivanek hat selbst Emily Hampshire die Möglichkeit, in ihrer bisher stärksten Szene zu scheinen. Bleibt die Frage, wer Jennifers Mutter ist. Kann dies durch die Frage, wer die mysteriöse Frau aus der Gruppe ist beantwortet werden?
Jones (Barbara Sukowa), die in der Zukunft die Lebenszeichen von Cole überwacht, der 1987 an seinen Verletzungen zu sterben droht und erschossen werden soll, gibt die Anweisung für einen letzten, äußerst riskanten Sprung. Somit wird Cole zu Cassandra (Amanda Schull) ins Jahr 2015 transportiert. Von hier an beginnen die zwei Jahre vor Cassandras Tod, welche die beiden noch gemeinsam verbringen.
Fazit
Shônin hat mehrere Bedeutungen im Japanischen. Je nach Schreibweise kann es Zeuge, Beförderung, Händler oder auch Heiliger bedeuten. Alles Begriffe, die in dieser Folge Relevanz finden. Die Transformation von Ramse vom impulsiven Side-Kick mit Muskeln zum überlegten Endboss des Zeitreisedramas und das erneute Besuchen der bekannten Szenen war ein Geniestreich, der sehr effektiv umgesetzt wurde. Genau so müssen Zeitreisegeschichten gestrickt sein. Zugegeben, die Verwendung des alten chinesischen Buches über Kriegsführung ist zum einen etwas abgedroschen und zum anderen ganz schön albern. Aber im Kontext der Figuren im 12 Monkeys-Universum funktioniert es ganz gut.
Gleichermaßen nimmt sich die Serie kein wenig zurück, was die Darstellung der verschwörerischen Geheimorganisation angeht, die wirklich nur einen kleinen Schritt davon entfernt ist, maskiert und in Samtroben gekleidet Mantras zu singen.

Was mich persönlich seit jeher stört, ist die Zeitreisemechanik, die andeutet, es gebe eine unmittelbare Dringlichkeit, in der Zukunft zu handeln, weil die Zeit nach Coles Reisen in die Vergangenheit scheinbar parallel abläuft. Das war bereits in Tschetschenien der Fall. Jones hätte ihn in der Zukunft jederzeit aus dem zugschütteten Haus holen können. Es gab eigentlich keinen Grund, sich mit der Reparatur der Zeitmaschine zu beeilen. Auch hier wird es als Wettlauf mit der Zeit dargestellt, wenn Cole 1987 beinahe erschossen wird und Jones ihn in letzter Sekunde forttransportiert.
Nichtsdestotrotz ist Shonin eine der bisher stärksten Folgen von 12 Monkeys, die neben tollen Szenen mit dem lange vermissten Zeljko Ivanek und einem angenehm ins Zentrum rückenden Kirk Acevedo weiterhin Mysterien aufbaut und (größtenteils) clever mit dem Prinzip Zeitreise spielt.
Verfasser: Mario Giglio am Samstag, 28. März 2015(12 Monkeys 1x11)
Schauspieler in der Episode 12 Monkeys 1x11
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?