Die von Sky koproduzierte Krimiserie 100 Code bietet in ihrer Pilotepisode einen soliden Auftakt. Zwei äußerst unterschiedliche Ermittler sind interessant besetzt und servieren uns einen spannenden Fall.

Dominic Monaghan und Mikael Nyqvist in „100 Code“ / (c) Kanal 5 / Red Arrow / Sky
Dominic Monaghan und Mikael Nyqvist in „100 Code“ / (c) Kanal 5 / Red Arrow / Sky

Die Krimiserie 100 Code präsentiert in ihrem Piloten zwar kein zweites True Detective, jedoch einen durchaus spannenden Aufakt. Dieser wird vor allem durch die beiden Hauptdarsteller Michael Nyqvist („Millennium“-Trilogie) und Dominic Monaghan (Lost, „Der Herr der Ringe“-Trilogie) getragen und fokussiert neben dem Serienmörderfall auch charakterliche und kulturelle Unterschiede. Am Ende der Pilotepisode bleibt nicht nur die Frage, wer wohl hinter den Morden steckt, sondern auch, welcher der beiden Ermittler wohl mehr Leichen im Keller hat.

New York City Boy

Zu Beginn sehen wir den zum NYPD gehörenden Detective Tommy Conley (Monaghan), der gemeinsam mit seinem Partner dem vermutlichen Täter hinterherjagd und dabei durch eine Verknüpfung unglücklicher Umstände ausgerechnet seinen Partner erschießt. Doch der Fall um den frauenverbuddelnden Serienmörder endet nicht in der Weltmetropole, sondern führt Conley ausgerechnet in die schwedische Hauptstadt Stockholm, in der er nicht nur an die Grenzen seiner Seekrankheit stößt, sondern auch auf seinen äußerst resignierten Kollegen Mikael Eklund (Nyqvist).

Denn nicht nur Conley trägt so manch dunkles Geheimnis in sich, auch Eklund wirkt alles andere als stabil. So trauert er nicht nur mit seiner depressiv angehauchten Tochter Josephine (Hedda Stienstedt) seiner ehemaligen Frau hinterher, er hat zudem beschlossen, seine Dienstmarke an den Nagel zu hängen und stattdessen ins Fach des Personenschutzes in der Firma Specto zu wechseln. Dort wartet bereits ein ehemaliger Kollege auf ihn und widmet sich dem Mittel der Kameraüberwachung.

Doch noch sitzt Eklund im Revier der Stockholmer Polizei und noch muss er sich den unangenehmen Seiten des Lebens widmen. Das Revier ist nämlich derzeit ziemlich unterbesetzt, weshalb Eklund nun dem forschen Hänfling aus den Staaten zur Seite gestellt wird. Die beiden durch ihre egozentristische Perspektive geprägten Charaktere prallen dabei sofort aneinander. Das liegt vor allem daran, dass Conley versucht, seinen mitgebrachten Fall für sich allein abzuschließen, weshalb er wichtige Informationen unterschlägt.

In Schweden pflanzen sie Blumen

Genau dieser Vormarsch Conleys ist es, der Eklund aus dessen Dornröschenschlaf wach küsst. Eklund erweckt den Platzhirsch in sich und zeigt Conley seine ermittlerischen Grenzen auf, sollte er nicht alle Informationen bezüglich des Falles auch der Stockholmer Polizei mitteilen. Wir erfahren also, dass es sich bei dem Mörder, der uns mit Latexmaske und Altherrenkleidung beim Morden präsentiert wird, um einen Mann zwischen 30 und 40 Jahren handelt und dass dieser nur in den vier Wintermonaten jeweils zwei Opfer pro Monat fordert, diese lebendig beerdigt und mit den immer gleichen, gelben Blumen versieht.

Für einen richtigen, düsteren Schwedenkrimi fehlt für diese Strategie natürlich noch der mythologische Unterbau dieses Falles. Deshalb werden die besagten Blumen zu den Pflanzen, die einst die griechische Fruchtbarkeitsgöttin Kore pflückte, bevor Hades, der Gott der Unterwelt, sie entführte und als Persephone bezeichnete. Durch einen Kompromiss mit Kores Mutter Demeter kommt es schließlich dazu, dass Hades sich nur in den vier Wintermonaten des Jahres seine Persephone in die Unterwelt holt, weshalb sich der besagte Mörder genau in diesem Zeitraum an die jungen, weiblichen Schönheiten richtet.

Neben diesem düsteren und nicht gerade langweiligen Fall stellt 100 Code zudem das Thema der interkulturellen Ermittlung in den Mittelpunkt. Diese wird dabei vor allem durch die beiden Hauptermittler Eklund und Conley verkörpert, die jeweils für ihre Kultur stehen. Es ist dabei interessant zu beobachten, wie mit Conley der tempo- und abenteuerreiche Ermittlungsstil amerikanischer Kriminalserien auf die entschleunigte, dafür umso düsterere Machart skandinavischer Erzähleisen trifft. 100 Code dreht sich somit nicht nur um die dargestellten Charaktere, sondern auch um kulturelle Erzähltraditionen.

100 Fazits

100 Code bietet in seiner Pilotepisode vielleicht nicht unbedingt einen Fall, der einen sofort packt, jedoch weiß dieser zum Ende der Episode an Fahrt zu gewinnen und darüber hinaus zwei durchaus interessante Charaktere zu etablieren. Diese stehen sofort für mehr als austauschbare Ermittler, was jedoch von einer Besetzung wie dieser zu erwarten ist.

Alleine, dass Drehbuchautor und Regisseur Bobby Moresco (Crash) die Romanvorlage Ken Bruens umdreht und aus einem irischen Ermittler in Amerika einen New Yorker Detective in Schweden macht, wird dabei zu einem gekonnt wirkenden Kunstgriff. Natürlich wirkt Monaghan als Tommy Conley noch ab und an etwas zu brisant in diesem durch und durch nach europäischer Ästhetik gestalteten Setting, doch die Konstellation dieser beiden alles andere als zuverlässig wirkenden Kommissare bietet auf jeden Fall Luft nach oben.

Im Großen und Ganzen scheint die Krimiserie dabei natürlich Kind ihres Genres zu sein und dieses zu bedienen. Die Charaktere der düsteren Ermittler, die emotional an einem Fall beteiligt sind und dabei selbst mit ihrer eigenen dunklen Seite zu kämpfen haben, ist an sich nichts Neues. Doch vielleicht bietet uns diese internationale Kooperation eine kleine Lehrstunde, was das geschickte Kombinieren verschiedener Krimitraditionen angeht. Einen soliden Serien- und Staffelauftakt bietet der Pilot allemal und er sollte für Freunde des Genres und der Hauptdarsteller auf jeden Fall zum Pflichtprogramm gehören.

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