One Dollar: Review der Pilotepisode

One Dollar: Review der Pilotepisode

CBS All Access präsentiert mit One Dollar ein hochkarätiges Crimedrama mit speziellem Gimmick: Die Charaktere sind durch eine herumgereichte Dollar-Note miteinander verbunden. Ob der Auftakt mehr wert ist als magere Almosen, verraten wir Euch im Pilotreview.

„One Dollar“ (c) CBS All Access
„One Dollar“ (c) CBS All Access
© ??One Dollar“ (c) CBS All Access

Bei CBS All Acces hat es bisher zu wenig Eigenproduktionen gegeben, um ein wirkliches Gefühl für das Content-Profil des Streamingdienstes zu entwickeln. Das Spin-off The Good Fight brachte eine Menge „Ballast“ aus der Mutterserie mit, Star Trek: Discovery umso mehr. Mit dem okkulten Historiendrama Strange Angel versuchte man sich erstmals an einem vollkommen eigenständigen Projekt und lieferte ein zumindest interessantes Produkt ab. Das neue One Dollar auf der anderen Seite riecht von Anfang an nach Prestigeprojekt und könnte glatt mit einer HBO-Produktion verwechselt werden. Dazu tragen die an True Detective und die zweite The Wire-Staffel erinnernde Industrieromantik, das High-Concept-Gimmick sowie die Regie von Craig Zobel bei, dessen kompetente Arbeit wir aus HBO-Serien wie The Leftovers und Westworld kennen.

Der leider etwas untergehende Kniff der sich durch die Handlung ziehenden Dollar-Note macht auch das äußerst ansehnliche Opening aus, das beinahe eine Anthologieserie mit unterschiedlichen Settings vermuten lässt. „One Dollar“ hält sich jedoch an eine Rust-Belt-Kleinstadtgeschichte mit vielen sich abzweigenden Strängen, angefangen mit dem alleinerziehenden Vater Garrett Dimmer (Philip Ettinger), nach dem die Pilotepisode benannt ist. Er arbeitet als Fabrikarbeiter und macht einen attraktiven, wenn auch leicht heruntergekommenen Eindruck, wodurch er kaum in einer Cola-Light-Reklame auffallen würde. Der erzählerische Dollar-Staffelstab kommt ihm zu, als die Kundin einer Bäckerei ihn peinlicherweise für einen Obdachlosen hält und ihm eine gut gemeinte Almose zusteckt. Die Haupthandlung und das zentrale Mysterium werden in Gang gesetzt, als er sich eines Nachts mit einem Bekannten verabredet und blutüberströmt nach Hause zurückkehrt. Wie wir später erfahren, ist sein Arbeitsplatz zum Tatort geworden und nicht eines, sondern gleich sieben vermeintliche Opfer, deren Blut gefunden wird, werden vermisst.

CBS All Access
CBS All Access - © CBS All Access

Dass er kein komplett herzloser Killer ist, beweist er nicht nur während der Interaktion mit seiner kleinen Tochter, sondern auch, als er auf dem Rückweg vom Tatort an einer vermeintlichen Vergewaltigung vorbeikommt, die er kurzerhand aufzuhalten gedenkt. Dummerweise irrt er sich gewaltig, denn, wie wir als Zuschauer wissen, sind High-Society-Teen Dannie (Kirrilee Berger) und ihr Verehrer, der für ihren Vater Wilson Furlbee (Greg Germann) arbeitet, äußerst einvernehmlich am Rummachen. Besagter Vater wird unterdessen vom narkoleptischen Excop und Privatdetektiv Jake (Nathaniel Martello-White) beschattet, da seine Frau Untreue vermutet. Dass „One Dollar“ auch eine Geschichte verrückter und unwahrscheinlicher Zufälle ist, wird spätestens klar, wenn Furlbee eben diesen Privatdetektiv anheuert, um an geschäftsfördernde, wenn auch nicht ganz saubere Infos zu kommen, die Vorarbeiter Bud Carl (John Carroll Lynch) vom Werk beziehungsweise Tatort betreffen. Oder wenn Dannie den unnötigen Retter und dringend Tatverdächtigen zufällig beim Gassigehen wieder trifft.

Eine ganze Menge Spaß hatten die Serienmacher auch mit einer von mehreren wichtigen Charakteren besuchten Kostümparty, deren Motto Filmfiguren sind. Hier werden nebenbei krumme Geschäfte abgezogen, die offenbar erst später wichtig für die Handlung werden. In der Zwischenzeit kann man als Zuschauer versuchen, möglichst viele Filmfiguren zu identifizieren. Bekannte Filmcharaktere wie James Bond und Rocky sind hier ebenso zu entdecken wie obskure Kandidaten à la Divine aus „Pink Flamingos“.

Am Ende der Auftaktepisode landet die Dollar-Note, die Garrett zwischenzeitlich gegen Alkohol eingetauscht hat, von der Barkasse in der Tasche von Ken Fry (Sturgill Simpson), bei dem es sich, wie die Vorschau zur zweiten Folge uns wissen lässt, um eine Art modernen Robin Hood handelt.

Wie Ihr schon merkt, viel angestellt wird mit dem Dollar-Gimmick in der ersten Episode nicht. So wenig sogar, dass man sich fragt, ob der aufsehenerregende Kniff überhaupt nötig gewesen wäre. Arbeitet alles auf eine gut vorbereitete Pointe hin, die die schicksalhafte Verbundenheit der Ereignisse und Personen unterstreicht oder bleibt es bei einer Beliebigkeit der Zusammenhänge? „One Dollar“ besticht - wie dem auch sei - ganz ohne diesen auf dem Papier besser klingenden Trick durch eine äußerst ansprechende Inszenierung, ein solides Mystery-Element und ein buntes Ensemble exzentrischer Kleinstadtcharaktere, die einem das Dranbleiben leichtmachen. Und um abschließend noch die unvermeidbare „RoboCop“-Referenz unterzubringen: Okay, ja... I'd buy that for a dollar.

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