What We Do in the Shadows Staffel 5
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Wir waren, wie Ihr Euch vielleicht erinnert, nicht die größten Fans der vierten Staffel der Serie What We Do in the Shadows. Nach drei fantastischen Seasons wirkte die Vampir-WG-Mockumentary mit Klamauk wie CGI-Colin-Robinson beim Heranwachsen und Nandors zurückkehrender Frau Marwa als unlustige Zusatzfigur erstmals erschöpft und wie über den bluthungrigen Hai gesprungen.
Diese Flaute überwindet Staffel fünf gleich zu Beginn, indem sie sich auf die vielleicht dramatischste Fragestellung der Serie zurückberuft: Wird Guillermo (Harvey Guillén) zum Vampir?
Guillermo the Reluctant
Der Auftakt The Mall druckst zunächst etwas herum mit der Frage, ob sein vampirischer Freund Derek (Chris Sandiford) ihn mit seinem Blut verwandelt hat, was tatsächlich vonstatten gegangen ist. Das Ganze verlief aber nicht, wie Guillermo es sich vorgestellt hatte: Zum einen wehrt sein Körper sich (wie wir richtig vermutet hatten aufgrund seiner Van-Helsing-DNS) gegen die Verwandlung. Zum anderen stellt sich heraus, dass es keinen größeren Affront für einen Vampir-Meister gibt, als wenn ein Diener sich von einem anderen verwandeln lässt.
So hängt die gesamte Staffel das Geheimnis in der Luft, von dem immer mehr WG-Mitglieder erfahren, die Guillermo darauf vorbereiten, dass Nandor (Kayvan Novak) ihn und dann sich umbringen müsste, sollte die große Schmach herauskommen. Auch ist ein doppeltes Blutritual keine Option, weil das offenbar zu explosiven Todesfolgen für den zu Verwandelnden führt - ganz im Gegensatz zu den Vampiren von Anne Rice zum Beispiel, bei denen das gegenseitige Laben am Blut anderer Vampire an der Tagesordnung steht.

Unnötig alberner Klamauk kommt in der Staffel höchstens noch mal durch die Cartoongeschöpfe in die Serie, die Laszlo (Matt Berry) erschafft, als er mit Guillermos Blut herumexperimentiert, um herauszufinden, warum sich sein Körper so gegen die Transformation sträubt. Das ist im Gegensatz zum permanenten Halli-Galli-Quatsch der letzten Staffel aber zu vertragen... Im Gegensatz zu den CGI-Fröschen zu Beginn der Staffel sind die intelligenteren Guillermo-Tierhybriden aus Hybrid Creatures sogar ganz putzig.
Mehr Aufmerksamkeit bekommt in Staffel fünf die von Kristen Schaal gespielte The Guide, die sogar ihren eigenen Platz im Opening zur Serie erhält. Sie versucht etwa, sich mit Nadja (Natasia Demetriou) anzufreunden, indem sie sie auf einen uralten Fluch aufmerksam macht, dem ihre griechische Familie seit Generationen unterliegt. Wie wenig die Integration ihrer Serienfigur in den inneren Zirkel des Ensembles funktioniert, wird dann fast als Metakommentar in der vorletzten Episode aufgegriffen, wenn sie die WG unter falschem Vorsatz in ein Schloss lockt, um ihre Freundschaft zu testen.
Dunkelbunter Regenbogen
Zusammen mit Nachbar Sean (Anthony Atamanuik) richtet Laszlo in dieser Staffel eine Pride Parade für Staten Island aus, während Nadja ihrem in der Puppe residierenden Geist einen Gefallen tut und kurz Körper tauscht, damit ihr Geister-Ich sich sexuell austoben kann.
Eine typische Colin-Episode steht außerdem mit The Campaign an, in der es für den nervtötenden Energievampir (Mark Proksch) in die Politik geht, wodurch er mit dem Vampirkonzil der Energievampire in Kontakt kommt. Hier gibt es auch ein Wiedersehen mit Emotionsvampir Evie (Vanessa Bayer) aus der ersten Staffel. Alles sehr unterhaltsam und morbide-ulkig, wie die „Addams Family“ es mal Pre-Wednesday war - excuse the shade.
Höhere Einsätze stehen dann in der fünften Episode Local News auf dem Spiel, in der eine örtliche TV-Crew laut Nandor drauf und dran ist, den übernatürlichen Machenschaften auf die Spur zu kommen. Das ist eigentlich nicht der Fall, bis der Vampir mit dem Beinamen „The Relentless“ („Der Unerbittliche“) eben diesem Titel wieder alle Ehre macht und am Ende der ganze Lokalsender übernommen werden muss.
Kreaturendarsteller Doug Jones (Star Trek: Discovery) darf in dieser Staffel erstmals ohne größeres Monster-Make-up als Baron Afanas auftreten, der in seinem Haus mit dem Urvampir The Sire als Mitbewohner offenbar gut regenerieren konnte. Als Gast bei einer Aufheiterungsparty für Laszlo eskaliert die Situation jedoch, denn der Baron hat nicht vergessen, wer ihn einst mit Sonnenlicht fast totgekokelt hat... So kommt es zum Showdown zwischen Guillermo und dem Baron, bei dem die WG nicht weiß, für wen sie jubeln soll. Ulkigerweise sprechen sich die beiden am Ende aus, wobei Guillermo sich schließlich als Vampir outet und den Baron erneut versehentlich dem Sonnenlicht aussetzt...

Als The Guide die Vampire in der vorletzten Episode wie bereits erwähnt im Schloss gefangen hält, nutzt Guillermo die Gelegenheit, um seinem festsitzenden Meister reinen Wein einzuschenken, was genauso ungut verläuft, wie es alle befürchtet hatten... In der ärgerlichen Finalfolge Exit Interview befindet sich der ehemalige Familiar deshalb auf der Flucht vor seinem gedemütigten Meister. Nandor trifft dabei auf Comedian Patton Oswalt, der ihm mit Rat zur Seite steht, nur um den Vampir derart zu verärgern, dass er ihn um die Ecke bringt. Dabei erkennt Nandor, wie schmerzhaft es sein kann, Freunde zu töten und entschließt sich, Guillermo anderweitig zu unterstützen. RIP Patton.
Mensch Guillermo...
Nandor ahnte, dass der zartbesaitete Guillermo vermutlich nicht das Zeug zum mörderischen Blutsauger hat und soll damit Recht behalten. Nach seinem ersten Verkosten von menschlichem Blut wird Guillermos Vampirverwandlung abgeschlossen, doch nach kurzer Euphorie, endlich wie sein Vorbild Armand (Antonio Banderas) aus dem Film „Interview with the Vampire“ zu sein, vermiest es ihm schnell den Appetit, als er seinen ersten Menschen töten soll. (Ob Guilllermo mittlerweile auch die noch viel schwulere Interview with the Vampire-Serie gesehen hat?)
In einem letzten Ultimatum bietet Nandor seinem Freund an, die Verwandlung rückgängig zu machen und hier bekommen wir Probleme, was die eingeführten Regeln angeht. Bis zu dieser Staffel hieß es lediglich, der uralte Sire müsse als erster Vampir bewahrt werden, mit dem alle seine Nachkommen sterben würden. So weit, so gut. In dieser Staffel wird allerdings erstmals erwähnt, dass jeder Vampir sterben würde, dessen Macher vernichtet wird, was aus mehreren Gründen keinen Sinn ergibt. Allem voran die Tatsache, dass man in der ersten und zweiten Staffel davon ausging, den Baron getötet zu haben und Nadja von ihm abstammt, die danach offensichtlich okay war.
Im Finale wird diese Regel noch einmal umgedichtet, so dass Vampirzöglinge in Menschen zurückverwandelt werden, sobald dem Meister der Garaus gemacht wird. Bedeutet das, alle Vampire werden zu Menschen, wenn der Ur-Sire stirbt? Hätte Nadja dann nicht erwarten müssen, Mensch zu werden, als der Baron starb? Dass diese Regeln wenig Sinn ergeben, ist allerdings nicht das Schlimmste...
Das Schlimmste
Guillermo ist im Staffelfinale ohne weiteren Einspruch willig, seinen alten Freund und Vampir-Sire Derek, der ihm dabei geholfen hat, seinen Lebenstraum zu erfüllen, töten zu lassen, um selbst wieder zum Menschen zu werden. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er übrigens nicht, dass man ihn später mithilfe des Necromancers (Benedict Wong) als Zombie zurückholt. Seine über eine Dekade herbeigesehnte Vampirexistenz will er wegen eines unbekannten Menschen aufgeben, findet es aber in Ordnung, eigennützig einen engen Verbündeten zu opfern?
Und was ist mit den vielen Vampiren, die er als Slayer umgebracht hat? Das waren zwar keine Menschen, aber immer noch Personen, die er offenbar nicht nur als Monster ansieht. Denken wir nur an die Vampirfamilie aus Staffel zwei... Will sagen: Seine moralischen Bedenken stehen auf wackligen Beinen und seine Entscheidung scheint nicht charakterkonform.

Mal abgesehen davon, dass Guillermo es sich wirklich hätte früher überlegen können, gab es hier weitere Optionen, die ihm in 13 Jahren hätten einfallen können: Zum einen hätte er den Weg der Anne-Rice-Vampire gehen können, die sich irgendwann darauf einigen, nur schlechte Menschen zu verkosten, da diese nebenbei auch besser schmecken. Als Familiar hatte er kein Problem damit, Leute für Vampirfood zu opfern, warum also nicht als Antiheld agieren?
Zum anderen hätte er mit willigen Menschen wie einem eigenen Familiar einen Deal eingehen können, nur wenig zu trinken, ohne die Person zu töten. Stattdessen aber den Status quo der Serie wiederherzustellen und Guillermos Arc und Motivation auszulöschen, ist die mieseste Option, die die Autor:innen hätten wählen können. Vom dramatischen Standpunkt aus müsste die Serie an dieser Stelle vorbei sein.
Klar gilt in einer Comedyserie wie dieser stets go with the joke, aber Derek als Zombie war jetzt nicht die Megapointe, für die man so viel dramatisches Potential hätte opfern müssen.
Fazit
In der fünften Staffel What We Do in the Shadows gab es sehr viel zu lachen, überraschende Gastauftritte von Stars wie John Slattery oder Patton Oswalt und zahlreiche gelungene Callbacks. Auch hat man wie immer sehr viel Spaß mit den vielen Genretropen, was es umso bedauerlicher macht, dass man sich gerade in Bezug auf Guillermos Haupthandlungsstrang so blöd verzettelt - sowohl, was die Vampir-Plotmechaniken angeht, als auch seinen etablierten Charakter.
Es wird jedoch spannend zu sehen, wie sich die Co-Showrunner Paul Simms und Stefani Robinson in der bereits gebongten sechsten Staffel aus dieser dramatischen Sackgasse herausschreiben... Vier von fünf Frosch-Guillermos.
Hier abschließend noch mal der Trailer zur fünften Season der Serie „What We Do in the Shadows“:
Wo kann man die Serie „What We Do in the Shadows“ streamen?
Der Streamingdienst Disney+ hat aktuell drei Staffeln der Serie, Joyn Plus+ hat vier. Für die fünfte Season muss man bisher zu Amazon Prime Video, bei welchem die neusten Folgen in der englischen Originalfassung als Kauftitel vorliegen.
«What We Do in the Shadows» Trailer
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