What We Do in the Shadows 2x10

What We Do in the Shadows 2x10

Wer nach dem Auftaktjahr noch Zweifel hatte, sollte spätestens nach Staffel zwei von What We Do in the Shadows vollends überzeugt sein. Die Vampir-Comedy bei FX etabliert sich als eine der lustigsten Serien Amerikas...

What We Do in the Shadow (c) FX
What We Do in the Shadow (c) FX
© hat We Do in the Shadow (c) FX

Anders als Filme sind Serien ein ständiger Work in progress. Filme sind wie Häuser, die vorab vollständig durchgeplant, dann genau so gebaut werden und schließlich für die Ewigkeit unverändert stehenbleiben. Serien gleichen derweil einem Vehikel, an dem noch weitergetüftelt wird, während es längst losgerollt ist. Die Fahrt selbst zeigt, welche Stellschrauben festgezogen werden müssen, was funktioniert und was gewartet werden muss - und auch, welche Teile eigentlich nur Ballast sind und abgeworfen werden sollten. Manche Serien wollen einfach nicht in Tritt kommen, weil schon ihr Grundkonzept nicht fahrtüchtig ist. Doch Serien, bei denen nichts mehr quietscht und stockt, können zum echten Selbstläufer werden.

Ein aktuelles Beispiel für so eine perfekt geölte Maschine ist das FX-Format What We Do in the Shadows. 2019 legte die Vampir-Comedy beim amerikanischen Kabelsender einen regelrechten Raketenstart hin und sicherte sich den Spitzenplatz unserer neuen Lieblingsserien. Doch erst die zweite Staffel bewies nun, dass der Erfolg kein Zufall war. Die Produzenten Paul Simms und Jemaine Clement haben ein Gefährt gebaut, bei dem alles passt und rund läuft. Der Cast harmoniert, die Lore ist reich und daher storytechnisch unerschöpflich und die Witze scheinen sich wie von selbst zu schreiben...

Was passiert?

Zehn wunderbare Episoden hatte What We Do in the Shadows, das dank Joyn nun endlich auch hierzulande zu sehen ist, wieder zu bieten. Season eins ließ uns mit der schockierenden Enthüllung zurück, dass Guillermo „Buillermo“ De la Cruz (Harvey Guillen), der menschliche Diener der Vampir-WG, insgeheim und unwissentlich ein Nachfahre von Van Helsing ist. Müssen sich Nandor the Relentless (Kayvan Novak), Laszlo Cravensworth (Matt Berry), Colin Robinson (Mark Proksch) und Nadja (Natasia Demetriou) mit einem Vampirjäger im eigenen Haus nun also Sorgen machen?

Auch Staffel zwei endet wieder mit einem Cliffhanger: Nachdem Guillermo seinen Master Nandor verlassen hat, da dieser ihn wohl eh nie zum Vampir verwandeln wird, tritt plötzlich der Vampiric Council wieder aufs Parkett. Das oberste Gericht der Vampirwelt lädt Nandor und Co zum sogenannten Nouveau Theatre Des Vampires ein, das sich aber bald als Falle entpuppt, um ihnen endlich die Todesstrafe für den vermeintlichen Mord an Baron Afanas (Doug Jones) aufzuhalsen. Clement kehrt dafür sogar wieder als Vladislav aus der Filmvorlage zurück. Der Einzige, der die List durchschaut, ist natürlich Guillermo.

Als wäre bis dahin noch nicht klar gewesen, was für ein Badass der kleine Tollpatsch eigentlich ist, lässt die Serie mit ihrer bis dato spektakulärsten Actionszene nun keinen Zweifel mehr. Als Guillermo alle Blutsauger ausgeschaltet hat, richtet er seinen Blick zweideutig zum Schafott, wo er nun auch Nandor töten könnte, der ihn wenige Minuten vorher mal wieder bereitwillig ans Messer geliefert hätte. Da die dritte Staffel schon bestellt ist und What We Do in the Shadows vermutlich noch einige Jahre auf Sendung bleiben wird, ist logischerweise auszuschließen, dass so etwas passiert. Aber die Dynamik zwischen Guillermo und den Vampiren dürfte sich nun verändern, da sie wissen, wozu er fähig ist und sie ihm ihr Leben verdanken...

What We Do in the Shadow
What We Do in the Shadow - © FX

Neben der erwähnten Finalfolge Nouveau Theatre Des Vampires (02x10) sind allerdings noch ein paar weitere Höhepunkte hervorzuheben. Die Episode, die dieses Jahr am meisten Aufmerksamkeit erlangte, ist sicherlich On the Run (02x06), also die mit dem großen Gastauftritt von Mark Hamill. Das Besondere dabei: Der „Star Wars“-Star wird trotz seiner Prominenz vom Hauptdarsteller Berry in den Schatten gestellt, der in seinem neuen Alter Ego Jackie Daytona glänzt. What a guy!

Die spannendste und zugleich gruseligste Ausgabe war hingegen Colin's Promotion (02x05), die schon eine Woche früher lief. Wie der Titel bereits andeutet, erhält der Energy Vampire Colin Robinson darin eine Beförderung, was ihm völlig neue Möglichkeiten verleiht, seine Arbeitskollegen auszusaugen. Irgendwann wird er so mächtig, dass ihm nicht nur plötzlich Haare wachsen und er fliegen kann, sondern auch das Gleichgewicht mit seinen Mitbewohnern schwindet. Nun hat er das Sagen - und als ehemals Gepiesackter nutzt er das schamlos aus. Die Erfindung dieser eigenen Vampirart ist und bleibt einer der größten Trümpfe der Serie, die sich diese Staffel aber auch wieder gängigeren Mythen wie Geistern, Hexen und Zombies widmet. Die dazugehörigen Folgen heißen wenig überraschend Ghosts (02x02), Witches (02x09) und Resurrection (02x01).

Das Tolle bei What We Do in the Shadows ist, dass selbst die Episoden, die kein perfektes Gesamtpaket abgeben, viele kleine Momente bieten, an die man sich gern zurückerinnert. Im Fall von Brain Scramblies (02x03) zum Beispiel an das brillante Super-Bowl-Wortspiel „Superb Owl“, also süperbe Eule. Oder im Fall von Collaboration (02x08) an Laszlos Originalautorschaft solcher Hits wie „Row, Row, Row Your Boat“. Oder in The Return (02x07) das widerlich fantastische Charakterdesign der Vampirin Carol (Christine Ebadi). Schlechte Folgen gibt es bei dieser Serie einfach nicht, aber dafür viele grandiose. Dazu gehört übrigens abschließend auch The Curse (02x04), in der Guillermo mit seinen Vampirjägerfreunden versehentlich auf ein echtes Blutsaugernest stößt. Hier zeigt der große Star dieser Season erstmals, was in ihm steckt...

Fazit

Alles in allem gibt es wieder nichts zu kritisieren bei What We Do in the Shadows, während die Worte des Lobes endlos fortgesetzt werden könnten. So wie die Figuren in der Serie unsterblich leben, scheint auch die FX-Comedy einen Pakt mit dem Teufel geschlossen zu haben, sodass ihr nie die Ideen ausgehen. Vielleicht liegt es nur daran, dass Clement und Co das Konzept so perfekt entwickelt haben, dass die Maschine einfach läuft. Wie gesagt: Die Kombination der Charaktere und die reichhaltigen Fantasy-Elemente sind so stimmig, dass sich die Serie wie von selbst zu schreiben scheint. Mit den gegebenen Bausteinen ließe sich vermutlich sogar super Fan-Fiction fabrizieren, falls das Ganze irgendwann doch mal enden sollte.

Doch darüber wollen wir jetzt noch gar nicht nachdenken. Freuen wir uns einfach, dass wir mit What We Do in the Shadows eine neue Lieblingsserie gefunden haben, die gerade genau auf dem richtigen Gleis fährt. Wer all das hier nun gelesen hat und trotzdem noch nie eine Folge der Vampir-Extravaganza gesehen hat, sollte der Sache wirklich eine Chance geben. Hierzulande ist das Format bekanntlich in der Premium-Version von Joyn zu sehen. Etwas unverbindlicher ist es aber vielleicht, sich zunächst die neuseeländische Filmvorlage „5 Zimmer Küche Sarg“ anzuschauen, quasi als Humortest.

Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 15. Juni 2020
Episode
Staffel 2, Episode 10
(What We Do in the Shadows 2x10)
Deutscher Titel der Episode
Theatre des Vampires
Titel der Episode im Original
Nouveau Théâtre Des Vampires
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 10. Juni 2020 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 13. August 2020
Autoren
Sam Johnson, Stefani Robinson, Paul Simms
Regisseur
Kyle Newacheck

Schauspieler in der Episode What We Do in the Shadows 2x10

Darsteller
Rolle
Kayvan Novak
Matt Berry
Harvey Guillen
Mark Proksch

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