Barbie

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Barbie im Stream und auf DVD

Im Barbie-Land zu leben bedeutet, ein perfektes Wesen an einem perfekten Ort zu sein. Es sei denn, du hast eine existenzielle Krise. Oder man ist ein Ken.

Barbie (Margot Robbie) hat nichts anderes als eine existentielle Krise und macht einen Abstecher in die reale Welt, die eben nicht nur aus pinken Eindrücken besteht. Immerhin kommt Ken (Ryan Gosling) mit. Wie reagiert die echte Welt auf den Besuch der weltweit beliebten Puppe und welches Chaos richtet das an?

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Podcast zum Film „Barbie

Barbie Kritik

Barbie Kritik
Szenenfoto aus dem Film „Barbie“
Warner Bros.

Filmkritik „Barbie" durch Mario Giglio exklusiv für Serienjunkies.de

Nach monatelangem Hype um Greta Gerwigs Spielzeugmarkenfilm „Barbie“ hatten wir endlich ein Date mit der von Margot Robbie gespielten Puppe, die sich auf ein existentielles Abenteuer in die reale Welt begibt. Aber hat das alles auch Substanz oder ist es nur rosa Reklame?

Kinokulturell steht der Sommer 2023 voll und ganz unter dem Barbenheimer-Zeichen - jenem wundervollen Gegensatz zwischen Greta Gerwigs augenzwinkerndem, girly Abgesang auf Barbie und Christopher Nolans bierernstem Filmbro-Magneten „Oppenheimer“, die gleichzeitig am 20. Juli erscheinen. Schon seit dem ersten Teaser, der sich auf den anspruchsvollen Sci-Fi-Klassiker „2001: A Space Odyssey“ bezog, wollte man mit der Puppenkomödie eingefleischte Cineast:innen ansprechen und als Film ernst genommen werden, während die Stars in Interviews beteuerten, es sei das beste Drehbuch, das sie je gelesen hätten.

Eine äußerst gelungene Marketingkampagne tat ihr Übriges, den pinken Hype für den Film von Warner Bros. und Mattel Films aufrechtzuerhalten. Nun ist der Streifen in den Kinos. Doch ist das Plastikleben wirklich zu erstreben, wie Aqua einst besser reimend sangen?

Besagte Kampagne bestand auch aus zwei weiteren Trailern, die leider schon eine Menge vorausnahmen, so dass man in der ersten und besseren Stunde von „Barbie“ sitzt, ohne viel Neues zu sehen. Effektiver wäre es gewesen, das doch sehr clevere Grundkonzept bis zur Veröffentlichung unter Verschluss zu halten. Die klamaukigen Gags allein glitzern nämlich nicht unbedingt...

Margot Robbie und Ryan Gosling im Film „Barbie“
Margot Robbie und Ryan Gosling im Film „Barbie“ - © Warner Bros.

Darum geht es im „Barbie“-Film

Barbie (Margot Robbie) lebt mit unzähligen weiteren Barbies (Issa Rae, Dua Lipa, Hari Nef...) sowie Ken (Ryan Gosling) und jeder Menge weiterer Kens (Kingsley Ben-Adir, Nctuti Gatwa...) plus Alan (Michael Cera) im pinken Barbieland, in dem man glaubt, durch den positiven Einfluss der inspirierenden Puppe Feminismus in der realen Welt durchgespielt zu haben.

Eines Tages kommen der stereotypen blonden Barbie jedoch finstere Gedanken, die sich auch auf ihre perfekte Erscheinung auswirken. So begibt sie sich zur kaputtgespielten Barbie (Kate McKinnon), die hier die Campbell'sche Rolle der Mentorin auf der Heldinnenreise übernimmt und gleichzeitig Galadriel und Mädchen-Merlin ist. Von ihr erfährt Barbie, dass sich ein Riss zur Realität aufgetan hat, durch den sie reisen muss, um das Mädchen zu finden, das mit ihr spielt, um zu erfahren, warum sie so traurig ist.

Mit Ken im Gepäck macht sie sich auf die Reise und staunt nicht schlecht über unsere patriarachale Welt voller Brauntöne und Sandalen. Als sie das Mädchen Sasha (Ariana Greenblatt) ausfindig macht, muss sie außerdem feststellen, dass Barbie mittlerweile keinen guten Ruf mehr genießt, da sie Girls größtenteils unrealistische Schönheitsvorstellungen vorgibt, wie der unvernünftig-woke dargestellte Teenager im Film über die verfilmte Marke schimpft. Viel weiter geht die Kritik am Produkt dann aber auch kaum.

Wie sich allerdings herausstellt, waren es die finsteren Gedanken von Sashas Mutter Gloria (America Ferrera), die Barbies existentielle Krise ausgelöst haben. Die arbeitet für Mattel, bei denen der Chef („LEGO-Film“-Veteran Will Ferrell) zur Jagd auf die ausgebüxte Puppe bläst. Ken nimmt unterdessen Notiz von der männerdominierten Welt und bringt diesen Chauvinismus zurück nach Barbieland, das er nach realem Vorbild Bro-tastisch umgestaltet...

Margot Robbie und Kate McKinnon in „Barbie“
Margot Robbie und Kate McKinnon in „Barbie“ - © Warner Bros.

Life in plastic, it's... okay

Als feministisch und progressiv eingestellter Mensch bringt „Barbie“ einen in dieselbe unangenehme Situation, in der sich manche Zuschauer:innen von besser gemeinten als gemachten Filmen und Serien wiederfinden. Eine Situation, in der man komplett bei den Grundgedanken und der Politik eines Werks ist, dem man vehement zustimmen möchte, während man etwas peinlich berührt von der wenig eleganten On-the-nose-Art des Ganzen zurückbleibt.

Barbie“ hat erstaunlich Schlaues zu sagen über die unmögliche Erwartungshaltung gegenüber Frauen, self-image und die Rolle, die das Mattel-Produkt bei dem Ganzen spielt. Der Film vertraut seinem Publikum aber nicht genug, um diese Thesen nicht in einem fünfminütigen Monolog vor dem Showdown als regelrechten Vortrag einzuschieben. Ganz abgesehen davon, dass sich das Vorgetragene selbst für ein Mainstreampublikum meilenweit hinter dem Stand des Diskurses herhinkend anfühlen müsste. Vielleicht erwarten wir aber auch zu viel.

Man spürt richtig, wie Greta Gerwig und Noah Baumbach damit haderten, einen intelligenten, selbstkritischen „Barbie“-Film zu Papier zu bringen. Wie sie immer wieder augenzwinkernde, feministische Metakritik in die High-concept-Prämisse einbauten, um nicht nur oberflächlichen 90er-Jahre-Spice-Girls-Feminismus im klassischen Barbie-Sinne zu machen oder damit zur selbstironischen Reklame zu werden. Funktioniert das nur so halb oder ist das schon Dialektik?

Dabei zeichnen sie die rebellierenden Kens als Red-Pill-Bros, die im Barbieland allerdings wirklich eine marginalisierte Gruppe darstellen, wodurch man Mens-Rights-Aktivisten fast schon versehentlich legitimiert. Charaktere und Plot-Fäden lösen sich irgendwann für ein sentimentales dénouement mit Heimvideoaufnahmen von echten Frauen und Mädchen in Wohlgefallen auf. Und das alles, um am Ende eine realistischere Markensandalen-Barbie zu präsentieren, die Zellulitis und Brauntöne akzeptiert. Was übrigens nicht heißen soll, die Abwesenheit eindeutiger Plotmechaniken sei eine Schwäche. Im Gegenteil: Dass Barbieland keinen realistischen Regeln unterliegt, wie zum Beispiel die ähnlich aufgesetzte TV-Welt in WandaVision, ist eine Stärke des Films.

Was Erwartungen angeht, sollte man sich allerdings weniger auf ein humoristisches „Mulholland Drive“ und mehr auf einen ausgedehnten „Saturday-Night-Live“-Sketch mit Message gefasst machen.

Margot Robbie und eine ganze Reihe von Kens in „Barbie“
Margot Robbie und eine ganze Reihe von Kens in „Barbie“ - © Warner Bros.

Girls just wanna have fun?

Aber gut, vielleicht zerdenken wir das auch alles. „Barbie“ will natürlich auch unterhalten und im surrealen Pink und Glitzer seiner unwirklichen Welt schwelgen, während es ein paar Jokes, Musiknummern und hochkarätige Cameo-Auftritte gibt. Und während der Look des Films zweifellos inspiriert ist und den verspielten, für viele nostalgischen Geist des Spielzeugs wie vorher schon der „LEGO-Film“ einzufangen weiß, landen die Jokes zu sporadisch und die Musikeinlagen sind alles andere als mitreißend. Der Rest ist eine Menge Geschreie und Klamauk der Marke überdrehte Supermarktwerbung, bei der Kund:innen zu funky Musik in Gang acht tanzen.

Komplett von der Gesamtkritik befreien möchte man Margot Robbie als Barbie, die nicht nur perfekt gecastet ist, sondern eine überraschend emotionale und vor allem körperliche und amüsante Performance als berüchtigte Puppenikone abliefert. Lasst Euch von niemandem erzählen, Gosling würde ihr die Schau stehlen!

Eine besondere Erwähnung gilt dann noch Helen Mirren, die als Erzählerin den vermeintlich besten Witz im ganzen Film hat, wenn Barbie sich plötzlich unattraktiv fühlt und sie den Filmemacher:innen aus dem Off nahelegt, dass diese Szene mit Robbie in der Rolle schwer zu verkaufen ist.

Margot Robbie in „Barbie“
Margot Robbie in „Barbie“ - © Warner Bros.

Fazit

Ach, Barbie. Wir wollten deinen Film so viel mehr mögen, als wir es am Ende konnten. Deinem unbestreitbaren Stil, den verschwenderischen Cameos und der cleveren High-concept-Prämisse stehen aber eine oft zu offensichtliche und manchmal verwirrt vorgetragene Message gegenüber, die mit nur vereinzelt zündenden Gags und mittelmäßigen Musiknummern aufgelockert wird. Momente der Brillanz gibt es zwischendurch immer wieder, auch dank des perfekten Castings von Margot Robbie. Diese wurden aber von Trailern leider vorweggenommen, die mehr Hype als das finale Gesamtprodukt verdienten...

Drei von fünf genitallose Homunkuli gibt es von uns. Vielleicht waren der echte Kinoschatz die Barbenheimer-Memes, die wir auf dem Weg gemacht haben...

Barbie Trailer

Barbie Schauspieler

America Ferrare

als Gloria

Kate McKinnon

als 'Always in the Splits' Barbie

Rhea Perlman

als Ruth

Hari Nef

als Doctor Barbie

Emma Mackey

als Nobel Prize Winning Physicist Barbie

Alexandra Shipp

als Celebrated Author Barbie

Michael Cera

als Allan

Simu Liu

als Ken

Sharon Rooney

als Lawyer Barbie

Kingsley Ben-Adir

als Ken

Ariana Greenblatt

als Sasha

Scott Evans

als Ken

Jamie Demetriou

als Mattel Executive

Nicola Coughlan

als Diplomat Barbie

Emerald Fennell

als Midge

Ana Kayne

als Supreme Court Justice Barbie

Ritu Arya

als Pulitzer Winning Barbie

Marisa Abela

Hannah Khalique-Brown

Patrick Luwis

als Frat Guy 2

McKenna Roberts

als Girl #1

Luke Mullen

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