Star Trek: Lower Decks 4x06

Star Trek: Lower Decks 4x06

In der Folge „Parth Ferengi's Heart Place“ der US-Serie „Star Trek: Lower Decks“ besucht die Cerritos die Heimatwelt der Ferengi. Captain Freeman stehen diplomatische Verhandlungen mit dem Großen Nagus bevor, während Boimler, Mariner, Tendi und Rutherford Ferenginar besuchen.

Eugene Cordero und Noel Wells in „Star Trek: Lower Decks“
Eugene Cordero und Noel Wells in „Star Trek: Lower Decks“
© Paramount+

Parth Ferengi's Heart Place

Zwei Wochen nachdem wir in Something Borrowed, Something Green Eindrücke von Tendis (Noel Wells) Heimatwelt erhalten durften, geht es nach Ferenginar. Denn der Große Nagus Rom (Max Grodenchik spricht die Rolle, die er in Star Trek: Deep Space Nine bereits verkörperte) möchte der Föderation beitreten. Captain Freeman (Dawnn Lewis) soll Admiral Vassery (Fred Tatasciore) bei der Vertragsunterzeichnung helfen, aber Rom und Leeta (Chase Masterson spricht ebenfalls ihre Rolle aus Star Trek: Deep Space Nine) wollen vorher noch „über ein paar Zahlen reden“. Während Freeman den Braten riecht, lässt sich Vassery auf die Verhandlungen ein, die anstrengender als gedacht werden.

Mit der Cerritos im Orbit von Ferenginar, beauftragt Ransom (Jerry O'Connell) unsere (kürzlich beförderten) Lower Decks Mariner (Tawny Newsome), Boimler (Jack Quaid), Rutherford (Eugene Cordero) und Tendi mit Spezialmissionen. Denn der Sternenflotten-Führer für die Heimatwelt der Ferengi soll aktualisiert werden, womit unsere Hauptfiguren zahlreiche kulturelle Einrichtungen (hauptsächlich Bars) besuchen und bewerten sollen. Rutherford und Tendi sollen sich sogar als verheiratetes Pärchen ausgeben, um unter diesem Blickwinkel Erfahrungen zu sammeln (offenbar existieren auf der Cerritos keine Ehepaare).

Für unsere Hauptfiguren ergeben sich damit drei Handlungen. Eine um Rutherford und Tendi, die deutlich im Fokus der Folge stehen und schnell merken, wie unwohl sie sich doch in den vorgegaukelten Rollen fühlen. Eine um Boimler, der sein Hotelzimmer noch sehr gewissenhaft inspiziert, aber schließlich am Fernseher kleben bleibt, statt seiner „Mission“ nachzugehen. Und eine um Mariner, deren rebellische Natur erneut hervorkommt - und nicht erst, als sie auf Quimp (Tom Kelly) trifft, den wir aus Envoys (1x02) und We'll Always Have Tom Paris (2x03) bereits kennen.

Im Vordergrund steht diese Woche aber stets die Kultur der Ferengis, die in allen Handlungssträngen zur Geltung kommt und natürlich mit zahlreichen Referenzen einhergeht. Die Erwerbsregeln sind nur ein kleines Beispiel von dem, worauf eingegangen wird und je nachdem, wie viel man als Zuschauer wiedererkennt, vergrößert sich auch der Spaßfaktor an dieser Folge. Charakterlich gibt es derweil sicherlich auch ein paar Fortschritte, aber leider nicht überall. Denn bei einer Figur würde ich sogar von einem großen Rückschritt sprechen, der zu diesem Zeitpunkt der Staffel keinen Sinn ergibt.

Dumbmiral

Wenn man ein Admiral der Sternenflotte ist, sollte man es eigentlich besser wissen. Vassery bekleckert sich jedenfalls nicht gerade mit Ruhm, wenn er sich von Leeta und Rom um den Finger wickeln lässt und jede Warnung von Freeman ignoriert, nicht weiter auf Verhandlungen einzugehen. Okay, Rom scheint mehr an Baseball zu liegen als an Verhandlungen, die hauptsächlich Leeta führt. Aber dass es sich dabei um einen Trick handeln könnte, der Ferenginar Vorteile am Föderationstisch bescheren soll, kommt unserem dummen Admiral nicht einmal in den Sinn, während Freeman von Beginn an den vollen Durchblick hat und letztlich auch durch ein geschicktes Manöver den Tag retten darf.

Sind uns „Badmirals“ bereits bekannt und „Dumbmirals“ vielleicht seltener präsent - wobei beide Gruppen sich nicht ausschließen - frage ich mich bei Vassery, wie er überhaupt diesen hohen Rang erreichen konnte, geschweige denn, für diese Vertragsunterzeichnung auserwählt wurde. Er hat offenbar keine Ahnung von den Ferengis und ignoriert jede Warnung von Freeman, die diese Woche wieder glänzen und aufzeigen darf, dass die Rolle der Cerritos innerhalb der Sternenflotte deutlich unterschätzt wird (auch wenn am Ruf vielleicht etwas dran ist).

Max Grodenchik und Chase Masterson in „Star Trek: Lower Decks“
Max Grodenchik und Chase Masterson in „Star Trek: Lower Decks“ - © Paramount+

Kurz und knapp hat mir die Gastrolle vom blöden Admiral nicht gefallen, auch wenn die vielleicht nötig (und teilweise witzig) war, um Freeman zur Heldin des Tages zu machen. Der Kniff, mit dem sie Rom und Leeta schließlich dazu bringt, den ursprünglichen Vertrag zu unterzeichnen, ist jedenfalls allein Freemans Idee gewesen und zeigt auf, dass sie durchaus einen guten Captain abgibt, der die Denkweise ihres Gegenübers versteht. Unterm Strich auch ein toller Twist, der uns hier präsentiert wird, schließlich wollten Rom und Leeta, dass die Kultur der Ferengis anerkannt wird, ehe sie der Föderation beitreten und diesen Respekt erhalten sie durch Freemans (vorläufigen) Vertrag, bei dem sie das Kleingedruckte übersehen.

Abseits vom „Dumbmiral“ also unterm Strich ein guter Handlungsstrang, der hoffentlich den Wert von Freeman und der Crew der Cerritos innerhalb der Sternenflotte steigert. Man stelle sich nur einmal vor, wie diese Vertragsunterzeichnung ohne die Anwesenheit von Freeman ausgegangen wäre...

Mysteriöses Schiff

Diese Woche wird ein Ferengi-Schiff zerstört, wobei wir zunächst wie gewohnt ein paar Lower Decks sehen, deren Ambitionen auf Profit durch Waffenschmuggel ausgelegt sind. Dass das mysteriöse Schiff an Aufmerksamkeit gewonnen hat, wird ebenfalls deutlich, denn der Beitritt von Ferenginar zur Föderation wird auch darauf zurückgeführt. Mit nur noch vier Folgen für die vierte Staffel in Aussicht, wird die Rolle dieses kuriosen Gegners allmählich größer und nimmt mehr Einfluss auf die Abenteuer der Cerritos. In meinen Augen eine gute Geschwindigkeit, mit der die Macher hier vorgehen.

Aber das ist noch nicht alles, denn angeblich gab es an Bord des Ferengi-Schiffs einen Maulwurf, der mit dem mysteriösen Schiff in Kontakt stand. Das Ergebnis zeugt aber davon, dass dieser Kontakt nicht allzu groß gewesen sein kann, denn sonst wäre das Ferengi-Schiff sicherlich nicht zerstört worden. Außerdem greift das Schiff an, ohne dass es provoziert wurde, womit ich meine Theorie von vor zwei Wochen mal zu den Akten lege und jetzt von einer eindeutigen Bedrohung für alle ausgehe.

Boimler

Die kleinste Nebenhandlung dieser Woche hat vermutlich die meisten „Easter Eggs“ zu bieten - und zwar nicht nur im herkömmlichen Sinn und mit Blick auf Profit, wie ihn die Ferengis zelebrieren, sondern auch mit Blick auf die allgemeine Fernseh-Kultur mit Werbung, Sitcoms, und so weiter. Mir hat es zwar weniger gefallen, dass Boimler sich dem hingibt und am Ende als eine Art Junkie dargestellt wird - passt bei ihm nicht wirklich. Aber die Inhalte, denen er verfällt und deren „Dummheit“ oder auch Intention ihm bewusst sind, sind natürlich amüsant zu betrachten.

Jack Quaid in „Star Trek: Lower Decks“
Jack Quaid in „Star Trek: Lower Decks“ - © Paramount+

Kleines Highlight hier ist sicher das Paramount-Logo, welches wir hinter Boimler erblicken, als er die Werbung in einer der Serien als Gedankenkontrolle bezeichnet und welches kurz darauf auch aufblitzt. Werbung oder gar Gedankenkontrolle für den Konsumenten, der ein bestimmtes Produkt kaufen soll? Haha, ja, dass war damals zu meiner Kindheit schon so offensichtlich, dass es lächerlich war - und doch trotzdem irgendwie für zahlreiche Produkte funktioniert hat. Hut ab jedenfalls für Paramount beziehungsweise die Macher, denn das war einer der besten Gags der Folge.

Mariner

Wenn wir Mariner und ihre Handlung diese Woche betrachten, gibt es sicher vieles, worüber sich lachen lässt. Mit Quimp erhält sie sogar einen Begleiter für dieses kleine Abenteuer und Quimp ist sehr willkommen. Warum? Weil er Mariners Verhalten in Frage stellt und sie darauf aufmerksam macht, dass sie keinen Grund dafür hat. Eine Offenbarung, die ihr durch Ransom bereits in I Have No Bones Yet I Must Flee verklickert wurde und die sie nun scheinbar vergessen hat. Warum auch immer.

Mariners Entwicklung ergibt diese Woche jedenfalls keinen Sinn, denn das ist ein Rückschritt für diese Figur und somit auch der größte Kritikpunkt, den ich diese Woche habe. Denn bereits zu Beginn, wenn Ransom die Missionen verteilt, wird deutlich, dass sie mit ihrem neuen Dienstgrad unzufrieden ist, obwohl ihr Vorgesetzter sie unterstützt und sehen möchte, dass sie Fortschritte erzielt. Eine Unterstützung, die sie früher vermutlich nicht erhalten hat. Oder soll uns Mariner jetzt einfach dahingehend belehren, dass sie - unabhängig vom Vorgesetzten - schon immer ein Problemkind war? Das würde diese Figur unsympathischer denn je machen und kann nicht das Ziel sein.

Tawny Newsome und Tom Kelly in „Star Trek: Lower Decks“
Tawny Newsome und Tom Kelly in „Star Trek: Lower Decks“ - © Paramount+

Dieser Handlungsbogen hat für mich kaum funktioniert, weil Mariners rebellisches Verhalten bereits abgehandelt wurde und somit nicht wieder an die Oberfläche kommen sollte. Sie sollte die Unterstützung von Ransom genießen und vielleicht auch mit Quimp ein wenig um der alten Zeiten willen sinnieren, aber nicht im Vollrausch und kampfeslustig unterwegs sein. Das passt hier nicht mehr rein und fühlt sich einfach falsch an, auch wenn Quimp am Ende zu ihr durchdringen kann.

Rutherford und Tendi

Jetzt aber zu dem Teil der Episode, der mir am meisten Spaß gemacht hat. Rutherford und Tendi als Pärchen ist vermutlich etwas, worauf viele bereits gewartet haben und zu Beginn der Folge, wenn beide dicht an dicht arbeiten und ihre Sätze gegenseitig ergänzen, wird noch einmal aufgezeigt, wie gut sie zusammenpassen. Die kleine Spezialmission scheint auch zunächst kein Problem darzustellen, selbst wenn beide sich etwas unbeholfen benehmen und sich mit dem neuen Beziehungsstatus angenehm schwertun.

Noell Wells und Eugene Cordero in „Star Trek: Lower Decks“
Noell Wells und Eugene Cordero in „Star Trek: Lower Decks“ - © Paramount+

Erwartungstechnisch liegt es nahe anzunehmen, dass die beiden im Folgenverlauf nun tatsächlich zu einem Paar werden und aus der Scharade mehr entsteht als die rein platonische, freundschaftliche Beziehung, die die beiden bis dato geführt haben. Und wäre es in der vierten Staffel nicht langsam auch Zeit für diesen Schritt? Dahingehend wirkt die weitere Entwicklung vielleicht ein wenig enttäuschend, weil sowohl Tendi als auch Rutherford viel zu schüchtern sind, wenn ihre „Aufgabe“ plötzlich Intimitäten erfordert. Andererseits tragen beide Figuren damit eine Unschuld mit sich, die sie vielleicht noch etwas länger erhalten und nicht durch eine Mission forciert verlieren sollten. Ich habe mich jedenfalls gefragt, ob mir die Episode besser gefallen hätte, wenn die beiden zusammengekommen wären, und komme zu dem Schluss, dass mir der gezeigte Weg doch besser gefallen hat. Zumal diverse peinliche Momente zwischen den beiden stets amüsant zu betrachten waren, ohne auf Fremdschämen zu setzen.

Wenn beide am Ende dann wieder dicht an dicht in eine Jeffries-Röhre krabbeln und jegliche sexuelle Spannung wieder verschwunden ist, fühlt sich das auch richtig an. Ich shippe die beiden zwar nach wie vor und gebe zu, durch diese Folge erneut geködert worden zu sein. Aber der Punkt ist einfach, dass ich mir für die beiden wünsche, abseits von äußeren Umständen zusammenzufinden. Von daher bin ich mit dem vorläufigen Ergebnis glücklich. Und ihr?

An dieser Stelle vielleicht noch ein paar Worte zu Ferenginar. Die Profit-orientierte Lebensart, die uns in allen Handlungen aufgezeigt wurde, war köstlich zu betrachten. Es wurde viel Wert daraufgelegt, uns diesen Planeten und seine Einwohner näherzubringen, ohne den Bogen zu sehr zu überspannen. Ich frage mich zwar, was es mit den vielen Sternenflotten-Uniformen auf sich hat, die uns im Folgenverlauf begegnen, aber ansonsten war der Besuch von Ferenginar ähnlich gut inszeniert wie der Besuch von Orion vor zwei Wochen - herzhaftes Lachen an bestimmten Stellen inklusive.

Szenenfoto aus der Folge „Parth Ferengi%26#039,s Heart Place“ der US-Serie „Star Trek: Lower Decks“
Szenenfoto aus der Folge „Parth Ferengi%26#039,s Heart Place“ der US-Serie „Star Trek: Lower Decks“ - © Paramount+

Fazit

Grundsätzlich eine gute Episode, die uns die Welt und Kultur der Ferengi näherbringt, ordentlich referenziert und vor allem Spaß macht. Charakterlich sieht es leider anders aus, wenn eine Gastfigur der Admiralität sich als Trottel erweist, Mariner einen Rückschritt erleidet oder Boimler zum Serienjunkie mutiert. Rutherford und Tendi retten die Folge für mich ein wenig, wenngleich sich auch dieser Handlungsstrang diskutieren lässt. Von mir gibt es diese Woche drei von fünf Sternen. Und von Euch?

Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 8. Oktober 2023
Episode
Staffel 4, Episode 6
(Star Trek: Lower Decks 4x06)
Deutscher Titel der Episode
Parth Ferengis Lieblingsort
Titel der Episode im Original
Parth Ferengi's Heart Place
Länge der Episode im Original
26 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 5. Oktober 2023 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 5. Oktober 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Donnerstag, 5. Oktober 2023
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 5. Oktober 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Donnerstag, 5. Oktober 2023

Schauspieler in der Episode Star Trek: Lower Decks 4x06

Darsteller
Rolle
Tawny Newsome
Jack Quaid
Eugene Cordero
Dawnn Lewis
Gillian Vigman
Jerry O'Connell
Fred Tatasciore

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