Star Trek: Lower Decks 4x01

© Paramount+
Twovix
Mit Twovix gibt es natürlich ein Abenteuer, welches sich hauptsächlich mit diversen Geschehnissen an Bord der USS Voyager in der Serie Star Trek: Voyager auseinandersetzt. Augenzwinkern garantiert, denn ebenso natürlich ist es, dass Star Trek: Lower Decks zahlreiche Referenzen auf Episoden wie Tuvix oder auch Learning Curve (mit einem bestimmten Käse) liefert, aber daraus ein ganz eigenes Abenteuer strickt. Und zwar wieder einmal wunderbar auf unsere Charaktere abgestimmt, die ihren Rollen in zwei Handlungssträngen nachgehen, wobei es durch T'Lyn (Gabrielle Ruiz) Verstärkung gibt. „Lower Decks, Lower Decks, Lower Decks!“
Die Cerritos wurde dafür ausgewählt, die Voyager zur Erde zu überführen, wo sie ausgestellt werden soll. Selbstverständlich wird dazu die Musik gespielt, die wir vom Intro der Serie kennen. Der Leiter der ganzen Geschichte, der die Voyager zur Ausstellung vorbereitet hat, sorgt sich um sein „Artefakt“ und alle Gegenstände an Bord, während ein bestimmtes Blütenblatt das eigentliche Abenteuer erst startet. Denn beim Transport zurück zur Cerritos werden Dr. T'Ana (Gillian Vigman) und Billups (Paul Scheer) miteinander verschmolzen (wie damals Tuvok (Tim Russ) und Neelix (Ethan Phillips)). „T'Illups“ ist aber nicht gewillt, seine Existenz aufzugeben und glaubt Captain Freeman (Dawnn Lewis) nicht, wenn sie versichert, keineswegs dem (bekannten) Weg von Captain Janeway (Kate Mulgrew) zu folgen, sondern eine andere Lösung für dieses Problem zu finden. Stattdessen geht „T'Illups“ zum Gegenangriff über und verschmelzt mehrere Crewmitglieder der Cerritos miteinander, um eine eigene kleine Armee aufzustellen. Natürlich ist es an unseren Lower Decks und neuem Team Tendi (Noel Wells) und T'Lyn, einen Ausweg zu finden, während die hochrangigen Crewmitglieder eines nach dem anderen miteinander verschmolzen werden.

Der zweite Handlungsstrang spielt auf der Voyager, wo es nicht bei einer Unachtsamkeit bleibt. Ein Makrovirus, eine verbliebene Borg-Nanite und mehr sorgen dafür, dass auch Boimler (Jack Quaid), Rutherford (Eugene Cordero) und Mariner (Tawny Newsome) alle Hände voll zu tun haben. Ihnen gegenüber stehen Dr. Chaotica (aus Bride of Chaotica! und Shattered), der Clown (aus The Thaw) und Michael Sullivan (aus Fair Haven und Spirit Folk). Alles Hologramme, aber der liebe Kurator hat dafür gesorgt, dass sich überall an Bord Holo-Emitter befinden - wobei die Sicherheitsprotokolle auf „Zufall“ gestellt werden. Obendrein nimmt die Voyager später noch Kurs auf einen Borgwürfel und es ist an Boimler und Rutherford, den Tag zu retten.
It's Voyager, shit got freaky
Dieser Staffelauftakt steht und fällt natürlich mit den Kenntnissen aus Star Trek: Voyager, die hier in zahlreicher Form referenziert und teilweise auf die Spitze getrieben werden. Selbst unsereins, der jede Episode mindestens einmal gesehen hat, konnte sich nicht mehr an alles erinnern, was diese Woche thematisiert wurde. Aber das ist an sich auch nicht schlimm, denn was bei Star Trek: Lower Decks zählt, ist der Spaßfaktor an sich und wie unsere Hauptfiguren sich schlagen. Mich hat es jedenfalls sehr gefreut, dass zum Staffelauftakt die Abenteuer der Voyager im Fokus standen und die Macher der Lower Decks ordentlich daraus geschöpft haben, um uns diese Folge zu präsentieren. Zuweilen vielleicht etwas käsig (im wahrsten Sinne des Wortes), aber das passt schon, denn ich habe mitunter Tränen gelacht und das passiert doch eher selten. Ich hätte jedenfalls große Lust auf ein Crossover beider Serien, ähnlich wie wir es kürzlich bei Star Trek: Strange New Worlds gesehen haben.
Apropos Crossover, welches auch kurz zu Beginn der Folge von Mariner und Boimler angesprochen wird. Es ist natürlich schade, dass wir hier nicht mehr in dieser Richtung bekommen, obwohl es sich mitunter angeboten hätte. Denn die alte Crew der Voyager hier zumindest und vereinzelt noch einmal (stimmlich) auftreten zu lassen, hätte das i-Tüpfelchen bedeutet. Und wäre es nicht logisch gewesen, wenn ein paar der alten Crewmitglieder oder gar Admiral Janeway die Überführung überwacht hätten?
Aber gut, die Autoren stecken schon so viele vergangene Abenteuer der Voyager in diese Folge, dass es an ein Wunder grenzt, überhaupt noch eine größtenteils konsistente Handlung beziehungsweise zwei davon zu erhalten. Wenn ich einen Kritikpunkte habe, dann höchstens, dass ich gerne noch mehr von den getuvixten (ja, das ist jetzt ein Verb) Figuren gesehen hätte. Ist das jetzt eigentlich eine eigene Spezies, die zwingend zusammenhalten muss? Ich meine, warum folgen alle „T'Illups“ und stellen seine Motive nicht in Frage? Gerade der Mix aus Captain Freeman und Dr. Migleemo (Paul F. Tompkins) hätte hier ein bisschen Kritik an „T'Illups“ üben können, weil Freeman eine andere Lösung finden wollte und Migleemo zuvor als Geisel genommen wurde.

T'Illups, Tuvix und ein zwanzig Jahre altes Problem
Ich betrachte Captain Janeway zwar nicht als Mörderin, aber diese Beschreibung ist trotzdem korrekt, wenn es um Tuvix geht. Da muss ich auch ein kleines Lob an Shaxs (Fred Tatasciore) aussprechen, der anmerkt, dass die Cerritos nicht wie die Voyager im Delta-Quadranten unterwegs ist. Die Frage ist schlicht, ob es nicht möglich ist, diese neue Spezies zu erhalten und trotzdem irgendwie Dr. T'Ana und Billups als Individuen wiederherzustellen. Mit der Transporter-Technologie sollte es da Möglichkeiten geben, wenn ihr mich fragt.
Twovix stellt sich sehr bewusst dieser Frage und stellt die in den Vordergrund. Tendi und T'Lyn diskutieren offen darüber und haben unterschiedliche Ansichten, die beide nachvollziehbar sind und nebenbei die Figuren stärken. Und ich wäre tatsächlich gespannt darauf gewesen, eine Lösung für „T'Illups“ zu erhalten, die alle zufriedenstellt. Aber hier geht die Folge leider einen Weg, der diese Frage und die „bessere“ Lösung offenlässt. Denn zum einen ist mit „T'Illups“ nicht gut Kirschen essen - die gesamte Spezies wird hier zum bösen Gegenspieler - und zum anderen sorgt T'Lyns recht geniale Lösung für einen gigantischen, zusammengemixten Blob aus allen getuvixten Figuren, womit nur die Trennung als einzige Lösung übrigbleibt. Ich weiß, wir haben hier eine animierte Serie vor uns, die hauptsächlich Spaß bereiten soll und nicht dafür bekannt ist, moralische und ethische Fragen zu beantworten, die uns beschäftigen. Aber wäre es nicht genial, wenn Star Trek: Lower Decks diesen Schritt gegangen wäre?
Tendi und T'Lyn
Tendi und T'Lyn können unterschiedlicher kaum sein, was uns auch zu Beginn der Folge präsentiert wird. Wir erinnern uns auch kurz, dass T'Lyn in der letzten Staffel zur Cerritos quasi strafversetzt wurde und eigentlich zurück zu den Vulkaniern möchte. Und jetzt muss sie mit der stets offenen und sehr begeisterungsintensiven Tendi zusammenarbeiten, die selbst an den kleinsten Kleinigkeiten wie dem Beschriften von Teströhrchen Spaß hat. Können die beiden als Team überhaupt funktionieren?
Anfangs sieht es nicht so aus, aber irgendwie schaffen es die Macher trotzdem, hier einen Spagat zu machen und T'Lyn ins Team der Lower Decks einzuführen. Wer könnte auch schon Tendi widerstehen? Jedenfalls kommen diese beiden unterschiedlichen Figuren bei der Lösungsfindung zusammen und T'Lyn erkennt, dass es durchaus Vorzüge hat, jemanden wie Tendi an der Seite zu haben, die zwar immer wieder über-emotional aktiv ist, aber eben auch wissenschaftlich begeistert ist - diese Kombination führt dazu, dass beide am Ende das große Problem lösen können und sich gegenseitig respektieren. Hut ab dafür, denn genau solche Figurenentwicklungen machen Star Trek: Lower Decks zu dem, woran man sich neben dem ganzen anderen Spaß erfreuen kann.

An Bord der Voyager
Was das wöchentliche Abenteuer an Bord der Voyager angeht, wird es relativ eng für unsere Lower Decks. Rutherford, Boimler und Mariner sind zwar zusammen unterwegs, aber die Ereignisse überschlagen sich derart schnell, dass eine Lösung fast außer Reichweite erscheint. Und achso, Ransom (Jerry O'Connell) und Kayshon (Carl Tart) sind neben dem Kurator auch an Bord, aber nicht sonderlich wichtig. Denn wir haben hier eine Boimler-Mission vor uns und Brad reagiert im Staffelauftakt nicht wie gewohnt, was mehrere Gründe hat.
Fangen wir also mit Boimler an, der zu Beginn das Holodeck reinigen soll und von Ransom die Aussicht auf eine Beförderung erhält - sofern er nicht „historisch“ das neue Abenteuer vergeigt. Und Überraschung, der Cerritos steht nun ein historisches Abenteuer bevor. Da geht natürlich für Boims fast alles schief, was nur schiefgehen kann und eigentlich (wie wir im Verlauf der Folge erfahren) möchte er gar nicht befördert werden, weil ihm das an Bord der Titan nicht unbedingt geholfen hat, ganz zu schweigen vom späteren Austausch mit Mariner, nachdem er zur Cerritos zurückkam. Insofern ist es verständlich, wenn er einer Beförderung kritisch gegenübersteht. Was ich aber vermisst habe, ist Boimlers Begeisterung für die Voyager und die alten Recken, die jahrelang im Delta-Quadranten unterwegs waren. Hier hätte ich trotz allem, was in Boims vor sich geht, etwas mehr erwartet.
Aber kann ich eine Figur kritisieren, die am Ende der Held der Episode ist? Nein, natürlich nicht. Boimler ist derjenige, der allen Bedrohungen an Bord der Voyager entgeht, Rutherford befreit, Dr. Chaotica ablenkt und diesen Handlungsstrang zum Erfolg führt. Die (verbale) Unterstützung von Mariner, die nicht befreit werden möchte und Boims die nötige Zuversicht gibt? Großartig. Da können Ransom und Kayshon auch gerne an der Wand kleben bleiben, wenn Boimler seine „Mission Impossible“ durchführt.

Aber auch Rutherford soll gelobt werden, denn ohne ihn wäre Boims aufgeschmissen gewesen. Ich weiß zwar nicht, wie diese ganze Borg-Geschichte überhaupt stattfinden konnte (ein Würfel in Reichweite ist eigentlich nicht möglich, ganz zu schweigen von den anderen Serien wie Star Trek: Picard, die sich damit auseinandergesetzt haben), aber unter den gegebenen Umständen sind Rutherford und Boimler echte Helden, ähnlich wie Tendi und T'Lyn an Bord der Cerritos.
Beförderungen
Gegen Ende der Episode werden mehrere Figuren der Lower Decks befördert. Eigentlich alle mit Ausnahme von Rutherford. Und ja, nach diesem Abenteuer passt das auch sehr gut ins Bild. Ohne Mariners Motivationsrede an Boimler hätte er vielleicht auch nicht entsprechend den Tag gerettet, Rutherford befreit, etc. pp. Dennoch ist es schade, dass Rutherford dabei übergangen wird. Okay, er war hier nicht als Ingenieur aktiv und hat die Voyager mit Käse verklebt. Aber wie genial war diese Lösung? Entsprechend schade ist es, wenn Rutherford bei den zahlreichen Beförderungen übergangen wird, die sonst alle Lower Decks erhalten.
Aber nuja, der Staffelauftakt bestand aus zwei Folgen, insofern werden wir noch sehen, wie sich die Beförderungen auswirken und ob Rutherford auch noch eine erhält. Ja, ich habe die zweite Folge bereits gesehen, aber das Review dazu kommt vermutlich erst morgen. Ich bitte da um ein wenig Geduld. An dieser Stelle muss aber noch etwas anderes angesprochen werden und das sind die letzten Szenen dieser Episode.

Cliffhanger
Die letzten Szenen dieser Episode zeigen uns ein paar Klingonen, die wir aus wej Duj bereits kennen. Witzig wie immer, wird darüber diskutiert, ob ein Speer eine feige Waffe ist und wie sich die Rangordnung an Bord eines Bird of Prey aufstellt. Aber am Horizont zeichnet sich eine neue Bedrohung ab, die dieses Kriegsschiff einfach mal so vernichtet.
Ein gelungener Cliffhanger, der eine Vorschau auf den weiteren Staffelverlauf bringt. Denn mit sehr großer Sicherheit wird sich auch die Cerritos früher oder später dieser Bedrohung gegenübersehen. Mir gefällt allerdings weniger, dass gerade diese (bekannten) Figuren mal eben ausgelöscht werden. Da hätte sich auch ein unbekanntes Klingonenschiff für den Cliffhanger angeboten, oder? Naja, auf jeden Fall wird noch eine fast übermächtige Bedrohung präsentiert, auch wenn sie sich in Bezug auf diese Episode ein wenig deplatziert anfühlt.
Fazit
Dieser Staffelauftakt wird sicher jeden Voyager-Fan begeistern und versteht es trotz der zahlreichen Referenzen, ein ganz eigenes Abenteuer für unser Figuren zu stricken, die natürlich in beiden Handlungsstränden an vorderster Front stehen. Hut ab, ich hatte sehr viel Spaß und die Kritikpunkte da oben sind zwar präsent, aber sorgen wertungstechnisch nur für ein kleines Minus. Von mir gibt es jedenfalls viereinhalb von fünf Sternen. Und von Euch?
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 9. September 2023Star Trek: Lower Decks 4x01 Trailer
(Star Trek: Lower Decks 4x01)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Lower Decks 4x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?