American Horror Story 4x13

© (c) FX
Es ist das immer gleiche Lamento, das ich seit Mitte der vierten Staffel von American Horror Story anstimme: Hier fehlen die Ideen für übergreifende Handlungsbögen, hier gibt es keine konsistente Charakterzeichnung, hier passieren einfach nur Dinge, die sich die Autoren ausgedacht haben, für die sie aber keine hinreichenden Erklärungen finden. Das Resultat aus all diesem ist - schlicht und einfach: Langeweile.
I'm bored
Weil jede der Figuren (mit Ausnahme von Jessica Lange vielleicht) zu jedem Zeitpunkt sterben kann, weil sämtliche Charaktere der Willkür des Autorenteams unterworfen sind, kann sich kein Spannungsbogen aufbauen. Mir war über den gesamten Verlauf der Staffel völlig egal, wer wohl als Nächstes das Zeitliche segnen würde, denn es gab keinerlei Bindung zwischen den Figuren und ihrem Publikum. Man könnte hier nun unendlich viele Analogien zur Freakshow als Auslaufmodell anführen. Da ich das aber in vergangenen Reviews schon ausführlich gemacht habe, verzichte ich an dieser Stelle darauf.
In Curtain Call kulminieren nun sämtliche Unzulänglichkeiten, die sich während der Staffel angesammelt haben. Weil Dandy (Finn Wittrock) von seinen neuen Untergebenen nicht genug wertgeschätzt wird, beschließt er kurzerhand, sich wieder seiner ursprünglichen Berufung als Massenmörder zu widmen und sämtliche Freaks im Lager einfach zu erschießen. Wir sollen davon wohl geschockt sein oder vielleicht sogar traurig darüber, dass nun beinahe alle Nebenfiguren einfach kaltblütig exekutiert werden. Ich war jedenfalls keins von beiden.
Neben dem zuvor verfehlten Aufbau einer emotionalen Bindung zu den Charakteren macht diese Szene aber auch deutlich, wie fantasielos die Autorenschaft hier zu Werke geht. Ihre einzige Idee am Ende der Staffel war es offensichtlich, ihre Figuren einfach gnadenlos abknallen zu lassen. Doch die völlige Wahllosigkeit macht da noch nicht halt, schließlich muss Dandy noch sein gebührendes Schicksal bekommen.
Den Überlebenden des Massakers - Jimmy (Evan Peters), Desiree (Angela Bassett), Bette und Dot (Sarah Paulson) - gelingt es also, Dandy zu überlisten. Genüsslich schauen sie ihm beim Todeskampf zu. Endlich bekommen sie ihre Rache. Und später sogar ein Happy End: Jimmy heiratet Bette und Dot, gemeinsam erwarten sie ein Kind. Desiree heiratet Theo Huxtable - wohl der einzige Grund, warum Malcolm-Jamal Warner in die Geschichte geschrieben wurde.
Während all dieser Verwicklungen entscheidet sich das Autorenteam dazu, uns zu erklären, wie Jimmy in Dandys Haus gelangt ist, als wäre das angesichts der unzähligen plot holes dieser Staffel wichtig - oder würde irgendjemanden interessieren. Für diese unnütze Information verzichten die Autoren dann später auf eine Erklärung, wie zur Hölle die unbegabte Elsa Mars (Lange) zum Star in Hollywood aufgestiegen ist.
The thrill is gone
Nach einem Zeitsprung ins Jahr 1960 müssen wir einfach akzeptieren, dass Elsa trotz mangelnden Talents eigenhändig den Fernsehabend am Freitag gerettet hat. Offensichtlich, weil sie in der Lobby des Networks den stellvertretenden Castingdirektor (David Burtka) kennengelernt und der sich irgendwie in sie verliebt hat. Trotz ihres enormen Erfolgs hat sie aber immer noch nicht erreicht, was sie sich schon immer so sehnlichst gewünscht hat - geliebt zu werden.
In dem Moment kommt Danny Huston vorbei und erklärt ihr, dass er nur noch wenige Wochen zu leben habe. Wir sollen davon wohl emotional berührt sein, was leider unmöglich ist, weil wir Hustons Figur bisher nur ungefähr zehn Minuten gesehen haben. Somit ist also auch Elsas letzte Chance auf Glück vergeben. Nun weiß sie, was zu tun ist: ein Auftritt an Halloween. Wie bestellt taucht denn auch Edward Mordrake (Wes Bentley) im Gespann mit Twisty, dem Clown (John Carroll Lynch), auf. Im Gepäck haben sie jedoch eine für Elsa zunächst ernüchternde Botschaft: „Your place is not with us.“ („Dein Platz ist nicht bei uns.“)
Ihr Platz ist vielmehr in einer Art Traumwelt, in der sie alles bekommt, was sie sich jemals gewünscht hat. Ruhm, Ehre und vor allem: Liebe. Die American Horror Story lacht uns Zuschauern hier ein letztes Mal ins Gesicht: „Haha, ihr Trottel habt bis jetzt geglaubt, Elsa Mars sei der Bösewicht unserer Geschichte. Aber nein, seht her, sie ist die Heldin!“ Danke dafür. Und danke auch dafür, dass die Vorteile einer Anthologie in den letzten dreieinhalb Monaten vorzüglich vorgeführt wurden. Wenn ich nie wieder zur „Freak Show“ - der bisher schlechtesten Staffel der Serie - zurückkehre, ist das früh genug.
Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 22. Januar 2015(American Horror Story 4x13)
Schauspieler in der Episode American Horror Story 4x13
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?