American Horror Story 4x12

American Horror Story 4x12

Eigentlich ist schon lange klar, dass diese Staffel von American Horror Story keine packende Geschichte mehr erzählen wird. Kurz vor dem Ende offenbart sich jedoch, dass die Autoren daran keinerlei Interesse haben. Der Bodycount in Show Stoppers ist hoch, alles andere langweilig.

Desiree Dupree (Angela Bassett) für die Gruppe der rachedurstigen Freaks an. / (c) FX
Desiree Dupree (Angela Bassett) für die Gruppe der rachedurstigen Freaks an. / (c) FX
© (c) FX

Vielleicht hat sich Ryan Murphy mit seinen vielen neuen und alten Projekten ja ein bisschen übernommen. Betrachtet man die vierte Staffel von American Horror Story, so kann zumindest schnell der Eindruck entstehen, als habe er die kreative Verantwortung für dieses Projekt längst abgegeben. Schon in „Coven“ fehlten die nachvollziehbaren Handlungsbögen, in „Freak Show“ sind sie nun vollends verloren gegangen.

I don't forgive

Es scheint sich niemand wirklich darüber Gedanken gemacht zu haben, wo man mit seiner Geschichte hin will. Es gibt keine Identifikationsfiguren, es gibt keine Charaktere, die eine Entwicklung durchmachen. Hier herrscht ein wilder Kampf aller gegen alle, Allianzen werden gebildet, nur um kurze Zeit später wieder aufgekündigt zu werden. Es gibt keinen echten Zusammenhalt zwischen den Freaks. Sobald einer seine Nützlichkeit verloren hat, wird er massakriert.

Ich betrachte hier in jeder Episode übelste Morde, blutrünstigste Racheaktionen, bin aber von keinem einzigen emotional berührt. Warum sollte ich mitfiebern, wenn Richard aka Stanley (Denis O'Hare) von den Freaks gejagt und anschließend zum neuen Meep umoperiert wird? Er ist einer der übelsten Figuren dieser Geschichte, Mitleid kann ich für sein Schicksal nur schwerlich aufbringen. Da können die Autoren auch noch so viele Referenzen an den Horrorfilmklassiker „Freaks“ von Tod Browning aus dem Jahre 1932 einbauen.

Auch der Tod von Maggie (Emma Roberts) kommt aus heiterem Himmel und ohne Vorwarnung. Chester (Neil Patrick Harris), eine Figur, die ich erst seit letzter Episode kenne und schon abgrundtief verachte, sägt sie einfach in der Mitte durch. Die anderen Freaks entdecken das - und tun nichts. Desiree (Angela Bassett) lässt sich auf ihrem nicht enden wollenden Rachetrip lediglich zu der Aussage hinreißen, dass Maggie genau diesen Tod verdient habe. Wie furchtbar gefühllos all diese Charaktere porträtiert werden!

Neben der fehlenden Emotionalität folgt die Charakterzeichnung auch keinem vorgegebenen, nachvollziehbaren Pfad, sondern ändert sich immer so, wie es das Drehbuch gerade braucht. Stanley wurde über die gesamte Staffel hinweg auf ziemlich unrealistische Weise als meisterhafter Manipulator porträtiert, als ihn Elsa (Jessica Lange) aber mit ihren Erkenntnissen und dem eingelegten Kopf der Museumsdirektorin konfrontiert, scheint er diese Fähigkeit plötzlich verloren zu haben. Er setzt sein Wissen über Elsas Mord an Ethel (Kathy Bates) erst dann ein, als es schon zu spät ist.

Now we're even

Den übrigen Freaks fällt nachfolgend erst mehrere Stunden (oder gar Tage?) später ein, dass Stanley mit seinen Anschuldigungen Recht gehabt haben könnte. In urplötzlich entdeckter Einigkeit (wieder: weil das Drehbuch es so will/braucht) verschwören sie sich gegen ihre Chefin, woraufhin die mit Dandys (Finn Wittrock) Geld nach Kalifornien abhauen kann, weil sie rechtzeitig von Bette und Dot (Sarah Paulson) gewarnt wurde. Dandy ist nun neuer Besitzer der Freakshow, nachdem sich auch Chester wieder auf möglichst bequeme Weise aus der Handlung verabschiedet hat. Welche dramaturgische Berechtigung hatte Harris' Auftritt - abgesehen von seinem berühmten Namen? Spoiler: Keine.

Allzu viele solcher Überlegungen dürften sich die Autoren dieser vierten Staffel aber ohnehin nicht gemacht haben. Hier gilt offensichtlich viel eher die Devise, dass ein Handlungsbogen nur dann gut sein kann, wenn an seinem Ende möglichst viel Blut fließt. Geschockt hat mich das Ganze aber seit Beginn der Staffel nicht mehr. Zu schnell war klar, dass hier kein Konzept dahintersteckt. Garniert wurde das alles dann leider auch allzu oft mit solch miserablen Dialogen wie dem folgenden des haarsträubend zufällig in die Handlung zurückgekehrten Prothesenbauers Massimo (Danny Huston): „Unlike Pinocchio, I have no humanity left in me, so I cannot love.“ („Ich bin nicht wie Pinocchio. Ich habe keine Menschlichkeit mehr in mir, also kann ich nicht lieben.“)

Die gesamte Staffel ist bisher lediglich aufgrund der guten schauspielerischen Leistungen und der sehenswerten visuellen Umsetzung noch nicht in die Lächerlichkeit abgedriftet. Auf der Zielgeraden gehen den Machern nun aber die Argumente aus. Warum sollte man in der nächsten Woche noch zuschauen? Gibt es irgendeinen Erzählbogen, der auf ein spannendes Ende zusteuert? Falls ja, muss dieser an mir vorbeigegangen sein.

Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 15. Januar 2015
Episode
Staffel 4, Episode 12
(American Horror Story 4x12)
Deutscher Titel der Episode
Der Publikumshit
Titel der Episode im Original
Show Stoppers
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 14. Januar 2015 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 25. Februar 2015
Autor
Jessica Sharzer
Regisseur
Loni Peristere

Schauspieler in der Episode American Horror Story 4x12

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