American Horror Story 4x11

American Horror Story 4x11

Nach der Winterpause kehrt American Horror Story mit Magical Thinking zurück. Unterm Weihnachtsbaum lag im letzten Jahr ein ganz besonderes Geschenk: Neil Patrick Harris. Leider kann auch seine Präsenz nichts an der Ziellosigkeit dieser Staffel ändern.

Chester (Neil Patrick Harris) zeigt den Freaks sein Chamäleon. / (c) FX
Chester (Neil Patrick Harris) zeigt den Freaks sein Chamäleon. / (c) FX
© (c) FX

Was haben wir in der vierten Staffel von American Horror Story nicht schon alles gesehen? Es gab einen durchgeknallten Mörderclown, einen noch durchgeknallteren Großerben, eine Frau mit zwei Köpfen, Freaks, die gejagt und in riesigen Einmachgläsern eingelegt wurden, äußerste Brutalität und komische Kausalität. Was es bisher nicht gab, ist ein übergreifender Handlungsbogen, der mehr als nur ein vages Interesse an den Figuren wecken könnte.

Chester the molester

Daran ändert auch die Einführung von Neil Patrick Harris als posttraumatisch gestörter Weltkriegsveteran und Puppenenthusiast nichts. Er stellt sich als fahrender Handelsmann Chester vor, der dem Publikum der Freakshow seine Reptilien verkaufen will. Seine wahre Leidenschaft liegt aber in der Zauberei. Elsa Mars (Jessica Lange) zeigt sich zunächst unbeeindruckt, dank seines Charmes gelingt es Chester aber, eine Anstellung als Buchhalter und Publikumseinheizer zu ergattern.

Über seiner Vergangenheit liegen dunkle Schatten. Die Erlebnisse des Krieges haben ihn überschnappen lassen. Als er verletzt aus Europa zurückkehrte, musste er zudem feststellen, dass seine Ehefrau eine lesbische Liebesbeziehung eingegangen ist. Mit den beiden Frauen soll er fortan unter einem Dach leben. Sie laden ihn sogar zu ihren Sexspielen ein, er will jedoch lieber Zeit mit seiner Puppe Margerie verbringen. Die entwickelt mit der Zeit ein Eigenleben, was Jamie Brewer Gelegenheit für einen erneuten Auftritt in der amerikanischen Horrorgeschichte gibt.

In Bette und Dot (Sarah Paulson), die mittlerweile ihren Frieden mit einer Existenz als Freaks gemacht haben, erkennt Chester seine Ehefrau und die Geliebte. Zunächst versucht er, sich den Avancen der überspitzen Zwillinge zu erwehren, schließlich schaffen sie es jedoch, ihn zu ihrer Deflorierung zu verführen. Hernach bekommt er jedoch den Befehl seines Overlords Margerie, den Zwilling zu durchsägen. So haben sich Bette und Dot ihre Teilung wohl eher nicht vorgestellt.

Dell (Michael Chiklis) muss indes mit Schrecken feststellen, dass seinem Sohn Jimmy (Evan Peters) die Hände amputiert wurden. Der ehemalige Lobsterjunge ist das jüngste Opfer des angeblichen Hollywoodagenten Stanley (Denis O'Hare), dem es ein ums andere Mal gelingt, andere für seine niederen Machenschaften einzuspannen. Wie sich aber Jimmy dazu überreden lassen konnte, seine Hände aufzugeben, um eine vage Überlebenschance zu wahren, bleibt mir ein Rätsel.

You have given me a place, a purpose, a family

Die von den Autoren gezeichneten Umstände sind hier längst nicht ausreichend, um eine solche Motivation zu erklären. Jimmy ist im Gefängnis bisher keinerlei körperliche Gewalt angetan worden. Nur ob des drohenden Beispiels seines Freundes Meep lässt er sich von Stanley dazu überreden, seine Hände zu opfern. Woher nimmt er überhaupt das Vertrauen für Stanley? Weil er der einzige ist, der sich für ihn interessiert? Das ist für die Entscheidung, fortan ohne Hände durchs Leben laufen zu müssen, schlicht zu wenig.

So schließt sich der Kreis wieder zur Kritik an der gesamten Staffel. Hier wird ein Varietéstück ans nächste gereiht, es gibt dazwischen keine bedeutenden Zusammenhänge. Gleiches gilt für den Tod von Dell am Ende der Episode. Maggie (Emma Roberts) zeigt Elsa zuvor die in Formaldehyd eingelegte Leiche von Ma Petite, woraufhin die Chefin und Desiree (Angela Bassett) den starken Mann zum Geständnis zwingen. Sobald Elsa hört, dass er Ma Petite umgebracht hat, jagt sie ihm eine Kugel in den Kopf.

War ich darüber auch nur eine Sekunde traurig? Nein. Schockiert? Auch nicht. Bin ich überrascht darüber, dass Dandy (Finn Wittrock) nun plötzlich seine Mordlust abgelegt zu haben scheint? Ein bisschen, vielleicht. Aber nicht wirklich. Denn hier passieren Dinge einfach. Wir bekommen dafür keine stringenten Erklärungen.

Wessen Geschichte soll uns nun noch interessieren? Seit der Vorblende in Orphans wissen wir bereits, dass Elsa Mars ein Star werden wird. Jimmy wurde immerhin aus der Haft befreit, läuft aber fortan als Gesuchter und ohne Hände durchs Leben. Außer Desiree und Maggie, die beide kaum noch vorkommen, bleiben nur noch Chester und seine Puppe, die soeben erst für die letzten drei Episoden eingeführt wurden. Auch da sind also keine emotionalen Wirbelstürme zu erwarten. Echter Horror hat sich sowieso schon vor längerer Zeit aus der Serie verabschiedet. Viel bleibt nicht mehr übrig.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 12. Januar 2015
Episode
Staffel 4, Episode 11
(American Horror Story 4x11)
Deutscher Titel der Episode
Abrakadabra
Titel der Episode im Original
Magical Thinking
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 7. Januar 2015 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 18. Februar 2015
Autor
Jennifer Salt
Regisseur
Michael Goi

Schauspieler in der Episode American Horror Story 4x11

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